INFORMATIK
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2. thematisch sortierte Diskussionsgruppen („schwarze Bretter“, news),
3. Echtzeitkonferenzen (irc),
4. Nutzung von weltweit verteilten Informationssystemen (Gopher, WAIS, WWW).
Weltweit
verteilte Informationssysteme
Auf den Informationsdiensten aufsetzend, findet man derzeit im Internet i. w. drei endnutzerfreundliche integrierte Werkzeuge auf Client-Server-Basis, nämlich die Gopher, die WAIS-Ser- ver und WWW-Systeme. Alle drei sind noch keine drei Jahre alt. Da durch sie die umfangreichsten Dienste einfach erschlossen werden, sollen sie ganz knapp dargestellt werden. Wesentliche Funktion dieser Systeme ist das Auffinden, der Zugang zu, die Suche in und das Strukturieren und Verfügbarmachen externer und interner elektronischer Ressourcen unabhängig vom Ort, an dem sie zur Verfügung stehen. Dies ist deshalb von erheblicher Bedeutung, da die Fülle der international ange
botenen Informationsressourcen ohne sie nicht mehr zu durchdringen wäre. Sie dienen damit als Werkzeuge des Information Ressources Managements im Netz der Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Solche Metainformationssysteme sind Such- und Navigationshilfen im virtuellen Informationsraum, sozusagen „intellektuelle Krük- ken“, die den inhaltlichen Zugang zu weltweit verteilten Informationen erschließen und eher an den Informationsproblemen der Nutzer orientiert sind als an technischen Verfahren. Als Alternative zu Datenbankrecherchen in kostenintensiven kommerziellen Hosts haben sich lokale akademische Informationssammlungen gemausert, deren
transparente weltweite Vernetzung den Zugriff auf Tausende von Datensammlungen erlaubt. Gopher (von amerik. „Erdhörnchen“ bzw. Computerslang für „in Dateien wühlen und sie herbeischaffen“) ist ein 1991 an der Universität von Minnesota entwickeltes System, mit dem man Ressourcen als Menüpunkte multihierarchisch strukturieren kann. Gopher ist ein einfach zu erlernendes Werkzeug z. B. zum Aufbau eines universitären Informationssystems sowie zur Zusammenstellung weltweiter Ressourcen nach eigenem Ge
schmack. Menüeinträge fast aller Gopher werden durch zentrale Index-Server regelmäßig abgefragt, so daß die Gopher-Menü- punkte aller Gopher in einem Schritt durchsucht werden können („Veronica“).
Mit WAIS (Wide Area Information System bzw. Index Server) können nahezu beliebige Textdateien im Volltext indiziert und für andere suchbar gemacht werden. Auf eine Anfrage antwortet ein WAIS-Server mit einem Auswahlmenü der gefundenen Dokumente nach vermuteter absteigender Relevanz. WAIS, wiewohl ein unabhängiges Programm, wird häufig als Indexierungskomponente von Gopher eingesetzt und daher auch die Zwillingsschwester von Gopher genannt. WAIS und Gopher zusammen reichen schon aus, um eine öffentliche Datenbank zu betreiben oder einen Aufsatz elektronisch zu veröffentlichen. Oftmals werden Preprints und Forschungsberichte, Mailinglisten und Bibliothekskataloge derart angeboten. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen der Veröffentlichung und der Datenbank, dem Retrieval und der Informationsbereitstellung, mithin also die Grenze zwischen Verlagen, Bibliotheken, Hosts, Rechenzentren usw.
World Wide Web (WWW oder Triple W) ist ein bei CERN in der Schweiz entwickeltes verteiltes Hypermediasystem mit eigener SGML-artiger Markup Lan- guage (html). Problematisch bei WWW ist derzeit noch der für die Multimedia-Unterstützung nötige technische Aufwand und Ressourcenverbrauch, aber auch der Bearbeitungsaufwand für Dokumente. Längerfristig werden jedoch die Gopher mit den WWWs verschmelzen.
Xmosaic ist ein Werkzeug unter der graphischen Oberfläche X, mit dem die vorgenannten drei Servertypen gemeinsam abgefragt werden. Integriert sind z. B. auch der Zugriff auf ftp, manpa- ges, news usw. Dieses System stellt den state-of-the-art der komfortablen Nutzung elektronischer Informationsressourcen vom Rechnerarbeitsplatz am Schreibtisch aus dar.
Was macht das Gopher-Projekt?
Es ist erklärtes Ziel der Universität Potsdam, ein universitäres Informationssystem auf Gopher- Basis aufzubauen, wie es etwa 100 Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik und etliche Tausend weltweit schon betreiben. Von den Computerkabinetten und den Arbeitsplätzen der Wissenschaftler aus soll dann die Abfrage möglich sein. Um das System zu füttern, werden ab sofort öffentliche universitätsrelevante Texte, Mitteilungen und Informationen aller universitären Einrichtungen und Gruppierungen erbeten, die bereits maschinenlesbar sind. Z. B. gehören hierzu: Veranstaltungskalender, kommentierte Vorlesungsverzeichnisse, Skripte, Einladungen, Prüfungsordnungen, Rundschreiben, Lehrstuhlbeschreibungen, studentische Aktivitäten, Selbstdarstellungen, Pressemitteilungen etc. Anregungen, welchen Nutzen das System hat und was andere Hochschulen daraus gemacht haben, kann man sich durch den im Rechenzentrum möglichen Aufruf des Go- phers holen.
Aufbau
einer Ressourcen-Beratung
Ein gesamtuniversitäres Infor- mations-Ressourcen-Manage- ment kann nicht dabei stehenbleiben, nur die technischen Möglichkeiten durch ein Rechenzentrum zur Verfügung zu stellen. Ganz wichtig ist, daß Nutzer zu den Möglichkeiten beraten werden, die diese neuen Dienste für ihre tägliche Arbeit bieten, d. h. für die Bewältigung konkreter Probleme und daraus resultierend für die Deckung regelmäßiger Informationsbedarfe. Traditionsgemäß kompetent hierfür sind eher die Sozial- und Geisteswissenschaften sowie die Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Es verwundert also nicht, daß gerade vom Modellprojekt WINGS, das mit der Vermittlung effektiver Arbeits-
techniken mit dem Computer befaßt ist, der Anstoß ausging, die Nutzung weltweiter Informationssysteme für die wissenschaftliche Arbeit zu fördern. Mit der Universitätsbibliothek, die daran großes Interesse bekundete, wurde eine strategische Zusammenarbeit vereinbart. Ende Januar ist geplant, in den dann bezogenen Räumen feste Internet-Arbeitsplätze einzurichten. Dort ist auch der geeignete Ort, finden wir, da die Hilfe beim Umgang mit internen und externen Informationsressourcen sowie die damit verbundene weiterführende Beratung der Fähigkeiten speziell mit dem „Internetworking“ vertrauter Informationsspezialisten bedarf, die eher die inhaltliche Seite und die Probleme der Nutzer verstehen.
Für weiterführende Informationen stehen zur Verfügung: Alexander Siegel, Universität Saarbrücken, M. Michel, Universität Potsdam, Tel.: 9 77 24 15
Alexander Siegel