Heft 
(1.1.2019) 09
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Nr. 9/94 - Seite 12

LEHRAMTSSTUDIUM

Modulare Studienstruktur und hochschuldidaktische

Gestaltung von Lehramtsstudiengängen an der

Universität Potsdam

1. Die angestrebte Professio­nalität der Lehrerbildung

Das Lehramtsstudium kann sei­nen differenzierten, sowohl for- schungs- wie professionsbezo­genen Aufgaben künftig nur dann gerecht werden, wenn es die einzelnen Komponenten in ein ganzheitlich konzipiertes Verlaufsmodell umsetzt. Ein solches Modell muß eine hoch- schuldidaktisch begründete Ko­ordination psychologischer, er- ziehungs- und sozialwissen­schaftlicher, fachwissenschaft­licher und fachdidaktischer so­wie schulpraktischer Studien für den gesamten Studienverlauf leisten. Von Beginn des Studi­ums an soll die Qualifikation für den Lehrerberuf als wissen­schaftlich qualifizierter Profes­sion gefördert und bewußt ge­macht werden. Dieser profes­sionellen Identitätsbildung der Lehramtsstudenten dient

- die frühzeitige Bewältigung von realen Aufgaben der Leh­rerrolle in schulischen und schulumfeldbezogenen Hand- lungsfeldem,

- die Sensibilisierung für pro­fessionelles Handeln und für die entsprechende Entwick­lung pädagogisch psychologi­scher Kompetenzen, ein­schließlich individueller psy- cho-physischer Belastbar­keitsmerkmale,

- die gezielte Aneignung

von wissenschaftlichem Fachwissen,

von operativem Prozeßwis­sen,

von professionsbezogenem Kontextwissen,

von pädagogischer und so­zialer Handlungskompe­tenz als der Bereitschaft und Fähigkeit, das im Studi­um erworbene Wissen im

Ein Vorschlag zur modularen Neu­konzeption der Studienordnungen nach den Organisationsprinzipien desPotsdamer Modells

Tätigkeitsfeld Schule und ihren außerschulischen Handlungskontexten ad­äquat anzuwenden sowie von einer partizipativen Forschungskompetenz, um die erworbenen Fähigkei­ten zu wissenschaftlicher Beobachtung und Analyse auch in künftigen professi­onsrelevanten Forschungs­aufgaben einsetzen zu kön­nen.

Für ein solches Lehramtsstudi­um empfiehlt sich eine Gliede­rung in Module, in denen die für ein professionsbezogenes Stu­dium der Erziehungs- und Fach­wissenschaften relevanten Kon­textegefaßt werden können.

2. Modulare Binnenstruktur

Das bisher zumeist kollektioni- stisch fragmentierte Studium der wissenschaftlichen Diszipli­nen muß durch die Prinzipien der Ganzheitlichkeit und Konti­nuität im Lernen korrigiert wer­den. An die Stelle der Logik von in kleinsten Einheiten parzel­lierten Wissensbeständen als Organisationsprinzip des Studi- enaufbaus, z. B. oft als sog. Teilgebiete aufgelistete, rasch veraltende Themen, müssen umfassendere Kontexte treten, in denen der Zusammenhang der Lehrinhalte in bezug auf pädagogische Berufspraxis und erziehungs wissenschaftliche Kompetenzaneignung behan­delt wird. Dies kann in einzel­nen, thematisch eingegrenzten ebenso wie in interdisziplinä­ren, projektorientierten Lehr­veranstaltungen geschehen. Es

kommt jedoch darauf an, den je­weiligen professionellen Kon­text zum expliziten Bezugs­punkt für Lern- bzw. Lehrpro­zesse zu machen.

Organisiert wird deshalb das er­ziehungs- und fachwissen­schaftliche Lehramtsstudium in Modulen. In einem Modul wer­den Gruppen von thematisch bisher ohne expliziten Bezug zueinander stehenden Veran­staltungen zusammengefaßt. Der Zusammenhang wird durch den Bezug auf einen gemeinsam de­finierten bzw. in der Lehrpla­nung vorgegebenen Kontext ge­stiftet. Thematisch können die einzelnen Lehrveranstaltungen durchaus dem Spektrum der bisherigen oder zukünftigen Schwerpunkte entstammen, die in den beteiligten Fächern ver­treten sind. Nicht mehr das Ab­arbeiten derartiger Teilgebiets­kataloge ist jedoch Organisati­onsprinzip, sondern die Zuord­nung der einzelnen Themen zu den jeweils sinnstiftend und stu­dienleitend definierten Kontex­ten.

3. Exemplarische Darstellung einer modularen Studienver­laufsstruktur für das erzie­hungswissenschaftliche Studi­um

Notwendig ist die inhaltliche und methodische Abstimmung zwischen den einzelnen Veran­staltungen durch eine enge Ko­operation zwischen den Lehren­den innerhalb jedes Moduls. Anzustreben ist die Bildung von interdisziplinär kooperierenden Veranstalterteams und - wo im­

mer möglich - die Integration der Lehrveranstaltungen in pro­jektförmige Lern- und Lehrzu­sammenhänge. Auf der Grund­lage des modularen Struktur­konzepts wird das erziehungs­wissenschaftliche Studium in eine für Lehrende und Studie­rende transparente Sequenz ge­ordnet, die vielfältige Ausge- staltungsmöglichkeiten offen läßt. Die Studierenden bauen ih­ren erziehungswissenschaftli- chen Studiengang selbstverant- wortlich aus einzelnen Modulen des Pflicht- und Wahlpflichtbe- reiches auf, die insgesamt den quantitativen Rahmen eines /Studienjahres füllen und damit auch die Einhaltung der vorge­schobenen Regelstudienzeit er­möglichen. Die modulare Struk­tur erlaubt ferner eine ausrei­chend flexible Verknüpfung mit Studiengangselementen anderer Teilstudiengänge des Lehramts­studiums, insbesondere der Fachdidaktiken und der unter­richtsfachbezogenen Disziplinen.

Zur Funktionsbestimmung der Module:

1. Modul: Orientierung über das erziehungswissenschaftli- che Studium und das professio­nelle Tätigkeitsfeld Schule

Kontext: Das erste Studienjahr dient einer einführenden Orien­tierung über die Erziehungswis­senschaften (Pädagogik, Psy­chologie, Sozialwissenschaf­ten) im Rahmen der Lehreraus­bildung und einer exemplari­schen Behandlung ausgewähl­ter Teilgebiete. Es vermittelt durch die Erkundung spezifi­scher pädagogischer Tätigkeits­felder im Rahmen schulprakti­scher Studien die reflektierte und erziehungswissenschaftlich begleitete Begegnung mit der zukünftigen Berufspraxis. Die