Heft 
(1.1.2019) 07
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Nr. 7/94 - Seite 6

AUSSTELLUNG

Das Fest in der Stadt Bubastis

Wenn sie nun zum Fest nach Bubastis zie­hen, tun sie folgendes: Männer und Frauen fah­ren zusammen, und auf jedem Kahn eine Men­ge von beiden. Einige der Frauen haben Klap­pern bei sich ..die Männer aber blasen Flö­te, die ganze Fahrt über, die restlichen Frauen und Männer aber singen und klatschen mit den Fländen. Und wenn sie auf ihrer Fahrt zu einer anderen Stadt kommen, legen sie mit dem Boot am Ufer an und tun fol­gendes: Einige Frauen tun, wie ich schon sag­te, andere aber höhnen und necken mit lauten Rufen die Frauen in die­ser Stadt, andere führen einen Tanz auf, andere stehen auf und heben ihre Kleider hoch. Das tun sie bei jeder Stadt am Fluß. Wenn sie aber nach Bubastis gekom­men sind, feiern sie und bringen ihre Opfer dar, und Wein aus Reben geht bei diesem Fest mehr drauf als in dem ganzen Jahr sonst. Und da kommen zusammen, die Kinder nicht gerech­net, an die sieben mal hunderttausend, wie die Einheimischen erzäh­len.

(Herodot II, 60)

Schätze aus dem Alten Ägypten

Fünf Grabungskampagnen führten den Archäologen Dr. Christian Tietze und seine Mitar­beiter seit 1991 ins ägyptische Teil Basta. Über die Grabungen existieren umfangreiche Doku­mentationen in Bild und Text. Dieses Material wurde aufbereitet und ist an der Universität Potsdam vom 10. Mai bis 1. Juni zu sehen. Anschließend geht die Ausstellung ins Ägyptische Museum nach Berlin-Charlottenburg. Im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten zur Ausstel­lung sprachen wir mit Dr. Tietze. Der Archäologe gehörte ehemals zur Akademie der Wissen­schaften der DDR und ist über das Wissenschaftier-Integrationsprogramm zum Historischen Institut der Universität Potsdam gekommen.

Zu Teil Basta hat es einige Veröffentlichungen in der Presse gegeben. Was machen die Besonderheiten dieses Or­tes aus?

Dr. Tietze: Spricht man von Teil Basta, fällt den meisten die Kat­zengöttin Bastet ein. Jede Stadt in Ägypten hatte ihr heiliges Tier. Teil Basta gehörte zu den alten Kulturstätten am Rande des östlichen Nildeltas und ver­ehrte die Katze. Ende des letz­ten/Anfang dieses Jahrhunderts wurden riesige Katzenfriedhöfe entdeckt. Die Katzen waren im allgemeinen mumifiziert, teil­weise lagen sie in Bronzegefä­ßen.

Die zweite Assoziation zu Teil Basta ist weniger bekannt. Die Stadt gehörte zu den Hauptstäd­ten des Späten Ägypten. Links des Nils waren Memphis, The­ben und Amama gelegen, zu de­nen im Ostdelta zählte Bubastis.

Die ehemals 70 ha große Stadt umfaßt heute noch ein Gelände von 1,5 km x 800 m.

Große Bedeutung kam der Stadt durch das Heiligtum der Kat­zengöttin Bastet zu. Mitten durch die Stadt floß der östlich­ste Nilarm. Er teilte sich in der Stadt, so daß eine Insel ent­stand. Auf dieser Insel stand die mehrteilige Tempelanlage der Katzengöttin Bastet. Sie ist wahrscheinlich durch ein Erd­beben zerstört worden und wur­de dann als Steinbruch genutzt.

In Teil Basta ist mehrfach nach den Zeugnissen der Ge­schichte gesucht worden. Welche Eckpunkte der Gra­bungen gibt es?

Dr. Tietze: Teil Basta ist 1798/ 99 bekannt geworden, als die napoleonische Expedition nach Ägypten führte. Damals hat

man auch in den Ruinengear­beitet. Seit Jahrhunderten wird in Ägypten wild gegraben, so­genannte Raubgräber sind häu­fig am Werk. Darunter leiden die Anlagen erheblich. Hier be­fand sich kein Fundamentstein mehr an seiner ursprünglichen Stelle.

In der Wissenschaft tauchte der Ort erst Ende vorigen Jahrhun­derts auf. Der Schweizer Navil- le legte den Mittelteil der Tem­pelanlage frei und zog Gräben. Für unsere Verhältnisse hat Na- ville unwissenschaftlich gear­beitet, aber er war Ägyptologe und hat Wesentliches zur Ge­schichte der Stadt beigetragen. Mitte dieses Jahrhunderts waren eine Reihe von Ägyptern am Werk, allerdings nicht im Be­reich der Tempelanlage. Man hat Friedhöfe ausgegraben und einen imponierenden Palast aus dem Mittleren Reich freigelegt.