CAMPUS 4
CHEMIE IN BERLIN UND POTSDAM
Einen geballten Überblick über die Forschungsprofile der Chemie in Berlin und Potsdam lieferte vor einigen Wochen eine Vortrags- und Informationsveranstaltung im Lichthof der Technischen Universität Berlin. Veranstaltet von dem Landesverband Berlin der Chemischen Industrie e.V, trafen sich dort Vertreter aus der Praxis und Wissenschaftler sowie Studierende der Fachbereiche Chemie der Humboldt-Universität zu Berlin, der Heien und der Technischen Universität Berlin sowie der Chemischen Institute der Universität Potsdam. Rund 400 Gäste nutzten die Gelegenheit, um sich mit Hilfe der zahlreichen Posterausstellungen ein Bild von dem Lehr- und Forschungsstand der anderen Institutionen zu machen. Doch wurden auch der Austausch mit Vertretern aus der Praxis gepflegt und die Beschäftigungschancen der Absolventen sondiert.
Dabei zeigte sich nach Angaben von Prof. Dr. Erich Kleinpeter aus dem Institut für Organische Chemie und Strukturanalytik der Universität Potsdam vor allem eines: Obwohl sich die Chemische Industrie der Bundesrepublik Deutschland nach ihrer schwersten Rezession der Nachkriegszeit Ende 1994 wieder erholt hat, sind die Chan
cen der Chemie-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor schlecht. In der Region Berlin-Brandenburg verschlimmere sich dies noch zusätzlich durch den Anpassungsprozeß der Berliner Unternehmen an die veränderten Rahmenbedingungen und die vorübergehend recht großen Einbrüche der Industrieforschung in den neuen Bundesländern. In Anbetracht der bereits erfolgten Auftragsbelebung setzten die Tteil- nehmer des Thges der Chemie allerdings auf baldige Besserung - und qualitativ hochstehende Ausbildung.
Die Ausbildung der Studierenden stand auch vor dem Hintergrund der berlm-bran- denburgischen Fusionsbestrebungen im Mittelpunkt des Interesses. So seei nach Auskunft der Potsdamer Professoren Dr. Erich Klempeter und Dr. Werner Schade bei den in der TU geführten Gesprächen „ aus der politischen Ecke“ zu erfahren gewesen, daß wohl künftig nicht mehr alle vier Universitäten der Region sämtliche Chemie- Wahlpflichtfächer anbieten werden. Darüber hinaus soll sich die Lehrerausbildung der Chemiker wahrscheinlich auf die Universität Potsdam konzentrieren,
Insgesamt ist die Potsdamer Uni nun zum zweiten Mal bei diesem Treffen, das gemeinschaftlich von allen beteiligten Hoch
schulen und dem Verband der Chemischen Industrie e.V finanziert wird, dabei gewesen. War zunächst noch vorgesehen, das jüngste Mitglied des Kreises in diesem Jahr als Gastgeber fungieren zu lassen, so mußte man davon mittlerweile Abstand nehmen: Der Grund dafür ist in akutem Raummangel wegen der Renovierungsmaßnahmen und der damit verbundenen Umzüge zu sehen. Die Professoren Kleinpeter und Schade haben sich jedoch bereits fest vorgenommen, die Chemiker der Region 1996 in die brandenburgische Landeshauptstadt zu holen, Hg.
PHYSIK IST SPANNEND
Im März hatte die „Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik“ (GDCP) zu einer Arbeitstagung zum Thema „Grundkurse Physik in der Sekundarstufe II“ nach Potsdam eingeladen. Schulpraktiker, Physikdidaktiker und Mitglieder von Rahmenplankommissionen aus zehn Bundesländern folgten der Einladung von Tägungsleiter und Dekan Prof. Dr. Helmut Mikelskis aus dem Institut für Experimentalphysik und Physikdidaktik der Universität Potsdam.
Physikleistungskurse kommen an vielen Schulen oft gar nicht mehr zustande. Wie aber sollten Grundkurse gestaltet werden? Dazu wurde auf der Tägung das Verhältnis von fachsystematischer und lebensweltlicher Orientierung von Physikkursen diskutiert. Didaktische Konzeptionen einer The- menonentierung wurden am Beispiel „Energieumwandlungen“ (Prof. Dr. Helmut Fi- scher/Dr. Michael Lichtfeldt/Jürgen Wolff von der FU Berlin), Verkehrsmittelphysik“ (Prof. Dr. Hansjoachim Lechner von der HU Berlin) sowie „Physik und Medizin“ (Dr, Wieland Müller/Dr. Rolf Winter, Uni Potsdam) vorgestellt. Einen phänomenorientierten Optikkurs (Dr. Lutz Schön/Dr. Roger Erb, Uni Kassel) sowie naturwissenschaftlich, philosophische Fragen zum Zeitbegriff Joachim Kupsch, Uni Bielefeld) fanden große Beachtung. Ferner wurden Probleme geschlechtsspezifischer Interessen an Physik diskutiert (Prof. Dr, Jörn Bruhn, Uni Hamburg).
„In den nächsten Jahren wird sich die bildungspolitische Debatte um das 13. Schuljahr und um die Gestaltung der Oberstufe insgesamt zuspitzen. Die fachdidaktische Forschung muß ihren Beitrag zur Weiterentwicklung auch der naturwissenschaftlichen Kurse leisten. Physik ist viel spannender, als es die Schülerinnen und Schüler häufig erleben müssen. Wir brauchen eine tiefgreifende Reform zugunsten eines Lebensweltbezuges“, sagte Prof. Mikelskis resümierend. zg.
KNOFF-HOFF AN DER UNIVERSITÄT POTSDAM
Das Institut für Experimentalphysik und Physikdidaktik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hatte kürzlich physikinteressierte Potsdamer Schülerinnen und Schüler in den großen Physikhörsaal eingeladen. Eine durch den Raum rollende Fahrradkette, ein schwebender Luftballon, ein implodierendes Bierfaß, eine vom Luftdruck getragene zwei Meter hohe Wassersäule, ein Unterwasservulkan und viele andere Überraschungsexperimente lösten Erstauen und Verflüffung bei den Schülerinnen und Schülern aus. Dr. Wieland Müller und Dr. Rolf Winter ist es auf diesem Wege jedenfalls gelungen, das Interesse für naturwissenschaftliche Fragestellungen unter den anwesenden Potsdamer Schülern zu wecken. WM./Foto: Rüffert
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PUTZ 3/95