AUSLÄNDERFEINDLICHKEIT AN DER UNI NICHT ERLEBT
DAAD-Promotionsstipendiaten als Zeitzeugen der Wende
Zur Zeit leben ca. sechs Millionen Ausländer in Deutschland, fast zwei Drittel davon seit zehn Jahren oder länger. Andere absolvieren für eine vergleichsweise kurze Zeit ihre Ausbildung fern der Heimat. Auch an der Universität Potsdam studieren oder promovieren ausländische Staatsbürger. Von ihnen fuhren einige Anfang November auf Einladung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, um sich mit rund 300 anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten aus 47 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas zu treffen.
Der DAAD ist eine gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen. Er hat die Aufgabe, die Hochschulbeziehungen mit dem Ausland, vor allem durch den Austausch von Studierenden, Graduierten und Wissenschaftlern, zu fördern. Die Teilnehmer des Treffens in Halle studieren an Hochschulen der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin. Sie waren schon zu DDR-Zeiten bzw. in der unmittelbaren Wendezeit aufgrund von Austauschprogrammen der damaligen Regierung nach Deutschland gekommen und sind vom DAAD 1990 als ausländische Stipendiaten, Studierende im Vollstudium und Graduierte im Promotionsstudium, übernommen worden. Den Prozeß der Umgestaltung in seinen Auswirkungen auf die Hochschule und den Alltag haben auch Vo Thi Anh Tuyet, Nguyen Thi Phuong Hoa und Nguyen Van Cuong an der Universität Potsdam miterlebt. Die drei Vietnamesen aus Hanoi erarbeiten in dreieinhalb Jahren an der Potsdamer Hochschule ihre Dissertationen.
Vo Thi Anh Tuyet war Assistentin an der Pädagogischen Hochschule Hanoi, dem jetzigen Forschungsinstitut für Hochschulausbildung. In einem neunmonatigen Lehrgang am Herder-Institut in Leipzig lernte sie Deutsch, um im August 1991 an die Universität Potsdam zu kommen. Mit Problemen beim Übergang von der Schule zum Studium beschäftigt sich die Doktorandin. Ihrer Betreuerin, Prof. Dr. Bärbel Kirsch vom Institut für Psychologie, ist sie nicht nur für deren fachliche Hilfe, sondern ebenso für vie
lerlei andere Unterstützung dankbar. „Sehr freundlich zu uns sind auch die deutschen Studenten im Wohnheim in der Forststraße. Ausländerfeindlichkeit ist uns hier an der Universität nicht begegnet. Wenn ich aber mit der S-Bahn nach Berlin oder auch nach Leipzig oder Dresden fahre, habe ich Angst“, faßt Vo Thi Anh Tuyet ihre Erfahrungen zusammen. Wie ihre beiden Mitstreiter lernte sie die Veränderungen an der Hochschule mit allen die deutschen Kollegen betreffenden Unsicherheiten kennen. „Ich fühle mich davon etwas bedrückt“, sagt sie.
Ebenfalls über Leipzig führte Nguyen Thi Phuong Hoas Weg im Juli 1991 nach Potsdam. „Der projektorientierte Unterricht als Mittel zur Erhöhung der geistigen und sozialen Aktivität der Schüler Vietnams" ist das Thema ihrer Arbeit. Nach einem zweimonatigen Praktikum zu Hause befaßt sie sich nun unter der Anleitung von Prof. Dr. Wolfgang Thiem, Institut für Pädagogik, mit der Theorie. Auch sie freut sich über die Hilfe ihres Betreuers, der Mitarbeiter des Bereichs Pädagogik, des Akademischen Auslandsamtes und der Studierenden. Vor ihrem Forschungsaufenthalt in Deutschland arbeitete die Doktorandin an der Hanoier Hochschule für Fremdsprachen im Fachbereich Pädagogik als Assistentin. Dort hofft sie nach dem erfolgreichen Abschluß ihrer Promotion auch wieder tätig sein zu können.
Nguyen Van Cuong lernte gleichfalls am Herder-Institut Deutsch. Seit Februar 1990 absolviert der zuvor an der Pädagogischen Hochschule Hanoi Tätige sein Promotions-
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Nguyen Thi Phuong Hoa, Vo Thi Anh Tuyet und Nguyen Van Cuong (von links nach rechts) aus Vietnam promovieren an der Uni Potsdam und fühlen sich wohl dabei. Foto: Rüffert
Studium. Unter Anleitung von Dr. Bernd Meier, Institut für Arbeitslehre/Technik, gilt sein Interesse dem Projektunterricht in der Arbeitslehre. Die gesammelten Erfahrungen bei der Umstrukturierung der Polytechnik zur Technischen Bildung und Arbeitslehre betrachtet er angesichts der ähnlichen Bedingungen in seinem Land als positiv und lehrreich für sich. „Beim Übergang Vietnams zur Marktwirtschaft kann ich dieses erworbene Wissen gut nutzen.“ Auch er möchte nach seiner Potsdamer Zeit wieder an die „alte“ Arbeitsstelle zurück.
Die drei jungen Wissenschaftler fühlen sich an der Universität Potsdam wohl. Dennoch verweilen ihre Gedanken oft in Vietnam, zumal sie selten dorthin reisen können. Die vom DAAD angebotenen Kontakte auch nach dem Abschluß des Promotionsstudiums möchten sie nutzen. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, nach einer Zeit von drei bis vier Jahren wieder für zwei bis drei Monate zu einer Weiterbildung nach Deutschland zu kommen. B.E.
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