Nr. 5/94 - Seite 4
GRUNDSCHULPADAGOGIK
Bewährtes bewahren - Innovation fördern:
Perspektiven Ökologischer Erziehung mit Hilfe des Schulgartens
Die Integration des Schulgartens in die pädagogische und didaktische Ausbildung im Fach Sachunterricht ist in den alten Bundesländern kaum entwik- kelt. In den neuen Bundesländern ist die Konsolidierungsphase nach der deutschen Vereinigung noch nicht abgeschlossen. Diese Situation hatte Frau Prof. Dr. Edith Glumpler, Lehrstuhl Grundschulpädagogik/Integrierter Sachunterricht, zum Anlaß genommen, am 10. 02. 1994 zu einem Workshop an die Universität Potsdam einzuladen.
In seinem Einführungsreferat zum Thema „Naturerziehung und Naturerfahrung im Bildungswesen“ betonte Plerr Ha- rald Jacoby, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 e. V. Konstanz, die Bedeutung des Schulgartens für die ökologische Erziehung in der Grundschule und seine unverzichtbare Funktion als Ausbildungsstätte für zukünftige Lehrerinnen und Lehrer.
In den anschließenden Statements zur Integration von ökologischer Erziehung und Schulgartenarbeit in die Lehrerinnenbildung der neuen Bundesländer wurde ein sehr heterogenes Bild der länderspezifischen Entwicklung nach der deutschen Vereinigung gezeichnet:
In den Ländern Thüringen und Sachsen-Anhalt ist es gelungen, bewährte Elemente der Schulgartendidaktik in die grundständige Lehramtsausbildung der Primarstufe zu integrieren. Frau Prof. Dr. Margarete Theuß, Pädagogische Hochschule Erfurt-Mühlhausen, und Herr
Prof. Dr. Hans-Joachim Schwier, Universität Halle-Wittenberg, Standort Köthen, berichteten ausführlich über die Institutionalisierung des Schulgartenunterrichts als eigenständiges Ausbildungsfach für die Primarstufe.
Frau Heidemarie Franzke, Sächsisches Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung, und Herr Dr. Steffen Witt- kowske, Technische Universität Dresden, referierten über die Kooperation von Ministerien, Schulen und Universitäten des Landes Sachsen im Hinblick auf die Bewahrung und Weiterentwicklung der traditionsreichen Schulgärten. In der sächsischen Lehramtsprüfungsordnung wurde das Fach Schulgartenunterricht in das Fach grundlegender Sachunterricht integriert. Die Ausbildung von Studierenden findet in enger Kooperation mit Praktikumsschulen statt, die über vorbildliche Schulgartenanlagen verfügen.
Sehr schwierig gestaltet sich gegenwärtig die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern. An der Universität Rostock konnte die Professur für Grund- schulpädagogik/Sachunterricht bisher noch nicht besetzt werden. Die Entscheidungen über die Zukunft der Schulgartenausbildung wurde daher von der Universitätsleitung bis zur Besetzung der Stelle vertagt. Auf der Ebene des Landesinstituts für Schule und Ausbildung kann in der Folge, wie Frau Dr. Inge-Astrid Koch, Landesinstitut Neubrandenburg, berichtete, noch kein Schulgartenkonzept für das Referendariat entwickelt
werden. Planstellen sind in der zweiten Phase für die Schulgartenausbildung nicht vorgesehen.
Das Land Berlin hat bislang ebenfalls noch kein schlüssiges Konzept für die Qualifikation zukünftiger Lehrkräfte im Bereich Schulgarten. Frau Dr. Pohlheim (Senatsverwaltung Berlin) konnte jedoch auf vielfältige Aktivitäten in den Berliner Grundschulen verweisen, die eine Rückbindung der Schulgartenarbeit in die schulpraktische Ausbildung der ersten Phase ermöglichen würde. Da Berlin wie Brandenburg eine sechsjährige Grundschule beibehalten wird, forderte sie eine Erweiterung bisheriger Konzepte in die Orientierungsstufe hinein.
Im Land Brandenburg vollzieht sich die Neuordnung der Ausbildung für die Schulgartenarbeit im Rahmen der Studienordnung für das Fach Sachunterricht. Frau Dipl.-Päd. Dipl.-Ing. Helga Schadow (Universität Potsdam) berichtete über ihre aktuelle Arbeitssituation, die durch die gute Kooperation mit der Leitung des zentralen Schulgartens der Stadt Potsdam und dem Institut für Botanik der Universität begünstigt wird. Herr Poliert, der Leiter des zentralen Schulgartens machte deutlich, daß er auch weiterhin sehr an der Verbindung mit der universitären Ausbildung für die Primarstufe interessiert ist. Für schulpraktische Studien stehen in Potsdam neben dem zentralen Schulgarten auch die Gärten ausgewählter Grundschulen zur Verfügung, so daß günstige Voraussetzungen für
die Anbindung von Ausbil- dungs- und Forschungsvorhaben gegeben sind. Eindrucksvolle Belege für die Entwicklung eines ökologischen Konzepts der Schulgartenarbeit hat Frau Gisela Koch, Universität Potsdam, Standort Cottbus, vorgestellt. Ihre vorbildliche Arbeit wurde im Jahr 1993 von der Präsidentin der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 e. V., Frau Gräfin Bemadotte, durch die Verleihung eines Preises gewürdigt. Perspektiven der länderüber- greifenden Zusammenarbeit in der Bundesrepublik wurden in der Abschlußdiskussion zusammengefaßt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops waren sich darüber einig, daß die pädagogische Arbeit im Schulgarten wichtige Impulse für die ökologische Erziehung und die ganztätige Gestaltung des Schullebens vermittelt. Daraus ergibt sich der Anspruch, in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften alle notwendigen personellen und sächlichen Voraussetzungen für die Sicherung der Schulgärten zu schaffen.
Die Arbeit des Workshops wird am 18. 03. 1994 im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Didaktik des Sachunter- richts in Freiburg weitergeführt werden. Dort ist auch eine Ausweitung der Debatte über ökologische Erziehung mit Hilfe des Schulgartens auf die Universitäten und Landesinstitute der alten Bundesländer vorgesehen.
Dr. Regine Keil Dipl.-Päd. Dipl.-Ing.
Helga Schadow
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