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UNENDLICHE GESCHICHTE MIT VIELEN UNBEKANNTEN
Uni Potsdam von mangelndem Verkehrskonzept der Landeshauptstadt betroffen
„Die Uni wird solange nicht in den Köpfen der Potsdamer existieren, wie deren vier Enklaven außerhalb des Stadtzentrums derart schlecht verkehrstechnisch erreichbar sind. Unzumutbare Radwege, inklusive des Verbots, die Parks zu durchfahren, keine Nutzung des Traumobjekts S- Bahn für die Verbindung der vier Uni-Komplexe, ein unerschlossenes Straßenbahn- und Busnetz, das die Fahrzeit zwischen zwei Seminaren bis zu über drei Stunden anwachsen lassen kann, sind alles andere als optimal.“ Der Student Stefan Zellmer bringt es auf den Punkt. Zur Zeit herrschen auf Potsdams Straßen, Wegen und Schienen katastrophale Zustände. Davon betroffen sind leider auch Studierende und Mitarbeiter der hier angesiedelten Universität. Sie hoffen seit langem auf eine günstige Verbindung zwischen den Hochschulstandorten Am Neuen Palais, Golm, Griebnitzsee und Park Babelsberg. Gegenwärtig gilt es jedoch, sich mit dem Chaos zu arrangieren. Das bedeutet, daß allein die Fährt von der August-Bebel-Stra- ße zum eigentlich nahe gelegenen Park Babelsberg schon mal eine Stunde dauern kann. Das Zurücklegen der Strecke Golm-August-Bebel-Straße gerät gar oftmals zur mehrstündigen Odyssee.
Um selbst etwas zur Lösung des Problems beizutragen, rief der Senat der Alma mater bereits vor Jahren eine Kommission für Verkehrsplanung ins Leben. Deren Leitung hat heute die Romanistin Prof. Dr. Helene Harth inne. Das Bestreben aller um sie Versammelten ist es, zunächst die jeweiligen Verantwortungsträger wenigstens zu gemeinsamen Gesprächen zusammenzuführen. „Diese Unterredungen sollten dann in der Konsequenz ein koordiniertes Handeln nach sich ziehen“, sagt sie. Die bisher erreichten Ergebnisse sind allerdings vorerst eher bescheiden,
Immerhin existiert nun ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeographie, das eine Bedarfsermittlung aufgrund der Verkehrsströme zum Inhalt hat. Die Untersuchung soll mit konkreten Resultaten bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein,
Jetzt leuchtet ein weiterer Hoffnungsschim
mer am Horizont. Die Deutsche Bahn-AG unterbreitete das Angebot, die Regionalzüge von Nauen im Ein-Stunden-Rhythmus nach Griebnitzsee durchfahren zu lassen. Notwendige Voraussetzung: die Sanierung des betreffenden Bahnsteigs. Völlig offen dabei ist die Finanzierung. Die Kassen der Uni sind leer, und auch die Stadt Potsdam kann nicht zahlen. Prof. Harth dazu: „Die Sanierungsmaßnahme würde ca. 70-80.000 DM kosten. Dieser Betrag erscheint vergleichsweise gering. Vielleicht gelingt es uns doch noch, Unternehmen wie die Bahn- AG oder Sponsoren für das Vorhaben zu gewinnen.“
Einen Erfolg gibt es dennoch, Am S- Bahnhof Griebnitzsee wird ein südlicher Uinnel- ausgang gebaut. Den dafür notwendigen Vertrag hat Oberbürgermeister Horst Grämlich mit der Deutschen Bahn-AG unterzeichnet. Nutznießer wären vor allem die südlich der Bahnlinie lebenden Babelsber
ger Einwohner und natürlich die Studenten. Und das sind in der Juristischen 1617 und in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät 986 junge Leute (WS '94/95). Sie alle warten auf die Fertigstellung der Unterführung. Die Verantwortung hierfür liegt in den Händen der Stadt. Die Bahn-AG zeigte sich kürzlich dazu wenig informiert. So war deren Pressestelle in Potsdam auch nach viertägiger Recherche nicht in der Lage zu klären, warum zum Beispiel seit einiger Zeit ein Fußgängertunnel am S- Bahnhof Griebnitzsee vernagelt ist. Fazit: Die langen Umwege bleiben den Betroffenen wohl auch weiter erhalten.
Ganz hoch in der Gunst der Studierenden stehen Fahrräder. Die dazugehörigen Radwege zählen zu den Seltenheiten der märkischen Landeshauptstadt. Pläne zu deren Schaffung gibt es - sie reichen bis ins nächste Jahrtausend. Bleibt zu hoffen, daß zumindest die gerade zugesagte Realisierung des im Rahmen von ÄBM-Leistungen angedachten Radweges vom Neuen Palais durch die Lindenallee nach Eiche/Golm wirlich 1996 vonstatten geht!
Die Hochschulleitung selbst favorisiert eine Vernetzung der Uni-Standorte auf dem Schienenwege. Aber auch anderen Varianten verschließt sie sich nicht. Prof. Dr. Ernst Schmeer, Direktor des Instituts für Berufspädagogik/Berufliche Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik der Einrichtung, bietet eine solche. Er schlägt den Einsatz von Solar-Bussen vor, Die Idee dazu entstand in zahlreichen Gesprächen mit „seinen“ Studenten, letztlich aber durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit regenerativen Energien. Erst nach und nach erhielt die Projektskizze „Neues universitäres Verkehrssystem in Potsdam“ deutliche Konturen. Sie stellt nun aber ein phantastisches Modell zukunftsorientierter Nahverkehrstechnologie dar. Ihr zugrunde liegt die Absicht, die vier Uni-Standorte spätestens bis zum Jahr 2000 mit Solar-Bussen zu verbinden. Das ist Prof. Schmeer allerdings zu langfristig. „Ich möchte unbedingt noch in diesem Jahr mit konkreten Realisierungs- Arbeiten beginnen", drängt er. Die Konditionen hierfür sind auch klar: ein bestätigtes Konzept und eine gesicherte Finanzierung. Die für ihn so interessanten Niederflur-Bus- se hat er bereits 1992 auf der Hannover- Messe gesehen. Sie gleichen im Outfit den gewohnten Verkehrsmitteln und bieten für ca. 40 Personen Platz. Einziger Unterschied: An der Rückfront existiert eine Batterieausladefläche, die für den Busfahrer mittels einer Klappe zugänglich ist. Der Austausch der Batterien erfolgt dann in weniger als fünf Minuten an einer zu bau-
Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Das illegale Überqueren der Gleise am Bahnhof Griebnitzsee gehört dazu. Nun ist der Tunnel-Durchgang völlig gesperrt. Neue Ideen müssen her... Foto: Thbukeit
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PUTZ 3/95