POTSDAM ALS AUSGANGSPUNKT?
Wissenschaftler und Unternehmer betraten Neuland auf Biosensor-Symposium
Vor kurzem war die Universität Potsdam Gastgeber für das Symposium „Frontiers in Biosensorics“. Etwa 160 Teilnehmer aus Wissenschaft und Wirtschaft ergründeten gemeinsam Möglichkeiten, die Forschungsergebnisse im Bereich der Biosensorik kurzfristig in kommerzielle Produkte und Verfahren umzusetzen. Das Symposium verstand sich dabei vor allem als Forum für den Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
So lag es nahe, daß der Potsdamer Informations- und Technologie-Transfer (PITT) die Vorbereitung und Organisation der Veranstaltung übernahm und das Konzept gemeinsam mit Prof. Dr. Frieder Scheller vom Lehrstuhl für Analytische Biochemie und mit Dr. Jutta Fedrowitz vom Arbeitskreis Biosensorik des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen entwickelte. Nicht zuletzt ging es darum, den Bereich der Biosensorik, der in Potsdam besonders stark vertreten ist, auch mit Blick auf die technologische Entwicklung im Land Brandenburg in den Mittelpunkt zu rücken. Dank der Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sowie mit Unterstützung durch die neugegründeten Zentren für Biopolymere und für Dünne Organische und Biochemische Schichten (DOBS) war diese Veranstaltung möglich geworden. Zum Gelingen des Symposiums trugen außerdem Spenden einzelner Unternehmen bei.
Das bundesweit große Interesse und die Vorträge anerkannter Referenten aus den Ländern Brandenburg, Berlin, Nordrhein- Westfalen sowie aus Österreich und der Schweiz gaben den Veranstaltern recht. So fanden sich unter den Teilnehmern gleichermaßen Wissenschaftler von universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen, Studenten und Nachwuchswissenschaftler, Vertreter aus Politik und von Institutionen der Forschungs- förderung (insbesondere der Biowissenschaften) sowie Presse- und Rundfunkjournalisten. Im Anschluß an die einzelnen Vorträge, aber auch in den Konferenzpausen bestand ausgiebig Gelegenheit zu einem intensiven Meinungsaustausch zwischen Theorie und Praxis.
Besonderen Erfolg hatte die Ausstellung zum Thema „Kommerzielle Biosensoren“, auf der nicht weniger als zehn Unternehmen aus dem Osten und Westen Deutschlands sowie drei international tätige Firmen innovative Produkte und Verfahren auf Biosensor-Basis vorstellten. Obwohl das wichtigste Anwendungsfeld der biochemischen Analytik
nach wie vor die medizinische Diagnostik ist, sind Biosensoren auch für andere Bereiche wie Lebensmittelanalytik, Umweltüberwachung, die pharmazeutische und die Kosmetikindustrie von großem Interesse.
Die Vielfalt der potentiellen Möglichkeiten des Einsatzes von Biosensoren in kommerziellen Anwendungen spiegelte sich auch in den Fachvorträgen zu den drei Themenblök- ken Neue Moleküle für Biosensoren, Dünne Schichten und Biosensor-Anwendungen wider. Die Palette reichte von Themen wie
dukten zum Ausdruck kommen lassen. Dies hob auch der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Prof. Dr. Friedrich Buttler, in seiner Ansprache an die Teilnehmer des Symposiums hervor. Professor Scheller regte an, das Symposium aufgrund des großen Widerhalls in Wissenschaft und Wirtschaft zu einer regelmäßigen Größe im Veranstaltungskalender zu machen. So könnte Potsdam gewissermaßen den Ausgangspunkt für einen intensivierten Mei- nungs- und Informationsaustausch zwischen
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Wissenschaftler und Unternehmer zeigten sich zufneden ob der ersten Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit im Biosensor-Bereich. Auf einem Symposium versammelten sie sich kürzlich in Potsdam um Prof. Dr. Frieder Scheller, der diese Wissenschaftsdisziplin in den 70er Jahren aus der Taufe gehoben hat. Unser Bild zeigt die Referenten und Organisatoren der Tagung, die an die 160 Teilnehmer an das Neue Palais lockte. Foto: Rüffert
Screening und Charakterisierung neuer Enzyme für die Analytik (Dr. Hummel, Jülich) und Imprinting-Techniken in synthetischen Polymeren (Prof. Wulff, Düsseldorf) über Dünne organische Schichten (Prof. Brehmer, Potsdam) und Mikro-Biosensoren (Dr. Hint- sche, Berlin) bis hin zu Bindungsprotein- Antikörper-Erkennungssystemen (Prof. Spener, Münster) und Integration und Miniaturisierung der Probenvorbereitung (Dr. Manz, Ciba AG Basel). Dr. Pfeiffer von der Firma BST Bio Sensor Technologie aus Berlin gab abschließend einen Überblick über bereits existierende kommerzielle Biosensoren.
Mit dem Symposium „Frontiers in Biosensorics“ wurde Neuland beschritten. Nur durch eine fachübergreifende Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung im Grenzbereich zur Biochemie, Organischen Chemie, Materialforschung und Mikrosystemtechnik kann die Biosensorik als „Technologie des 21. Jahrhunderts“ ihre Schranken überwinden und ihre Forschungsergebnisse in vielseitig anwendbaren Pro
Wissenschaft und Wirtschaft in einem Bereich mit enormen Wachstumserwartungen daistellen, der künftig vertstärkt in gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte münden solle.
Denn mit der Biosensorik eröffnet sich ein interessantes Feld zur Kooperation zwischen Wissenschaftlern und Unternehmen über Länder- und Fachgrenzen hinweg. Dabei hat dieses Forschungsfeld seinen Schwerpunkt in den neuen Bundesländern, die diesbezüglich mittlerweile eine Vorreiterrolle für ganz Deutschland übernommen haben. Ostdeutsche Unternehmen sind im Bereich Biosensorik zu einer festen Größe geworden.
Der Potsdamer Informations- und Technologie-Transfer (PITT) veröffentlichte zum Symposium übrigens einen Technologietransferband Biosensorik, in dem sich Wissenschaftler und Unternehmen mit ihren Kooperationsangeboten und ihren Arbeitsschwerpunkten vorstellen. Interessenten an dieser Publikation können sich an: PITT-Uni Potsdam, Tel. 977-1119 wenden. Andreas Bohlen
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