DIE ZWEITE STUFE MUSS GEZÜNDET WERDEN
Kompetente Gesprächsrunde zum Potsdamer Modell der Lehrerbildung
Hoch gelobt und nicht zur Kenntnis genommen: zwischen diesen Polen verläuft die Diskussion um das Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Der Gründungssenat der Universität Potsdam faßte im Oktober 1991 den Beschluß, ein Modell zu etablieren, das mit einer integrierten und stufenübergreifenden Ausbildung auf die Professionalisierung des Lehrerberufs zielt. Vom ersten Semester an sieht das Modell ein inhaltliches und organisatorisches Gleichgewicht von fachlichem und professionsorientiertem Wissenserwerb vor und verstärkt insbesondere die erziehungswissenschaftliche Komponente der Ausbildung. Zu dessen Ausbau, Realisierung und Weiterentwicklung wurden zwei Interdisziplinäre Zentren, für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung sowie für Lern- und Lehrforschung, als Querstrukturen zwischen den Instituten aufgebaut. Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, Vorsitzender der Strukturkommission Lehrerbildung im damaligen Gründungssenat, Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung und Honorarprofessor an der Universität Potsdam, formulierte vor zwei Jahren seinen Anspruch an die zu verbessernde Lehrerbildung in einem Interview mit der Potsdamer Universitätszeitung folgendermaßen: „Ich hoffe, es ist keine Utopie, wenn wir uns wünschen, in Potsdam einen Prozeß zu begründen, durch den Lehrer in der Tat zu Lehrern werden können, statt zu frustrierten Gelehrten in der Schule.“
Heute, wo diejenigen Studierenden, die am weitesten in der Ausbildung nach dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung vorangeschritten sind, in Kürze das vierte Semester beginnen werden, zogen in einer von der PUTZ initiierten Diskussionsrunde unter Leitung von Dr. Barbara Eckardt Beteiligte Bilanz. Zur Debatte standen erreichte Ergebnisse sowie die bei der Umsetzung des Modells auftretenden Probleme und die in Zukunft weiter anzugehenden Schwerpunkte. Teilnehmer der Runde waren Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Dekanin der Philosophischen Fakultät II, Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Prorektor für Lehre und Studium, Prof. Dr. Thomas Jahnke, Vorsitzender der Senatsunterkommission Lehrerbildung, Prof. Dr. Joachim Lompscher, Direktor des Zentrums für Lern- und Lehrforschung, Prof. Dr. Helmut Mikelskis, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, sowie Prof. Dr. Uwe Wyschkon, Direktor des Zentrums für Pädagogische Forschung und Lehrerbildung.
Prof. Lompscher:
Der entscheidende Punkt des Potsdamer Modells, und das kommt in dem Satz von Prof. Edelstein ja auch zum Ausdruck, ist das Bemühen um diese sogenannte professionsorientierte Ausbildung. Also die Vorbereitung von Lehrern für dieses oder jenes Fach, aber eben von Lehrern und nicht von Fachleuten der Germanistik oder Mathematik, die eventuell auch in die Schule gehen. Das hat natürlich eine ganze Reihe von Konsequenzen. Ich möchte an dieser Stelle auch gleich erwähnen, daß das Modell ein Versuch ist, die positiven Momente in der Lehrerbildung der alten Bundesrepublik und der DDR zu vereinen und zumindest zum Teil die negativen Momente beider Seiten zu überwinden.
Prof. Mikelskis: Wobei man beim Bezug auf die alte Bundesrepublik sagen muß, gemeint sind die positiven Seiten der seinerzeitigen Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen. Dort war vom ersten Studientag an klar, daß die Studierenden Lehrer wer
den wollten. Theorie und Praxis waren im Studium immer integriert. An den Universitäten der alten Bundesrepublik dagegen hat die Lehrerausbildung in der Regel immer nur nebenbei stattgefunden.
Sie war oft nur „Abfallprodukt“ von Diplomstudiengängen.
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Prof. Kirsch: Wenn man zwei Jahre zurückblickt, dann muß man feststellen, daß wir sehr viel Kraft investiert haben, um bei der Umsetzung des Modells die vorgesehenen Diktionen für die Einführung der Fächer Pädagogik und Psychologie zu betreiben. Denn dies bedeutete, inhaltliche Neuorientierungen vorzunehmen und neu darüber nachzudenken, wie die Professionsorientierung von Anbeginn verstärkt werden kann, sowohl in der theoretischen Fundierung als auch in der Hinführung zur praktischen Tätigkeit bzw. in der Auswertung dieser. Schon nach dem ersten Semester beispielsweise fand ein Hospitationspraktikum statt, das inhaltlich von pädagogischen und von psychologischen
Fragen getragen war. Zum zweiten Mal haben wir ein Integriertes Eingangssemester im Bereich der Grundschulpädagogik durchgeführt. Dort ist trotz aller Querelen von den Studierenden signalisiert worden, daß sie mit mehr oder weniger Erfolg versucht haben, die Transformation von der Position des Schülers zur Lehrerposition zu vollziehen. Es ist viel passiert bei der inhaltlichen Vorbereitung und Durchführung des Potsdamer Modells, was vielleicht so gar nicht an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Daß dabei immer auch Hürden auftreten, die es zu überwinden gilt, halte ich für selbstverständlich.
Prof. Lompscher: Eine zweite wesentliche Besonderheit des Potsdamer Modells ist der Versuch, in der Ausbildung Theorie und Praxis durchgängig miteinander zu verbinden. Wenn man die erste und zweite Phase der Lehrerausbildung sehr akzentuiert, dann müßte man sagen, in der ersten Phase herrscht die Theorie vor, in der zweiten die Praxis. Darin liegen auch Probleme. Man kann ganz sicher junge Leute nicht nachträglich nach dem Studium zu Lehrern machen. Es handelt sich um einen Prozeß des systematischen Aufbaus sowohl von pädagogischen Einstellungen als auch von pädagogischen Kompetenzen. Das ist nach dem Studium nicht abgeschlossen, sondern muß dann weitergeführt werden. Aber die Studierenden von Anfang an mit den Praxisfeldern vertraut zu machen, ist ein wichtiges Anliegen des Potsdamer Modells.
Prof. Wyschkon: Wenn man es auf einen Nenner bringt, trifft wohl die Formulierung von der studienbegleitenden Funktion der Praxis zu. Ich habe oft den Eindruck, daß sich viele Studierende gerade deshalb nach Potsdam begeben, weü sie den Wunsch haben, die Vorzüge dieses Modells direkt für sich zu nutzen. Es gibt bei jenen Studenten, die in Kürze im vierten Semester studieren werden, schon die ersten Kontakte zu unserem Zentrum im Zusammenhang mit
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