AN KONTRASTEN WAR KEIN MANGEL
Feldpraktikum des Instituts für Geographie und Geoökologie
Auf der Grundlage der „Vereinbarung über die bilaterale Zusammenarbeit“ mit dem Sektor Ingenieurökologie und Geographie der Partner-Universität Blagoewgrad (im südwestlichen Bulgarien) fand im Herbst ein Feldpraktikum statt, an dem 20 Studenten aus verschiedenen Studienjahren für das Lehramt Geographie, Diplomökologie und Diplomgeographie teilnahmen. Organisiert wurde es von Dr. Karsten Grunewald aus dem Institut für Geographie und Geoökologie sowie Prof. Dr. Dimitar Stoilow aus Blagoewgrad, finanziert u.a. durch eine Förderung vom bran- denburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie durch einen Zuschuß des Instituts für Geographie und Geoökologie. Der Austausch von Lehrkräften, Doktoranden und Studenten sowie gegenseitige Unterstützung bei Forschungsvorhaben und Praktika sind die wesentlichen Punkte des Partnerschaftsvertrages mit der bulgarischen Universität. Sowohl der Austausch als auch die Unterstützung durch Lehrkräfte kamen der Gruppe während dieser Fahrt zugute.
Exkursion: Die bulgarisch-deutsche Exkursionsgruppe auf dem Vichren (2914 m.ü.NN). Foto: Sven Wiesner
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Das Praktikum begann mit einem Flug von Berlin-Schönefeld zum Seebad Varna am Schwarzen Meer. Durch vorher vorbereitete Vorträge von den Studenten wurden verschiedene Themen während des Praktikums vertieft, hauptsächlich aus dem Bereich der physischen Geographie, aber auch die Wirtschafts- und Sozialgeographie und die Landeskunde kamen nicht zu kurz. Die ersten drei Tage waren der Küstenproblematik, dem Biosphärenreservat Kamtschia und den Problemen einer Stadt wie Varna gewidmet. Obwohl Varna ein groß angelegtes Ferienzentrum ist, waren die wirtschaftlichen und ökologischen Probleme auch für „Besucher" nicht zu übersehen. Die Problematik eines Schwellenlandes, das außer mit seinen schwierigen naturräumlichen Gegebenheiten (z.B. sind nur wenige nutzbare Bodenschätze vorhanden, Landwirtschaft ist im südlichen Teil nur in ausgewählten Regionen möglich) noch mit der Umstellung von der Plan- zur Marktwirtschaft zu kämpfen hat, wurde auch in den nächsten Tagen immer wieder deutlich Nach fünfzehn Stunden
Busfahrt, die einen Eindruck von der landschaftlichen Vielfalt Bulgariens gab, wurden die Berghütten der Universität Blagoewgrad im Pirin-Gebirge erreicht. Professor Stoilow und einige seiner Studenten begleiteten die deutsche Studentengruppe die nächsten Tage. Durch die Kenntnisse der „Einheimischen“ wurden die folgenden Tagestouren besonders abwechslungsreich. Die krassen sozialen und wirtschaftlichen Gegensätze, die unterwegs zu beobachten waren, machten ziemlich betroffen.
Auf der einen Seite waren moderne Citys mit guten Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Discotheken zu finden, wie z.B. in Blagoewgrad. Auf der anderen Seite waren an den Stadträndern Ghettosiedlungen zu sehen, die noch zu Schivkovs Zeiten entstanden sind und die ein mahnendes Beispiel für die architektonischen Verirrungen des Sozialismus darstellten.
Die natürliche Schönheit des Hochgebirges, von dem in Bulgarien große Flächen unter Naturschutz stehen (eine positiv zu bewertende Leistung des Sozialismus...), wechselte sich mit der erschreckenden Armut in den ländlichen Gegenden ab. Hier war ein Ochsen- oder Eselskarren oft das einzige Transportmittel, im örtlichen Supermarkt waren nicht einmal Grundnahrungsmittel erhältlich. An einem Vormittag wurde ein bedeutendes orthodoxes Kloster besichtigt, das Roshen-Kloster. Dieses Kloster birgt einmalige Kunstschätze, Ikonen und eine Bibliothek. Die Erhaltung der Gebäude und Ausstellungsstücke ist aber aufgrund der desolaten finanziellen Situati
on nicht gesichert. Am Nachmittag desselben Tages kam die Gruppe an heiße vulkanische Quellen, in deren Nähe sich eine berühmte Wahrsagerin niedergelassen hatte. Sie nahm soviel „Spendengelder“ ein, daß sie davon eine prunkvolle, goldgeschmückte Kirche bauen lassen konnte. Wie bereits gesagt - an Kontrasten war kein Mangel. Besonders beeindruckend waren die Hochgebirgswanderungen. Bei mehreren Gipfelbesteigungen konnten Karsterscheinungen, Karseen und die alpine Flora beobachtet werden. Hier wurde wieder einmal der Wert eines solchen Praktikums bestätigt, das in mehreren Studienjahren gelernte und angelesene Wissen konnte endlich einmal in die Praxis umgesetzt und Naturphänomene auch in der Natur erklärt werden.
Dieses Praktikum hat viel dazu beigetragen, Verständnis für die Probleme der Länder Südosteuropas zu wecken. Auch der Kontakt zu den bulgarischen Studenten hat trotz einiger Sprachbarrieren sicherlich zur Völkerverständigung beigetragen, der Universität Blagoewgrad sei an dieser Stelle noch einmal für ihre materielle und personelle Unterstützung gedankt.
Im Namen der Studenten möchte ich auch Dr. Karsten Grunewald für eine gelungene Exkursion danken, ohne seine Sprach- und Landeskenntnisse wären wir manches Mal hilflos gewesen. Die gute Vorbereitung und Organisation hat einen großen Teil dazu beigetragen, daß wir sowohl viel gelernt haben als auch die Erholung nach den anstrengenden Tagen nicht zu kurz kam. Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch der bulgarischen Studenten und hoffen, daß dieses Praktikum eine Fortsetzung findet und im nächsten Jahr wieder einige Potsdamer Studenten nach Bulgarien reisen können.
Katrin Binschus
Auch das Rila-Kloster, im gleichnamigen Gebirge des Süd-Westens Bulgariens gelegen, stellte ein Ausflugsziel für die Studierenden dar.
Foto: Sven Wiesner
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PUZ 16/94