Heft 
(1.1.2019) 05
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Nr. 5/94 - Seite 8

ZUSAMMENARBEIT

Beratung zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Israel und Brandenburg

Im letzten Jahr besuchte eine Gruppe israelischer Rektoren die neuen Bundesländer, um über die eigene Hochschullandschaft zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Die Reise führte nach Leipzig, Halle, Jena und Erfurt und wurde als Erfolg angesehen. Diese Einschätzung gab der stellvertretende israelische Ge­neralkonsul in Berlin, Tibor Schlosser, am 17. 02. 1994 in Potsdam.

In Potsdam, in den Räumen der Universität, hatte sich an diesem Tag auf Einladung des Branden- burgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) eine große Runde aus Vertretern wissen­schaftlicher Einrichtungen des Landes zusammengefunden. Ge­meinsam mit Dr. Schlosser, Dr. Rafael Schnitzer (Wissen­schaftsattache der israelischen Botschaft in Bonn) und Vertre­tern des MWFK unter Leitung von Ministerialdirigent Klaus Faber wollte man über die bran- denburgischen Wissenschafts­einrichtungen informieren, be­stehende Kontakte zwischen bei­den Ländern bilanzieren und vor allem Vorstellungen und Wege für neue erschließen.

worden seien, jetzt darum, die konkreten Beziehungen schnell und umfassend zu fördern. Die Beratung diene dem gegenseiti­gen Kennenlemen und der In­formation. Die Idee dazu sei in Gesprächen mit israelischen Diplomaten entstanden.

Die große Wissenschaftsrunde vermittelte ein repräsentatives Bild der reichhaltigen Branden­burger Wissenschaftsland­schaft, die Neuaufbau und Tra­dition sinnvoll zusammenführt. Anwesend waren Vertreter der drei Brandenburger Universitä­

ses erwies sich in mehrfacher Hinsicht als günstig. So gelang in einer Vorstellungsrunde eine re­lativ umfassende Information der Gäste und der Wissenschaftler untereinander. Eine knappe Selbstdarstellung jeder Instituti­on, Aussagen über ausgewählte Forschungsschwerpunkte und existierende bzw. gewünschte Kooperation mit israelischen Hochschulen bestimmten den er­sten Teil der Veranstaltung. Da­bei wurde sichtbar, daß die Band­breite der Kontakte von noch feh­lenden über wenig und zumeist

Zur Beratung über die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Israel und dem Land Brandenburg konnte der Gast­geber vom MWFK und Leiter der dortigen Abteilung, Ministe­rialdirigent Klaus Faber (links), den stellvertretenden Gene­ralkonsul Israels, Dr. Schlosser (Mitte), sowie den israeli­schen Wissenschaftsattache in Deutschland, Dr. Schnitzer, begrüßen. Foto: Tribukeit

Vorausgegangen war im Dezem­ber vorigen Jahres eine Reise des Ministers für Wissenschaft, For­schung und Kultur, Hinrich Enderlein, nach Israel. Er konnte dort eine Reihe wissenschaftli­cher und kultureller Beziehun­gen anbahnen. Zwischen der He­bräischen Universität in Jerusa­lem, an der Einsteins schriftli­cher Nachlaß aufbewahrt wird, und dem in Potsdam ansässigen Einstein Forum wurde während des Besuchs eine Kooperations­vereinbarung unterzeichnet.

Wie der Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium, Mi­nisterialdirigent Klaus Faber, zu Beginn der Potsdamer Beratung erklärte, gehe es, nachdem auf politischer Ebene dafür gute Rahmenbedingungen geschaffen

ten, der Hochschule für Film und Fernsehen, der Fachhoch­schulen Potsdam, Brandenburg, Eberswalde und Lausitz sowie des Einstein Forums und des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studi­en. Präsent waren ferner folgen­de Einrichtungen: Potsdam-In­stitut für Klimafolgenforschung e.V., GeoForschungsZentrum, Deutsches Elektronen-Synchro- tron/Forschungsstelle Zeuthen, Fraunhofer-Institut für Ange­wandte Polymerforschung, In­stitut für Halbleiterphysik, Deutsches Institut für Emäh- rungsforschung, Astrophysika- lisches Institut Potsdam und das Zentrum für zeithistorische Stu­dien. Die Zusammensetzung dieses großen 'Teilnehmerkrei-

an Einzelpersonen gebundene Beziehungen bis zu intensiver, aus dem Gegenstand resultieren­der Zusammenarbeit reicht (z. B. Einstein Forum und Moses Men­delssohn Zentrum). Nicht ausge­spart blieben Finanzierungspro­bleme. Als schwierig wurde von brandenburgischer Seite die Fi­nanzierung längerer Aufenthalte genannt, wie sie beispielsweise für die Forschungsstelle Zeuten des Deutschen Elektronen-Syn- chrotrons erforderlich sind.

Hier schloß sich eine ausführli­che Information Dr. Schnitzers an, der im zweiten Teil der Ver­anstaltung einen Überblick über die Hochschulen seines Landes, die mit Wissenschaftsfragen be­faßten ministeriellen Gremien und Finanzierungsmöglichkeiten

für Austauschbeziehungen gab.

Zunächst verwies er darauf, daß nicht alle bereitgestellten Gelder für die neuen Bundesländer aus­geschöpft seien. Er gab eine aus­führliche Darstellung der Ger­man-Israeli Foundation (G.I.F.), machte auf das Minerva-Pro­gramm der Max-Planck-Gesell­schaft und das israelische Stipen­dienprogramm für die neuen Länder aufmerksam, das Kon­taktaufenthalte in Israel bis zu zwei Wochen finanziert. Bei der German-Israeli Foundation, die 1986 gegründet wurde, handelt es sich um eine gesetzliche Stif­tung in Israel und Deutschland. Auch das Kapital - derzeit 150 Mio. DM - kommt zu gleichen Teilen aus beiden Ländern. Im März 1993 wurde eine Verdopp­lung der Einlage stufenweise bis 1996 beschlossen. Das Kapital wird möglichst zinsgünstig an­gelegt, die Zinsen stehen jedes Jahr zur Verfügung. Förderte man zunächst nur Projekte aus der Grundlagenforschung, ist jetzt auch die angewandte For­schung einbezogen worden. An­träge sind bis Oktober jeden Jah­res zu stellen. Die Bearbeitungs­zeit beträgt sechs Monate. Im Mai jeden Jahres werden die Themen für das nächste Jahr be­kannt gegeben. Eine wichtige Rolle kommt der Anmeldung zu, da die Aufnahme in sogenannte Meldelisten den Erhalt aller not­wendigen Informationen sichert. Gefördert werden Projekte mit bis zu maximal 300 000 DM.

Im Namen seines Ministeriums, das sich auch als Vermittler für Kooperationsbeziehungen zwi­schen beiden Ländern versteht, bedankte sich Ministerialdiri­gent Klaus Faber abschließend bei den Gästen und Wissen­schaftlern für den konstruktiven Gedankenaustausch. Eine Emp­fehlung der Gesprächsteilneh­mer aufnehmend, regte er eine Fortsetzung derartiger Begeg­nungen an.

Regine Derdack