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(1.1.2019) 03
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OHNE SIE WÜRDE ES UNS NICHT GEBEN."

Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Gisa Rauh verliehen

An nur wenigen deutschen Universitäten wird das Fach Allgemeine Sprachwissenschaft angeboten. Das ist deshalb umso unverständlicher, weil sich hier in den letzten Jahr­zehnten große Veränderungen vollzogen. Die Neugründung der Universität Potsdam bot den Mitgliedern des damaligen Gründungssenats die Chance, diesen besonde­ren Profilbereich zu etablieren. Und sie nutzten sie. Entscheidend bei der Erarbeitung des Konzeptes wirkte seinerzeit Prof. Dr. Gisa Rauh als stellvertretende Gründungs­rektorin mit. Auf Beschluß der Philosophischen Fakultät II erhielt die Wissenschaftle­rin Mitte Februar 1995 nun in Anwesenheit von Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner und von dem Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Lan­des Brandenburg, Prof. Dr. Friedrich Buttler, die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam verliehen.

Ohne Sie würde es uns nicht geben. Mit diesen Worten eröffnete die Geschäftsfüh­rende Direktorin des Institutes für Lingui­stik/Allgemeine Sprachwissenschaft und Inhaberin des Lehrstuhls für Fätholinguistik/ Kognitive Neurolmguistik, Prof. Dr. Ria De Bleser, die Feierstunde. In der Laudatio hob die Dekanin der Philosophischen Fakultät II. Prof. Dr. Bärbel Kirsch, jene besonderen Aktivitäten der Geehrten hervor, die sie in den drei Jahren entwickelte, seit die Bitte an sie erging, beim Aufbau der Universität mitzuwirken. So unterstützte sie das Potsda­mer Modell der Lehrerbildung, engagierte sich bei der Strukturierung und Konzipie­rung des Sprachenzentrums der Hoch­schule und machte sich als Fachwissen- schaftlenn im Bereich der Anglistik ver­dient.Aber Frau Rauh ist für Potsdam na­türlich vor allem eines: die Gründungs­mutter des Institutes für Linguistik/Allge­meine Sprachwissenschaft, betonte Bärbel Kirsch.

Die Einrichtung der Linguistik in Potsdam sei deshalb ein Glücksfall, weil sie in der DDR lange Zeit auf höchstem Niveau betrie­ben, nach ihrer kognitionswissenschaft­lichen Ausrichtung allerdings in den Ge­ruch des Biologismus kam und somit elimi­niert wurde. Das jetzt von Gisa Rauh ent­worfene und vom Gründungssenat bestä-

Prof. Dr, Gisa Rauh studierte in Göttingen sowie an den Universitäten North Carolina und California Germanistik, Anglistik, Rechtswissenschaften, Allgemeine Sprach­wissenschaft und Philosophie. 1978 promo­vierte sie mit einer Arbeit zur Linguistischen Beschreibung deiktischer Komplexität in narrativen 1bxten an der Universität Göttin­gen, und 1985habilitierte sie sich an der Brei­en Universität Berlin mit der SchriftTiefen­kasus, thematische Rollen und Theta-Rolle". Unmittelbar danach wurde sie an die Bergi- sche-Universität-Gesamthochschule Wup­pertal als Professorin für Anglistik und Allge­meine Sprachwissenschaft berufen. Dort lei­tet sie eines der zentralen Projekte des Son­derforschungsbereichesTheorie des Lexi­kons". B.E.

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Mit großem Engagement und fachlicher Kom­petenz setzte sich Prof. Dr. Gisa Rauh für die Etablierung der Sprachwissenschaft an der Uni­versität Potsdam ein. Dafür wurde sie mit der Ehrendoktorwürde der Alma mater geehrt.

Foto: Tribukeit

tigte Strukturmodell mit eben jener kognitionswissenschaftlichen Ausrichtung sei in Deutschland einzigartig. Im Hinblick auf die Verbesserung der Diagnose und Therapie von Sprachstörungen zeichne sich bereits jetzt ab, daß der Leitgedanke Prof. Rauhs, auch die Allgemeine Sprach­wissenschaft in den Reigen der Fächer mit gesellschaftlicher Relevanz einzubringen, erfolgreich ist, Mit diesem Ansatz habe die Sprachwissenschaftlerin, die stets das Ge­samtsystem ihrer Wissenschaft im Auge habe, die Zukunft der Linguistik stärker geprägt, als es Bücher oder Fachaufsätze vermögen würden. Ebenso ausdrücklich wurde Gisa Rauhs Fähigkeit gewürdigt, Konzepte nicht nur amgrünen Tisch zu entwerfen, sondern bei deren Realisierung aktiv Hand anzulegen. Deshalb sei es sehr bedauerlich, daß sie nach dem Ende der zweieinhalbjährigen Amtszeit des Grün­dungssenates im Dezember 1993nur noch bei ab und zu auftretenden Türbulenzen hilf­reich zur Seite stehen könne.

Sowohl die Dekanin als auch Ria De Bleser brachten die Freude aller Beteiligten dar­

über zum Ausdruck, daß das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Bemühungen unter­nimmt, die konzipierten Strukturen umzu­setzen. Prof. Dr. Friedrich Buttler konnte dann auch mitteilen, daß mit dem Winterse­mester 1995/96 ein gemeinsamer Studien­gang von Allgemeiner Linguistik, Compu­terlinguistik und Patholinguistik im Grund­studium mit einer entsprechenden Spezia­lisierung im Hauptstudium an der Universi­tät Potsdam installiert wird. In der ersten Aufbauphase sollen 30 Studierende imma­trikuliert werden. B.E.

GÄSTE AUS ISRAEL

Fünf israelische Rektoren bzw. ihre Vertre­ter weilten im März zu Gast an der Univer­sität Potsdam, um sich ein Bild von der Si­tuation der brandenburgischen Wissen­schafts- und Hochschullandschaft zu ma­chen sowie Möglichkeiten der Zusammen­arbeit zu erkunden. Gekommen waren die Professoren Yoram Dinstein von der Tbl- Aviv-Universität(zweiter von rechts), Emud Lenz vom TbchnionCrechts), Yehuda Hayuth von der Haifa-Universität (zweiter von links) sowie Nachum Finger von der Ben-Gunon- Universität und Shlomo Eckstein von der Bar-Ilan-Universität. Die Gäste wurden vom stellvertretenden israelischen Generalkon­sul, Tibor Shalev-Schlosser(links), und vom Wissenschaftsattache, Rafael Schnitzer, begleitet, die beide nicht zum ersten Mal an der Universität Potsdam waren. Am Ge­spräch nahmen der Minister für Wissen­schaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche,der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Rolf Mitzner, und die Dekane bzw. Prodekane der Universität sowie der Vizepräsident der Brandenburgi­schen Tbchnischen Hochschule Cottbus, Prof. Wolfgang Cezanne, und Prof. Hartmut Schröder von der Viadrina teil. Die Gäste interessierten sich u.a, für die Profile der Brandenburgischen Universitäten, die In­tensität der Zusammenarbeit mit For­schungsinstituten der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft, für bereits beste­hende Kooperationen mit ihrem Land, Fra­gen des Studentenaustausches und der Stu­diendauer. Eine Rolle spielten ferner Erfah­rungen bei der Integration von Professoren verschiedener Herkunft und eventuell dar­aus resultierende differierende Heran­gehensweisen an wissenschaftliche Proble­me. Vorgestellt wurden ferner von Wissen­schaftlern der Universität Potsdam das Kon­zept der Allgemeinen Sprachwissenschaft, der Studiengang Jewish studies, Arbeiten auf dem Gebiet der Biosensorik sowie die Interdisziplinären Zentren für kognitive Stu­dien, Nichtlineare Dynamik und Biopoly­mere. De.

PUTZ 3/95

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