Heft 
(1.1.2019) 03
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CAMPUS

DEUTSCHLAND IN DER WELTORDNUNG 1945-1995

Zur wissenschaftlichen Jahrestagung der Gesellschaft für Deutschlandforschung

Anfang März fand im Berliner Rathaus Schöneberg die 17. Wissenschaftliche Jahrestagung der Gesellschaft für Deutschlandforschung statt. Die diesjäh­rige, unter der wissenschaftlichen Lei­tung von Prof. Dr. Eckart Klein aus der Ju­ristischen Fakultät der Universität Pots­dam stehende Veranstaltung beschäftig­te sich mit der Rolle Deutschlands in der Weltordnung 1945-1995.

Ausgangspunkt der Überlegungen waren die Niederlage und der Wiedereintritt Deutschlands in die Staatengemeinschaft. Prof. Dr. Jens Hacker (Universität Regens­burg) zeichnete in seinem ReferatDie Rremdbestimmung: Übernahme der ober­sten Gewalt und die Potsdamer Konferenz die Kriegskonferenzen nach, in denen Deutschland fortschreitend das in der At­lantikcharta vom 14.8.1941 bekräftigte, völ­kerrechtlichverbindliche Prinzip der souve­ränen Gleichheit der Völker für die Zeit nach Beendigung des Krieges vorenthalten wurde. Die Stellung Deutschlands als Ob­jekt der internationalen Staatengemein­schaft und insbesondere der Siegermäch­te zeigte sich deutlich in derFeindstaaten- klausel, Art. 53, 107 der UNO-Charta, wo­nach die Völkerrechtsordnung auf Dauer in Sieger und Besiegte aufgeteilt schien.

Prof. Dr. Hans Buchheim (Universität Mainz) und Prof. Dr. Manfred Wilke (FU Berlin) stellten die Voraussetzungen für den getrennten staatlichen Wiederaufbau in der Bundesrepublik und der DDR dar. Hinsicht­lich der Bundesrepublik vertrat Prof. Buch­heim die Ansicht, daß es wegen der äuße-

7. bis 9. Mai 1995

Konferenz:Der 8. Mai als historische Zäsur

Prof. Dr. Christoph Kleßmann, Historisches Institut, u.a.

Hans-Otto-Theater, 16.00-20.00 Uhr Altes Rathaus Potsdam , 9,00-21.00 Uhr

10. Mai 1995

Konzert:Jüdische und Zigeunerlieder

Institut für Musik und Musikpädagogik Universitätskomplex Golm, Haus 13, Kleiner Senatssaal, 19.00 Uhr

13. Mai 1995

Wissenschaftliches Kolloquium:Über den Umgang mit dem Unbegreiflichen

Prof. Dr. Hanno Schmitt, Institut für Pädagogik Universitätskomplex Golm, Haus 13, Kleiner Senatssaal, 9.00-15.30 Uhr

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ren Umstände keine Alternative zu einem Weststaat gegeben habe, dessen West­bindung und infolgedessen die wirtschaft­liche Integration in die Montanunion und EWG auch von den deutschen Politikern akzeptiert wurde. Für die Entwicklung zur DDR hob Prof. Wilke die Bedeutung der Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946 hervor, die als die entscheidende Zäsur in der deutschen Tfeilungsgeschichte angese­hen werden könne,

Der folgende Themenbereich beschäftigte sich mit Deutschlands Rolle in der Weltpo- litik während der Spaltung. Dr. Karl-Rudolf Körte (Universität Mainz) skizzierte die Pha­sen der westdeutschen Politik mit den Stich­worten Westbindung, Exportorientierung, Ostverbindung und ordnete die Ostpolitik in den globalen Rahmen amerikanisch-sowje­tischer Entspannungsspolitik ein. Prof. Dr. Hans Willgerodt beschrieb den wirtschafts­politischen Einfluß Deutschlands auf die in­ternationalen Beziehungen. Er ging dabei auf die unterschiedlichen machtstaatlichen und liberalen Konzepte zur Wirtschaftspo­litik ein. Während Adenauer ersteres Kon­zept durch die Übertragung von Souverä­nitätsrechten wie z.B. an die Montanunion verwirklicht sehen wollte, trat Erhard für eine Rückübertragung von wirtschaftlichen Freiheiten an die Bürger ein, wie es dann in den Grundfreiheiten des EWG-Vertrages zum Ausdruck kam. In der anschließenden Diskussion betonte Prof. Willgerodt die Not­wendigkeit, bei der europäischen Wäh­rungsunion die vertraglich festgeschriebe­ne Unabhängigkeit einer europäischen Zentralbank auch tatsächlich auszufüllen.

31. Juli bis 2, August 1995 Internationales Symposium Die Potsdamer Konferenz 1945 - 1995 Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Histori­sches Institut, u.a,

Offizieller Festakt: 2. August, Schloß Ceci­lienhof, Große Halle, 18.00-20.00 Uhr Konferenz: 31. Juli, 17.00-22.00 Uhr

1. August, 9.00-22.00 Uhr

2, August, 9.00-17.00 Uhr

1. Juni 1995

Vortrag ,Was bleibt? Politische Aus­blicke nach den 50. Jahrestagen der Befreiungen

Prof. Dr. Jürgen Dittberner, Wirtschafts­und Sozialwissenschaftliche Fakultät Universitätskomplex Babelsberg, August- Bebel-Str. 89, 14.00 Uhr

Die Tägung schloß mit einem aktuellen Aus­blick auf die Aufgabe und Verantwortung des vereinigten Deutschlands in der Welt­politik. Prof. Dr. Christian Hacke (Universi­tät der Bundeswehr Hamburg) sprach über die deutsche Außenpolitik des vereinigten Deutschlands. Er kam zu dem Ergebnis, daß die deutsche Politik trotz eines vergrö­ßerten Handlungsspielraums nach der Wie­dervereinigung die zurückhaltende Politik der alten Bundesrepublik fortsetzte. Ob­wohl es international zu erwartungsvollen Konzepten wie der KSZE-Charta von Paris und neuen institutioneilen Verknüpfungen kam, zeigte sich insbesondere in der Golf- Krise 1990/1991 und in dem Jugoslawien­krieg, daß die deutsche Politik nicht bereit war, neue Verantwortungen machtpolitisch zu übernehmen. EineScheckbuchdiplo­matie ohne den Willen zur Einflußnahme sei unzulänglich und könnte internationale Organisationen wie die EG zerbrechen las­sen. Dr, Günther Altenburg (Auswärtiges Amt) beschrieb angesichts des Wandels der UNO die deutschen Möglichkeiten we­niger dominant.

Ein deutscher Sitz im Sicherheitsrat würde zwar angestrebt, doch dies nur, nachdem England und Frankreich nicht bereit gewe­sen seien, auf ihren Sitz zugunsten der EU zu verzichten. Die Bundesrepublik wolle nach Ende des Kalten Krieges ihrer Bedeu­tung angemessen in die Weltpolitik inte­griert werden. Die UNO sei allerdings an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit ange­langt, da sie für zwischenstaatliche Konflikte konzipiert wurde, heutzutage jedoch immer häufiger innerstaatliche Bürgerkriegssitu­ationen eine Rolle spielten.

In einem abschließenden Referat beschäf­tigte sich Prof. Dr. Lothar Rühl (Universität Köln) mit den Chancen und Risiken einer Brückenfunktion Deutschlands gegenüber Osteuropa und wies auf die unterschiedli­chen Voraussetzungen in den ehemaligen Ostblockstaaten hin, auf die die Bundesre­publik nur in Verbindung mit Westeuropa reagieren könne. Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion seien jedenfalls auf absehba­re Zeit nicht in das westliche Wirtschafts­und Verteidigungssystem voll integrierbar. Nach Einschätzung der Tbilnehmer bedeu­tete die Tägung einen informativen Beitrag der deutschen Wissenschaft zu einer Stand­ortbestimmung des vergrößerten Deutsch­lands in einer enger zusammenrückenden Welt. Angesichts der globalen Probleme und Gefahren für die Friedenserhaltung hat sich gezeigt, daß die Aufgaben für die deut­sche Politik nach der Wiedervereinigung nicht leichter geworden sind.

Thomas Jürgensen

Veranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges

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