MOSES MENDELSSOHN ZENTRUM
Nr. 4/94-Seite 13
Zwei Jahre Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien
und Wirken des Leiters des MMZ, Prof. Dr. Julius H. Schoeps, sowie der neun Mitstreiter großen Raum ein. Prof. Schoeps selbst war einer der wissenschaftlichen Leiter der Ausstellung „Jüdische Lebenswelten“ und erhielt im letzten Jahr eine Berufung als Gründungsrektor für das Jüdische Museum der Stadt Wien.
Deutsche“ fanden schnell ein interessiertes Publikum. Die letzte Aktivität war eingebettet in das Begleitprogramm zur Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“, die bis zum 10. 2. in Potsdam gezeigt wurde.
Viele Projekte wären nicht zu bewältigen ohne die wissenschaftliche, personelle und auch
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Zu den Gastlektoren des MMZ gehörte Prof. Eveline Good- man-Thau (Jerusalem). Hier mit Hanna Delf (re.) vom MMZ.
Im Januar waren es zwei Jahre, daß an der Universität Potsdam - relativ unspektakulär - ein An-Institut aus der Taufe gehoben wurde. Es trägt den Namen des großen jüdischen Aufklärers und Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786), der auch dem Brandenburgischen verbunden war. Das Zentrum für europäisch-jüdische Studien versteht sich als interdisziplinär arbeitende Wissenschaftseinrichtung. Seine Forschungen erfassen Fragen der europäischjüdischen Kultur- und Sozialgeschichte von ihren Anfängen über das Mittelalter, die Aufklärung und die Emanzipationsperiode, über den Holocaust bis in die Gegenwart.
Sehr schnell hat sich das Institut (MMZ), wovon auch der jetzt vorgelegte Forschungsbericht 1992/93 kündet, einen Namen gemacht. Derzeit existieren sechs Arbeitsgebiete mit vierundzwanzig Forschungsprojekten, die von Mitarbeitern des MMZ oder unter ihrer Leitung betrieben werden. Konferenzen und Symposien stießen auf große nationale und internationale Resonanz. Der Aufbau des Zentrums wurde von seiten des Staates Israel mit Sympathie und Unterstützung begleitet. Der seinerzeitige Botschafter Israels in Deutschland, Benjamin Navon, und der israelische Generalkonsul, Mordechay Lewy, waren mehrmals zu Gast und sprachen vor Mitarbeitern und Gästen unserer Universität. Mit dem Kongreß „Spinoza in der europäischen Geistesgeschichte“ wurde das Institut im Juni vorigen Jahres offiziell eröffnet. Vorausgegangen war im Januar 1993 ein Kongreß über Jüdinnen im 19. und 20. Jahrhundert. Letzterer gehörte zum Beiprogramm der weltweit beachteten Ausstellung „Jüdische Lebenswelt“ in Berlin. Öffentlichkeitsarbeit im breitesten Sinne nimmt im Denken
Von Anfang an haben sich die Institutsmitarbeiter in der Region Potsdam-Berlin eingebracht, um dem gerade in den neuen Ländern vorhandenen Interesse nach jüdischer Kultur und Geschichte nachzukommen. Im Jahre 1992 gab es den Versuch einer Bestandsaufnahme zum diesbezüglichen Kenntnis- und Dokumentationsstand im Land Brandenburg. Vortragsreihen und Einzelvorträge, gemeinsam veranstaltet mit der Potsdamer Volkshochschule und der URANIA, u. a. zu Hannah Arendt, Hans Jonas und der Problematik „Deutsche Juden - jüdische
verwaltungsmäßige Hilfe des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte in Duisburg. Im Rahmen der Partnerschaftshilfe von Nordrhein-Westfalen für Brandenburg bleibt diese produktive Verbindung auch in den nächsten Jahren erhalten. Vorrangiger Arbeitssektor sind gemeinsame Publikationen, darunter das Jahrbuch „Menora“ (1993 übrigens mit dem Schwerpunkt Brandenburg), die Reihe „Has- kala“ (Aufklärung) sowie das beiden Institutionen dienende Mitteilungsblatt „Dialog“. Wenige Einrichtungen sind
vom Forschungsgegenstand
und von der Ansiedlung damit befaßter Wissenschaftler, die oft zugleich Zeitzeugen der Geschichte dieses Jahrhunderts sind, so stark der Internationalität verhaftet wie das MMZ. Kontakte bzw. Kooperationsvereinbarungen existieren mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Israel, den USA und den EG-Staaten, was z. B. seinen Ausdruck in Gastvorlesungen und Forschungsaufenthalten
fand.
Hinsichtlich der Auslandskontakte wird es einen starken Ausbau geben.
Erklärlicherweise verfolgten die Mitarbeiter des MMZ die aktuellen politischen Geschehnisse mit großer Aufmerksamkeit. Rechtsextremistische Ausschreitungen sind für sie mehr als ein Forschungsgegenstand. Bereits anläßlich der Institutsgründung erklärte Prof. J. Schoeps: „Wir wollen Forschung betreiben, die in politische Konsequenz mündet.“ - Die Notwendigkeit dafür hat sich nicht verringert.
Regine Derdack
Arbeitsgebiete:
Religions- und Geistesgeschichte Regional- und Sozialgeschichte Europäisch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte
Antisemitismus- und Rechtsextremis- musforschung
Editionen, Dokumentationen, Bibliographien, Lexika
Weiterbildung und Erziehung
ständige Publikationen:
Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte
Studien zur Geistesgeschichte Bibliographien zur deutsch-jüdischen Geschichte
Haskala. Wissenschaftliche Abhandlungen
Menora. Jahrbuch zur deutsch-jüdischen Geschichte
Bibliothek des deutschen Judentums Dialog. Mitteilungen für die Freunde und Förderer des Steinheim-Instituts und des MMZ
Konferenzen 1994:
Die Dreyfus-Affäre
Manes Sperber - Schriftsteller und Psychoanalytiker