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(1.1.2019) 02
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FÜR POTSDAM BESONDERS REIZVOLL"

Ringvorlesung überRecht und Rechtslehre in der ehemaligen DDR"

Eine insgesamt 22 Veranstaltungen umfassende Ringvorlesung zum Recht und zur Rechtslehre in der ehemaligen DDR findet gegenwärtig an unterschiedlichen aka­demischen Einrichtungen der neuen Bundesländer bzw. Berlins statt. Beteiligte sind der Fachbereich Rechtswissenschaft der FU Berlin im Zusammenwirken mit den Rechtswissenschaftlichen Fakultäten der Universität Potsdam und der Rost­ocker Alma mater sowie Professoren der Juristischen Fakultät der HU zu Berlin. Als Austragungsorte hat man sich auf das Auditorium maximum der FU, die Aula der Rostocker Hochschule sowie vereinzelt den Hörsaal Zwei des Komplexes III der Uni Potsdam geeinigt. Begonnen am 14. November 1994, erstreckt sich die Reihe bis zum 3. Juli dieses Jahres.

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Am 12. Dezember 1994 fand die erste der beiden in Potsdam vorgesehenen Veranstaltungen innerhalb der noch bis zum Juli dauernden RingvorlesungRecht und Rechtslehre in der ehemaligen DDR" statt. Ihr Thema:Die Schaffung des ZGB - Eine Abwendung von der dogmatisch-unpolitischen Tradition des deutschen Privatrechts?" Der vor allem durch Studenten gefüllte Hörsaal zeugte vom Interesse am Diskussionsgegenstand. Foto: Rüffert

mittelbesitz, Qualifikations- und Organisa­tionsressourcen unterschied, sind in dem von Holtmann analysierten historisch gewachse­nen Berufsstrukturmodell implizit die Wright' sehen Dimensionen, aber auch zu­sätzliche Unterscheidungen nach Kapital­art, sozialrechtlichen Stellungen etc. enthal­ten. Die Berufspositionen lassen sich inter­pretieren als ein Zusammenfügen der ge­nannten Ressourcen in spezifischen Mi- s chungsverhältnissen.

Die Bezeichnungen dieser Berufspositionen aus der deutschen Sozialstatistik haben den Vorzug, daß sich eher kollektive Akteure um die jeweiligen Kategorien bilden. Der Grund: sie sind den Gesellschaftsmitgliedem als gemeinsame Betroffenheiten aus dem Alltag geläufig. Deutlich wird das etwa im Zuschnitt der verschiedenen Gewerkschaften. Als Kri­terien zur Prüfung der gesellschaftlichen Fol­gen finden die Hierarchie der materiellen Lage und ein Bewußtseins-Index Anwen­dung. Das Modell selbst ist abgeleitet aus der bundesdeutschen Sozialstatistik. Bislang er­wies es sich in der alten Bundesrepublik als am besten geeignet, z.B. homogene soziale Lagen nach dem Einkommenskriterium und dem Bewußtseins-Index zusammenzufassen. Neben einem Gegenüberstellen der Homoge­nität von materiellen und Bewußtseinslagen ermöglicht ein graphischer Bezugsrahmen, auch kompliziertere Strukturvorstellungen zu überprüfen. So läßt sich für die modifizierte Berufsvariable eine Struktur generieren, ge­mäß der sich für die verschiedenen Teil­gruppen der Arbeiter, Angestellten und Be­amten jeweils spezifische Aussagen zum Zusammenhang von betrieblicher Hierarchie,

Prof. Dieter Holtmann Foto: Tribukeit

Qualifikation, materieller Lage und Bewußt­sein formulieren lassen.Das Berufsstruktur- modell hat sich für die alte Bundesrepublik als durchaus aussagekräftig bewährt. Es ge­stattete beispielsweise, die Hierarchie mate­rieller Lagen und die ideologischen Unter­schiede gleichzeitig zu erklären. Aktuell zieht Prof. Holtmann dieses Modell vor allem zur Untersuchung von Ungleichheit und Anglei­chung zwischen den neuen und alten Bun­desländern heran. In seinem Vortrag präsen­tierte er erste Ergebnisse. P.G.

Maßgeblich an der Konzeption der Ringvor- lesung beteiligt war von Potsdamer Seite Prof. Dr. Jörn Eckert. Zum Anliegen des Pro­jektes sagt er:Den Initiatoren des Angebo­tes geht es darum, die Auseinandersetzung mit der Rechtsgeschichte der damaligen DDR frühestmöglich zu suchen. Die zeitliche Nähe befördert so auch die Teilnahme unmit­telbar Betroffener an der Diskussion." Das Konzept selbst sieht jeweils ein Referat und ein Koreferat zu einzelnen Themenbereichen vor. Im Idealfall wird jeweils ein Dozent aus den alten und ein anderer aus den neuen Bundesländern sprechen. Damit möchte man die Darlegung unterschiedlicher Betrach­tungsweisen sichern, um so zu einem runden Bild der Rechtsgeschichte zu kom­men.

Die Veranstaltungen richten sich naturgemäß an die juristische Öffentlichkeit- an Wissen­schaftler und Praktiker aus der Gerichtsbar­keit, den Verwaltungen und Ministerien. Wesentliche Ansprechpartner sind die Stu­dierenden der einzelnen akademischen Bil­dungsstätten. Bislang, so versichert Prof. Eckert,haben diese von unserem Angebot auch regen Gebrauch gemacht". Zur Bedeu­tung der Ringvorlesung für die hiesige Hoch­schule äußert der Jurist:" Für Potsdam ist die von uns angeregte Diskussion in besonderer Weise wichtig und reizvoll. Immerhin ist die hier angesiedelte Juristische Fakultät in den Räumen der ehemaligen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR

untergebracht, freilich ohne ihre direkte Nachfolgeeinrichtung zu sein. Die besagte Institution hat eine herausragende und un­heilvolle Rolle in der Rechtsgeschichte der DDR gespielt. Um so wichtiger ist es, daß gerade hier in Potsdam Akzente bei deren Aufarbeitung gesetzt werden. Das ist die eine Seite. Die andere ist das Wegführen der Diskussion von allgemeinen Pauschali­sierungen hin zu einer systematischen wis­senschaftlichen und sachlichen Beschäfti­gung mit einzelnen wissenschaftshistori­schen Themen.

Die erste der beiden in der märkischen Lan­deshauptstadt geplanten Zusammenkünfte fand bereits am 12. Dezember 1994 statt. Im Zentrum des Interesses stand dabei das Zi­vilgesetzbuch der DDR im Verhältnis zu den Traditionen des deutschen Privatrechts und insbesondere des Bürgerlichen Gesetzbu­ches, das in der Bundesrepublik gilt. Ziel war es, die Besonderheiten des Zivilgesetzbuches in dessen Entstehungsgeschichte wie auch in seinem Inhalt herauszuarbeiten.

Erst am 29. Mai folgt die zweite Veranstal­tung in Potsdam. Ihr zugrunde werden zwei Referate liegen. Das eine hält Prof. Dr. Hans Hattenhauer, Uni Kiel, zuVolksrichter­karrieren: Auswahl und Ausbildung von Richtern in der ehemaligen DDR". Prof. Dr. Hubert Rottleuthner, FU Berlin, bestreitet dann den zweiten Teil. Er spricht zurSteue­rung der Justiz in der ehemaligen DDR".

P.G.

PUTZ 2/95

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