HOCHSCHULLEBEN
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Gast im Institut für Sportwissenschaft
Vom 14. - 23. April diesen Jahres weilte im Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam Herr Prof. Reuven Ko- hen - Raz zu Gast. Der Professor für „child psychology and special education“ lehrte bis 1989 an der Hebräischen Universität Jerusalem. Zwischen beiden Hochschulen existiert seit 1993 eine vertragliche Vereinbarung zur Zusammenarbeit. Ein Spezialgebiet des nun emeritierten Wissenschaftlers ist die Untersuchung des Zusammenhangs von motorischer und kognitiver Entwicklung bei Kindern.
Der Besuch Prof. Kohen - Raz' erfolgte aufgrund einer Einladung Prof. Philipps. Zuvor hatte dieser, Geschäftsführender Direktor des Potsdamer Instituts für Sportwissenschaft, die Möglichkeit wahrgenommen, nach Israel zu reisen, um einen ersten Kontakt herzustellen.
In seiner Heimat beschäftigt sich der israelische Wissenschaftler zuvorderst mit den Beziehungen zwischen dem Gleich
gewichtsverhalten und der kognitiven Entwicklung bei Schülern. Erstgenanntes ist objektiv meßbar mit einem Vier-Platten- Posturographen, von ihm selbst erfunden und weiterentwickelt.
Prof. Kohen-Raz
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Ein solches Gerät befindet sich seit kurzem auch im sportwissenschaftlichen Institut der hiesigen Alma mater, im übrigen ein Ergebnis der Israel-Reise Prof. Philipps. Dessen Gast nutzte nun in Potsdam die Gelegenheit, den Apparat angemes
sen einzustellen und für die Anwendung praktikabel zu machen.
Der einwöchige Aufenthalt diente beiden Seiten zu intensiver gemeinsamer Arbeit. Kooperative, systematische Forschungen konnten angebahnt werden. Ausdiskutiert wurde deren Richtung und Ausmaß. Eine Abklärung hinsichtlich der Umsetzung von Erkenntnissen in das brandenburgische Schulsystem - die praktische Seite also - gehörte ebenfalls zur thematischen Verständigung. Diesbezüglich gab es Unterredungen mit Vertretern des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport.
Das Programm enthielt des weiteren Lehrveranstaltungen und wissenschaftliche Gespräche mit Studenten, Mitarbeitern der Arbeitsbereiche Trainingslehre und Bewegung/Motorik sowie Sportmedizinern.
Nach seinen Eindrücken befragt, äußerte Prof. Kohen-Raz: „Der Besuch hier überschreitet weit meine Erwartungen. Ich
treffe auf Mitarbeiter mit hoher fachlicher Qualifikation. Das Institut ist modern ausgerüstet. So sehe ich größere Möglichkeiten der Zusammenarbeit, als ich eigentlich angenommen hatte.“
Text und Foto: P. Görlich
Akademische Daten zu Prof. Reuven Kohen-Raz:
- Geboren 1921
- 1950-1954 Studium an der Universität Zürich (Psychologie, Sondererziehung, Komposition bei Hin- demith)
- 1955-1958 Leiter der Abteilung für Jugendeinwanderung der israelischen Regierung
- 1958 Berufung an die Hebräische Universität Jerusalem
-1968-1970 Gastprofessur, Stanford, Califomien
- 1975 Gastprofessur, Sorbonne, Paris
- 1976 Gastprofessur, Universität Genf
- 1984 Gastprofessur, Universität Kioto, Japan
- 1989 Emeritierung
Stephanie Marschall absolviert derzeit das 2. Semester Jura an der Potsdamer Universität. Sie wurde 1970 in München geboren, besuchte dort die Realschule, lernte ein Jahr in den USA und schloß das Gymnasium in Marburg 1993 mit dem Abitur ab.
Wir fragten sie nach ihren Motiven für den Wunsch, in Potsdam zu studieren, und ersten Eindrücken.
Ich wollte nicht in München an einer Massenuniversität studieren. Diese Entscheidung habe ich nicht allein getroffen. Ich wurde beraten, habe mich mit anderen Studenten unterhalten. Sie erzählten mir, wie der Studienbetrieb, auch an kleineren Universitäten, im Westen abläuft. Die Hörsäle sind überfüllt. Das Studium macht keinen Spaß, weil Klausuren geschrie-
Warum studiere
ben werden, um Studenten „herauszufiltern“. Das hörte ich auch von Jurastudenten. Deshalb überlegte ich, ob ich das auf mich nehmen sollte, wenn es auch andere Bedingungen gibt.
Es existieren hier in Potsdam diese Zulassungsbeschränkungen. Danach dürfen sich nur 250 Studenten im Wintersemester und 150 im Sommersemester im Fach Jura einschreiben. Das heißt, die Hörsäle sind nicht überlaufen. Man wird nicht gedrängt. Es ist nicht alles so festgefahren.
Die Universität Potsdam ist noch recht unbekannt, weil sehr viele Menschen Vorurteile haben, da es sich um eine Einrichtung im Osten handelt. Bei einem Besuch schaute ich mir die Uni an und erkundigte mich, ob ich bei einer Studienaufnahme als Behinderte nicht benachtei-
ich in Potsdam?
ligt bin, ob das Studium genauso anerkannt wird wie im Westen. Ich unterhielt mich mit Herrn Rainer Homey aus dem Studienbüro der Juristischen Fakultät. Ich habe gemerkt, daß die Hilfsbereitschaft sehr groß ist. Die Verantwortlichen versprachen, sich für mich einzusetzen. Ich nahm auch Kontakt zu Frau Dr. Irma Bürger, Studienberaterin und Beraterin für behinderte Studenten, auf. Dieser gute Eindruck wurde bekräftigt, und so entschloß ich mich, hierher zu kommen. Das habe ich bisher nicht bereut.
Die materiellen Bedingungen, der Komfort, die Einkaufsmöglichkeiten, die Verkehrsanbindung und die begleitenden Angebote z.B. auf sportlichem Gebiet sind an anderen Universitäten noch besser. Darauf lege ich aber nicht so viel Wert. Mir ist wichtiger, daß wir mit den Pro
fessoren unmittelbar reden können, daß der Lehrstoff gut „rübergebracht“ wird. Die Professoren kommen, um aufzubauen und zu fördern. Das ist auch in den Lehrveranstaltungen spürbar.
Stephanie Marschall wohnt im Studentendorf Babelsberg.
Foto: Rüftert