FORSCHUNG
Nr. 5/94 - Seite 13
WIP-Projektgruppe „Geophysikalische Methodik“
Projektleiter: Dr. I. Kapp
Angewandte Geophysik, Umweltgeophysik
Es existiert ein breites Spektrum geophysikalischer Verfahren, die in der Vergangenheit vorwiegend für die Lagerstättenexploration und Grundlagenforschung eingesetzt wurden. Für umweltrelevante Fragestellungen sind detaillierte Kenntnisse des lokalen Untergrundes bis zu Tiefen von nur einigen 10 Metern von besonderem Interesse. Das trifft beispielsweise für Aufgabenstellungen der Altlastenerkundung oder der Untersuchung des Deponieuntergrundes und der Möglichkeiten der Schadstoffausbreitung zu. Für derartige Fragestellungen entstehen für die geophysikalische Methodenentwicklung neuartige Ansatzpunkte. Während früher die Messungen und Interpretationschemata stets so angelegt waren, daß sich oberflächennahe lokale Besonderheiten nicht bemerkbar machen - sie wurden als Störgröße behandelt -, sind in der Umweltgeophysik gerade diese Besonderheiten von be
sonderem Interesse. Geophysik und Ingenieurgeologie treffen hier mit ihren jeweils typischen Arbeitsmethoden auf gemeinsame Fragestellungen.
Innerhalb des bundesweiten Verbundvorhabens „Methoden zur Erkundung und Beschreibung des Untergrundes von Deponien und Altlasten“ (Projektleitung BGR Hannover) führen wir die Auswertung eines umfassenden Tests verschiedener flachseismischer Anregungsund Registrierapparaturen mit Blick auf ihre Eignung bei der Erkundung von umweltrelevanten Grundwasserleithorizonten durch. Neben den praktischen und angewandten Aspekten dieses umfassenden Datensatzes sind mit diesen Experimenten sehr gute Möglichkeiten für eine wissenschaftliche Bearbeitung der Fragen der Wellenanregung gegeben.
Weiterhin führen wir geoelek- trische und geomagnetische Untersuchungen durch. Dieser Methodenkomplex kann für verschiedene angewandte Aufgaben eingesetzt werden. Wir untersuchten Fragen der Schadstoffausbreitung im Umfeld der
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Geomagnetische Kartierung einer neolithischen Doppelkreisgrabenanlage im Fläming
Deponie Vorketzin, erkundeten und führen spezielle Untersu- Bodendenkmäler (archäologi- chungen zur Erkundung militä- sche Anwendungen, s. Abb.) rischer Altlasten durch.
WIP-Gruppe „Allgemeine Geophysik“
Projektleiter: Prof. Dr. habil. S. Franck
Untersuchung von Evolutionsprozessen im globalen System der Erde
Basierend auf langjährigen Erfahrungen bei der Modellierung der Evolution terrestrischer Planeten, sind für den verbleibenden Zeitraum des WIP Untersuchungen zur Entwicklung der festen Erde und der verschiedenen Sphären (Hydrosphäre, Atmosphäre, Biosphäre und Anthro- posphäre) mit ihren Wechselwirkungen vorgesehen. Damit soll ein Beitrag zur Erforschung großskaliger Prozesse und Trends im globalen Ökosystem Erde im Rahmen des IGBP „Global Change“ geleistet und das wissenschaftliche Spektrum der Geoökologieforschung er
weitert werden. Diese Arbeiten ermöglichen eine sinnvolle Einbindung in die Forschung und Lehre der Fachdisziplinen Geowissenschaften und Geoökologie an der Universität Potsdam.
Für die Evolution des Systems Erde ist insbesondere der globale Kohlenstoff- und Wasserkreislauf zwischen Erdmantel, kontinentaler Lithosphäre, ozeanischer Kruste, Ozean und Atmosphäre von Bedeutung. In eigenen Arbeiten wird die Evolution dieses Systems mittels komplizierter Konvektionsmodelle beschrieben. Dabei finden die
neuesten Forschungsergebnisse aus vielen geowissenschaftli- chen Disziplinen Anwendung (z. B. Wärmefluß, Geschwindigkeit der Ozeanbodenausbreitung, Mantelentgasungsraten, C0 2 - Partialdruck). Es wird eine negative Rückkopplung zwischen Mantelvolatilengehalt, Entgasung und Abkühlung der Erde beobachtet. Die Uratmosphäre bildete sich durch einen sehr schnellen Entgasungsprozeß in weniger als 100 Millionen Jahren. Die anthropogenen Effekte (Verbrennung fossiler Brennstoffe, Zerstörung von Biomasse, Albedoänderung durch Urbanisierung) werden als Störungen der Dynamik des natürlichen Systems beschrieben. Eine internationale Zusammenarbeit besteht mit Wissenschaftlern des CAL- TECH in Pasdena/USA.
Internationales Studienseminar British Cultural Studies
In der Zeit vom 13. bis 18. März 1994 führen der British Council Köln und die Universität Potsdam gemeinsam ein internationales Studienseminar zu British Cultural Studies durch. Die Seminare und Workshops werden geleitet von den britischen Professoren Dr. Susan Bassnett, University of Warwick, und Dr. David Punter, University of Durham. Damit wird in diesem Jahr der Potsdamer Alma mater die Ehre zuteil, die Weiterbildungsreihe für Lehrende an deutschen Hochschulen und Universitäten zu Fragen des Studiums britischer Gesellschaft und Kultur auszurichten.