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VERWALTUNGSREFORM AN DER UNI POTSDAM?
ßere Entscheidungsfreiheit der Ausführenden und die Ermittlung ökonomisch korrekter Preise für Leistungen. Die Stärkung des Wettbewerbsgedankens innerhalb und zwischen Behörden könnte ein Anreizsystem darstellen. Allerdings erfordere dieser Ansatz auch ein gewisses „Loslassen" des Staates nach dem Grundsatz: „Mach nur das selbst, was du besser kannst als die anderen, alles andere kaufe“.
Weitere Möglichkeiten der Reform lägen, so Werner Jann, in der Stärkung dezentraler Einheiten: „Wenn eine Entscheidung delegiert ist, darf sie nicht wieder durch Genehmigungsvorbehalte und Richtlinien aufgehoben werden.“
Darüber hinaus müßten der Zeit und dem Personal als zwei ganz wesentlichen Kostenfaktoren größere Bedeutung zugemessen werden. „Bei den Personalfragen im öffentlichen Dienst herrscht immer noch das Prinzip der opportunistischen Konfliktvermeidung vor“, erklärte Jann und plädierte für gezielte Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen, aber auch für eine stärkere Motivation der Mitarbeiter durch Einbeziehung und Verantwortungsdelegation, für eine Vergabe von Spitzenpositionen auf Zeit - und für weniger Beamte, die nur noch in verfassungsrechtlich unvermeidbaren hoheitlichen Funktionen eingesetzt werden sollten. Warum aber sind solch recht klare Ansätze bisher nicht in die Tat umgesetzt worden? An (primär theoretischen) Anläufen dazu hat es zwar nicht gefehlt - erinnert sei hier nur an die mittlerweile 26jährige Projektgruppe Regierungs- und Verwaltungsreform.
Einen zentralen Grund für die mangelhafte Durchsetzung sieht der Politikwissenschaftler Jann allerdings darin, daß die Verbesserung der Personal-, Organisations- und Verwaltungsstrukturen in der Vergangenheit weitgehend der Verwaltung selbst überlassen und somit keine richtige Verwaltungspolitik betrieben wurde. Und in den Fällen, in denen man versucht hätte, Änderungsvorschläge von außen in den betroffenen Organisationen durchzusetzen, habe sich in der Regel ein „Gandhi-artiger Widerstand" der Betroffenen geregt, der immerhin eine Ahnung von der durchaus vorhandenen Kreativität der Betroffenen vermittelt hätte.
Der Lösungsvorschlag Werner Janns baut darauf auf: Der Staat müsse zwar durchaus und endlich einmal deutliche politische Vorgaben für eine dezidierte Verwaltungspolitik formulieren; doch sollte er sich dabei des in den Organisationen vorhandenen Know- hows bedienen, da schließlich deren Mitglieder selbst am allerbesten wüßten, wo genau es an ihrem Arbeitsplatz fehle. Zusätzlich plädierte Jann dafür, diese Reform in eine öffentliche Diskussion einzubetten, um ihre Akzeptanz zu erhöhen, und eine „herausragende Persönlichkeit" mit ihrem Erfolg oder Mißerfolg zu identifizieren. Hg.
An einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts wie der Universität Potsdam erfreut sich das Thema „Verwaltungsreform“ aufgrund einer möglichen, potentiellen Betroffenheit größeren Interesses. Das zeigte sich auch bei der Antrittsvorlesung Professor Werner Janns über dieses Thema. Myriam Honig erkundigte sich für die PUZ einmal nach Querverbindungen zwischen den Aussagen des Politikwissenschaftlers und seinen verwaltungspraktischen Erfahrungen an der Hochschule:
PUZ: Herr Jann, Sie haben sich in Ihrer Antrittsvorlesung mit der Frage beschäftigt, wie der öffentliche Sektor insgesamt und die Verwaltung im besonderen strukturiert sein sollten, um effizienter und moderner - eben schlagkräftiger - sein zu können. Was für Erfahrungen haben Sie denn an der Universität Potsdam bislang mit der Verwaltung gemacht?
Jann: Ich bin zunächst sehr beeindruckt von der großen Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter der Universität und ich glaube, daß für die Universität wie auch für viele andere öffentliche Bereiche folgendes güt: Es läuft zum guten Teil nur noch deswegen so gut, weil die Mitarbeiter besondere Anstrengungen unternehmen. Die Verfahrensweisen der Verwaltung selber lassen sicherlich gelegentlich zu wünschen übrig, da habe ich auch hier so meine Erfahrungen gemacht. Z.B. sind Verfahren mitunter sehr langwierig, werden gelegentlich auch Entscheidungen nicht so schnell getroffen, wie man sich das wünschte; gibt es mitunter sogar eine Scheu, schnelle Entscheidungen herbeizuführen. Aber hier gilt genau das gleiche, wie überall - das sind oft mehr die überkommenen Strukturen und gelegentlich auch seit langer Zeit angelernte Verhaltensweisen, die eine Rolle spielen. Insgesamt bin ich also mit der Verwaltung an der Uni Potsdam sehr zufrieden.
PUZ: Sie haben in Ihrer Antrittsvorlesung u.a. die These vertreten, daß der Staat sich lediglich um das kümmern sollte, was nur er kann - also um die Gebiete, die Private nicht genauso beherrschen. Gehören zu diesen Gebieten Ihrer Meinung nach auch die Universitäten?
Jann: Ich habe, wie Sie richtig bemerken, gesagt, daß der Staat nicht alles machen sollte. Aber es gibt viele Sachen, die er einfach machen muß, weil niemand anderes sie machen wird, da sie nicht profitabel sind. Und dazu gehören für mich ganz eindeutig auch die Bildung und die Hochschulen. Das heißt aber nicht, daß im Bereich der Hochschulen auch sämtliche Serviceleistungen, die wir an der Hochschule benötigen, von der Universität hergestellt werden müssen. Es ergibt sich also hier wie z.B. auch bei der
Plädierte dafür, die Verwaltungsreform endlich anzuspacken: Prof. Dr. Jann bei seiner Antrittsvorlesung. Foto: Rüffert
Polizei oder den Ministerien, die Frage, inwieweit wir einen eigenen Fuhrpark brauchen oder eine eigene Druckerei? Inwieweit müssen wir bestimmte Serviceleistungen, die man auch auf dem Markt kaufen kann, selbst Vorhalten? Ich behaupte zwar auf keinen Fall, daß das notwendigerweise alles nach außen verlagert werden muß. Aber die Universität sollte sich zunächst auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen, der ist, Studenten möglichst gut auszubilden, möglichst gute Forschung zu betreiben. Und bei den Leistungen, die sie dazu benötigt, muß sie sich immer fragen, müssen wir das selber machen oder können wir das irgendwo kaufen? Damit diese Entscheidung sinnvoll getroffen werden kann, brauchen wir z.B. eine vernünftige Kostenrechnung. Also für mich ist ganz wichtig festzuhalten: ich behaupte nicht, daß das alles privat gemacht werden soll. Aber ich behaupte, es muß deutlich sein, warum wir das besser machen können als andere. Und heute haben wir häufig das Problem, daß dies nicht ersichtlich ist. Wir können oft aus dem gegenwärtigen Haushalt nicht erkennen, was uns eigentlich bestimmte Dienstleistungen kosten - vielleicht wäre es billiger, die woanders zu kaufen.
Die Universitäten sind dabei nur ein Spezialbereich, aber es geht hin bis zu der Frage, wer eigentlich öffentliche Bauten erstellen soll? Muß das notwendigerweise ein staatliches Hochbauamt sein, oder kann man das nicht wie jeder andere Bauträger auch einer privaten Firma überlassen?
PUZ: Eine weitere These von Ihnen plädierte für eine größere Effizienz in der Verwaltung und in diesem Zusammenhang auch für ein stärkeres Abrücken vom Beamtentum. Beinhaltet dies auch ein Abrücken vom Beamtentum im Bereich der Professoren? Jann: Ich denke, daß das Berufsbeamtentum, wie es heute in Deutschland praktiziert
PUZ 16/94
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