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EUROPA FASSBAR MACHEN
Zur Partnerschaft mit der Universität Camerino/Italien
Camerino bietet ein mittelalterliches Stadtbild, von dem sich schon bald Vertreter der Potsdamer Universität vor Ort einen Eindruck vermitteln lassen werden. Foto: hh.
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Partnerschaften zwischen Hochschulen sind ebenso wie Kooperationen von Städten nur dann sinnvoll, wenn sie auch von Menschen getragen und gelebt werden. Um das Gebilde Europa faßbar zu machen und mit Leben zu erfüllen, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Verträge unterzeichnet. So auch im wissenschaftlichen Bereich. Die Universität Potsdam profitiert dabei heute von früheren Kontakten nach Osteuropa, die man nach der Wende langsam wieder aufbaute; und sie bemüht sich um neue Beziehungen zu außer- und westeuropäischen Hochschulen. In dieser Reihe wäre auch die Partnerschaft zur Universität Camerino in Italien zu sehen, die in diesem Jahr abgeschlossen wurde und nun belebt werden soll.
Zu diesem Zweck weilte kürzlich Professor Dr. Mario Giannella, der Rektor der Universität Camerino, in Potsdam. Im Zuge eines Gespräches mit Rektor Professor Dr. Rolf Mitzner und den Professoren Dr. Helene Harth, Dr. Georg Küpper, Dr. Erhard Stölting und Dr. Dieter Wagner sowie Dr. Sabine Zangenfeind konnte vereinbart werden, daß voraussichtlich im März 1995 diverse Dozenten nach Camerino reisen, dort erste Kontakte mit Wissenschaftlern ihres Faches aufnehmen und Vorträge halten werden. Gedacht ist dabei primär an Naturwissenschaftler (da die Naturwissenschaften in Camerino sehr stark vertreten sind); aber auch die Potsdamer Politikwissenschaftler und die Juristen bekundeten Interesse an gemeinsamen Projekten.
Einverständnis bestand darüber, die Austauschbeziehungen zunächst auf der Ebene von Dozenten zu belassen und sie erst nach einer Intensivierung auf Assistenten, Doktoranden und Studierende auszudehnen. Zur sprachlichen Vorbereitung der Studenten sind dabei Intensivkurse an der Heimatuniversität vorgesehen, wobei die Potsdamer Jura-, Politikwissenschafts- und Soziologiestudenten es nach Einschätzung Prof. Harths dank integrierter Sprachkurse innerhalb ihres Studiums relativ leicht haben dürften. Der Rektor aus Camerino stellte in Aussicht, daß die deutschen Studierenden einen Wohnheimplatz an seiner Hochschule bekommen könnten, wenn sie zwischen Mitte Juli und Mitte September in Italien wehten.
Darüber hinaus beschloß die Runde, verstärkt zu Kongressen an die jeweüs eigene Hochschule einzuladen und die vorhandenen Theatergruppen miteinander in Kontakt zu bringen. Der Vertreter der Universität Camerino zeigte sich interessiert an der Delegation einer Lehrkraft, die von November bis Mai russische Sprachkurse in Italien abhalten könnte (bei freier Unterkunft und einem Entgeld von rund 1000 DM).
Bereits geklärt werden konnte, so Prof. Dr. Helene Harth, die Entsendung eines Computerfachmannes aus Potsdam, der in Camerino bei der Behebung von technischen Schwierigkeiten im Sprachenzentrum mithelfen sollte.
Doch möchten sowohl die Partner aus Camerino als auch die Potsdamer über diese Ebene hinausgehen und die Kooperation im Hochschulbereich nur als Teil eines größeren Paketes sehen. Prof. Harth und den anderen schwebt dabei eine Regionalpartnerschaft zwischen Umbrien/Marche und Brandenburg vor, durch die auch Schulkontakte, die Zusammenarbeit kleiner Firmen, der Austausch von Vereinen und vieles mehr ermöglicht werden könnte. Als Basis dafür betrachtet die Romanistin Helene Harth die bereits seit längerem bestehende Städtepartnerschaft zwischen dem unweit von Camerino gelegenen Perugia und Potsdam. „Dies würde einer breiten Bevölkerungsschicht die Möglichkeit zum Austausch geben“, meint sie. - Eine italienische Woche in der Potsdamer Gastronomie? Helene Harth möchte für solch eine Regionalpartnerschaft jedenfalls auch um Unterstützung bei der italienischen Botschaft und dem italienischen Außenministerium werben.
Hg.
Zwei, die sich gut verstehen: der Rektor der Universität Camerino, Prof. Dr. Mario Giannella (links), und Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner. Foto: Tribukeit
PUZ 16/94
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