Heft 
(1.1.2019) 02
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ORIGINALGETREUE MODERNE

Rege Baumaßnahmen im Botanischen Garten der Universität

Eines der letzten alten Häuser des Botanischen Gartens der Universität mußte nun abgerissen werden: Das 1912 erbaute Orchideenhaus ist nicht mehr. Dessen Eisen­gerüst war mittlerweile so verrostet gewesen, daß nach Auskunft des technischen Leiters, Wolfgang Pifrement, nur noch ein Abriß übrig blieb. Doch zum Trost aller Anhänger sei gleich hinzugefügt, daß ein an derselben Stelle originalgetreu wie­der aufgebautes, neues Orchideenhaus am 1. März eröffnet werden soll. Der Di­rektor des Botanischen Gartens, Prof. Dr. Klaus Klopfer, ist bereits voll des Lobes für die neue, energiesparende Technik, die neben eingebauten Doppelsteg- und Thermoverglasungen aus Nebelanlagen, einer modernen Heizung und Lüftungs­anlage sowie aus neuen Wasserleitungen besteht, die sowohl Regenwasser als auch Havelwasser und aufbereitetes Wasser zuführen können.

Der aktuell fertiggestellte Neubau des Orchi­deenhauses ist allerdings nicht die einzige Modernisierungsmaßnahme in demPara­diesgarten" der Universität, der 1950 auf dem Gelände des ehemaligen Terrassenreviers der Hofgärtnerei von Sanssouci angelegt wurde. Auch die Häuser für tropische Nutzpflanzen und für Begonien und Araceen wurden mitt­lerweile rekonstruiert und mit moderner, computergesteuerter Technik versehen. In letzterem kann der Kustos des Gartens, Dr. Peter Scharf, bei seinen Führungen nun auf eine neue Abteilung mit Pflanzen der ostafri­kanischen Savanne verweisen. Dazu gehört beispielsweise der Affenbrotbaum. Neu im Angebot sind ferner fleischfressende Pflan­zen, die sich im Sommer gerne von Insekten ernähren. Und schließlich wurden in dem neu gestalteten Gewächshaus den Begonien und den Gesneriaceen (zu denen u.a. Gloxinien und Usambaraveilchen gehören) eigene klei­ne Kabinen geschaffen.

Den rund 70-90.000 Besuchern, die jedes Jahr durch die Gewächshäuser schlendern, wird also 1995 viel Neues geboten werden. Doch auch für diejenigen, die sich mit den Freilandanlagen und ihren ungefähr 4.000 verschiedenen Pflanzenarten begnügen, gibt es Abwechslung. So verweist Prof. Dr. Klaus Klopfer auf eine neu angelegte Öko-Blumen­wiese, die zur Blütezeit mit einer Fülle ein­jähriger Wildblumen überraschen dürfte.

Alles in allem haben wir mittlerweile über 9.000 verschiedene Pflanzenarten", erklärte er, wobei die Schwerpunkte bei den Aron­stabgewächsen, den Sukkulenten (Mittags- blumen, z.B. sogenannte Lebende Steine) und den Farnen liegen würden.

Insgesamt 6,5 Hektar stehen den 26 Gärtnern und 8 Azubis des Botanischen Gartens der Universität jedenfalls zur Verfügung, um Stu­dierende (hauptsächlich im Fach Botanik) auszubilden, botanische Forschungen und Anzuchten vorzunehmen, Naturschutz zu betreiben, indem sie beispielsweise vom Aussterben bedrohte heimische Pflanzen­arten kultivieren, und Besucherherzen zu erfreuen.

Neben all diesenAlltagsgeschäften sollen ferner bis zum Jahr 2000 sämtliche Gewächs­häuser modernisiert werden. Für die Öffent­lichkeit gesperrt war der Botanische Garten aber bisher lediglich während des Novem­bers 1994, als quer durch den Garten Hei­zungsrohre verlegt wurden. Auf eine Inbe­triebnahme dieser zentral gesteuerten Hei­zungsanlage, die nach der Rekonstruktion der dortigen Institutshäuser erfolgen soll, freuen sich vor allem die Mitarbeiter. Bis jetzt müssen sie nämlich noch rund 70 Kachelöfen auf dem gesamten Areal während des Win­ters mit durchaus nicht umweit- und pflanzenfreundlichen Briketts bestücken.

Hg.

Im Botanischen Garten der Universität war im letzten Jahr so einiges los: Bauarbeiten durchzogen die Fläche... Foto: Tribukeit

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AUS DEM SENAT BERICHTET

Zu Beginn der 16. Senatssitzung am 12.1.1995 berichtete der Rektor, daß zwischen der Universität und der Stif­tung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg Einigkeit über die Bebauung der Flächen zwischen dem Neuen Palais und dem Bahnhof Wild­park erzielt werden konnte. Die Bebau­ung würde denkmalgerecht erfolgen und sähe kleinere zweigeschossige Häuser für Institute vor. Fest stünde ferner die Errichtung einer Bibliothek am Ortsein­gang von Eiche, da die Universität dort über Baugelände verfügen würde. Nach Gesprächen mit Vertretern der Stiftung hat sich die Hochschule damit von der Idee einerBibliothek im und am Kaiserbahnhof verabschiedet, da für dieses Projekt keine Gelder und somit keine Mehrheiten zu finden waren.

Der Rektor fuhr fort, daß, sobald ein neues Physikgebäude in Golm vorhanden sei, das Haus Am Neuen Palais abgerissen werde. Vorgesehen ist zudem die Aufgabe des Sportplatzes am Neuen Palais, um den Über­gang des Parkes Sanssouci in die Lennesche Landschaft wiederherzustellen. In diesem Zusammenhang hob der Rektor ausdrücklich hervor, daß Abrisse in jedem Fall Äquiva­lenzen an anderer Stelle voraussetzen.

Prof. Rolf Mitzner informierte weiter über den Haushaltsentwurf 1995, der für die Universi­tät als Stellenaufwuchs fünf Professuren (vier C4, eine C3) und zwanzig Stellen für wissen­schaftliche Mitarbeiter vorsieht. Die Vertei­lung dieser Stellen werde ebenso wie die Anmeldung des Bedarfes für den Haushalt 1996 Gegenstand von Beratungen in der EPK sein. Dort würden demnächst auch, so Pro­rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, Proble­me der Qualifizierung und Bezahlung des

...und um­kreisten die Ge­wächshäuser. Unter diesen er­strahlen bereits drei in neuem, aber gleichwohl originalgetreu­em Glanz.

Die Eröffnung des Orchideen­hauses ist für den 1. März ge­plant.

Foto: Tribukeit

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