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(1.1.2019) 16
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VERWALTUNGSREFORM AN DER UNI POTSDAM?

ßere Entscheidungsfreiheit der Ausführenden und die Ermittlung ökonomisch korrekter Preise für Leistungen. Die Stärkung des Wett­bewerbsgedankens innerhalb und zwischen Behörden könnte ein Anreizsystem darstel­len. Allerdings erfordere dieser Ansatz auch ein gewissesLoslassen" des Staates nach dem Grundsatz:Mach nur das selbst, was du besser kannst als die anderen, alles an­dere kaufe.

Weitere Möglichkeiten der Reform lägen, so Werner Jann, in der Stärkung dezentraler Ein­heiten:Wenn eine Entscheidung delegiert ist, darf sie nicht wieder durch Genehmi­gungsvorbehalte und Richtlinien aufgehoben werden.

Darüber hinaus müßten der Zeit und dem Personal als zwei ganz wesentlichen Kosten­faktoren größere Bedeutung zugemessen werden.Bei den Personalfragen im öffent­lichen Dienst herrscht immer noch das Prin­zip der opportunistischen Konfliktvermei­dung vor, erklärte Jann und plädierte für gezielte Qualifikations- und Weiterbildungs­maßnahmen, aber auch für eine stärkere Mo­tivation der Mitarbeiter durch Einbeziehung und Verantwortungsdelegation, für eine Ver­gabe von Spitzenpositionen auf Zeit - und für weniger Beamte, die nur noch in verfas­sungsrechtlich unvermeidbaren hoheitlichen Funktionen eingesetzt werden sollten. Warum aber sind solch recht klare Ansätze bisher nicht in die Tat umgesetzt worden? An (primär theoretischen) Anläufen dazu hat es zwar nicht gefehlt - erinnert sei hier nur an die mittlerweile 26jährige Projektgruppe Regierungs- und Verwaltungsreform.

Einen zentralen Grund für die mangelhafte Durchsetzung sieht der Politikwissenschaft­ler Jann allerdings darin, daß die Verbesse­rung der Personal-, Organisations- und Ver­waltungsstrukturen in der Vergangenheit weitgehend der Verwaltung selbst überlas­sen und somit keine richtige Verwaltungs­politik betrieben wurde. Und in den Fällen, in denen man versucht hätte, Änderungsvor­schläge von außen in den betroffenen Orga­nisationen durchzusetzen, habe sich in der Regel einGandhi-artiger Widerstand" der Betroffenen geregt, der immerhin eine Ah­nung von der durchaus vorhandenen Kreati­vität der Betroffenen vermittelt hätte.

Der Lösungsvorschlag Werner Janns baut darauf auf: Der Staat müsse zwar durchaus und endlich einmal deutliche politische Vor­gaben für eine dezidierte Verwaltungspolitik formulieren; doch sollte er sich dabei des in den Organisationen vorhandenen Know- hows bedienen, da schließlich deren Mitglie­der selbst am allerbesten wüßten, wo genau es an ihrem Arbeitsplatz fehle. Zusätzlich plädierte Jann dafür, diese Reform in eine öffentliche Diskussion einzubetten, um ihre Akzeptanz zu erhöhen, und eineherausra­gende Persönlichkeit" mit ihrem Erfolg oder Mißerfolg zu identifizieren. Hg.

An einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts wie der Universität Potsdam er­freut sich das ThemaVerwaltungs­reform aufgrund einer möglichen, po­tentiellen Betroffenheit größeren Inter­esses. Das zeigte sich auch bei der An­trittsvorlesung Professor Werner Janns über dieses Thema. Myriam Honig er­kundigte sich für die PUZ einmal nach Querverbindungen zwischen den Aus­sagen des Politikwissenschaftlers und seinen verwaltungspraktischen Erfah­rungen an der Hochschule:

PUZ: Herr Jann, Sie haben sich in Ihrer An­trittsvorlesung mit der Frage beschäftigt, wie der öffentliche Sektor insgesamt und die Verwaltung im besonderen strukturiert sein sollten, um effizienter und moderner - eben schlagkräftiger - sein zu können. Was für Erfahrungen haben Sie denn an der Univer­sität Potsdam bislang mit der Verwaltung gemacht?

Jann: Ich bin zunächst sehr beeindruckt von der großen Einsatzbereitschaft der Mitarbei­ter der Universität und ich glaube, daß für die Universität wie auch für viele andere öffent­liche Bereiche folgendes güt: Es läuft zum guten Teil nur noch deswegen so gut, weil die Mitarbeiter besondere Anstrengungen unternehmen. Die Verfahrensweisen der Ver­waltung selber lassen sicherlich gelegentlich zu wünschen übrig, da habe ich auch hier so meine Erfahrungen gemacht. Z.B. sind Ver­fahren mitunter sehr langwierig, werden ge­legentlich auch Entscheidungen nicht so schnell getroffen, wie man sich das wünsch­te; gibt es mitunter sogar eine Scheu, schnel­le Entscheidungen herbeizuführen. Aber hier gilt genau das gleiche, wie überall - das sind oft mehr die überkommenen Strukturen und gelegentlich auch seit langer Zeit angelern­te Verhaltensweisen, die eine Rolle spielen. Insgesamt bin ich also mit der Verwaltung an der Uni Potsdam sehr zufrieden.

PUZ: Sie haben in Ihrer Antrittsvorlesung u.a. die These vertreten, daß der Staat sich lediglich um das kümmern sollte, was nur er kann - also um die Gebiete, die Private nicht genauso beherrschen. Gehören zu diesen Gebieten Ihrer Meinung nach auch die Uni­versitäten?

Jann: Ich habe, wie Sie richtig bemerken, gesagt, daß der Staat nicht alles machen sollte. Aber es gibt viele Sachen, die er ein­fach machen muß, weil niemand anderes sie machen wird, da sie nicht profitabel sind. Und dazu gehören für mich ganz eindeutig auch die Bildung und die Hochschulen. Das heißt aber nicht, daß im Bereich der Hoch­schulen auch sämtliche Serviceleistungen, die wir an der Hochschule benötigen, von der Universität hergestellt werden müssen. Es ergibt sich also hier wie z.B. auch bei der

Plädierte dafür, die Verwaltungsreform endlich anzuspacken: Prof. Dr. Jann bei seiner Antritts­vorlesung. Foto: Rüffert

Polizei oder den Ministerien, die Frage, in­wieweit wir einen eigenen Fuhrpark brau­chen oder eine eigene Druckerei? Inwieweit müssen wir bestimmte Serviceleistungen, die man auch auf dem Markt kaufen kann, selbst Vorhalten? Ich behaupte zwar auf keinen Fall, daß das notwendigerweise alles nach außen verlagert werden muß. Aber die Universität sollte sich zunächst auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen, der ist, Studenten mög­lichst gut auszubilden, möglichst gute For­schung zu betreiben. Und bei den Leistun­gen, die sie dazu benötigt, muß sie sich im­mer fragen, müssen wir das selber machen oder können wir das irgendwo kaufen? Da­mit diese Entscheidung sinnvoll getroffen werden kann, brauchen wir z.B. eine ver­nünftige Kostenrechnung. Also für mich ist ganz wichtig festzuhalten: ich behaupte nicht, daß das alles privat gemacht werden soll. Aber ich behaupte, es muß deutlich sein, warum wir das besser machen können als andere. Und heute haben wir häufig das Pro­blem, daß dies nicht ersichtlich ist. Wir kön­nen oft aus dem gegenwärtigen Haushalt nicht erkennen, was uns eigentlich bestimm­te Dienstleistungen kosten - vielleicht wäre es billiger, die woanders zu kaufen.

Die Universitäten sind dabei nur ein Spezial­bereich, aber es geht hin bis zu der Frage, wer eigentlich öffentliche Bauten erstellen soll? Muß das notwendigerweise ein staatli­ches Hochbauamt sein, oder kann man das nicht wie jeder andere Bauträger auch einer privaten Firma überlassen?

PUZ: Eine weitere These von Ihnen plädier­te für eine größere Effizienz in der Verwal­tung und in diesem Zusammenhang auch für ein stärkeres Abrücken vom Beamtentum. Beinhaltet dies auch ein Abrücken vom Be­amtentum im Bereich der Professoren? Jann: Ich denke, daß das Berufsbeamten­tum, wie es heute in Deutschland praktiziert

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