Heft 
(1.1.2019) 04
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INFORMATIK

Nr. 4/94 - Seite 11

2. thematisch sortierte Diskus­sionsgruppen (schwarze Bretter, news),

3. Echtzeitkonferenzen (irc),

4. Nutzung von weltweit ver­teilten Informationssystemen (Gopher, WAIS, WWW).

Weltweit

verteilte Informationssysteme

Auf den Informationsdiensten aufsetzend, findet man derzeit im Internet i. w. drei endnutzer­freundliche integrierte Werkzeu­ge auf Client-Server-Basis, näm­lich die Gopher, die WAIS-Ser- ver und WWW-Systeme. Alle drei sind noch keine drei Jahre alt. Da durch sie die umfang­reichsten Dienste einfach er­schlossen werden, sollen sie ganz knapp dargestellt werden. Wesentliche Funktion dieser Sy­steme ist das Auffinden, der Zu­gang zu, die Suche in und das Strukturieren und Verfügbarma­chen externer und interner elek­tronischer Ressourcen unabhän­gig vom Ort, an dem sie zur Ver­fügung stehen. Dies ist deshalb von erheblicher Bedeutung, da die Fülle der international ange­

botenen Informationsressourcen ohne sie nicht mehr zu durch­dringen wäre. Sie dienen damit als Werkzeuge des Information Ressources Managements im Netz der Hochschulen und For­schungseinrichtungen. Solche Metainformationssysteme sind Such- und Navigationshilfen im virtuellen Informationsraum, so­zusagenintellektuelle Krük- ken, die den inhaltlichen Zu­gang zu weltweit verteilten In­formationen erschließen und eher an den Informationsproble­men der Nutzer orientiert sind als an technischen Verfahren. Als Alternative zu Datenbankrecher­chen in kostenintensiven kom­merziellen Hosts haben sich lo­kale akademische Informations­sammlungen gemausert, deren

transparente weltweite Vernet­zung den Zugriff auf Tausende von Datensammlungen erlaubt. Gopher (von amerik.Erdhörn­chen bzw. Computerslang für in Dateien wühlen und sie her­beischaffen) ist ein 1991 an der Universität von Minnesota ent­wickeltes System, mit dem man Ressourcen als Menüpunkte multihierarchisch strukturieren kann. Gopher ist ein einfach zu erlernendes Werkzeug z. B. zum Aufbau eines universitären In­formationssystems sowie zur Zu­sammenstellung weltweiter Res­sourcen nach eigenem Ge­

schmack. Menüeinträge fast aller Gopher werden durch zentrale Index-Server regelmäßig abge­fragt, so daß die Gopher-Menü- punkte aller Gopher in einem Schritt durchsucht werden kön­nen (Veronica).

Mit WAIS (Wide Area Informa­tion System bzw. Index Server) können nahezu beliebige Textda­teien im Volltext indiziert und für andere suchbar gemacht wer­den. Auf eine Anfrage antwortet ein WAIS-Server mit einem Auswahlmenü der gefundenen Dokumente nach vermuteter ab­steigender Relevanz. WAIS, wiewohl ein unabhängiges Pro­gramm, wird häufig als Indexie­rungskomponente von Gopher eingesetzt und daher auch die Zwillingsschwester von Gopher genannt. WAIS und Gopher zu­sammen reichen schon aus, um eine öffentliche Datenbank zu betreiben oder einen Aufsatz elektronisch zu veröffentlichen. Oftmals werden Preprints und Forschungsberichte, Mailingli­sten und Bibliothekskataloge derart angeboten. Dadurch ver­schwimmen die Grenzen zwi­schen der Veröffentlichung und der Datenbank, dem Retrieval und der Informationsbereitstel­lung, mithin also die Grenze zwi­schen Verlagen, Bibliotheken, Hosts, Rechenzentren usw.

World Wide Web (WWW oder Triple W) ist ein bei CERN in der Schweiz entwickeltes verteil­tes Hypermediasystem mit eige­ner SGML-artiger Markup Lan- guage (html). Problematisch bei WWW ist derzeit noch der für die Multimedia-Unterstützung nötige technische Aufwand und Ressourcenverbrauch, aber auch der Bearbeitungsaufwand für Dokumente. Längerfristig wer­den jedoch die Gopher mit den WWWs verschmelzen.

Xmosaic ist ein Werkzeug unter der graphischen Oberfläche X, mit dem die vorgenannten drei Servertypen gemeinsam abge­fragt werden. Integriert sind z. B. auch der Zugriff auf ftp, manpa- ges, news usw. Dieses System stellt den state-of-the-art der komfortablen Nutzung elektroni­scher Informationsressourcen vom Rechnerarbeitsplatz am Schreibtisch aus dar.

Was macht das Gopher-Projekt?

Es ist erklärtes Ziel der Universi­tät Potsdam, ein universitäres In­formationssystem auf Gopher- Basis aufzubauen, wie es etwa 100 Hochschulen und For­schungseinrichtungen in der Bundesrepublik und etliche Tau­send weltweit schon betreiben. Von den Computerkabinetten und den Arbeitsplätzen der Wis­senschaftler aus soll dann die Abfrage möglich sein. Um das System zu füttern, werden ab so­fort öffentliche universitätsrele­vante Texte, Mitteilungen und Informationen aller universitären Einrichtungen und Gruppierun­gen erbeten, die bereits maschi­nenlesbar sind. Z. B. gehören hierzu: Veranstaltungskalender, kommentierte Vorlesungsver­zeichnisse, Skripte, Einladun­gen, Prüfungsordnungen, Rund­schreiben, Lehrstuhlbeschrei­bungen, studentische Aktivitä­ten, Selbstdarstellungen, Presse­mitteilungen etc. Anregungen, welchen Nutzen das System hat und was andere Hochschulen daraus gemacht haben, kann man sich durch den im Rechenzen­trum möglichen Aufruf des Go- phers holen.

Aufbau

einer Ressourcen-Beratung

Ein gesamtuniversitäres Infor- mations-Ressourcen-Manage- ment kann nicht dabei stehen­bleiben, nur die technischen Möglichkeiten durch ein Re­chenzentrum zur Verfügung zu stellen. Ganz wichtig ist, daß Nutzer zu den Möglichkeiten be­raten werden, die diese neuen Dienste für ihre tägliche Arbeit bieten, d. h. für die Bewältigung konkreter Probleme und daraus resultierend für die Deckung re­gelmäßiger Informationsbedarfe. Traditionsgemäß kompetent hierfür sind eher die Sozial- und Geisteswissenschaften sowie die Bibliotheken und Informations­einrichtungen. Es verwundert also nicht, daß gerade vom Mo­dellprojekt WINGS, das mit der Vermittlung effektiver Arbeits-

techniken mit dem Computer be­faßt ist, der Anstoß ausging, die Nutzung weltweiter Informati­onssysteme für die wissenschaft­liche Arbeit zu fördern. Mit der Universitätsbibliothek, die daran großes Interesse bekundete, wur­de eine strategische Zusammen­arbeit vereinbart. Ende Januar ist geplant, in den dann bezogenen Räumen feste Internet-Arbeits­plätze einzurichten. Dort ist auch der geeignete Ort, finden wir, da die Hilfe beim Umgang mit in­ternen und externen Informati­onsressourcen sowie die damit verbundene weiterführende Be­ratung der Fähigkeiten speziell mit demInternetworking ver­trauter Informationsspezialisten bedarf, die eher die inhaltliche Seite und die Probleme der Nut­zer verstehen.

Für weiterführende Informatio­nen stehen zur Verfügung: Alexander Siegel, Universität Saarbrücken, M. Michel, Univer­sität Potsdam, Tel.: 9 77 24 15

Alexander Siegel