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IM GESPRÄCH
Wenn es nicht gelingt, die Fachdidaktiken so zu stärken, daß sie auf die jeweiligen Fächer Einfluß ausüben, können wir auch das Potsdamer Modell vergessen. Also müssen integrative Lehrveranstaltungen angeboten werden, die diesen Zielvorgaben entsprechen. D.h., die Fachdidaktik hat eine Scharnierfunktion für die Umsetzung des Modells. Der zweite Punkt sind die Studienordnungen. Man kann natürlich sagen, daß eine in Paragraphen gefaßte Vorgabe den Geist der Universität nicht prägen kann, aber die Studierenden arbeiten danach. Also hat man mit dem Instrument der Studienordnungen sehr wohl ein Mittel in der Hand, um die Umsetzung des Modells zu erzwingen. Und das nicht nur bei den Studierenden, sondern auch bei der Lehrplanung. Ich glaube nicht, daß man den frommen Wunsch haben sollte, allein auf die Gutwilligkeit und Veränderbarkeit von Menschen zu setzen, sondern man muß die Instrumente nutzen, die zur Verfügung stehen.
Prof. Mikelskis: Schnittstelle ist für mich das erste Semester. Dort haben wir das Problem der Parallelität eines erziehungswissenschaftlichen Studiums und eines Fachstudiums. Die Fachdidaktik setzt erst im fünften, sechsten, siebenten Semester ein. Die Studenten kommen entweder mit der Motivation, Lehrer zu werden, oder sie kommen aus einem besonderen Interesse an einem bestimmten Fach. An dieser Stelle ist ein Integriertes Eingangssemester wünschenswert, weil die Studierenden dann bereits Fachdidaktik kennenlernen. Das erste Jahr sollte stärker zur Selbstfindung der Berufswahlbeitragen. Ich denke, wir sollten uns für alle Studiengänge das erste Jahr noch einmal vornehmen, alle an einen Tisch setzen und überlegen, wie wir Elemente der Integration von Anfang an ins Studium ein- pflanzen können.
Prof. Jahnke: Es muß jetzt die zweite Stufe bei der Umsetzung des Modells gezündet werden. Dafür sollten wir noch einmal konzertierte Aktionen ins Leben rufen.
PUTZ wird zum gegebenen Zeitpunkt über die weitere Umsetzung des Potsdamer Modells der Lehrerbildung informieren. Fotos: Rüffert
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GUTE ERFAHRUNGEN MIT DER UNIVERSITÄT
Die Bildungsministerin Angelika Peter im Gespräch mit der PUTZ
Einer von vier Profilbereichen der Potsdamer Universität ist in der Lehrerbildung angesiedelt. Umgesetzt werden soll diese Lehrerbildung in Form eines spezifischen Potsdamer Modells. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Aktivitäten auf dem Sektor der Weiterbildung bereits unterrichtender brandenburgi- scher Lehrer, von denen rund 2.900 in diesem Semester in Potsdam immatrikuliert sind. Wirken sich diese vielfältigen Bemühungen der Universität in Brandenburg bereits aus? Myriam Honig fragte dies für die PUTZ einmal die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes, Angelika Peter.
PUTZ: Frau Ministerin, die Universität Potsdam ist als die Landesuniversität Brandenburgs zuständig für die Ausbildung der bran- denburgischen Lehrer. Um dieser Aufgabe um so besser nachkommen zu können, haben sich ihre Gründer etwas ganz Besonderes einfallen lassen: das Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Wie stehen Sie als Bildungsministerin des Landes Brandenburg zu diesem Modell?
Ministerin Peter: Ja, dieses Modell hat ganz einfach seine Erfordernis. Es hat seine Notwendigkeit darin begründet, daß auf der einen Seite der Qualifizierungsbedaif bran- denburgischer Lehrer sehr groß ist. So gibt es eine Reihe von Mangelfächern, die nicht in der gewünschten und in der notwendigen Qualität unterrichtet werden können. Dazu gehören die Sprachen Englisch und Französisch, aber auch Kunsterziehung und Musik - bei letzteren vorwiegend in der Sekundarstufe I. In diesen Fächern sind nicht genügend Lehrer da, die fachgerecht den Unterricht betreiben können. Zum anderen wächst der Schülerberg derzeit an und vor diesem Hintergrund muß die unterrichtliche Versorgung sichergestellt werden - wenngleich bereits abzusehen ist, daß die Schülerzahl durch die demographische Entwicklung bedingt auch wieder abnehmen wird. Und zwar so weit, bis letztendlich nur noch ein Drittel bis 40 Prozent der Primarstufen- Lehrkräfte benötigt werden, die jetzt noch in der unterrichtlichen Versorgung beschäftigt sind. Um diesen Kollegen noch eine Chance und eine Möglichkeit der Weiterbeschäftigung zu geben, ist es notwendig für sie, sich neue Bereiche zu erschließen. Die Erfordernisse für das Potsdamer Modell der Lehrerbildung liegen also in der Notwendigkeit der unterrichtlichen Versorgung auf der einen Seite und in der Situation der Lehrer auf der anderen Seite.
PUTZ: Das heißt, durch das Modell kann mehr Flexibilität ermöglicht werden.
Die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Angelika Peter, im Gespräch.
Peter: Ja, und es sorgt darüber hinaus für eine Qualitätsanhebung.
PUTZ: Die „Qualitätsanhebung“ liefert mir das Stichwort für das Thema Weiterbildung: Zusätzlich zur Ausbildung künftiger Lehrer engagiert sich die Universität Potsdam bereits seit ihrer Gründung im Jahre 1991 für die berufsbegleitende Nachqualifizierung brandenburgischer Lehrer in Mangelfächern. Sie tut dies unter anderem im Rahmen eines bis zum Jahre 2000 laufenden Sonderprogramms „Weiterbildung". Auch Ihr Ministerium gehört zu dem Trägerverein dieses Sonderprogramms. Sind Sie denn zufrieden mit den bis jetzt erbrachten Leistungen? Peter: Ja, es kommen überaus positive Rückmeldungen, und ich hatte ja auch kürzlich die erfreuliche Aufgabe, Zeugnisse an die Lehrerinnen und Lehrer zu übergeben, die sich in Politischer Bildung und Französisch weiterqualifiziert haben. Mit der Qualität der Ausbildung ist man an den Schulen sehr zufrieden. Gegenwärtig noch nicht ganz abschließend beantwortet ist die Frage, wie mit diesen nachqualifizierten Lehrern umgegangen werden muß. Es geht hierbei um die Ergänzungsprüfungsordnung, die noch aussteht. Sie würde die Möglichkeit eröffnen, daß diese Lehrer ein zusätzliches Lehramt erwerben und damit ihren Status verbessern könnten. Das ist immer wieder im Gespräch, dieser Wunsch, durch eine zweieinhalbjährige Qualifikation die Möglrchkeit zu erlangen, in einem weiteren Fach zu unterrichten und das als einen Baustein für ein persönliches Vorankommen verwenden zu können.
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PUTZ 2/95