Heft 
(1.1.2019) 05
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Nr. 5/94 - Seite 6

VORLESUNG

Zum Verhältnis von Organisation und Personal in der Managementlehre

Mit diesem Thema stellte sich am 6. Januar 1994 Prof. Dr. Dieter Wagner, Inhaber der C4- Professur Betriebswirtschafts­lehre mit dem Schwerpunkt Or­ganisation und Personalwesen, einem interessierten Publikum näher vor. Dabei war es sein Anliegen, die zahlreich erschie­nenen Gäste mit dem Fachge­biet Organisation und Personal­wesen näher bekannt zu ma­chen, einige konzeptionelle Vorstellungen zu entwickeln und nicht zuletzt auch in institu­tioneller Hinsicht den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis in Gang zu bringen und gegebenenfalls zu vertiefen. Nach einer überaus gelungenen Einführung durch den Dekan der Wirtschafts- und Sozialwis­senschaftlichen Fakultät, Herrn Prof. Dr. Wilhelm Bürklin, wies Herr Prof. Wagner darauf hin, daß die beiden Fachgebiete Organisation und Personalwe­sen in ihren Anfängen kaum Gemeinsamkeiten aufwiesen. So blendete die klassische be­triebswirtschaftliche Organisa­tionslehre personale Aspekte nahezu vollkommen aus. Heute haben derartige Fragestellungen

- Struktur- und Personalor­ganisation

Organisationsstrukturen kön­nen nicht allein nach aufgaben­bezogenen Gesichtspunkten ge­staltet werden. Deshalb ist es er­forderlich, die Überlegungen zur Organisations- und zur Per­sonalplanung möglichst früh abzustimmen, damit rechtzeitig die Möglichkeiten und Grenzen von entsprechenden Gestal­tungsmöglichkeiten diskutiert werden können.

- Prozeßorganisation

Es ist unübersehbar, daß ablauf­organisatorische Fragen wieder an Bedeutung gewinnen. Der­artige Aktivitäten setzen zuneh­mend das Mitdenken der Mit­

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Antrittsvorlesung von

im Gebäude der Organisations­theorie deutlich an Einfluß ge­wonnen.

So sind Strukturen und Prozesse ebenso eng miteinander ver­knüpft wie Organisationskultu­ren, Strategien und z. B. das Problemlösungsverhalten in so­zialen Systemen. Dieser sozio- ökonomische Zusammenhang sowie die Vorstellung von ei­nem Unternehmen als einer Ko­alition unterschiedlicher Inter­essengruppen finden ihre Ent­sprechung in der Beschreibung von Spannungsfeldem der Per­sonalwirtschaft, z. B. zwischen der Betrachtung von Personal als Objekt oder als Subjekt, wie es z. B. in den AussagenDer Mensch ist Mittel. Punkt. bzw. Der Mensch ist Mittelpunkt zum Ausdruck kommt.

Nähern sich Organisation und Personal auch als Management­funktionen zunehmend an, wo­bei Organisation als das allge­meinere, Personal als das eher speziellere Teilgebiet gilt - aber beide mit einer ausgesproche­nen Querschnittsorientierung -, sind in der Praxis ähnliche An­näherungstendenzen festzustel­len. Allerdings können Perso-

Prof. Dr. Dieter Wagner

nal- und Organisationsabteilun­gen in der Praxis immer noch ein ausgesprochenes Konkur­renzverhältnis zueinander ent­wickeln.

Je mehr jedoch Organisation und Personal als wichtige Füh­rungsaufgaben angesehen wer-

r

Prof. Dr. Dieter Wagner

den, wird es immer mehr not­wendig, z. B. im Wege des Pro­jektmanagements, eng zusam­menzuarbeiten. Dabei schälen sich in Theorie und Praxis ins­besondere die folgenden ge­meinsamen Aufgabenfelder heraus, die einer entsprechen­den theoretischen und auch em­pirischen Fundierung bedürfen:

arbeiter aller Ebenen voraus. Hierzu sind wiederum ihre innere Beteiligung und ihre Motivation entscheidend.

- Organisations- und Perso­nalentwicklung

Zur Maxime der Organisations­entwicklung gehört es,die Be­troffenen zu Beteiligten zu ma­chen. Damit besteht ein enger Zusammenhang zu den vorheri­gen Ausführungen.

- Management-Bildung

Damit schließt sich der Kreis. Qualifizierung betrifft sowohl den einzelnen Mitarbeiter als auch das Lernen einer gesamten Organisation. In diesem Kon­text gewinnt auch Manage­ment-Bildung gewissermaßen als eine Meta-Schlüsselqualifi­kation an Bedeutung, um Ent­scheidungen auf allen Ebenen fundierter treffen zu können und um sie leichter zu akzeptie­ren.

Eine besondere Herausforde­rung stellen die Transformati­onsprozesse in den Unterneh­men der neuen Bundesländer dar. Nach Albach ist dabei nicht so entscheidenddie Organisa­tion des Sachkapitals in Werken oder Sparten, sondern die Orga­nisation des Wissens in den Köpfen der Mitarbeiter. Nicht die Imitation der Entwicklung in den westlichen Industrielän­dern ist von primärer Bedeu­tung, sondern das Erlangen der Wettbewerbsfähigkeit mit gut ausgebildeten und selbstbewuß­ten Personen in Strukturen, die den heutigen voraus sind.

In diesem Zusammenhang gibt es ein weitgefächertes Aufga­benfeld sowohl theoretisch als auch praktisch. Hier sind alle Angehörigen der Professur Be­triebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen zur engen Ko­operation mit allen Seiten be­reit, die sich angesprochen füh­len.