STUDIOSI
„EIN GEWALTIGES STÜCK UTOPIE VERLOREN"
Resümee des Studentenrates für die Wahlperiode 1994
Im Januar dieses Jahres gewählt, zogen sie nun Ende November im Rahmen einer „Vollversammlung'' ein erstes Fazit ihrer Arbeit: die Studentinnen und Studenten des Potsdamer Studentenrates. Der dabei von dem Vorstandsmitglied Stephan Telschow gegebene Rückblick zeugte von einer gewissen Frustration und Enttäuschung, vor allem in Bezug auf die mangelnde Verankerung der gewählten studentischen Vertretung bei den Studierenden selber. Er wies jedoch auch beachtliche greifbare Resultate, wie diverse Infobroschüren, kulturelle Aktivitäten und Serviceangebote, für die Studentenschaft auf. „Verloren haben wir insgesamt ein gewaltiges Stück Utopie. Gleichermaßen haben wir die Endlichkeit eigener Kraft und das Scheitern von Ideen erlebt und manchmal auch erkannt, was die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit ausmacht", lautet eine der Erkenntnisse des 94’er Studentenrates. Nachvollziehbar wird diese Bewertung, wenn man sich die Rahmenbedingungen der studentischen Vertretung besieht: gewählt mit nur acht Prozent Wahlbeteiligung, blieben von 13 Referaten gerade noch sieben (allerdings arbeitsfähige) übrig, erschienen zu der ersten „Vollversammlung“ im Wintersemester 94/95 von über 4.500 Präsenzstudenten der Universität Potsdam am Neuen Palais gerade mal 50 und in Babelsberg zwischen zehn und 15 Studierende. Für die jetzt im Dezember anberaumten Neuwahlen erklärten sich zunächst nur neun zu einer Kandidatur bereit, obwohl insgesamt 15 Sitze zu vergeben sind.
Diejenigen allerdings, die sich von fehlendem Engagement der Gesamtstudentenschaft nicht abschrecken ließen, leisteten 1994 im Rahmen ihrer (auch zeitlich begrenzten) Möglichkeiten gute Arbeit: Zu nennen wäre da der Auf- und Ausbau der Referate für Kultur, Fachschaften, Internationales, Verkehr und Umwelt, Finanzen und der zwei Sozialreferate (eines zum Thema Studieren mit Kind und Frauen sowie eines für BAföG und Wohnen).
Darüber hinaus wurde die neu in Kraft getretene Satzung umgesetzt, der Studentenrat also institutionalisiert. Im einzelnen konnten z.B. Sprechstunden zu Problemfeldern (BAföG, Wohnen,...) angeboten, eine Fahrradwerkstatt sowie ein Fahrradverleih am Neuen Palais ins Leben gerufen und ein Konzept für die „StuRa-Zeitung unikunde“ erarbeitet werden.
„Die Umsetzung der genannten Ziele verlief entsprechend der Motivation und des persönlichen Anspruches jedes Einzelnen, wobei die Diskrepanz zwischen persönlichem Engagement und der Gleichgültigkeit und Initiativlosigkeit, auf die man bei einem entsprechenden Engagement häufig traf, mitunter heftige, prinzipielle Diskussionen über die Verpflichtungen der gewählten Mitglieder auslöste'', meinte Stephan Telschow dazu. So wären beispielsweise aufgrund mangelnder Reaktionen seitens der Studentenschaft grundlegende Entscheidungen nur auf der Basis vager Vermutungen möglich gewesen.
Der Tenor auf der Versammlung Ende November lautete denn auch, daß es zwar nicht „den“ Studenten gäbe, eine Einbindung möglichst vieler Studierender in den Meinungsbildungsprozeß jedoch weiterhin Ziel des Studentenrates bleiben würde. Entsprechend mehr Öffentlichkeit für die Arbeit des Studentenrates erzeugen wollen denn auch die zur Wahl der neuen Studentenvertretung angetretenen neun Kandidatinnen und Kandidaten. Es sind dies Robert Bachmann (Politikwissenschaft/Volkswirtschaftslehre), Oliver Braun (Jura), Kay Engelhardt (Politikwissenschaft), Gunnar Falkner (Jura), Oliver Hickfang (Politikwissenschaft), Ralf Norbert Müller (Jura), Thomas Schatz (Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Psychologie), Bertram Welker (Politikwissenschaft) und Hendrik Zank (Biologie). Bedauert wurde von den zum Rückblick der alten und zum Ausblick der neuen Vertreter versammelten Studierenden nur, daß eine Vorstellung der einzelnen Kandidaten und ihrer Ziele lediglich ansatzweise möglich war, da von den neun Aufgestellten fünf aus diversen Gründen nicht erscheinen konnten.
Bei denjenigen, die da waren und sich vorstellten, kam zum Ausdruck, daß sie in erster Linie ein Zeichen setzen wollten wider die Passivität. Konkrete Ziele und Vorhaben gab es wenig, aber auf jeden Fall die Bereitschaft, sich einzusetzen und eben damit schon mehr zu tun, als tausende andere. Immer dann allerdings, wenn die Sprache auf einzelne Problemfelder - wie beispielsweise die Mieten in den Studentenwohnheimen oder das Thema Diätenzahlungen an Studentenratsvertreter - kam, wurde das Thema nur angeschnitten, nicht konkretisiert und erst recht nicht ausdiskutiert. Bleibt die Frage, wo dies denn geschehen solle, wenn nicht auf „Vollversammlungen“? Hg.
Graduierten-Stipendien für Japan
„Die deutsche Wirtschaft braucht Japan-Experten, die sich in der japanischen Sprache, Kultur und Wirtschaft auskennen, um der japanischen Herausforderung entgegentreten zu können“, lautet seit Jahren der Mahnruf, der sich nicht zuletzt an Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen richtet. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat deshalb 1984 ein Programm für Japanstudien eingerichtet. In dem jetzt zum zwölften Mal ausgeschriebenen Programm können deutsche Hochschulabsolventen ab Mitte 1995 zwei Jahre lang in Japan die Sprache, Kultur und Wirtschaft des Landes kennenlernen und studieren. Das Programm „Sprache und Praxis in Japan“ richtet sich an junge Absolventen der Naturwissenschaften, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Architektur. Es ist eine Kombination von Sprachausbildung, Landeskunde und Praktikum mit dem Ziel, jungen Graduierten eine auf Japan bezogene Zusatzausbildung zu geben und das Angebot von „Japan-Experten“ auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erhöhen. Das Programm soll damit einen Beitrag leisten zur Heranbildung von Fachleuten in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, die mit Sprache und Kultur des modernen Japan vertraut sind. Die Teilnehmer werden zunächst in einem dreiwöchigen sprachlichen und landeskundlichen Vorbereitungskurs am Landesinstitut für Japanische Sprache in Bochum auf den Japanaufenthalt vorbereitet. Daran schließt sich ein einjähriger Sprachkurs in Tokio an, dem ein etwa zehnmonatiges Praktikum in einem japanischen bzw. deutsch-japanischen Unternehmen in Japan oder in einer Verwaltungsorganisation folgt. Bewerber müssen ein gutes Abschlußexamen an einer Universität oder Fachhochschule, das nicht länger als zwei Jahre zurückliegt, sowie gute Englischkenntnisse nach weisen. Bewerbungsunterlagen und nähere Informationen sind beim DAAD, Referat 424, Kennedyallee 50, 53175 Bonn erhältlich. Bewerbungsabschluß ist der 10. Januar 1995. zg.
Uni-Planer erschienen
Organisieren heißt, etwas sorgfältig und systematisch vorbereiten und für einen reibungslosen, planmäßigen Ablauf sorgen. Da auch ein Studium organisiert werden sollte, bietet der Uni-Planer für das Wintersemester ' 94/' 95 der AOK-Gesundheitskasse Studentinnen und Studenten den nötigen Platz, um den Überblick nicht zu verlieren. Dazu gibt es Tips, wie der Alltag möglichst streßfrei gemeistert werden kann. Der Planer ist bei jeder AOK-Geschäftsstelle kostenlos erhältlich. Hrsg.: WDV Wirtschaftsdienst Gesellschaft für Medien und Kommunikation mbH & Co. OHG in Frankfurt a.M.; Redaktion: Verena Geisel und Kerstin Michalek.
Öffentlichkeit durch die PUZ?
Ein Mittel, mehr Öffentlichkeit für die Arbeit des Studentenrates zu erzielen, könnte auch die PUZ sein. Die Redaktion der Potsdamer Universitätszeitung jedenfalls würde sich über studentische Beiträge freuen. Auch aus diesem Grunde gibt es in der PUZ schließlich die Rubrik „Studiosi“...
PUZ 16/94
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