BUCHTIPS
Klärungsbedarf bestehe vor allem hinsichtlich des Wechselverhältnisses zwischen Änderungen in seinen Lebensverhältnissen sowie seinen Anschauungen und Verhaltensweisen. Erhellung können die Studien des Bandes bringen, in denen u.a. seine Englanderfahrungen, der politische Fdontane 1861-1863, seine Beurteilung von Napoleon m. und der „preußische“ Fontane im Jahr der Reichsgründung beleuchtet werden. Der Band endet mit einer persönlichen Replik von Henry H. H. Remak. Seine letzten Worte „Von Fontane kommt man nicht los, ob man will oder nicht. Und wer will es?“ verbinden Forscher und Laien gleichermaßen. De.
Fontane-Blätter, 58/1994, 320 Seiten, 11,50 DM.
Zusatzausbildung nach dem Erststudium
Die schwierige Arbeitsmarktlage und die fortschreitende Globalisierung der inner- und außereuropäischen Märkte erfordern eine internationale Ausrichtung des Studiums insbesondere für Führungsnachwuchskräfte. Zusatzqualifikationen nach dem Erststudium gewinnen an Bedeutung. Die verschiedenen Ausbildungsprogramme in Europa und in den USA zum „Master of Business Administration (MBA)" bieten frühzeitige Ausländserfahrungen. Diese internationale, wirtschaftswissenschaftliche, ein bis drei Jahre dauernde Zusatzausbildung für Absolventen wissenschaftlicher Studiengänge stellt eine ernstzunehmende Alternative zur Promotion bzw. zum wirtschaftswissenschaftlichen Aufbaustudium dar. Der Bereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Potsdam prüft derzeit Mögiichkeiten für Kontakte zu amerikanischen Hochschulen, um auch MBA- Studiengänge nutzen zu können, ln den USA, dem Mutterland des MBA, werden derzeit ca. 700 MBA L Programme unterschiedlichen Niveaus angeboten, von denen ca. 290 offiziell anerkannt sind. In der Publikation „MBA-Studium und Business Schools in den USA“ wird eine Auswahl von 36 empfehlenswerten Business Schools vorgestellt. Ziel ist es, Führungsnachwuchskräften und Studenten bzw. Absolventen sowohl wirtschaftswissenschaftlicher als auch anderer Studiengänge, die eine MBA-Ausbildung in den USA anstreben, gezielte Informationen zur Verfügung zu stellen. Es werden praktische Hinweise bei der schwierigen Auswahl der geeigneten Business Schools sowie bei der Realisierung der einzelnen Schritte des aufwendigen Bewerbungsprocedere gegeben.
Ein Erfahrungsbericht eines MBA-Absolven- ten, vergleichende Übersichtstabellen, Stellenangebote und ein Literaturverzeichnis komplettieren diesen Studienführer. B.E.
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MBA-Studium und Business Schools in den USA, B. Giesen, N. de Menezes, J. Nußbickel, Hrsg. Joerg E. Staufenbiel, 6. Auflage 1994, 248 Seiten, 29,80 DM (bei Versand zzgl. Porto)
Hochschulerneuerung - Bilanz und Konsequenzen
Vier Jahre Hochschulerneuerung in den neuen Bundesländern- historisch gesehen ist das eine sehr kurze Zeitspanne. Die von diesem Geschehen Betroffenen mögen anders darüber richten. Schließlich haben sie tiefgreifende Veränderungen erlebt.
Eine wissenschaftliche Tagung am 23. Juni 1994 an der Universität Potsdam widmete sich jedenfalls der Beurteilung dieses Prozesses durch Aktive, Beteiligte und Beobachter von außen. Eingeladen dazu hatte die Projektgruppe Hochschulforschung Berlin-Karlshorst im Zusammenwirken mit dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Im Ergebnis dessen erschien kürzlich eine Dokumentation, die den Versuch darstellt, ein differenziertes Bild der Hochschulerneuerung in den neuen Bundesländern entstehen zu lassen. Über eine bloße Bestandsaufnahme hinaus werden darin Gestaltungsräume kritisch betrachtet. Diese ordnet man dem Spannungsfeld zwischen Anpassung an westdeutsche Verhältnisse und Innovationen in den neuen Ländern zu. Kompetente Wortmeldungen dazu findet der Leser in den Diskussionsnachzeichnungen der Podien I und II. Jene Gesprächsrunden standen unter den Thematiken „Hochschulerneuerung und regionale Entwicklung“ bzw. „Wege zur Stabilisierung der neuen Hochschulentwicklungen“.
Den Auseinandersetzungen vorausgegangen waren zahlreiche Plenarvorträge, die sich den Zielen der Hochschulerneuerung sowie deren Befindlichkeit zwischen Anpassung und Innovation zuwandten. Den Beiträgen inhärent sind Erfahrungen und Probleme mit modernen Profilentwicklungen von Universitäten und Fachhochschulen, immer unter Berücksichtigung jeweiliger wirtschaftlicher und kultureller Identitätsfindung einzelner Regionen. Das Buch vermittelt insgesamt Denkanstöße und kreative Impulse für die anstehende Modernisierung der akademischen Einrichtungen im vereinten Deutschland unter den veränderten Wettbewerbsbedingungen in einem ökonomisch und politisch zusammenwachsenden Europa. P.G.
Hochschulerneuerung in den neuen Bundesländern. Bilanz nach vier Jahren. Gertraude Buck-Bechler/Heidrun Jahn (Hrsg.), Deutscher Studienverlag, Weinheim 1994, 32,- DM.
Die Zauberkraft der Bücher
Vornehmlich von der Macht und Wirkung des geschriebenen Wortes war kürzlich im „lesecafe“ der Universität die Rede. Zu Gast weilte die bekannte Kinderbuchautorin und Filmszenaristin Christa Kozik (links), die aus der neuen märchenhaften Erzählung „Der verzauberte Einbrecher“ las und sich anschließend dem Gespräch stellte.
Die 1941 geborene Potsdamer Schriftstellerin, 1991 Kinderbuchpreisträgerin der Akademie der Künste Berlin, konnte sich durch Titel wie „Sieben Sommersprossen“(1978), „Moritz in der Litfaßsäule"(1983) und „Der Engel mit dem goldenen Schnurrbart“ (1989) einen festen Platz in der hiesigen literarischen Landschaft erobern.
An alte Erfolge scheint auch „Der verzauberte Einbrecher“ anzuknüpfen. In einer facettenreichen Sprache wird gezeigt, wie das vermeintlich Böse, daß sich dann als gar nicht so böse erweist, durch Bücher, durch das Lesen „geläutert“ wird. Es ist sicherlich nicht falsch, die spannend erzählte Geschichte als modernes Märchen zu bezeichnen, welches nicht oberflächliche Zeitkritik auf seine Fahnen geschrieben hat. Vielmehr handelt es sich hier um den subtilen Versuch der Autorin - die durch ihre Filmarbeit auch im Bereich der modernen Massenmedien mehr als nur zu Hause ist -, gegen die vereinseitigende Wirkung elektronischer Kommunikation den ursprünglichen Wert des Lesens und des Buches zu setzen.
Die anschließende Diskussionsrunde mit dem Publikum umfaßte in Fragen und Antworten ein - wie Fontane sagen würde - weites Feld. Gegenstand waren Möglichkeiten literarischer Kritik in DDR-Zeiten, Veränderungen in der Verlagslandschaft Ostdeutschlands nach 1990, der Verlust künstlerischer Kreativität durch wirtschaftliche Zwänge und vieles mehr.
Die Teilnehmer werteten die Veranstaltung als einen gelungenen Abend, der Lust auf weitere an gleicher Stelle machte.
P. G./Foto: Tribukeit
PUTZ 2/95