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(1.1.2019) 04
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PRIMARSTUFEN AUSBILDUNG

Nr. 4/94 - Seite 9

wenig Raum gibt. Die Veran­stalter des Kolloquiums begrüß­ten deshalb mit besonderer Freude Frau Prof. Dr. Hansel von der Universität Bielefeld, der sie zahlreiche Anregungen zur Einführung des IEP verdan­ken.

Als weitere Beförderer des IEP an der Universität Potsdam sei­en stellvertretend für viele an­dere Herr Prof. Dr. Bayer, Uni­versität Potsdam, Herr Tho- mann, Vertreter des Ministeri­ums für Wissenschaft, For­schung und Kultur, Frau Rosin und Frau Schulz vom Schulamt Potsdam und last but not least die Schulleiterinnen und Lehre­rinnen der Hospitationsschulen genannt. Ohne ihre Sorge um den pädagogischen Nachwuchs wäre ein Integriertes Eingangs­semester 1993/94 nicht zustan­degekommen. Trotz der derzeit schwierigen Personalsituation in den Grundschulen der Stadt übernahmen engagierte Lehre­rinnen die Mentorentätigkeit (ohne entsprechende Abminde­rungsstunden).

Ausschlaggebend für ihre Be­reitschaft war die Überzeugung, daß zukünftige Lehrerinnen nicht erst in der Referendariats­phase mit dem Schulalltag kon­frontiert werden können. Schon gar nicht, wenn sich gegenwär­tig in den Schulen intensiv Pro­zesse einer Neuorientierung und Öffnung vollziehen. Die noch bessere Verknüpfung von Theorie und Praxis in einer mo­dernen Lehrerbildung war auch

der Leitgedanke in der Eröff­nungsrede der Dekanin. Frau Prof. Kirsch betonte, daß eine neue strukturelle und organisa­torische Balance von fachli­chem und professionsorientier­tem Wissenserwerb im Lehr­amtsstudium vom 1. Semester an nötig sei und die Universität Potsdam hierfür ein Modell ge­schaffen habe. Das Integrierte Eingangsemester werde den Zielen und Komponenten die­ses Modells in besonderer Wei­se gerecht, konzentriere es doch die Studierenden vom 1. Studi­entag an theoriegeleitet und professionsorientiert auf ihre zukünftige Rolle in der Schule. Daß die Mühen des Anfangs nicht vergeblich waren, wenn auch noch viele Wünsche offen geblieben sind und das Gesamt­konzept einer weiteren theoreti­schen Durchdringung und Er­gänzung bedarf, spiegelte sich in den Beiträgen der Studenten wider. Ausgehend von ihren Beobachtungen in der Schule setzten sich die Studenten durchaus kritisch mit

- dem Schulreformgesetz in Brandenburg und seiner Um­setzung an der Hospitations­schule,

- den Auswirkungen einer ver­änderten Lebenswelt auf das Verhalten der Grundschul­kinder und den

- Anforderungen an den Beruf des Grundschullehrers aus­einander.

Inwieweit sich im Verlauf des IEP bei den Studentinnen Ent­

wicklungsprozesse im Hinblick auf Theoriebewußtsein und Be­rufsmotivation vollzogen ha­ben, faßte Frau Prof. Dr. Drews (Verantwortliche für das IEP) aus ihrer Wahrnehmung wäh­rend der theoretischen Semina­re zusammen und konstatierte: - durch die Konfrontation mit aktueller gesellschaftlicher Kritik an der Schule, die Dis­kussion reformpädagogi­schen Ideengutes im Ver­gleich zur eigenen biographi-

Anforderungen an die Profes­sion des Lehrers habe keines­wegs zu einer Entmutigung der Studenten geführt, son­dern eine Intensivierung des Berufswunsches bewirkt und neue motivationale Impulse für das weitere Studium aus­gelöst,

- besonders deutlich sei das Verständnis für das Kind und die Bezogenheit unterrichtli- cher Überlegungen auf das Kind hin befördert worden.

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Auch Studenten traten mit Beiträgen während des Kolloqui­ums auf.

sehen Wahrnehmung von Schule und den Erfahrungen aus den Hospitationen seien Nachdenklichkeit, das Abwä­gen verschiedener theoreti­scher Ansätze und die kriti­sche Reflexion über das, was Grundschule heute kann und soll, befördert worden, das reale Erleben der hohen

Die ermutigenden Ergebnisse des ersten Integrierten Ein­gangssemesters bedenkend, regte Frau Prof. Drews dazu an zu prüfen, ob vergleichbare Wege auch für andere Lehräm­ter beschritten werden sollten.

Dr. Renate Heusinger Bereich Primarstufe

In welchem Maße kann geistiges Altern kompensiert werden?

Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt

Altem und berufliche Eig­nung -, unter diesem Motto stand die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt, Professor für Differentielle- und Persönlichkeitspsycholo­gie. In seinem Wiener Institut untersuchte er u. a. über einen längeren Zeitraum eine Gruppe von Führungskräften, die über 50 Jahre alt waren. Ziel der Un­tersuchung war es zu ergrün­den, wie es gelingt, Ängste

bzgl. der zunehmenden Bela­stungen und Konkurrenz zu kompensieren. Ist es wirklich schon mit 50 Zeit,Platz zu ma­chen für jüngere Arbeitnehmer und Pensionist zu werden? Ungelernte Frauen um die 30 gelten z. B. heute in der Elektro­industrie oder Textilbranche schon als zu alt. Sie werden nur noch sehr ungern eingestellt. Wird die Gesellschaft ältere Menschen in Zukunft weniger

brauchen als bisher? Bedenken wir die Entwicklung der Alters­pyramide, dann müssen wir feststellen, daß es mehr ältere und weniger junge Menschen geben wird.

Wie die Bevölkerungspyramide der Bundesrepublik Deutsch­land zeigt, nimmt die Anzahl der Geburten ab und die Zahl der älteren Menschen immer mehr zu. In Zahlen ausgedrückt, sieht das so aus: 1950 waren

14 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt, 1970: 19 %, 1984: 20 %. Im Jahre 2030 ist mit ca. 38 % über 65 Jahren zu rech­nen. Im Jahre 1984 waren über 11 Millionen Bundesbürger über 60 Jahre alt.

Zum Vergleich: 1910 hatte ein neugeborener Junge eine Le­benserwartung von 44 Jahren, 1984 von 70 Jahren. Auch die

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