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BIOWISSENSCHAFTEN
Foto: Rüffert
Prof. Dr. habil. Martin Steup, Professor für Pflanzenphysiologie
Geb. 1945 in Siegen (NRW); 1964-1967 Studium der evangelischen Theologie an den Universitäten Tübingen und Göttingen, 1965-1969 Studium der Biologie, Chemie und Mikrobiologie an der Universität Göttingen; 1972 Promotion in Pflanzenphysiologie mit einem photobiologisch/stoffwechselphysiologischen Arbeitsgebiet; 1973-1977 wissenschaftlicher Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut der Universität Göttingen; 1975-1976 Forschungsstipendium der DFG an der Brandeis-University, Wal- tham Ma. (USA); seit 1977 Akademischer Rat bzw. Oberrat am Institut für Botanik der Universität Münster; 1982 Habilitation für das Fach Botanik am Fachbereich Biologie der Universität Münster; 1988—
1991 Lehrstuhl Vertretungen (Pflanzenphysiologie und Allgemeine Botanik) an der Ruhr- Universität Bochum; 1993— 1994 Lehrstuhlvertretung an der Universität Potsdam; 1985—
1992 Zugehörigkeit zum Editorial Board der Zeitschrift Plant Physiology; Gutachtertätigkeit für National Science Foundation und United States Department of Agriculture (beide USA). Forschungsschwerpunkte: Photoregulation der Nukleinsäurebiosynthese in Pflanzen; Struktur und Funktion kompartiment-spezifischer Isozyme; Protein-Polysaccharid Interaktionen; Makromolekül-Analytik.
Neues Strukturkonzept in den Biowissenschaften
PUZ im Gespräch mit Prof. Martin Steup
Im Bereich Biowissenschaften (Biologie/Biochemie) der Universität Potsdam vollzog sich in den vergangenen Jahren eine nicht zu übersehende Entwicklung. Neue Berufungen erfolgten, WIP-Gruppen wurden angeschlossen, moderne Forschungsgeräte und Methoden eingeführt und das Angebot in der Lehre erheblich verbreitert. Es gibt aussichtsreiche Aktivitäten, in Kürze einen Sonderforschungsbereich zu etablieren. Wir sprachen mit Prof. Dr. habil. Martin Steup, kürzlich berufen für das Gebiet Pflanzenphysiologie, über sein Spezialgebiet, das neue Strukturkonzept der Biologie/Biochemie und dessen Umsetzung.
PUZ: Aus welchen Gründen entschieden Sie sich als Biologe für das Spezialgebiet Pflanzenphysiologie?
Prof. Steup: Innerhalb der Biologie haben mich chemische Methoden und Fragestellungen besonders interessiert. Die Pflanzenphysiologie ist die biologische Teildisziplin mit der wohl stärksten chemischen Orientierung. Angesichts der aktuellen Entwicklung der Pflanzenphysiologie, die durch die Einbeziehung der Molekularbiologie ausgelöst worden ist, bereue ich diese Entscheidung nicht.
PUZ: An der Universität
Potsdam wird die Biologie nach einem neuen Strukturkonzept aufgebaut. Wodurch unterscheidet es sich von anderen? In welche Richtung sollte sich also diese Wissenschaft hier profilieren?
Prof. Steup: Die traditionelle Institutsstruktur in der Biologie ergibt sich im wesentlichen aus den Untersuchungsobjekten. So befaßt man sich z. B. im Institut
für Botanik traditionell mit Pflanzen, in anderen mit Tieren bzw. Mikroorganismen. Innerhalb dieser drei Arbeitsgebiete haben sich in den letzten Jahren Fragestellungen stark verändert und Methodenspektren so verbreitert, daß jede Richtung sehr heterogen geworden ist. An der Universität Potsdam versucht man, dieser Entwicklung durch die Institutsstruktur Rechnung zu tragen. Die neuen Institute sind nicht durch die Untersuchungsobjekte, sondern die jeweiligen wissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden strukturiert. So wurde z.B. ein Institut für Ökologie und Naturschutz gegründet, in dem Botaniker, Zoologen und Mikrobiologen gemeinsam Organismen an ihrem natürlichen Standort untersuchen werden. Damit können die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen den verschiedensten Organismengruppen besser erfaßt werden. In einem anderen Institut sollen Evolutionsprozesse bei Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen untersucht werden. Im Institut für Zoophysiologie und Zellbiologie soll auf zellulärem und subzellulärem Niveau eine moderne Struktur- und Funktionsforschung betrieben werden. Schließlich sollen im Institut für Biochemie und molekulare Physiologie molekular orientierte biologische Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Bioanalytik angesiedelt werden. Zwischen diesen beiden Bereichen gibt es vielfältige Wechselbeziehungen. Die neue Institutsstruktur hat auch einen wichtigen praktischen Vorteil: Teure Großgeräte werden nur in jeweils einem Institut plaziert und stehen einem größeren Nutzerkreis zur Verfügung. Auf diese Weise können Parallelinvestitionen vermieden werden; eine hohe Nutzungseffizienz der einzelnen Großgeräte ist gesichert.
PUZ: Auf dem kürzlich an der Alma mater durchgeführten Biologischen Fakultätentag wurde betont, daß es unvertretbar sei, die Biologie nur für Serviceleistungen anderer Studiengänge und für das Lehramt zu nutzen.
Prof. Steup: Ein Ausbildungskonzept ohne Diplomstudiengang kann nicht funktionieren. Darüber besteht auch Einvernehmen mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Will man eine qualifizierte Lehre betreiben, so setzt das voraus, daß die Studierenden mit modernen Methoden und Forschungsergebnissen vertraut gemacht werden. Das ist nur mit funktionsfähigen Labors möglich, in denen wichtige moderne Methoden etabliert sind. Ausschließlich mit Lehramtskandidaten kann man ein modernes Labor jedoch nicht betreiben, weil deren Verweildauer im Labor zu gering ist. Viele Methoden erfordern lange Einarbeitungszeiten. Ein Labor läuft deshalb nur bei längerfristigen Forschungsaktivitäten. Ist diese Voraussetzung erfüllt, dann können Lehramtsstudenten in relativ kurzer Zeit einen sinnvollen Einblick in aktuelle Forschungsmethoden und Ergebnisse gewinnen. Im übrigen ist der Bedarf an Studienplätzen für die Diplomstudiengänge Biologie und Biochemie an der Universität Potsdam unstrittig. Für das kommende Wintersemester liegen bereits jetzt - die Bewerbungsfrist endet erst im Juli 1994-45 schriftliche Anfragen für den Diplomstudiengang Biologie und 54 Anfragen für Biochemie vor.
Prof. Steup, herzlichen Dank .
Das Interview führte Dr. Barbara Eckardt.