CAMPUS
wird, weitgehend historisch überholt ist. Wir haben sehr viele Bereiche im öffentlichen Dienst, in denen Beamte und Angestellte genau die gleiche Arbeit tun und es ist sehr oft dem Zufall überlassen, ob jemand Beamter oder Angestellter ist, dem Zufall oder dem Haushaltsplan. Und ich glaube daher, daß wir auf diesem Feld einen Modemisierungsschub brauchen. Für mich ist nicht einsehbar, warum z.B. Lehrer oder Mitarbeiter der Universität Beamte sein müssen. Ich bin nicht der Meinung, daß ich als Hochschullehrer hoheitliche Aufgaben wahrnehme. Natürlich nehme ich Prüfungen ab, aber man sieht ja, es gibt auch angestellte Professoren. Das ist eine überkommene Regelung, die meines Erachtens auf den Prüfstand gehört. Aber - und das ist ganz wichtig - das kann nur von allen Bundesländern gemeinsam gemacht werden. Denn es geht natürlich nicht an, daß hier zwischen westlichen und östlichen Bundesländern differenziert wird. In dem Moment, in dem man sagt, naja das können wir jetzt schon mal probehalber in den neuen Bundesländern einführen, ergibt sich natürlich eine Wettbewerbsverzerrung. D.h. diese notwendige Reorientierung des Beamtenstatus, die aus meiner Sicht auf jeden Fall kommen wird - denn im Prinzip haben sich auch die Parteien schon mehr oder weniger stark dafür ausgesprochen - die kann nur bundesweit erfolgen. Es geht nicht an, daß man versucht, das im Osten (weil die Gelegenheit gerade günstig ist) einzuführen, um dann zu hoffen, daß der Westen nachzieht. Dann gäbe es erhebliche Wettbewerbsverzerrungen. Ich kann mir aber insgesamt nicht vorstellen, daß wir in zehn Jahren noch den gleichen Beamtenstatus haben werden wie heute.
PUZ: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jann.
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DIE CHEMIE STIMMT
Treffen zwischen Potsdams Oberbürgermeister und dem Rektor in angenehmer Atmosphäre
Verkehrsprobleme, der Komplex Luftschiffhafen und die Verwendung innerstädtischer Gebäude zur Deckung eines Interimsbedarfes der Universität standen ganz oben auf der Themenliste bei einem ausführlichen Gespräch des Potsdamer Oberbürgermeisters, Dr. Horst Grämlich, mit Vertretern der Uni-Leitung. Dieses Treffen fand in großem Einvernehmen statt und hat aufgezeigt, daß die städtischen und universitären Positionen zum überwiegenden Teil identisch sind. So betonte Dr. Grämlich die Wichtigkeit der Hochschule für die Stadt Potsdam und erklärte: „Schon heute ist in Potsdam die Wissenschaft der zweitgrößte Arbeitgeber. Es ist selbstverständlich, daß die Interessen und Wünsche der Universität vor diesem Hintergrund auch für die Stadt von vorrangigem Interesse sind.“
Seitens der Universität verdeutlichten Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner, die Prorektoren Prof. Dr. Gerhard Kempter, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder und Prof. Dr. Manfred Görtemaker sowie der Kanzler Alfred Klein vor allem die Problematik der schlechten verkehrstechnischen Anbindung der drei Uni-Standorte Babelsberg, Am Neuen Palais und Golm. Zwar liegt jeder dieser Standorte an einer Schiene, doch gibt es immer noch keine in z.B. halbstündigen Abständen verkehrende S- oder Regional-Bahn- Verbindung. Dies wäre vor allem deshalb erforderlich, weil viele Studierende nicht motorisiert sind.
Der OB versprach, sich dieses Themas anzunehmen und darüber hinaus bei der Deutschen Bahn AG bezüglich des geplanten Übergangs vom S- Bahnhof Grieb- nitzsee zum nahe- gelegenen Universitätsstandort Babelsberg Erkundigungen einzuziehen. Was die zu erwartende, konkrete Verkehrsausnutzung einer von Babelsberg über die Station Wildpark/Am Neuen Palais nach Golm weitergeführten S- bzw. Regional-Bahn-Linie betrifft, so ist daran gedacht, seitens der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ein Forschungsprojekt zu starten. Dadurch verspricht man sich Aussagen zum Bedarf einer solchen Verbindung, die nicht nur durch Studierende, sondern auch durch Touristen, die nach Sanssouci wollen, genutzt werden könnte und sollte.
Ein weiteres, drängendes Problem stellt die
derzeitige Raumsituation der Hochschule dar. Hat doch die Attraktivität ihres Standortes und des Gründungskonzeptes zur Folge, daß international renommierte Forscher in die brandenburgische Landeshauptstadt kamen und kommen: von 188 bislang ausgeschriebenen Professuren haben derzeit 140 einen Ruf nach Potsdam angenommen. Dadurch kann zwar den in diesem Wintersemester knapp 8.000 Studierenden ein qualitativ hochstehendes Angebot gemacht werden;
doch ist die Universität auch „vollgelaufen", benötigt sie bis zur Realisierung ihrer beantragten und geplanten Neubaumaßnahmen dringend zusätzliche Räume. Im Gespräch mit dem OB war in diesem Zusammenhang die Ruinenberg-Kaserne. Der Rektor, Prof. Dr. Rolf Mitzner, machte jedenfalls deutlich, daß für die Universität von einer solchen Lösung Millionen von Drittmittelgeldern abhängen, die nur fließen können, wenn den Forschern auch entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Betont wurde in diesem Zusammenhang von beiden Seiten die bereits jetzt hinter der Hochschule steckende Wirtschaftskraft, die der Stadt beispielsweise in Form von Kongressen, Übernachtungen, gastronomischer Versorgung oder sich ansiedelnden Gewerbebetrieben Vorteile bringt - ganz abgesehen von den dauerhaft hier lebenden, wohnenden und Abgaben zahlenden neuen Einwohnern. Hg.
Besprachen aktuell anstehende Problemfelder: Potsdams Oberbürgermeister Dr. Hoist Grämlich und Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner (links im Hintergrund). Foto: Puffert
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PUZ 16/94
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