Heft 
(1.1.2019) 06
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Nr. 6/94 - Seite 8

PRAKTIKUM

Nicht unter der Käseglocke der Universität

Umsetzung des Potsdamer Modells der Lehrerbildung

Das Image des Lehrerberufs ist bekanntermaßen nicht das Beste. Deshalb zielt auch dasPotsda­mer Modell der Lehrerbildung mit seiner integrierten und stufen- übergreifenden Ausbildung auf die Professionalisierung dieses Berufs und damit auf eine päd­agogisch und psychologisch fun­dierte Befähigung zur Vermitt­lung von wissenschaftlichen In­halten und Handlungskompeten­zen. Zu den in dieses Konzept eingebundenen berufsfelder­schließenden Praktika gehört ein sich an das 1. SemesterSchul­pädagogik I anschließendes Hospitationspraktikum. Acht Potsdamer Schulen ermöglichen auf diese Weise den Studieren­den, Erkenntnisse und Erfahrun­gen zu sammeln.

Dr. Roswitha Lohwaßer (Bereich Pädagogik) betreute 13 Studie­rende vierzehn Tage an der Sport­betonten Gesamtschule mit gym­nasialer OberstufeFriedrich Ludwig Jahn. Aus diesem Anlaß führten wir mit ihr nachfolgendes Gespräch.

PUZ: Worin besteht die Spezi­fik dieses Hospitationsprakti- kunis im Vergleich zu den an­deren Ausbildungsabschnitten im Bereich Erziehungswissen­schaften?

R. L.: Dieses Hospitationsprakti­kum ist ein wichtiger Bestandteil der Lehrveranstaltungen in den Lehramtsstudiengängen des Pots­damer Modells der Lehrerbil­dung.

Nach dem ersten Semester gehen die Studierenden an die Schulen, um sich an der Praxis zu orientie­ren, die eigene Motivationslage zum Lehrerberuf zu prüfen und zu stärken. Ich bin der Meinung, daß eine solche Motivation und Orientierung nicht fernab vom Schulalltag unter der Käseglocke der Universität möglich ist.

In einem KursSchulpädagogik I, der diesem Praktikum voraus­ging, wurde durch die gemeinsa­me Bearbeitung solcher Themen wie Mensch und Erziehung, Insti­tution Schule, Schulleben und

Lehramtsstudenten an Potsdamer Schulen Foto: Martin Reiche

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Unterricht, das Praktikum vorbe­reitet. Dabei wurden die Diskus­sionen zu den Texten und der Er­fahrungsaustausch zum Nach­denken darüber genutzt, wie die konkreten Erscheinungen im Le­ben der Schule und in der Tätig­keit von Schülern und Lehrern in ihrer gegenseitigen Bedingtheit im Praktikum erfaßt werden kön­nen. Eine wichtige Spezifik be­steht darin, daß sich die Studie­renden neben einer obligatori­schen Aufgabe aus verschiede­nen Aufgabenfeldem ihren indi­viduellen Schwerpunkt aus wäh­len können. Damit wird es mög­lich, daß jeder Studierende im AbschnittSchulpädagogik II seinen selbstbestimmten Beitrag in die Seminare einbringen kann.

PUZ: Welches sind solche selbstgewählten Aufgaben?

R. L.: An dieser Sportbetonten Gesamtschule untersuchten wir beispielsweise an Hand von Be­obachtungen das Verhältnis von Internats- und anderen Schüle­rinnen, die Freizeitmöglichkei­ten und deren Auswirkungen auf das Sozialverhalten im Unter­richt, die Beziehungen von Leh­rern und Schülern.

Eine weitere Spezifik des Hospi­tationspraktikums besteht darin, daß eine enge Verbindung zwi­schen pädagogischen und psy­chologischen Fragestellungen angestrebt wird. Gleichermaßen

ten. Mit Hilfe von Lehrer- und Schülerbefragungen, Dokumen­tenanalyse, Teilnahme an Konfe­renzen, Beobachtungen u. ä. konnten Lebens- und Lehrfor­men, Lehrerkooperation, Mög­lichkeiten der Mitbestimmung und Mitgestaltung durch Lehrer, Schüler und Eltern sowie Proble­me von Schulbezirk und Schu­leinzugsbereich, um nur Weniges zu nennen, untersucht werden. Hinzu kamen solche Aufgaben­felder wie Fördernde, zum Ler­nen anregende Lehrertätigkeit; Differenzierung des Unterrichts; Soziale Anerkennung durch Mit­schüler, Methodische Grund- und Sozialform des Unterrichts sowie Mitbestimmung und Mitgestal­tung von Unterricht durch Ler­nende, Aufmerksamkeitsverhal­ten, Gedächtnisbesonderheiten. Die Studierenden bekamen Hin­weise dafür, wie das Geforderte erfaßt werden kann. Es wurden 14 Tage genutzt, um Einblicke in die einzelnen Aufgabenfelder zu er­halten.

Wie bereits angedeutet, betraf die individuelle Schwerpunktsetzung einen besonders wichtigen Auf­gabenteil.

Das Gespräch führte Dr. Bar­bara Eckardt.

In unserer nächsten Ausgabe veröffentlichen wir Eindrücke Potsdamer Lehramtsstuden­tinnen nach ihrem Hospitati­onspraktikum.

wie die Lehrveranstaltungen Schulpädagogik I und II dienen jene zurEinführung in die Per- sönlichkeits- und differentielle Psychologie I und II hauptsäch­lich der Einführung in das Berufs­feld und der Möglichkeit, Frage­stellungen an die Profession von Lehrerinnen und Lehrern zu ent­wickeln.

PUZ: Jene Studierende aus Ost und West, die Sie im Praktikum betreuten, betonten die Schwie­rigkeit des Einstellens auf den Lehrerblickwinkel bei der Rea­lisierung ihrer Hospitationsauf­gaben. Welche Anforderungen wurden an die Studierenden mit welchem Ziel gestellt?

R. L.: Es gehört zu den Absichten des Potsdamer Modells der Leh­rerbildung, bereits am Beginn des Studiums wieder die Schule zu be­treten, nunmehr mit den Augen ei­nes Praktikanten. In diesem Prak­tikum ist deshalb die Aufgabe ge­stellt, zu beobachten, zu beschrei­ben und verstehen zu lernen, wie Lehrer und Schüler in ihrer Schule miteinander leben können. Diese Aufgabe war für die Ost- und West-Studierenden gleicherma­ßen etwas Neues. Vorher kannten sie POS, EOS oder Gymnasien. Die Schulform in der Praktikums­schule stellte für sie etwas Beson­deres dar.

Die erste Aufgabe bestand darin, das Porträt der Schule zu erarbei­