„OHNE SIE WÜRDE ES UNS NICHT GEBEN."
Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Gisa Rauh verliehen
An nur wenigen deutschen Universitäten wird das Fach Allgemeine Sprachwissenschaft angeboten. Das ist deshalb umso unverständlicher, weil sich hier in den letzten Jahrzehnten große Veränderungen vollzogen. Die Neugründung der Universität Potsdam bot den Mitgliedern des damaligen Gründungssenats die Chance, diesen besonderen Profilbereich zu etablieren. Und sie nutzten sie. Entscheidend bei der Erarbeitung des Konzeptes wirkte seinerzeit Prof. Dr. Gisa Rauh als stellvertretende Gründungsrektorin mit. Auf Beschluß der Philosophischen Fakultät II erhielt die Wissenschaftlerin Mitte Februar 1995 nun in Anwesenheit von Rektor Prof. Dr. Rolf Mitzner und von dem Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Friedrich Buttler, die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam verliehen.
„Ohne Sie würde es uns nicht geben.“ Mit diesen Worten eröffnete die Geschäftsführende Direktorin des Institutes für Linguistik/Allgemeine Sprachwissenschaft und Inhaberin des Lehrstuhls für Fätholinguistik/ Kognitive Neurolmguistik, Prof. Dr. Ria De Bleser, die Feierstunde. In der Laudatio hob die Dekanin der Philosophischen Fakultät II. Prof. Dr. Bärbel Kirsch, jene besonderen Aktivitäten der Geehrten hervor, die sie in den drei Jahren entwickelte, seit die Bitte an sie erging, beim Aufbau der Universität mitzuwirken. So unterstützte sie das Potsdamer Modell der Lehrerbildung, engagierte sich bei der Strukturierung und Konzipierung des Sprachenzentrums der Hochschule und machte sich als Fachwissen- schaftlenn im Bereich der Anglistik verdient. „Aber Frau Rauh ist für Potsdam natürlich vor allem eines: die Gründungsmutter des Institutes für Linguistik/Allgemeine Sprachwissenschaft“, betonte Bärbel Kirsch.
Die Einrichtung der Linguistik in Potsdam sei deshalb ein Glücksfall, weil sie in der DDR lange Zeit auf höchstem Niveau betrieben, nach ihrer kognitionswissenschaftlichen Ausrichtung allerdings in den Geruch des Biologismus kam und somit eliminiert wurde. Das jetzt von Gisa Rauh entworfene und vom Gründungssenat bestä-
Prof. Dr, Gisa Rauh studierte in Göttingen sowie an den Universitäten North Carolina und California Germanistik, Anglistik, Rechtswissenschaften, Allgemeine Sprachwissenschaft und Philosophie. 1978 promovierte sie mit einer Arbeit zur Linguistischen Beschreibung deiktischer Komplexität in narrativen 1bxten an der Universität Göttingen, und 1985habilitierte sie sich an der Breien Universität Berlin mit der Schrift „Tiefenkasus, thematische Rollen und Theta-Rolle". Unmittelbar danach wurde sie an die Bergi- sche-Universität-Gesamthochschule Wuppertal als Professorin für Anglistik und Allgemeine Sprachwissenschaft berufen. Dort leitet sie eines der zentralen Projekte des Sonderforschungsbereiches „Theorie des Lexikons". B.E.
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Mit großem Engagement und fachlicher Kompetenz setzte sich Prof. Dr. Gisa Rauh für die Etablierung der Sprachwissenschaft an der Universität Potsdam ein. Dafür wurde sie mit der Ehrendoktorwürde der Alma mater geehrt.
Foto: Tribukeit
tigte Strukturmodell mit eben jener kognitionswissenschaftlichen Ausrichtung sei in Deutschland einzigartig. Im Hinblick auf die Verbesserung der Diagnose und Therapie von Sprachstörungen zeichne sich bereits jetzt ab, daß der Leitgedanke Prof. Rauhs, auch die Allgemeine Sprachwissenschaft in den Reigen der Fächer mit gesellschaftlicher Relevanz einzubringen, erfolgreich ist, Mit diesem Ansatz habe die Sprachwissenschaftlerin, die stets das Gesamtsystem ihrer Wissenschaft im Auge habe, die Zukunft der Linguistik stärker geprägt, als es Bücher oder Fachaufsätze vermögen würden. Ebenso ausdrücklich wurde Gisa Rauhs Fähigkeit gewürdigt, Konzepte nicht nur am „grünen Tisch“ zu entwerfen, sondern bei deren Realisierung aktiv Hand anzulegen. Deshalb sei es sehr bedauerlich, daß sie nach dem Ende der zweieinhalbjährigen Amtszeit des Gründungssenates im Dezember 1993 „nur noch bei ab und zu auftretenden Türbulenzen hilfreich zur Seite“ stehen könne.
Sowohl die Dekanin als auch Ria De Bleser brachten die Freude aller Beteiligten dar
über zum Ausdruck, daß das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Bemühungen unternimmt, die konzipierten Strukturen umzusetzen. Prof. Dr. Friedrich Buttler konnte dann auch mitteilen, daß mit dem Wintersemester 1995/96 ein gemeinsamer Studiengang von Allgemeiner Linguistik, Computerlinguistik und Patholinguistik im Grundstudium mit einer entsprechenden Spezialisierung im Hauptstudium an der Universität Potsdam installiert wird. In der ersten Aufbauphase sollen 30 Studierende immatrikuliert werden. B.E.
GÄSTE AUS ISRAEL
Fünf israelische Rektoren bzw. ihre Vertreter weilten im März zu Gast an der Universität Potsdam, um sich ein Bild von der Situation der brandenburgischen Wissenschafts- und Hochschullandschaft zu machen sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erkunden. Gekommen waren die Professoren Yoram Dinstein von der Tbl- Aviv-Universität(zweiter von rechts), Emud Lenz vom TbchnionCrechts), Yehuda Hayuth von der Haifa-Universität (zweiter von links) sowie Nachum Finger von der Ben-Gunon- Universität und Shlomo Eckstein von der Bar-Ilan-Universität. Die Gäste wurden vom stellvertretenden israelischen Generalkonsul, Tibor Shalev-Schlosser(links), und vom Wissenschaftsattache, Rafael Schnitzer, begleitet, die beide nicht zum ersten Mal an der Universität Potsdam waren. Am Gespräch nahmen der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche,der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Rolf Mitzner, und die Dekane bzw. Prodekane der Universität sowie der Vizepräsident der Brandenburgischen Tbchnischen Hochschule Cottbus, Prof. Wolfgang Cezanne, und Prof. Hartmut Schröder von der Viadrina teil. Die Gäste interessierten sich u.a, für die Profile der Brandenburgischen Universitäten, die Intensität der Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft, für bereits bestehende Kooperationen mit ihrem Land, Fragen des Studentenaustausches und der Studiendauer. Eine Rolle spielten ferner Erfahrungen bei der Integration von Professoren verschiedener Herkunft und eventuell daraus resultierende differierende Herangehensweisen an wissenschaftliche Probleme. Vorgestellt wurden ferner von Wissenschaftlern der Universität Potsdam das Konzept der Allgemeinen Sprachwissenschaft, der Studiengang Jewish studies, Arbeiten auf dem Gebiet der Biosensorik sowie die Interdisziplinären Zentren für kognitive Studien, Nichtlineare Dynamik und Biopolymere. De.
PUTZ 3/95
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