CAMPUS
DEUTSCHLAND IN DER WELTORDNUNG 1945-1995
Zur wissenschaftlichen Jahrestagung der Gesellschaft für Deutschlandforschung
Anfang März fand im Berliner Rathaus Schöneberg die 17. Wissenschaftliche Jahrestagung der Gesellschaft für Deutschlandforschung statt. Die diesjährige, unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Eckart Klein aus der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam stehende Veranstaltung beschäftigte sich mit der Rolle Deutschlands in der Weltordnung 1945-1995.
Ausgangspunkt der Überlegungen waren die Niederlage und der Wiedereintritt Deutschlands in die Staatengemeinschaft. Prof. Dr. Jens Hacker (Universität Regensburg) zeichnete in seinem Referat „Die Rremdbestimmung: Übernahme der obersten Gewalt und die Potsdamer Konferenz“ die Kriegskonferenzen nach, in denen Deutschland fortschreitend das in der Atlantikcharta vom 14.8.1941 bekräftigte, völkerrechtlichverbindliche Prinzip der souveränen Gleichheit der Völker für die Zeit nach Beendigung des Krieges vorenthalten wurde. Die Stellung Deutschlands als Objekt der internationalen Staatengemeinschaft und insbesondere der Siegermächte zeigte sich deutlich in der „Feindstaaten- klausel“, Art. 53, 107 der UNO-Charta, wonach die Völkerrechtsordnung auf Dauer in Sieger und Besiegte aufgeteilt schien.
Prof. Dr. Hans Buchheim (Universität Mainz) und Prof. Dr. Manfred Wilke (FU Berlin) stellten die Voraussetzungen für den getrennten staatlichen Wiederaufbau in der Bundesrepublik und der DDR dar. Hinsichtlich der Bundesrepublik vertrat Prof. Buchheim die Ansicht, daß es wegen der äuße-
7. bis 9. Mai 1995
Konferenz: „Der 8. Mai als historische Zäsur“
Prof. Dr. Christoph Kleßmann, Historisches Institut, u.a.
Hans-Otto-Theater, 16.00-20.00 Uhr Altes Rathaus Potsdam , 9,00-21.00 Uhr
10. Mai 1995
Konzert: „Jüdische und Zigeunerlieder“
Institut für Musik und Musikpädagogik Universitätskomplex Golm, Haus 13, Kleiner Senatssaal, 19.00 Uhr
13. Mai 1995
Wissenschaftliches Kolloquium: „Über den Umgang mit dem Unbegreiflichen“
Prof. Dr. Hanno Schmitt, Institut für Pädagogik Universitätskomplex Golm, Haus 13, Kleiner Senatssaal, 9.00-15.30 Uhr
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ren Umstände keine Alternative zu einem Weststaat gegeben habe, dessen Westbindung und infolgedessen die wirtschaftliche Integration in die Montanunion und EWG auch von den deutschen Politikern akzeptiert wurde. Für die Entwicklung zur DDR hob Prof. Wilke die Bedeutung der Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946 hervor, die als die entscheidende Zäsur in der deutschen Tfeilungsgeschichte angesehen werden könne,
Der folgende Themenbereich beschäftigte sich mit Deutschlands Rolle in der Weltpo- litik während der Spaltung. Dr. Karl-Rudolf Körte (Universität Mainz) skizzierte die Phasen der westdeutschen Politik mit den Stichworten Westbindung, Exportorientierung, Ostverbindung und ordnete die Ostpolitik in den globalen Rahmen amerikanisch-sowjetischer Entspannungsspolitik ein. Prof. Dr. Hans Willgerodt beschrieb den wirtschaftspolitischen Einfluß Deutschlands auf die internationalen Beziehungen. Er ging dabei auf die unterschiedlichen machtstaatlichen und liberalen Konzepte zur Wirtschaftspolitik ein. Während Adenauer ersteres Konzept durch die Übertragung von Souveränitätsrechten wie z.B. an die Montanunion verwirklicht sehen wollte, trat Erhard für eine Rückübertragung von wirtschaftlichen Freiheiten an die Bürger ein, wie es dann in den Grundfreiheiten des EWG-Vertrages zum Ausdruck kam. In der anschließenden Diskussion betonte Prof. Willgerodt die Notwendigkeit, bei der europäischen Währungsunion die vertraglich festgeschriebene Unabhängigkeit einer europäischen Zentralbank auch tatsächlich auszufüllen.
31. Juli bis 2, August 1995 Internationales Symposium „Die Potsdamer Konferenz 1945 - 1995“ Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Historisches Institut, u.a,
Offizieller Festakt: 2. August, Schloß Cecilienhof, Große Halle, 18.00-20.00 Uhr Konferenz: 31. Juli, 17.00-22.00 Uhr
1. August, 9.00-22.00 Uhr
2, August, 9.00-17.00 Uhr
1. Juni 1995
Vortrag ,Was bleibt? Politische Ausblicke nach den 50. Jahrestagen der Befreiungen“
Prof. Dr. Jürgen Dittberner, Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliche Fakultät Universitätskomplex Babelsberg, August- Bebel-Str. 89, 14.00 Uhr
Die Tägung schloß mit einem aktuellen Ausblick auf die Aufgabe und Verantwortung des vereinigten Deutschlands in der Weltpolitik. Prof. Dr. Christian Hacke (Universität der Bundeswehr Hamburg) sprach über die deutsche Außenpolitik des vereinigten Deutschlands. Er kam zu dem Ergebnis, daß die deutsche Politik trotz eines vergrößerten Handlungsspielraums nach der Wiedervereinigung die zurückhaltende Politik der alten Bundesrepublik fortsetzte. Obwohl es international zu erwartungsvollen Konzepten wie der KSZE-Charta von Paris und neuen institutioneilen Verknüpfungen kam, zeigte sich insbesondere in der Golf- Krise 1990/1991 und in dem Jugoslawienkrieg, daß die deutsche Politik nicht bereit war, neue Verantwortungen machtpolitisch zu übernehmen. Eine „Scheckbuchdiplomatie“ ohne den Willen zur Einflußnahme sei unzulänglich und könnte internationale Organisationen wie die EG zerbrechen lassen. Dr, Günther Altenburg (Auswärtiges Amt) beschrieb angesichts des Wandels der UNO die deutschen Möglichkeiten weniger dominant.
Ein deutscher Sitz im Sicherheitsrat würde zwar angestrebt, doch dies nur, nachdem England und Frankreich nicht bereit gewesen seien, auf ihren Sitz zugunsten der EU zu verzichten. Die Bundesrepublik wolle nach Ende des Kalten Krieges ihrer Bedeutung angemessen in die Weltpolitik integriert werden. Die UNO sei allerdings an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, da sie für zwischenstaatliche Konflikte konzipiert wurde, heutzutage jedoch immer häufiger innerstaatliche Bürgerkriegssituationen eine Rolle spielten.
In einem abschließenden Referat beschäftigte sich Prof. Dr. Lothar Rühl (Universität Köln) mit den Chancen und Risiken einer Brückenfunktion Deutschlands gegenüber Osteuropa und wies auf die unterschiedlichen Voraussetzungen in den ehemaligen Ostblockstaaten hin, auf die die Bundesrepublik nur in Verbindung mit Westeuropa reagieren könne. Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion seien jedenfalls auf absehbare Zeit nicht in das westliche Wirtschaftsund Verteidigungssystem voll integrierbar. Nach Einschätzung der Tbilnehmer bedeutete die Tägung einen informativen Beitrag der deutschen Wissenschaft zu einer Standortbestimmung des vergrößerten Deutschlands in einer enger zusammenrückenden Welt. Angesichts der globalen Probleme und Gefahren für die Friedenserhaltung hat sich gezeigt, daß die Aufgaben für die deutsche Politik nach der Wiedervereinigung nicht leichter geworden sind.
Thomas Jürgensen
Veranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges
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