Heft 
(1.1.2019) 16
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KULTUR

Bildungspolitische Tour d'horizon

Eine nahezu alltägliche Situation für Hochschulangehörige und in der Wis­senschaftsszene Tätige: Dienstreisen in nicht vertraute Länder stehen an, Dele­gationen sind von dort zu empfangen, Kooperationen sollen begonnen oder neue Förderungsprogramme entworfen werden. Doch wo findet man schnell zur eigenen Vorbereitung differenzierte und vor allem aktuelle Informationen zur hochschulpolitischen Entwicklung des betreffenden Landes oder der Regi­on? Wer in dieser Lage zu den 235 Sei­ten starken Außenstellenberichten des DAAD (Deutscher Akademischer Aus­tauschdienst) greift, kann sich gründli­che Vorarbeit zunutze machen und fin­det einen fundierten Einstieg.

Jedes Jahr veröffentlicht der Deutsche Aka­demische Austauschdienst in einem geson­derten Band die Jahresberichte seiner elf Außenstellen in Jakarta, Kairo, London, Nai­robi, New Delhi, New York, Paris, Rio de Ja­neiro, San Jose , Tokio und Moskau. Die Lei­terinnen und Leiter der Außenstellen des DAAD beschreiben hier für eine immer brei­ter werdende Öffentlichkeit die allgemeine und hochschulpolitische Entwicklung in den jeweiligen Gastländern und setzen dement­sprechend unterschiedliche Schwerpunkte und Akzente; ergänzend wird auf die bilate­ralen Beziehungen zu Deutschland eingegan­gen. Unterlegt mit umfangreichen statisti­schen Daten liefern die Autorinnen und Au­toren ein anschauliches, oftmals spannend zu lesendes Bild der Situation vor Ort. Die Staa­ten, in denen DAAD-Außenstellen existieren, bilden in ihrem Anteil am Gesamtprogramm des DAAD eine deutliche Spitzengruppe. Die Außenstellen unterstützen den möglichst effektiven Einsatz der Programme, helfen bei der Evaluation bestehender und der Konzep­tion neuer Programme. Sie dienen als Infor- mations- und Beratungsstellen für alle Fragen von deutscher Seite, die das Hochschulwe­sen und die Studienmöglichkeiten im Gast­land oder in der Region betreffen sowie für entsprechende Fragen zum deutschen Hoch­schulwesen für Ausländer. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen sie auch andere deutsche Wissenschaftsorganisationen wie die Hochschulrektorenkonferenz, die Deut­sche Forschungsgemeinschaft, die Max- Planck-Gesellschaft und die Alexander von Humboldt-Stiftung in Fragen der Informati­on, Koordination und konkreten Programm­durchführung. Die Außenstellen sind keine kulturellen Repräsentationsinstitute. Ihre Hauptaufgabe liegt in der konkreten Zusam­menarbeit mit den staatlichen Stellen, den Hochschulorganisationen und einzelnen Hochschulen des Gastlandes. AAA.

FRAUENFORSCHUNG AUCH IN DER MUSIK

Prof. Dr. Eva Rieger in Potsdam

In Deutschland gibt es fast 50 Lehrstühle für Frauenforschung verschiedener Ge­biete, aber keinen für musikalische Frauenforschung. Das beklagt verständlicher weise Prof. Dr. Eva Rieger von der Universität Bremen, die kürzlich an der Univer­sität Potsdam einen Vortrag hielt.

Plädiert für ein Nachhaken der Frauenforschung im Bereich der Musik: Prof. Dr. Eva Rieger Foto: Tribukeit

Sie selbst bezeichnet sich als Spätstarterin, begann sie doch erst mit 26 Jahren ihr Stu­dium an der Musikhochschule Berlin (West). Dort promovierte sie auch zum Thema Mu­sikerziehung in der DDR. Über Göttingen und Hildesheim führte ihr wissenschaftlicher Weg an die Universität Bremen, wo sie seit 1991 einen Lehrstuhl für Musikgeschichte und Musikdidaktik innehat.Das Thema Frauen­forschung hat mich Mitte der 70er Jahre zur Zeit der Frauenbewegung gepackt", erzählt Eva Rieger. Damals gab es große, von Frau­en erstmals selbst organisierte Sommer- universitäten. Dort sei ihr klar geworden, daß die Benachteiligung von Frauen zwar auf vie­len Gebieten diskutiert und beschrieben wurde, aber die Musik ausgespart blieb. Diese Tatsache stachelte sie an und weckte ihren Tatendrang. Sie suchte Archive auf und fand Noten von Clara Schumann und Fanny Händel.Von da an hat mich das Thema

^Der BandBerichte der Außenstellen 1993" ist kostenlos erhältlich über den DAAD, Referat Presse- und Öffentlich­keitsarbeit und Publikationen, Postfach 20 04 04, 53134 Bonn. Die Publikation kann darüber hinaus im Akademischen Auslandsamt der Universität, Am Neu­en Palais, Haus 6, eingesehen werden.

doch sehr berührt und nicht mehr losgelas­sen", begründet die Musikwissenschaftlerin ihr Interesse und intensives Engagement. Folgerichtig ließ sie 1981 mit ihrem ersten BuchFrau, Musik und Männerherrschaft" aufhorchen. Da in den USA im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum die Frauen­forschung in der Musik bereits instru­mentalisiert ist, mußte also der Kontakt zu jenen Forscherinnen hergestellt werden. Auch die auf diese Weise gewonnenen Er­kenntnisse bildeten den Gegenstand des Vortrages von Prof. Rieger Mitte Oktober in Potsdam. Der Stand der Frauenforschung im musikalischen Bereich war Mittelpunkt des Abends. Weniger ginge es darum, Komponi- stinnen zuentdecken und deren Musik kennenzulernen, als herauszufinden, inwie­weit Frauen innerhalb der Musikkultur in den Opern, der Filmmusik usw. strukturell be­nachteiligt sind. Die Referentin forderte die Ausweitung des traditionellen Gegenstandes von Frauenforschung sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit. Der Vortrag sollte für die anwesenden Studierenden ebenso als Anre­gung für eventuelle Themen ihrer Abschluß­arbeiten verstanden werden. Musikbeispiele aus dem 17. bis 19. Jahrhundert veranschau­lichten die, ausdrücklich als Diskussionsan­gebote gedachten, vorgetragenen Thesen.

B.E.

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PUZ 16/94