Nr. 9/94 - Seite 14
KONGRESS
Auf dem
Schon einmal tagten Mitglieder des Vereins von Erziehern gefährdeter Jugend in Räumen der Universität Potsdam. Das warim September des vergangenen Jahres. Damals berieten ca. 60. Teilnehmer aus dem In- und Ausland zur Thematik „Erlebnis, Wandel, Risiko - Erziehen zwischen gestern und morgen“.
Nun wird erneut ein Treffen, diesmal im größeren Rahmen, vorbereitet. Kamen damals vor allem Mitglieder des Deutschen Zweiges des Vereins, wird nun vom 11. - 16. September 1994 der XIII. Weltkongreß der „Association Internationale des Edu- cateurs Jeunes Inadaptes“ (AIE- JI) an der Potsdamer Alma mater stattfinden. Die Ende 1992 begonnenen Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren, wie Prof. Bärbel Kirsch, Dekanin der Philosophischen Fakultät II und Psychologin, versichert. Naturgemäß sei insbesondere der Bereich Psychologie in die notwendigen organisatorischen Arbeiten involviert. „Es ist uns gelungen“, so die Wissenschaftlerin, die „Schirmherrschaft des Kongresses Frau Dr. Regine Hildebrandt (Ministerin für Arbeit,
Weg zum XIII.
Gesundheit, Soziales und Frauen) anzutragen“. Von der Hand zu weisen ist diese Tatsache beim Thema: „Erzieherisches Handeln in weltweiten Krisen“ ganz sicher nicht. Die Teilnehmer wollen zentrale theoretische und praktische Fragestellungen der Erziehung und Sozialisation benachteiligter junger Menschen angesichts aktueller politischer Krisen in der Welt aufgreifen. Etabliert hat sich bereits das von Christiane Quaas geleitete Kongreßsekretariat. Für die Zukunft ist Hilfe sowohl von Mitarbeitern der AIEJI als auch von Studenten zugesagt.
In der thematischen Orientierung möchte man sich auf folgende Problemkreise konzentrieren:
- gesellschaftliche Umbrüche,
- soziale Benachteiligung und Randgruppenstellung,
- Armutsbedingungen,
-Flucht- und Entwurzelungsprobleme,
- ökologische Krisen, -unterschiedliche Formen der
Gewalt in Familie und Gesellschaft,
- Fremdenhaß/Rassismus,
- kriegerische Auseinandersetzungen.
Weltkongreß
„Das inhaltliche Angebot“, erläutert die Dekanin, „ist international angelegt und bietet eine umfassende Plattform für den Austausch von Meinungen, Ideen, Modellen, Projekten“. Neben Praktikern und Wissenschaftlern einschlägiger Bereiche werden auch Vertreter aus Politik und Gesellschaft erwartet. Bisher liegen insgesamt 400 Voranmeldungen vor. Auf ca. 500 - 600 Gäste ist man eingestellt.
Die Kongreßsprachen sind Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch. Ihre Beteiligung mit Hauptvorträgen haben bekannte Wissenschaftler wie Robert Castel (Frankreich), Prof. Horst Petri (Deutschland), Larry Brendtro (USA), Pierre Legend- re (Frankreich) und Dr. Sylvia Staub - Bemasconi (Schweiz) angekündigt. 7 Hauptreferate, ergänzt durch Einzelbeiträge und Workshops, bieten Diskussionsangebote. Geplant sind über den fachlichen Disput hinaus Fachbesuche in Berlin und innerhalb des Landes Brandenburg. „Wir denken hierbei an das Aufsuchen bestimmter sozialer Dienste, Therapiezentren sowie z. B.
der AIEJI
eines ökologisch orientierten Jugendhofes in Berge, in seiner Ausrichtung einmalig in Ostdeutschland.“
Die Absicherung eines derartigen Kongresses erfordert vor allem finanzielle Förderung. Erhalten haben sie die Organisatoren vom Bundesministerium für Frauen und Jugend. Gegenwärtig gibt es diesbezügliche erfolgversprechende Verhandlungen mit dem Brandenburger Wissenschaftsministerium. Gespräche mit eventuellen Sponsoren sind im Gange.
Die Universität Potsdam hat bislang ein hohes Maß an Zuwendung gezeigt. So konnte nicht nur die Beteiligung von Wissenschaftlern ermöglicht werden, Räume, technisches Personal und -Druckereikapazitäten stehen bei Bedarf zur Verfügung. Der endgültige Veranstaltungsort ist noch nicht festgelegt. Grund dafür sind die teilweisen Verzögerungen bei den Bauarbeiten am Audi. max. Gewünscht ist jedoch die Durchführung im historischen Ambiente des Standortes Am Neuen Palais.
P. G.
Echo auf Brandenburger Arbeitslehre-Konzept
Am 7. und 8. April 1994 tagte im Fachbereich Technische Bildung der VDI (Verein Deutscher Ingenieure), Ausschuß
„Modellstudiengang Technik in der Sekundarstufe II“. Das außerordentlich positive Echo aus anderen Bundesländern auf das Arbeitslehre-Konzept im Land Brandenburg veranlaßte die Hauptgruppe Technik und Bildung des VDI, sich an der Wei- terführung von Konzepten der technischen Allgemeinbildung zu beteiligen. Anlaß für eine Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Technische Bildung (Institut für Arbeitslehre/Technik) und dem VDI war das Vor
haben zur Entwicklung eines Modellstudienganges Technik im Bereich der Lehrerbildung für die Sekundarstufe II. Dazu wurde für dieses spezielle Vorhaben ein Projektausschuß gebildet, deren Vorsitzender Doz. Dr. habil. B. Meier ist. Die konstituierende Sitzung erarbeitete einen Arbeitsplan für die Ausschußarbeit, die auf etwa zwei Jahre befristet ist und folgende Arbeitsschritte vorsieht:
1. Analyse der entsprechenden Richtlinien der Bundesländer Brandenburg und Nordrhein- Westfalen mit Blick auf neue Ergebnisse der Curriculumforschung zum Unterrichts
fach Technik, besonders unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Begleitung des Faches Technik im Land Brandenburg unter Leitung des Fachbereiches technische Bildung;
2. Bewertung der vorliegenden Studienordnungen von Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit Blick auf Möglichkeiten bei anstehenden Novellierungen;
3. Entwicklung eines Modellstudienganges für die Ausbildung von Lehrern in der Sekundarstufe II, die zur Allgemeinen Hochschulreife führt.
Wir denken, daß die namhaften
Vertreter der Technischen Allgemeinbildung aus anderen Bundesländern, wie z. B. Prof. Brey- er, TU Berlin; Prof. Schulte, Rektor der Bildungswissenschaftlichen Hochschule Flensburg; Prof. Traebert, Universität Münster und Prof. Wagener, Universität-GH Essen ihre Erfahrungen in dem Maße einbringen werden, daß neben dem bildungspolitischen Konzept der technischen Allgemeinbildung auch die Ausbildung der Lehrer positive Wirkungen über die Landesgrenzen hinaus hinterläßt.
Dr. Olaf Czech