Heft 
(1.1.2019) 16
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STUDIOSI

EIN GEWALTIGES STÜCK UTOPIE VERLOREN"

Resümee des Studentenrates für die Wahlperiode 1994

Im Januar dieses Jahres gewählt, zogen sie nun Ende November im Rahmen einerVoll­versammlung'' ein erstes Fazit ihrer Arbeit: die Studentinnen und Studenten des Potsda­mer Studentenrates. Der dabei von dem Vor­standsmitglied Stephan Telschow gegebene Rückblick zeugte von einer gewissen Frustra­tion und Enttäuschung, vor allem in Bezug auf die mangelnde Verankerung der gewähl­ten studentischen Vertretung bei den Studie­renden selber. Er wies jedoch auch beacht­liche greifbare Resultate, wie diverse Info­broschüren, kulturelle Aktivitäten und Ser­viceangebote, für die Studentenschaft auf. Verloren haben wir insgesamt ein gewaltiges Stück Utopie. Gleicher­maßen haben wir die Endlichkeit ei­gener Kraft und das Scheitern von Ideen erlebt und manch­mal auch erkannt, was die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit ausmacht", lautet eine der Erkenntnisse des 94er Studentenrates. Nachvollziehbar wird diese Bewertung, wenn man sich die Rahmenbedingungen der stu­dentischen Vertretung besieht: gewählt mit nur acht Prozent Wahlbeteiligung, blieben von 13 Referaten gerade noch sieben (aller­dings arbeitsfähige) übrig, erschienen zu der erstenVollversammlung im Winterseme­ster 94/95 von über 4.500 Präsenzstudenten der Universität Potsdam am Neuen Palais gerade mal 50 und in Babelsberg zwischen zehn und 15 Studierende. Für die jetzt im Dezember anberaumten Neuwahlen erklär­ten sich zunächst nur neun zu einer Kandi­datur bereit, obwohl insgesamt 15 Sitze zu vergeben sind.

Diejenigen allerdings, die sich von fehlendem Engagement der Gesamtstudentenschaft nicht abschrecken ließen, leisteten 1994 im Rahmen ihrer (auch zeitlich begrenzten) Möglichkeiten gute Arbeit: Zu nennen wäre da der Auf- und Ausbau der Referate für Kultur, Fachschaften, Internationales, Ver­kehr und Umwelt, Finanzen und der zwei Sozialreferate (eines zum Thema Studieren mit Kind und Frauen sowie eines für BAföG und Wohnen).

Darüber hinaus wurde die neu in Kraft getre­tene Satzung umgesetzt, der Studentenrat also institutionalisiert. Im einzelnen konnten z.B. Sprechstunden zu Problemfeldern (BAföG, Wohnen,...) angeboten, eine Fahr­radwerkstatt sowie ein Fahrradverleih am Neuen Palais ins Leben gerufen und ein Kon­zept für dieStuRa-Zeitung unikunde erar­beitet werden.

Die Umsetzung der genannten Ziele verlief entsprechend der Motivation und des per­sönlichen Anspruches jedes Einzelnen, wo­bei die Diskrepanz zwischen persönlichem Engagement und der Gleichgültigkeit und Initiativlosigkeit, auf die man bei einem ent­sprechenden Engagement häufig traf, mitun­ter heftige, prinzipielle Diskussionen über die Verpflichtungen der gewählten Mitglieder auslöste'', meinte Stephan Telschow dazu. So wären beispielsweise aufgrund mangelnder Reaktionen seitens der Studentenschaft grundlegende Entscheidungen nur auf der Basis vager Vermutungen möglich gewesen.

Der Tenor auf der Versammlung Ende November lautete denn auch, daß es zwar nicht den Studenten gäbe, eine Einbin­dung möglichst vieler Studierender in den Meinungs­bildungsprozeß je­doch weiterhin Ziel des Studentenrates bleiben würde. Entsprechend mehr Öffentlichkeit für die Ar­beit des Studentenrates erzeugen wollen denn auch die zur Wahl der neuen Studen­tenvertretung angetretenen neun Kandidatin­nen und Kandidaten. Es sind dies Robert Bachmann (Politikwissenschaft/Volkswirt­schaftslehre), Oliver Braun (Jura), Kay Engel­hardt (Politikwissenschaft), Gunnar Falkner (Jura), Oliver Hickfang (Politikwissenschaft), Ralf Norbert Müller (Jura), Thomas Schatz (Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Psychologie), Bertram Welker (Politikwissen­schaft) und Hendrik Zank (Biologie). Bedau­ert wurde von den zum Rückblick der alten und zum Ausblick der neuen Vertreter ver­sammelten Studierenden nur, daß eine Vor­stellung der einzelnen Kandidaten und ihrer Ziele lediglich ansatzweise möglich war, da von den neun Aufgestellten fünf aus diver­sen Gründen nicht erscheinen konnten.

Bei denjenigen, die da waren und sich vor­stellten, kam zum Ausdruck, daß sie in erster Linie ein Zeichen setzen wollten wider die Passivität. Konkrete Ziele und Vorhaben gab es wenig, aber auf jeden Fall die Bereitschaft, sich einzusetzen und eben damit schon mehr zu tun, als tausende andere. Immer dann al­lerdings, wenn die Sprache auf einzelne Problemfelder - wie beispielsweise die Mie­ten in den Studentenwohnheimen oder das Thema Diätenzahlungen an Studentenrats­vertreter - kam, wurde das Thema nur ange­schnitten, nicht konkretisiert und erst recht nicht ausdiskutiert. Bleibt die Frage, wo dies denn geschehen solle, wenn nicht aufVoll­versammlungen? Hg.

Graduierten-Stipendien für Japan

Die deutsche Wirtschaft braucht Japan-Ex­perten, die sich in der japanischen Sprache, Kultur und Wirtschaft auskennen, um der japanischen Herausforderung entgegentreten zu können, lautet seit Jahren der Mahnruf, der sich nicht zuletzt an Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen richtet. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat deshalb 1984 ein Programm für Japanstudien eingerichtet. In dem jetzt zum zwölften Mal ausgeschriebenen Programm können deutsche Hochschulabsolventen ab Mitte 1995 zwei Jahre lang in Japan die Spra­che, Kultur und Wirtschaft des Landes ken­nenlernen und studieren. Das Programm Sprache und Praxis in Japan richtet sich an junge Absolventen der Naturwissenschaften, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, In­genieurwissenschaften und Architektur. Es ist eine Kombination von Sprachausbildung, Landeskunde und Praktikum mit dem Ziel, jungen Graduierten eine auf Japan bezoge­ne Zusatzausbildung zu geben und das An­gebot vonJapan-Experten auf dem deut­schen Arbeitsmarkt zu erhöhen. Das Pro­gramm soll damit einen Beitrag leisten zur Heranbildung von Fachleuten in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, die mit Spra­che und Kultur des modernen Japan vertraut sind. Die Teilnehmer werden zunächst in einem dreiwöchigen sprachlichen und lan­deskundlichen Vorbereitungskurs am Lan­desinstitut für Japanische Sprache in Bo­chum auf den Japanaufenthalt vorbereitet. Daran schließt sich ein einjähriger Sprachkurs in Tokio an, dem ein etwa zehnmonatiges Praktikum in einem japanischen bzw. deutsch-japanischen Unternehmen in Japan oder in einer Verwaltungsorganisation folgt. Bewerber müssen ein gutes Abschlußex­amen an einer Universität oder Fachhoch­schule, das nicht länger als zwei Jahre zu­rückliegt, sowie gute Englischkenntnisse nach weisen. Bewerbungsunterlagen und nähere Informationen sind beim DAAD, Re­ferat 424, Kennedyallee 50, 53175 Bonn er­hältlich. Bewerbungsabschluß ist der 10. Ja­nuar 1995. zg.

Uni-Planer erschienen

Organisieren heißt, etwas sorgfältig und sy­stematisch vorbereiten und für einen rei­bungslosen, planmäßigen Ablauf sorgen. Da auch ein Studium organisiert werden sollte, bietet der Uni-Planer für das Wintersemester ' 94/' 95 der AOK-Gesundheitskasse Studen­tinnen und Studenten den nötigen Platz, um den Überblick nicht zu verlieren. Dazu gibt es Tips, wie der Alltag möglichst streßfrei gemeistert werden kann. Der Planer ist bei jeder AOK-Geschäftsstelle kostenlos erhält­lich. Hrsg.: WDV Wirtschaftsdienst Gesell­schaft für Medien und Kommunikation mbH & Co. OHG in Frankfurt a.M.; Redaktion: Verena Geisel und Kerstin Michalek.

Öffentlichkeit durch die PUZ?

Ein Mittel, mehr Öffentlichkeit für die Arbeit des Studentenrates zu erzielen, könnte auch die PUZ sein. Die Redak­tion der Potsdamer Universitätszeitung jedenfalls würde sich über studenti­sche Beiträge freuen. Auch aus diesem Grunde gibt es in der PUZ schließlich die RubrikStudiosi...

PUZ 16/94

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