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VORLESUNG
1950 1961 1970 1984 2000 2030
Si 66 -85 Jahre
B65 und mehr M gesamt über 65
% 20
Lebenserwartung
70
60
50
40
Jahre _ 30
20
10
0
1910 1984
Fortsetzung von Seite 9
Lebenserwartungen heute älterer Menschen haben sich verbessert. Dieses ist u. a. auch der Entwicklung der Medizin und medizinischen Therapien zuzuschreiben. Alter und Altem sind keine Krankheiten. Das natürliche Altem ist nicht behandlungsbedürftig, wenn dieser Naturprozeß harmonisch verläuft. Der alternde Mensch ist aber in mehrfacher Hinsicht krankheitsanfällig.
Ältere Menschen gelten oft als weniger leistungsfähig, insbesondere als weniger intelligent. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die dies zu belegen scheinen und das sogenannte Defizitmodell stützen. Doch hier müssen einige methodische und inhaltliche Probleme hinterfragt werden:
1. ) Diese meist älteren Untersuchungen bauen auf der Querschnittsmethode auf. Querschnittsuntersuchungen „verdecken“ aber z. B. die unterschiedlichen Bildungschancen in den Generationen;
2. ) bei einem Vergleich bzgl. der Intelligenz muß man die Multidimensionalität und Polystruktur der Intelligenz und Persönlichkeitsbereiche berücksichtigen;
3.) interindividuelle Unterschiede des Altems müssen stärker berücksichtigt werden. Längsschnitt- und Sequenzstudien, die methodisch besser geeignet sind, diese komplexen Phänomene abzubilden, relativieren die oben genannten Feststellungen erheblich.
So können Pensionisten im Alter von 60 bis 80 Jahren in Untersuchungen von BALTES & SMITH 1990 ihre intellektuellen Fähigkeiten durchaus stabil halten, teilweise sogar steigern, wenn sie die Aufgabe trainieren konnten.
Es stellt sich die Frage: In welchen intellektuellen Bereichen sind Steigemngen möglich bzw. natürliche Abbauprozesse des Altems kompensierbar? Untersuchungen, die auf dem Lem- testmodell aufbauten (Prätest - Training - Posttest), zeigten, daß ältere Menschen in solchen Bereichen wie Kurzzeitgedächtnis für Zahlen, Begriffe und Handlungen durchaus lernfähig sind. Es müssen jedoch Transferprozesse eingeräumt werden. Trainingskurse für Pensionisten sind immer dann sinnvoll, wenn spezielle handlungsrelevante Bereiche trainiert werden. Vor überhöhten Erwartungen an das sogenannte
„Gehimjogging“ soll jedoch gewarnt werden. Auch darf die Ir- ritierbarkeit bei Einlernanforderungen nicht unterschätzt werden. Fest steht aber, daß ältere Menschen in der Lage sind, ihre Leistungen mit zunehmender Übung erheblich und stabil zu verbessern.
Innerhalb der Gruppe der älteren Personen gibt es wahrscheinlich größere Leistungsunterschiede als zwischen der Gruppe der Jungen und Alten. Aufgaben, zu deren Lösung die älteren Personen keine Erfahrungen bzw. Handlungsprogramme hatten, und Aufgaben, die ein hohes Tempo erforderten, bereiten jedoch einige Probleme.
Der Prozeß des Altems ist mit Verlust, aber auch mit Gewinn verbunden. So gesehen, kann dem Defizitmodell ein Kompensationsmodell des Altems gegenübergestellt werden.
Nach dem Kompensationsmodell werden auch die Qualitäten des älteren Menschen hervorgehoben, die vor allem mit dem Begriff Expertentum und Einsicht umschrieben werden. Zu den Gewinnen des Altems wird auch ein Mehr an Umsicht, Besonnenheit und Toleranz gezählt. Mit komplexen Problem
stellungen geht der ältere Mensch oft ökonomischer um. Verkehrspsychologen konnten z. B. zeigen, daß mit zunehmendem Lebensalter die Reaktionszeiten abnehmen, das Verkehrsverhalten - als soziales Fahrverhalten - jedoch keineswegs schlechter war als das der Jungen. Meist sind Ältere in der Lage, mit ihrer Lebenserfahrung Abbauprozesse zu kompensieren. Das branchenspezifische Engagement scheint oft höher zu sein als bei jungen Leuten.
Es leigt die Vermutung nahe, daß primär das „man made aging“, das durch ungünstige Arbeits- und Lebensbedingungen verursachte Altem, für alterskorrelierte Abbauprozesse verantwortlich zu machen ist. Wie die Leistungsfähigkeit per- sönlichkeitsfördemd bis ins hohe Alter entwickelt werden kann, welche Techniken bei wem am ehesten zur Kompensation des natürlichen Altersabbaus beitragen und wie psychische Gesundheit lebenslang gewahrt werden kann, dies und anderes mehr soll in den nächsten Jahren auch am Lehrstuhl Differentielle- und Persönlichkeitspsychologie erforscht werden. Dr. Martin Oelkers
Elektronische Netzdienste für alle Hochschulangehörigen
Im Resultat des Kooperationsvertrages zwischen den Universitäten Potsdam und Saarbrücken wird durch die Gruppe um das Modellprojekt WINGS (Wissensvermittlung und Informationstechnologien in den Geistes- und Sozialwissenschaften) ein neues Projekt initiiert: Elektronische Netzdienste für alle Hochschulangehörigen. Die Verbindung von Computern mit
einander zu einem weltweiten Informations- und Kommunikationssystem erfolgt mit Hilfe gemieteter Standleitungen. Diese neuen Informationsdienste sollte man sich rasch zu eigen machen, wenn man nicht freiwillig auf aktuelle und schnell verfügbare internationale Informationsressourcen sowie effektivere Arbeitsmethoden verzichten möchte. Für Studierende sind Einfüh-
rungs- und Informationsveranstaltungen geplant.
Alle Angehörigen der Hochschule können diese Dienste in gewissen Grenzen kostenfrei in Anspruch nehmen.
Überblick
über das Dienstespektrum
Die Basisdienste:
- elektronische Post (email),
Rundschreiben (mailserver),
- Dateitransfer (ftp),
- Verbindung zu entfernten Rechnern (telnet, rlogin), z. B. zu Bibliothekskatalogen,
sind an der Universität verfügbar. Nun geht es darum, den vollen Funktionsumfang der elektronischen Netzdienste anzubieten. Es handelt sich hierbei um:
1. elektronische Rundbriefe, Zeitschriften (listserver),