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(1.1.2019) 16
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STUDENTEN VERHINDERNERSTARRUNG"

Ernährungswissenschaft als gemeinsamer Studiengang von Universität und Deutschem Institut für Ernährungsforschung

Dank des gemeinsamen Studiengangs haben Studierende frühzeitig Zugang zu modernen Apparaturen, wie beispielsweise diesem im DIfE zur Verfügung stehenden Atomabsorptionsgerät.

Foto: zg.

Wenn eine neue Universität gegründet wird, dann sollten die allgemeinen Reformbemüh­ungen in diesem Bereich Berücksichtigung finden. Das betrifft beispielsweise die Zusam­menarbeit von Universitäten und außeruni­versitären Einrichtungen. In Potsdam kann dabei auf gute Ergebnisse verwiesen werden. Mit diesen Worten eröffnete Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner kürzlich eine Pressekonferenz, zu der Universität und Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) geladen hatten.

Der von beiden Einrichtungen gemeinsam bestrittene Studiengang Ernährungswissen­schaft sowie sechs gemeinsam berufene Pro­fessoren sind dabei Beleg für eine besonders gelungene Kooperation. Erste Ergebnisse präsentieren sich wie folgt: Im Winterseme­ster 1992 konnte das Studienangebot an der Universität Potsdam um das Fach Ernäh­rungswissenschaft erweitert werden. Wis­senschaftler des Institutes für Ernährungs­wissenschaft der Uni und des DIfE sorgten dafür, daß sich diese Wissenschaft in Lehre und Forschung zu einem Schwerpunkt an der Alma mater entwickelte. Dabei ist die Koope­ration für beide Seiten von Nutzen. Prof. Dr. Christian A. Barth, Wissenschaftlicher Direk­tor des DIfE, begründete sein Interesse an der Verknüpfung mit der Universität damit, daß dadurch der Gefahr einerErstarrung be­gegnet werde.Es kommt permanent Leben in die Bude, weil die neugierigen Studenten mit ihren mehr oder weniger angenehmen Fragen dafür sorgen, daß sich seine 190 Mit­arbeiter nicht nur mit ihren Problemen be­schäftigen. Außerdem sei es für viele Wissen­schaftler attraktiv, die Professur an einer na­hegelegenen Universität mit einer Abtei­lungsleiter- funktion zu verbinden. Die Uni­versität ihrerseits verfüge mit diesen Spezia­listen des DIfE über Fachleute, die man sich sonst nicht leisten könne, ergänzte Prof. Mitzner.

Das DIfE, hervorgegangen aus dem Zentral­institut für Ernährung, bringt Resultate einer

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über 40jährigen Forschungsarbeit in die Kon­zeption und die Ausgestaltung dieses Studi­ums ein. Die Ernährungswissenschaft ist kein streng umgrenztes Fachgebiet, sondern um­faßt alle für die menschliche Ernährung be­deutsamen Belange. Kein Schmalspurstudi­um, sondern eine breit gefächerte Ausbil­dung mit naturwissenschaftlichen Grundla- genfächem (Chemie, Physik, Mathematik, Biologie), angewandten medizinisch-gesund­heitlichen und praktischen Inhalten ist das Ziel. Die Regelstudienzeit beträgt neun Se­mester. In ihr sind Zeiträume für Prüfungen und die Anfertigung der Diplomarbeit einge- schlossen. Grund- und Hauptstudium umfas­sen jeweüs vier Semester.

Prof. Dr. Jürgen Kroll, Direktor des Institutes für Ernährungswissenschaft, kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. In die­sem Jahr bewarben sich für 20 Plätze 75 jun­ge Leute. Und das, obwohl aus dem Land Brandenburg wegen des eingeführten 13. Schuljahres 1994 keine Schulabgänger an die Universität kamen. Die naturwissenschaftli­chen Aspekte wurden deshalb im Rahmen des ihnen angebotenen Studiums bewußt in den Vordergrund gestellt, weil die Vorgänge der Ernährung und Verdauung nur durch die Kenntnis chemischer Vorgänge verständlich sind, erläuterte Prof. Dr. Michael Blaut, Ab­teilungsleiterGastrointestinale Mikrobiolo­gie. Der Wissenschaftler wertete dies als eine richtige Entscheidung, wobei selbstver­ständlich andere Komponenten gleichfalls zu beachten seien. Die Studentin Barbara Howald, 5. Seme­ster, bestätigte auch im Namen ih­rer Kommilitonen, daß sie auf dem Gebiet der Chemie sehr gut ausgebil­det werden.Uns fehlt ein wenig die Psychologie. Wir wollen auch in an­dere Richtungen reinschnuppern.

Dem Wunsch wur­de Rechnung getra­gen. Emährungs- psychologie steht in diesem Jahr auf dem Studienplan.

Volkswirtschaftli­che und betriebs­wirtschaftliche Fra­gen werden in fakultativen Veranstaltungen angeboten.

Durch die interne Zulassungsbeschränkung kann jedem Studierenden ein Praktikums­platz garantiert werden, was anderswo

durchaus nicht selbstverständlich ist. Die Ausbildung erfolgt intensiver und damit bes­ser als in zahlenmäßig großen Matrikeln. Prof. Kroll sieht auch gute Berufschancen für sei­ne zukünftigen Absolventen. In Stuttgart, wo an der dortigen Universität seit 30 Jahren ein ähnlicher Studiengang absolviert wird, finden nahezu alle Abgänger einen Arbeitsplatz. Einsatzgebiete sind Lebensmittelindustrie, pharmazeutische Industrie, Ernährungsbera­tung oder Forschung. Ein weiteres Feld könnte in den Ländern der Dritten Welt lie­gen. Die kleine Zahl der Studierenden, die Vielzahl der Wahlmöglichkeiten und die fach­liche Kompetenz der Lehrkräfte erlauben es, den Auszubildenden schon zu einem frühen Zeitpunkt des Studienablaufs die Labore zu öffnen.

Über die Einbeziehung der Studierenden in die Forschung berichtete Prof. Dr. Hans-Joa­chim Zunft, AbteilungsleiterEpidemiologie und Ernährungsverhalten. So arbeiteten sie an Untersuchungen zum Ernährungs- und Präferenzverhalten der Brandenburger Bevöl­kerung mit. Dabei ging man der Frage nach, wie sich Einstellungen zum Verzehr von Le­bensmitteln über die Zeit der Wende verän­dert haben. Derzeit arbeiten Wissenschaftler des DIfE unter Mitwirkung von Studierenden an einer StudieGesundheit, Ernährung, Krebs. Bei 30.000 Personen im Alter von 35 bis 65 Jahren wird über zehn bis fünfzehn Jahre der Zusammenhang von Ernährung und dem Auftreten von Krankheiten verfolgt. Nachdem nun bereits die ersten Studieren­

den im Oktober ihr Hauptstudium begannen, kann Prof. Mitzner mit Recht vom Studien­gang Ernährungswissenschaft als einem Schmuckstück an der Universität Potsdam sprechen. B.E.

PUZ 16/94

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Eine Pressekonferenz war angesagt, um den mittlerweile etablierten gemein­samen StudiengangErnährungswissenschaft des Deutschen Institutes für Emähmngsforschung (DIfE) und der Uni Potsdam öffentlich zu präsentieren. Das Credo:Es kommt permanent Leben in die Bude." Foto: Puffert