Heft 
(1.1.2019) 03
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CAMPUS 4

CHEMIE IN BERLIN UND POTSDAM

Einen geballten Überblick über die Forschungsprofile der Chemie in Berlin und Potsdam lieferte vor einigen Wochen eine Vortrags- und Informationsveranstal­tung im Lichthof der Technischen Univer­sität Berlin. Veranstaltet von dem Landes­verband Berlin der Chemischen Industrie e.V, trafen sich dort Vertreter aus der Pra­xis und Wissenschaftler sowie Studieren­de der Fachbereiche Chemie der Hum­boldt-Universität zu Berlin, der Heien und der Technischen Universität Berlin sowie der Chemischen Institute der Universität Potsdam. Rund 400 Gäste nutzten die Gelegenheit, um sich mit Hilfe der zahl­reichen Posterausstellungen ein Bild von dem Lehr- und Forschungsstand der an­deren Institutionen zu machen. Doch wur­den auch der Austausch mit Vertretern aus der Praxis gepflegt und die Beschäftigungschancen der Absolventen sondiert.

Dabei zeigte sich nach Angaben von Prof. Dr. Erich Kleinpeter aus dem Institut für Organische Chemie und Strukturanalytik der Universität Potsdam vor allem eines: Obwohl sich die Chemische Industrie der Bundesrepublik Deutschland nach ihrer schwersten Rezession der Nachkriegszeit Ende 1994 wieder erholt hat, sind die Chan­

cen der Chemie-Absolventen auf dem Ar­beitsmarkt nach wie vor schlecht. In der Region Berlin-Brandenburg verschlimmere sich dies noch zusätzlich durch den Anpas­sungsprozeß der Berliner Unternehmen an die veränderten Rahmenbedingungen und die vorübergehend recht großen Einbrüche der Industrieforschung in den neuen Bun­desländern. In Anbetracht der bereits er­folgten Auftragsbelebung setzten die Tteil- nehmer des Thges der Chemie allerdings auf baldige Besserung - und qualitativ hochstehende Ausbildung.

Die Ausbildung der Studierenden stand auch vor dem Hintergrund der berlm-bran- denburgischen Fusionsbestrebungen im Mittelpunkt des Interesses. So seei nach Auskunft der Potsdamer Professoren Dr. Erich Klempeter und Dr. Werner Schade bei den in der TU geführten Gesprächen aus der politischen Ecke zu erfahren gewesen, daß wohl künftig nicht mehr alle vier Univer­sitäten der Region sämtliche Chemie- Wahlpflichtfächer anbieten werden. Dar­über hinaus soll sich die Lehrerausbildung der Chemiker wahrscheinlich auf die Uni­versität Potsdam konzentrieren,

Insgesamt ist die Potsdamer Uni nun zum zweiten Mal bei diesem Treffen, das ge­meinschaftlich von allen beteiligten Hoch­

schulen und dem Verband der Chemischen Industrie e.V finanziert wird, dabei gewe­sen. War zunächst noch vorgesehen, das jüngste Mitglied des Kreises in diesem Jahr als Gastgeber fungieren zu lassen, so muß­te man davon mittlerweile Abstand neh­men: Der Grund dafür ist in akutem Raum­mangel wegen der Renovierungsmaß­nahmen und der damit verbundenen Umzü­ge zu sehen. Die Professoren Kleinpeter und Schade haben sich jedoch bereits fest vorgenommen, die Chemiker der Region 1996 in die brandenburgische Landes­hauptstadt zu holen, Hg.

PHYSIK IST SPANNEND

Im März hatte dieGesellschaft für Didak­tik der Chemie und Physik (GDCP) zu ei­ner Arbeitstagung zum ThemaGrundkur­se Physik in der Sekundarstufe II nach Potsdam eingeladen. Schulpraktiker, Physikdidaktiker und Mitglieder von Rahmenplankommissionen aus zehn Bun­desländern folgten der Einladung von Tägungsleiter und Dekan Prof. Dr. Helmut Mikelskis aus dem Institut für Experimen­talphysik und Physikdidaktik der Universi­tät Potsdam.

Physikleistungskurse kommen an vielen Schulen oft gar nicht mehr zustande. Wie aber sollten Grundkurse gestaltet werden? Dazu wurde auf der Tägung das Verhältnis von fachsystematischer und lebensweltli­cher Orientierung von Physikkursen disku­tiert. Didaktische Konzeptionen einer The- menonentierung wurden am BeispielEn­ergieumwandlungen (Prof. Dr. Helmut Fi- scher/Dr. Michael Lichtfeldt/Jürgen Wolff von der FU Berlin), Verkehrsmittelphysik (Prof. Dr. Hansjoachim Lechner von der HU Berlin) sowiePhysik und Medizin (Dr, Wieland Müller/Dr. Rolf Winter, Uni Pots­dam) vorgestellt. Einen phänomenorien­tierten Optikkurs (Dr. Lutz Schön/Dr. Roger Erb, Uni Kassel) sowie naturwissenschaft­lich, philosophische Fragen zum Zeitbegriff Joachim Kupsch, Uni Bielefeld) fanden gro­ße Beachtung. Ferner wurden Probleme ge­schlechtsspezifischer Interessen an Physik diskutiert (Prof. Dr, Jörn Bruhn, Uni Ham­burg).

In den nächsten Jahren wird sich die bil­dungspolitische Debatte um das 13. Schul­jahr und um die Gestaltung der Oberstufe insgesamt zuspitzen. Die fachdidaktische Forschung muß ihren Beitrag zur Weiterent­wicklung auch der naturwissenschaftlichen Kurse leisten. Physik ist viel spannender, als es die Schülerinnen und Schüler häufig er­leben müssen. Wir brauchen eine tiefgrei­fende Reform zugunsten eines Lebenswelt­bezuges, sagte Prof. Mikelskis resümie­rend. zg.

KNOFF-HOFF AN DER UNIVERSITÄT POTSDAM

Das Institut für Experimentalphysik und Physikdidaktik der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hatte kürzlich physikinteressierte Potsdamer Schülerinnen und Schüler in den großen Physikhörsaal eingeladen. Eine durch den Raum rollende Fahrradkette, ein schwebender Luftballon, ein implodierendes Bierfaß, eine vom Luftdruck getragene zwei Meter hohe Wassersäule, ein Unterwasservulkan und viele andere Überraschungsexperimente lösten Erstauen und Verflüffung bei den Schülerinnen und Schülern aus. Dr. Wieland Müller und Dr. Rolf Winter ist es auf diesem Wege jedenfalls gelungen, das Interesse für naturwissenschaftliche Fragestellungen unter den anwesenden Potsdamer Schülern zu wecken. WM./Foto: Rüffert

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PUTZ 3/95