Heft 
(1.1.2019) 03
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JP.

IM SMALAND ZU GAST

Bizarres hinter Glas

Verteilt auf alle Kontinente, existieren der­zeit auf der Erde über 20 000 Orchideenar­ten in Höhenlagen bis zu 3000 m, Viele von ihnen leben als Epiphyten (Aufsitzer) auf anderen Pflanzen. Für diese grazilen Natur­schönheiten wurde kürzlich im Botanischen Garten der Universität Potsdam ein eigenes Haus eröffnet. Es beherbergt 360 reine Ar­ten der Familie sowie eine Reihe von Züch­tungen und Kreuzungen. Das neue Ge­wächshaus war erforderlich geworden, nachdem sich das Eisengerüst des alten zunehmend verrostet gezeigt hatte. Als Kon­sequenz blieb nur noch der Abriß. Unterge­bracht sind die Orchideen auf einer Fläche von 6 x 18 m. Ihr modernesHeim bietet den Bewohnern nahezu optimale Entwick­lungsbedingungen. Dafür sorgen u.a, ener­getisch günstige Kunstoffplatten, eine sehr gute Belüftung, Beleuchtung und Heizung. Künftig wird es sogar eine Nebelanlage geben. Diese soll den ursprünglich aus dem Regenwald stammenden Gewächsen gleichmäßige Feuchte gewähren. Das Ge­wächshaus ist in zwei Abteilungen unter­gliedert. In der vorderen ist es wärmer und feuchter - die Pflanzen aus der Tropenzone fühlen sich hier wohl. Der zweite Tfeil be­inhaltet die subtropischen Orchideen oder andere, die in höheren Lagen wachsen. Emen Wermutstropfen gibt es jedoch: Für Besucher ist das Domizil unzugänglich. Ih­nen gehört lediglich die Schaufenster-Ftont. Der Grund scheint plausibel: Die Pflänz­chen sind zu empfindlich.

Auch andere große Anlagen, wie die für tro­pische Nutzpflanzen und weitere, unterla­gen Baumaßnahmen. So soll das Farn- und Bromelienhauses ab Mitte Mai neu verglast werden, EG./ Foto: Tribukeit

Während des vergangenen Winterseme­sters weilten Prof. Dr. Klaus-Dieter Mende, Dr. Susanne Spahn und Dr. Flank Tosch aus dem Institut für Pädagogik zu einem Arbeitsbesuch an der Universität Växjöl in Schweden. Die Stadt liegt ca. 250 km nördlich der Hafenstadt Trelle- borg im landschaftlich reizvollen Sma- land.

Ziel des Aufenthaltes war vor allem die weitere bilaterale Koordinierung eines lau­fenden E RAS MUS - S tudentenmobilitäts - Programms, an dem insgesamt 13 lehrer­bildende Hochschulen aus lzehn Ländern beteiligt sind. Mit seiner Hilfe haben die Studenten die Möglichkeit, Kultur, Sprache und die jeweilige Fachausbildung im ge­wünschten Zielland kennenzulernen. Wäh­rend der Stippvisite nun stand die Anbah­nung von Forschungskontakten zwischen den Instituten für Pädagogik sowie eine dif­ferenzierte Kenntnisnahme der jüngsten Reformentwicklungen im schwedischen Schulwesen im Mittelpunkt. Unter diesem Aspekt waren für die Potsdamer Hospita­tionen an drei Schulen besonders interes­sant, konnten doch die in den vergangenen Jahren in Seminaren diskutierten Probleme dieses Bildungswesens nun erstmals mit eigenen Erfahrungen vor Ort angereichert und kritisch hinterfragt werden.

Dazu gehörte unter anderem das Ideal der Gleichheit (jämlikhet), das die schwedi­sche Gesellschaftspolitik zur Leitlinie ihres Handelns erklärt hat. Diese bildet den Hin­tergrund einer jahrzehntelangenrollenden Schulreform, in deren Ergebnis ein einheit­

liches Bildungssystem geschaffen wurde, das heute weltweite Beachtung und Aner­kennung genießt. Dennoch waren die Schweden selbst schon vor der Amtszeit einer bürgerlichen Regierung die streng­sten Kritiker ihres eigenen Büdungswesens. Reges Interesse fanden auch die ab 1995/ 96 im skandinavischen Land schrittweise einzuführenden neuen Lehrpläne, die stär­ker darauf ausgerichtet sind, die solide Aneignung von Basiswissen der einzelnen Fächer zu sichern, den Fremdsprachen­unterricht zu intensivieren und eine fach­gebundene Leistungsdifferenzierung, vor allem in Mathematik und Englisch des 9. Schuljahres, zu verstärken, um wirksamer individuelle Lern- und Leistungsprofile aus­zuprägen.

Seit 1971 existiert in Schweden eine inte­grierte Gymnasialschule, in der jetzt drei­jährige Programme darauf abzielen, Gleichwertigkeit zwischen berufs- und studienvorbereitenden Ausbildungen her­zustellen. Alle 16 nationalen Programme berechtigen prinzipiell zum Eintritt in die Hochschulen, Insgesamt wird in dem berei­sten Land eine Erhöhung der Qualität der schulischen Bildung auch vor dem Hinter­grund des neuen internationalen Kontextes - Schweden ist seit dem 1. Januar 1995 Mit­glied der EU - angestrebt. Die neueren Entwicklungen der schwedischen Schulre­form lassen - so der Eindruck der Potsda­mer Besucher - das Bemühen erkennen, im breiten Konsens aller Beteiligten dem ins Ausrollen gekommenen Reformprozeß wieder mehr Dynamik zu verleihen. E T.

In diesem Konferenz- und Tägungsgebäude der Universität Växjö in Schweden weilten Mitarbeiter des Institutes für Pädagogik der Philosophischen Fakultät II, um die weitere bilaterale Koordinierung eines laufenden ERÄSMUS-Mobilitätsprogrammes voranzutreiben. Foto: Tbsch

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PUTZ 3/95