Heft 
(1.1.2019) 16
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SPORT

SPORT IM LUFTSCHIFFHAFEN

Potsdamer Sponsoren sanieren bereits das Eingangstor

In Potsdam wurden vor dem Ersten Weltkrieg Luftschiffe gebaut. Das zwi­schen dem Havelsee und der Zeppelin­straße gelegene Gelände erinnert noch heute mit seinem NamenLuftschiff­hafen daran. Allerdings hat das, was in der Zwischenzeit dort geschah, nichts mehr mit den Schiffen der Lüfte zu tun - wenngleich es nicht minder gesell­schaftlich beachtet und bestaunt wur­de: So trainierten vor der Wende die Mitglieder des Armee-Sport-Klubs (ASK) Potsdam auf dem Gelände, zogen sie von ihm als ihrem Zentrum an der Ha­vel aus, um in den Arenen der Welt für Siege und Medaillen zu kämpfen. Die Bevölkerung hingegen hatte in der Re­gel kein Zutrittsrecht in das Leistungs­zentrum Luftschiffhafen. Dies soll nun anders werden: Nachdem zum ersten Januar 1995 das Gelände in den Besitz der Stadt übergehen wird, ist ein öffent­liches Sport- und Freizeitzentrum ge­plant, das sowohl den Freizeit- als auch den Vereinssportlem zur Verfügung ste­hen und auf einem Drittel der Gesamt­fläche Platz für die Sportwissenschaft­ler der Potsdamer Universität bieten soll.

Bislang sehen die Planungen der Universität zwar noch den Standort Golm als künftiges Areal für die Sportwissenschaftler vor. Doch das Gelände auf dem Luftschiffhafen mit seinen vielfältigen Einrichtungen wäre eine finanziell günstige Variante, weil sie billiger käme als der Ausbau in Golm, erklärt der bisherige Direktor des Institutes für Sport - wissenchaft, Professor Dr. Horst Philipp, dazu. Voraussetzung für eine entsprechende Umplanung der Hochschule sind allerdings eine Zustimmung der Stadtverordnetenver­sammlung zu dem Nutzungskonzept und die Zustimmung des Dienstherm der Universität, also des Landes.

Ersteres ist mittlerweile erfolgt: Nach posi­tiven Voten der entsprechenden Ausschüs­se hat sich kürzlich auch die Stadtverordne­tenversammlung mit dem Projekt Luftschiff­hafen solidarisch erklärt. Sie stimmte dem­nach der Nutzung im Sinne eines Sport- und Freizeitparks durch das kombinierte Bundes­leistungszentrum und den Olympiastütz­punkt Potsdam, die Landesleistungsstütz­punkte und das Institut für Sportwissenschaft der Universität zu. Parallel dazu sollen die Einrichtungen für breiten- und freizeitsport­liche Aktivitäten der Potsdamer Sportorga­nisationen und Schulen sowie für den nicht- organisierten Sport und die Freizeitnutzung offen sein.

Die zweite Voraussetzung für eine zwar von Seiten der Universität gewünschte, aber von

ihr natürlich nicht zu entscheidende Umori­entierung ist in der Zustimmung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und das Ministerium der Finanzen zu sehen. Ein entsprechender Ausbau der z.T. schon vorhandenen Anlagen im Luftschiff­hafen käme für die Hochschule - und somit für das Land - zwar billiger als ein generel­ler Neubau in Golm. Doch fielen für die Uni­versität etwa 30 Prozent der Gesamtkosten für die Nutzung und investive Maßnahmen (wie Sanierung oder Neubauten) an.

Eine Entscheidung des Landes ist in dieser Hinsicht noch nicht gefallen. Die Stadt hin­gegen hat signalisiert, der Universität inner­halb des Luftschiffhafens ein Grundstück zur Errichtung eines Hörsaals und zur Sanierung eines bereits bestehenden Verwaltungsge­bäudes zur Verfügung stellen zu wollen. Denn:Nur bei gemeinsamer Nutzung und sich daraus ergebender anteiliger Finanzie­rung durch Bund, Land, Universität und Stadt können die Kosten für die Entwicklung eines Sport- und Freizeitparks Luftschiffhafen auf­gebracht werden, erklärte der Oberbürger­meister, Dr. Horst Grämlich. Derzeit geht man von jährlich rund 3,8 Millionen DM für Betriebs-, Bewirtschaftungs- und Personalko­

sten aus, wobei sich der Bund in 1995 wohl mit zwei Millionen DM und das brandenbur- gische Sportministerium mit 738.000 DM beteiligen werden. Die Sportstudenten und eine interessierte Öffentlichkeit wünschen sich sich nun, daß das Projekt Luftschiffhafen bei den zuständigen Fachministern und ins­besondere beim Finanzminister ein geneig­tes Ohr finden möge. Denn ohne deren Zu­stimmung und Unterstützung wird nichts geschehen können.

An der Uni Potsdam sind derzeit rund 700 Sportstudenten immatrikuliert. Für sie wür­

de einStandort Luftschiffhafen mehr Nähe und Eingebundenheit in die Dinge, die sich in der Stadt abspielen, bedeuten; von den recht kurzen Wegen zwischen dem Neuen Palais und dem Havelsee ganz zu schweigen. Über diese Kriterien hinaus denkt Professor Philipp, der mit der erwünschten Entschei­dungpro Luftschiffhafen" auch auf eine weitere Schärfung des unverwechselbaren Profils der Potsdamer Sportwissenschaft hofft.Hinsichtlich der wahrscheinlichen Länderfusion sollten wir das nicht aus dem Auge verlieren, meinte er.

Um ein Zeichen zu setzen, haben einige Idea­listen übrigens bereits auf eigene Kosten mit der Sanierung des Eingangstores zum Luft- schiffhafen begonnen. Auf Initiative der Kreisgruppe der Deutschen Olympischen Ge­sellschaft (und hier vor allem des Geher- Olympiasiegers Peter Frenkel) sowie des In­stitutes für Sportwissenschaft fanden sich zahlreiche Potsdamer Betriebe und Firmen, die sich eine Wiederherstellung dieses Luft- schiffhafen-Symboles auf ihre Fahnen schrie­ben. Dazu gehören die Bau-Union Potsdam, die Dachdeckerfachschule Potsdam, die Fir­ma BZR/Baustoffe-Zuschlagsstoffe und Re­cycling, die Firma Schulze-Dreger-Baudenk- malpflege, das Hochbau­amt der Stadt Potsdam, die Firma Toyota in Babels­berg, Thilo Knaak und der Olympiasieger Holger Beh- rend. Sie alle bewegt der Wunsch, für einen Anfang des Gesamtprojektes zu sorgen, durch das ein Teil der kulturhistorisch bedeut­samen Stadtgeschichte er­halten werden könnte. Dank dieser Gemein­schaftsinitiative von Hand­werkern, Bürgern, Sportlern und Wissenschaftlern konn­te in der Zwischenzeit das undichte Dach des Torge­bäudes bereits abgetragen werden; die Lehrkräfte des Institutes für Sportwissen­schaft, die dafür in einem ersten Arbeitsein­satz sorgten, klagten noch Tage danach über Muskelkater. Wie sich mittlerweile heraus- stellte, ist aber auch das Holzgerüst des Da­ches nicht mehr zu retten. Die Dachdecker­fachschule Potsdam erklärte sich deshalb bereit, auch diese Kosten zu übernehmen. Vom Hochbauamt wird die allein für das Tor anfallende Summe auf mindestens 200.000 Mark geschätzt. Während ihre Finanzierung allerdings gesichert ist, wünschten sich das die Beteiligten und Interessenten auch für das Gesamtprojekt. Hg.

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Voi der handwerklichen Arbeit stand die Besichtigung vor Ort: die Sponsoren überzeugten sich von dem maroden Zustand des Eingangs­tores zum Luftschißhafen, um dessen Sanierung sie derzeit -auf eigene Kosten - schon bemüht sind. Foto: Rüffert

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