Heft 
(1.1.2019) 09
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Nr. 9/94 - Seite 10

BIOWISSENSCHAFTEN

Foto: Rüffert

Prof. Dr. habil. Martin Steup, Professor für Pflanzenphysio­logie

Geb. 1945 in Siegen (NRW); 1964-1967 Studium der evan­gelischen Theologie an den Universitäten Tübingen und Göttingen, 1965-1969 Studium der Biologie, Chemie und Mi­krobiologie an der Universität Göttingen; 1972 Promotion in Pflanzenphysiologie mit einem photobiologisch/stoffwechsel­physiologischen Arbeitsgebiet; 1973-1977 wissenschaftlicher Assistent am Pflanzenphysiolo­gischen Institut der Universität Göttingen; 1975-1976 For­schungsstipendium der DFG an der Brandeis-University, Wal- tham Ma. (USA); seit 1977 Akademischer Rat bzw. Ober­rat am Institut für Botanik der Universität Münster; 1982 Ha­bilitation für das Fach Botanik am Fachbereich Biologie der Universität Münster; 1988

1991 Lehrstuhl Vertretungen (Pflanzenphysiologie und All­gemeine Botanik) an der Ruhr- Universität Bochum; 1993 1994 Lehrstuhlvertretung an der Universität Potsdam; 1985

1992 Zugehörigkeit zum Edito­rial Board der Zeitschrift Plant Physiology; Gutachtertätigkeit für National Science Founda­tion und United States Depart­ment of Agriculture (beide USA). Forschungsschwerpunk­te: Photoregulation der Nukle­insäurebiosynthese in Pflanzen; Struktur und Funktion kompar­timent-spezifischer Isozyme; Protein-Polysaccharid Interak­tionen; Makromolekül-Analy­tik.

Neues Strukturkonzept in den Biowissenschaften

PUZ im Gespräch mit Prof. Martin Steup

Im Bereich Biowissenschaften (Biologie/Biochemie) der Uni­versität Potsdam vollzog sich in den vergangenen Jahren eine nicht zu übersehende Entwick­lung. Neue Berufungen erfolg­ten, WIP-Gruppen wurden an­geschlossen, moderne For­schungsgeräte und Methoden eingeführt und das Angebot in der Lehre erheblich verbreitert. Es gibt aussichtsreiche Aktivi­täten, in Kürze einen Sonderfor­schungsbereich zu etablieren. Wir sprachen mit Prof. Dr. ha­bil. Martin Steup, kürzlich beru­fen für das Gebiet Pflanzenphy­siologie, über sein Spezialge­biet, das neue Strukturkonzept der Biologie/Biochemie und dessen Umsetzung.

PUZ: Aus welchen Gründen entschieden Sie sich als Biolo­ge für das Spezialgebiet Pflan­zenphysiologie?

Prof. Steup: Innerhalb der Bio­logie haben mich chemische Methoden und Fragestellungen besonders interessiert. Die Pflanzenphysiologie ist die bio­logische Teildisziplin mit der wohl stärksten chemischen Ori­entierung. Angesichts der aktu­ellen Entwicklung der Pflan­zenphysiologie, die durch die Einbeziehung der Molekular­biologie ausgelöst worden ist, bereue ich diese Entscheidung nicht.

PUZ: An der Universität

Potsdam wird die Biologie nach einem neuen Struktur­konzept aufgebaut. Wodurch unterscheidet es sich von an­deren? In welche Richtung sollte sich also diese Wissen­schaft hier profilieren?

Prof. Steup: Die traditionelle Institutsstruktur in der Biologie ergibt sich im wesentlichen aus den Untersuchungsobjekten. So befaßt man sich z. B. im Institut

für Botanik traditionell mit Pflanzen, in anderen mit Tieren bzw. Mikroorganismen. Inner­halb dieser drei Arbeitsgebiete haben sich in den letzten Jahren Fragestellungen stark verändert und Methodenspektren so ver­breitert, daß jede Richtung sehr heterogen geworden ist. An der Universität Potsdam versucht man, dieser Entwicklung durch die Institutsstruktur Rechnung zu tragen. Die neuen Institute sind nicht durch die Untersu­chungsobjekte, sondern die je­weiligen wissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden strukturiert. So wurde z.B. ein Institut für Ökologie und Natur­schutz gegründet, in dem Bota­niker, Zoologen und Mikrobio­logen gemeinsam Organismen an ihrem natürlichen Standort untersuchen werden. Damit können die vielfältigen Wech­selwirkungen zwischen den verschiedensten Organismen­gruppen besser erfaßt werden. In einem anderen Institut sollen Evolutionsprozesse bei Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen untersucht werden. Im Institut für Zoophysiologie und Zell­biologie soll auf zellulärem und subzellulärem Niveau eine mo­derne Struktur- und Funktions­forschung betrieben werden. Schließlich sollen im Institut für Biochemie und molekulare Physiologie molekular orien­tierte biologische Grundlagen­forschung und anwendungsori­entierte Bioanalytik angesiedelt werden. Zwischen diesen bei­den Bereichen gibt es vielfältige Wechselbeziehungen. Die neue Institutsstruktur hat auch einen wichtigen praktischen Vorteil: Teure Großgeräte werden nur in jeweils einem Institut plaziert und stehen einem größeren Nut­zerkreis zur Verfügung. Auf diese Weise können Parallelin­vestitionen vermieden werden; eine hohe Nutzungseffizienz der einzelnen Großgeräte ist ge­sichert.

PUZ: Auf dem kürzlich an der Alma mater durchgeführ­ten Biologischen Fakultäten­tag wurde betont, daß es un­vertretbar sei, die Biologie nur für Serviceleistungen an­derer Studiengänge und für das Lehramt zu nutzen.

Prof. Steup: Ein Ausbildungs­konzept ohne Diplomstudien­gang kann nicht funktionieren. Darüber besteht auch Einver­nehmen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Bran­denburg. Will man eine qualifi­zierte Lehre betreiben, so setzt das voraus, daß die Studieren­den mit modernen Methoden und Forschungsergebnissen ver­traut gemacht werden. Das ist nur mit funktionsfähigen La­bors möglich, in denen wichtige moderne Methoden etabliert sind. Ausschließlich mit Lehr­amtskandidaten kann man ein modernes Labor jedoch nicht betreiben, weil deren Verweil­dauer im Labor zu gering ist. Viele Methoden erfordern lange Einarbeitungszeiten. Ein Labor läuft deshalb nur bei länger­fristigen Forschungsaktivitäten. Ist diese Voraussetzung erfüllt, dann können Lehramtsstuden­ten in relativ kurzer Zeit einen sinnvollen Einblick in aktuelle Forschungsmethoden und Er­gebnisse gewinnen. Im übrigen ist der Bedarf an Studienplätzen für die Diplomstudiengänge Biologie und Biochemie an der Universität Potsdam unstrittig. Für das kommende Winterse­mester liegen bereits jetzt - die Bewerbungsfrist endet erst im Juli 1994-45 schriftliche Anfra­gen für den Diplomstudiengang Biologie und 54 Anfragen für Biochemie vor.

Prof. Steup, herzlichen Dank .

Das Interview führte Dr. Bar­bara Eckardt.