Heft 
(1.1.2019) 04
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MOSES MENDELSSOHN ZENTRUM

Nr. 4/94-Seite 13

Zwei Jahre Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien

und Wirken des Leiters des MMZ, Prof. Dr. Julius H. Schoeps, sowie der neun Mit­streiter großen Raum ein. Prof. Schoeps selbst war einer der wissenschaftlichen Leiter der AusstellungJüdische Lebens­welten und erhielt im letzten Jahr eine Berufung als Grün­dungsrektor für das Jüdische Museum der Stadt Wien.

Deutsche fanden schnell ein interessiertes Publikum. Die letzte Aktivität war eingebettet in das Begleitprogramm zur AusstellungJustiz und Natio­nalsozialismus, die bis zum 10. 2. in Potsdam gezeigt wur­de.

Viele Projekte wären nicht zu bewältigen ohne die wissen­schaftliche, personelle und auch

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Zu den Gastlektoren des MMZ gehörte Prof. Eveline Good- man-Thau (Jerusalem). Hier mit Hanna Delf (re.) vom MMZ.

Im Januar waren es zwei Jahre, daß an der Universität Potsdam - relativ unspektakulär - ein An-Institut aus der Taufe geho­ben wurde. Es trägt den Namen des großen jüdischen Aufklä­rers und Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786), der auch dem Brandenburgischen verbunden war. Das Zentrum für europäisch-jüdische Studien versteht sich als interdisziplinär arbeitende Wissenschaftsein­richtung. Seine Forschungen er­fassen Fragen der europäisch­jüdischen Kultur- und Sozialge­schichte von ihren Anfängen über das Mittelalter, die Aufklä­rung und die Emanzipationspe­riode, über den Holocaust bis in die Gegenwart.

Sehr schnell hat sich das Institut (MMZ), wovon auch der jetzt vorgelegte Forschungsbericht 1992/93 kündet, einen Namen gemacht. Derzeit existieren sechs Arbeitsgebiete mit vier­undzwanzig Forschungsprojek­ten, die von Mitarbeitern des MMZ oder unter ihrer Leitung betrieben werden. Konferen­zen und Symposien stießen auf große nationale und internatio­nale Resonanz. Der Aufbau des Zentrums wurde von seiten des Staates Israel mit Sympathie und Unterstützung begleitet. Der seinerzeitige Botschafter Israels in Deutschland, Benja­min Navon, und der israelische Generalkonsul, Mordechay Lewy, waren mehrmals zu Gast und sprachen vor Mitarbeitern und Gästen unserer Universität. Mit dem KongreßSpinoza in der europäischen Geistesge­schichte wurde das Institut im Juni vorigen Jahres offiziell er­öffnet. Vorausgegangen war im Januar 1993 ein Kongreß über Jüdinnen im 19. und 20. Jahr­hundert. Letzterer gehörte zum Beiprogramm der weltweit be­achteten AusstellungJüdische Lebenswelt in Berlin. Öffentlichkeitsarbeit im breite­sten Sinne nimmt im Denken

Von Anfang an haben sich die Institutsmitarbeiter in der Regi­on Potsdam-Berlin eingebracht, um dem gerade in den neuen Ländern vorhandenen Interesse nach jüdischer Kultur und Ge­schichte nachzukommen. Im Jahre 1992 gab es den Versuch einer Bestandsaufnahme zum diesbezüglichen Kenntnis- und Dokumentationsstand im Land Brandenburg. Vortragsreihen und Einzelvorträge, gemeinsam veranstaltet mit der Potsdamer Volkshochschule und der URA­NIA, u. a. zu Hannah Arendt, Hans Jonas und der Problematik Deutsche Juden - jüdische

verwaltungsmäßige Hilfe des Salomon Ludwig Steinheim-In­stituts für deutsch-jüdische Ge­schichte in Duisburg. Im Rah­men der Partnerschaftshilfe von Nordrhein-Westfalen für Bran­denburg bleibt diese produktive Verbindung auch in den näch­sten Jahren erhalten. Vorrangi­ger Arbeitssektor sind gemein­same Publikationen, darunter das JahrbuchMenora (1993 übrigens mit dem Schwerpunkt Brandenburg), die ReiheHas- kala (Aufklärung) sowie das beiden Institutionen dienende MitteilungsblattDialog. Wenige Einrichtungen sind

vom Forschungsgegenstand

und von der Ansiedlung damit befaßter Wissenschaftler, die oft zugleich Zeitzeugen der Ge­schichte dieses Jahrhunderts sind, so stark der Internationali­tät verhaftet wie das MMZ. Kontakte bzw. Kooperations­vereinbarungen existieren mit wissenschaftlichen Einrichtun­gen in Israel, den USA und den EG-Staaten, was z. B. seinen Ausdruck in Gastvorlesungen und Forschungsaufenthalten

fand.

Hinsichtlich der Auslandskon­takte wird es einen starken Aus­bau geben.

Erklärlicherweise verfolgten die Mitarbeiter des MMZ die aktuellen politischen Gescheh­nisse mit großer Aufmerk­samkeit. Rechtsextremistische Ausschreitungen sind für sie mehr als ein Forschungsgegen­stand. Bereits anläßlich der In­stitutsgründung erklärte Prof. J. Schoeps:Wir wollen For­schung betreiben, die in politi­sche Konsequenz mündet. - Die Notwendigkeit dafür hat sich nicht verringert.

Regine Derdack

Arbeitsgebiete:

Religions- und Geistesgeschichte Regional- und Sozialgeschichte Europäisch-jüdische Literatur- und Kul­turgeschichte

Antisemitismus- und Rechtsextremis- musforschung

Editionen, Dokumentationen, Bibliogra­phien, Lexika

Weiterbildung und Erziehung

ständige Publikationen:

Zeitschrift für Religions- und Geistesge­schichte

Studien zur Geistesgeschichte Bibliographien zur deutsch-jüdischen Ge­schichte

Haskala. Wissenschaftliche Abhandlun­gen

Menora. Jahrbuch zur deutsch-jüdischen Geschichte

Bibliothek des deutschen Judentums Dialog. Mitteilungen für die Freunde und Förderer des Steinheim-Instituts und des MMZ

Konferenzen 1994:

Die Dreyfus-Affäre

Manes Sperber - Schriftsteller und Psy­choanalytiker