SPORT
SPORT IM LUFTSCHIFFHAFEN
Potsdamer Sponsoren sanieren bereits das Eingangstor
In Potsdam wurden vor dem Ersten Weltkrieg Luftschiffe gebaut. Das zwischen dem Havelsee und der Zeppelinstraße gelegene Gelände erinnert noch heute mit seinem Namen „Luftschiffhafen“ daran. Allerdings hat das, was in der Zwischenzeit dort geschah, nichts mehr mit den Schiffen der Lüfte zu tun - wenngleich es nicht minder gesellschaftlich beachtet und bestaunt wurde: So trainierten vor der Wende die Mitglieder des Armee-Sport-Klubs (ASK) Potsdam auf dem Gelände, zogen sie von ihm als ihrem Zentrum an der Havel aus, um in den Arenen der Welt für Siege und Medaillen zu kämpfen. Die Bevölkerung hingegen hatte in der Regel kein Zutrittsrecht in das Leistungszentrum Luftschiffhafen. Dies soll nun anders werden: Nachdem zum ersten Januar 1995 das Gelände in den Besitz der Stadt übergehen wird, ist ein öffentliches Sport- und Freizeitzentrum geplant, das sowohl den Freizeit- als auch den Vereinssportlem zur Verfügung stehen und auf einem Drittel der Gesamtfläche Platz für die Sportwissenschaftler der Potsdamer Universität bieten soll.
Bislang sehen die Planungen der Universität zwar noch den Standort Golm als künftiges Areal für die Sportwissenschaftler vor. Doch „das Gelände auf dem Luftschiffhafen mit seinen vielfältigen Einrichtungen wäre eine finanziell günstige Variante, weil sie billiger käme als der Ausbau in Golm“, erklärt der bisherige Direktor des Institutes für Sport - wissenchaft, Professor Dr. Horst Philipp, dazu. Voraussetzung für eine entsprechende Umplanung der Hochschule sind allerdings eine Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung zu dem Nutzungskonzept und die Zustimmung des Dienstherm der Universität, also des Landes.
Ersteres ist mittlerweile erfolgt: Nach positiven Voten der entsprechenden Ausschüsse hat sich kürzlich auch die Stadtverordnetenversammlung mit dem Projekt Luftschiffhafen solidarisch erklärt. Sie stimmte demnach der Nutzung im Sinne eines Sport- und Freizeitparks durch das kombinierte Bundesleistungszentrum und den Olympiastützpunkt Potsdam, die Landesleistungsstützpunkte und das Institut für Sportwissenschaft der Universität zu. Parallel dazu sollen die Einrichtungen für breiten- und freizeitsportliche Aktivitäten der Potsdamer Sportorganisationen und Schulen sowie für den nicht- organisierten Sport und die Freizeitnutzung offen sein.
Die zweite Voraussetzung für eine zwar von Seiten der Universität gewünschte, aber von
ihr natürlich nicht zu entscheidende Umorientierung ist in der Zustimmung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und das Ministerium der Finanzen zu sehen. Ein entsprechender Ausbau der z.T. schon vorhandenen Anlagen im Luftschiffhafen käme für die Hochschule - und somit für das Land - zwar billiger als ein genereller Neubau in Golm. Doch fielen für die Universität etwa 30 Prozent der Gesamtkosten für die Nutzung und investive Maßnahmen (wie Sanierung oder Neubauten) an.
Eine Entscheidung des Landes ist in dieser Hinsicht noch nicht gefallen. Die Stadt hingegen hat signalisiert, der Universität innerhalb des Luftschiffhafens ein Grundstück zur Errichtung eines Hörsaals und zur Sanierung eines bereits bestehenden Verwaltungsgebäudes zur Verfügung stellen zu wollen. Denn: „Nur bei gemeinsamer Nutzung und sich daraus ergebender anteiliger Finanzierung durch Bund, Land, Universität und Stadt können die Kosten für die Entwicklung eines Sport- und Freizeitparks Luftschiffhafen aufgebracht werden“, erklärte der Oberbürgermeister, Dr. Horst Grämlich. Derzeit geht man von jährlich rund 3,8 Millionen DM für Betriebs-, Bewirtschaftungs- und Personalko
sten aus, wobei sich der Bund in 1995 wohl mit zwei Millionen DM und das brandenbur- gische Sportministerium mit 738.000 DM beteiligen werden. Die Sportstudenten und eine interessierte Öffentlichkeit wünschen sich sich nun, daß das Projekt Luftschiffhafen bei den zuständigen Fachministern und insbesondere beim Finanzminister ein geneigtes Ohr finden möge. Denn ohne deren Zustimmung und Unterstützung wird nichts geschehen können.
An der Uni Potsdam sind derzeit rund 700 Sportstudenten immatrikuliert. Für sie wür
de ein „Standort Luftschiffhafen“ mehr Nähe und Eingebundenheit in die Dinge, die sich in der Stadt abspielen, bedeuten; von den recht kurzen Wegen zwischen dem Neuen Palais und dem Havelsee ganz zu schweigen. Über diese Kriterien hinaus denkt Professor Philipp, der mit der erwünschten Entscheidung „pro Luftschiffhafen" auch auf eine weitere Schärfung des unverwechselbaren Profils der Potsdamer Sportwissenschaft hofft. „Hinsichtlich der wahrscheinlichen Länderfusion sollten wir das nicht aus dem Auge verlieren“, meinte er.
Um ein Zeichen zu setzen, haben einige Idealisten übrigens bereits auf eigene Kosten mit der Sanierung des Eingangstores zum Luft- schiffhafen begonnen. Auf Initiative der Kreisgruppe der Deutschen Olympischen Gesellschaft (und hier vor allem des Geher- Olympiasiegers Peter Frenkel) sowie des Institutes für Sportwissenschaft fanden sich zahlreiche Potsdamer Betriebe und Firmen, die sich eine Wiederherstellung dieses Luft- schiffhafen-Symboles auf ihre Fahnen schrieben. Dazu gehören die Bau-Union Potsdam, die Dachdeckerfachschule Potsdam, die Firma BZR/Baustoffe-Zuschlagsstoffe und Recycling, die Firma Schulze-Dreger-Baudenk- malpflege, das Hochbauamt der Stadt Potsdam, die Firma Toyota in Babelsberg, Thilo Knaak und der Olympiasieger Holger Beh- rend. Sie alle bewegt der Wunsch, für einen Anfang des Gesamtprojektes zu sorgen, durch das ein Teil der kulturhistorisch bedeutsamen Stadtgeschichte erhalten werden könnte. Dank dieser Gemeinschaftsinitiative von Handwerkern, Bürgern, Sportlern und Wissenschaftlern konnte in der Zwischenzeit das undichte Dach des Torgebäudes bereits abgetragen werden; die Lehrkräfte des Institutes für Sportwissenschaft, die dafür in einem ersten Arbeitseinsatz sorgten, klagten noch Tage danach über Muskelkater. Wie sich mittlerweile heraus- stellte, ist aber auch das Holzgerüst des Daches nicht mehr zu retten. Die Dachdeckerfachschule Potsdam erklärte sich deshalb bereit, auch diese Kosten zu übernehmen. Vom Hochbauamt wird die allein für das Tor anfallende Summe auf mindestens 200.000 Mark geschätzt. Während ihre Finanzierung allerdings gesichert ist, wünschten sich das die Beteiligten und Interessenten auch für das Gesamtprojekt. Hg.
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Voi der handwerklichen Arbeit stand die Besichtigung vor Ort: die Sponsoren überzeugten sich von dem maroden Zustand des Eingangstores zum Luftschißhafen, um dessen Sanierung sie derzeit -auf eigene Kosten - schon bemüht sind. Foto: Rüffert
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