PRIMARSTUFEN AUSBILDUNG
Nr. 4/94 - Seite 9
wenig Raum gibt. Die Veranstalter des Kolloquiums begrüßten deshalb mit besonderer Freude Frau Prof. Dr. Hansel von der Universität Bielefeld, der sie zahlreiche Anregungen zur Einführung des IEP verdanken.
Als weitere Beförderer des IEP an der Universität Potsdam seien stellvertretend für viele andere Herr Prof. Dr. Bayer, Universität Potsdam, Herr Tho- mann, Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Rosin und Frau Schulz vom Schulamt Potsdam und last but not least die Schulleiterinnen und Lehrerinnen der Hospitationsschulen genannt. Ohne ihre Sorge um den pädagogischen Nachwuchs wäre ein Integriertes Eingangssemester 1993/94 nicht zustandegekommen. Trotz der derzeit schwierigen Personalsituation in den Grundschulen der Stadt übernahmen engagierte Lehrerinnen die Mentorentätigkeit (ohne entsprechende Abminderungsstunden).
Ausschlaggebend für ihre Bereitschaft war die Überzeugung, daß zukünftige Lehrerinnen nicht erst in der Referendariatsphase mit dem Schulalltag konfrontiert werden können. Schon gar nicht, wenn sich gegenwärtig in den Schulen intensiv Prozesse einer Neuorientierung und Öffnung vollziehen. Die noch bessere Verknüpfung von Theorie und Praxis in einer modernen Lehrerbildung war auch
der Leitgedanke in der Eröffnungsrede der Dekanin. Frau Prof. Kirsch betonte, daß eine neue strukturelle und organisatorische Balance von fachlichem und professionsorientiertem Wissenserwerb im Lehramtsstudium vom 1. Semester an nötig sei und die Universität Potsdam hierfür ein Modell geschaffen habe. Das Integrierte Eingangsemester werde den Zielen und Komponenten dieses Modells in besonderer Weise gerecht, konzentriere es doch die Studierenden vom 1. Studientag an theoriegeleitet und professionsorientiert auf ihre zukünftige Rolle in der Schule. Daß die Mühen des Anfangs nicht vergeblich waren, wenn auch noch viele Wünsche offen geblieben sind und das Gesamtkonzept einer weiteren theoretischen Durchdringung und Ergänzung bedarf, spiegelte sich in den Beiträgen der Studenten wider. Ausgehend von ihren Beobachtungen in der Schule setzten sich die Studenten durchaus kritisch mit
- dem Schulreformgesetz in Brandenburg und seiner Umsetzung an der Hospitationsschule,
- den Auswirkungen einer veränderten Lebenswelt auf das Verhalten der Grundschulkinder und den
- Anforderungen an den Beruf des Grundschullehrers auseinander.
Inwieweit sich im Verlauf des IEP bei den Studentinnen Ent
wicklungsprozesse im Hinblick auf Theoriebewußtsein und Berufsmotivation vollzogen haben, faßte Frau Prof. Dr. Drews (Verantwortliche für das IEP) aus ihrer Wahrnehmung während der theoretischen Seminare zusammen und konstatierte: - durch die Konfrontation mit aktueller gesellschaftlicher Kritik an der Schule, die Diskussion reformpädagogischen Ideengutes im Vergleich zur eigenen biographi-
Anforderungen an die Profession des Lehrers habe keineswegs zu einer Entmutigung der Studenten geführt, sondern eine Intensivierung des Berufswunsches bewirkt und neue motivationale Impulse für das weitere Studium ausgelöst,
- besonders deutlich sei das Verständnis für das Kind und die Bezogenheit unterrichtli- cher Überlegungen auf das Kind hin befördert worden.
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Auch Studenten traten mit Beiträgen während des Kolloquiums auf.
sehen Wahrnehmung von Schule und den Erfahrungen aus den Hospitationen seien Nachdenklichkeit, das Abwägen verschiedener theoretischer Ansätze und die kritische Reflexion über das, was Grundschule heute kann und soll, befördert worden, das reale Erleben der hohen
Die ermutigenden Ergebnisse des ersten Integrierten Eingangssemesters bedenkend, regte Frau Prof. Drews dazu an zu prüfen, ob vergleichbare Wege auch für andere Lehrämter beschritten werden sollten.
Dr. Renate Heusinger Bereich Primarstufe
In welchem Maße kann geistiges Altern kompensiert werden?
Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt
„Altem und berufliche Eignung“ -, unter diesem Motto stand die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt, Professor für Differentielle- und Persönlichkeitspsychologie. In seinem Wiener Institut untersuchte er u. a. über einen längeren Zeitraum eine Gruppe von Führungskräften, die über 50 Jahre alt waren. Ziel der Untersuchung war es zu ergründen, wie es gelingt, Ängste
bzgl. der zunehmenden Belastungen und Konkurrenz zu kompensieren. Ist es wirklich schon mit 50 Zeit, „Platz zu machen“ für jüngere Arbeitnehmer und Pensionist zu werden? Ungelernte Frauen um die 30 gelten z. B. heute in der Elektroindustrie oder Textilbranche schon als zu alt. Sie werden nur noch sehr ungern eingestellt. Wird die Gesellschaft ältere Menschen in Zukunft weniger
brauchen als bisher? Bedenken wir die Entwicklung der Alterspyramide, dann müssen wir feststellen, daß es mehr ältere und weniger junge Menschen geben wird.
Wie die Bevölkerungspyramide der Bundesrepublik Deutschland zeigt, nimmt die Anzahl der Geburten ab und die Zahl der älteren Menschen immer mehr zu. In Zahlen ausgedrückt, sieht das so aus: 1950 waren
14 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt, 1970: 19 %, 1984: 20 %. Im Jahre 2030 ist mit ca. 38 % über 65 Jahren zu rechnen. Im Jahre 1984 waren über 11 Millionen Bundesbürger über 60 Jahre alt.
Zum Vergleich: 1910 hatte ein neugeborener Junge eine Lebenserwartung von 44 Jahren, 1984 von 70 Jahren. Auch die
Fortsetzung auf Seite 10