Heft 
(1.1.2019) 08
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BILDER ALS QUELLEN DER ERZIEHUNGSGESCHICHTE

Zur Jahrestagung 1995 der Historischen Kommission der DGfE

Bilder sind für uns heute scheinbar alltägliche Selbstverständlichkeiten. Wir leben in einemvisuellen Zeitalter und sind umgeben von einer wahrenBilderflut: in Zei­tungen und Zeitschriften, auf Plakatwänden und in Fotoalben, im Kino und im Fernse­hen. Daß die Bilder dabei zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt werden, ist uns meistens bewußt: zur Illustration und Abbildung, zu Werbung und Dokumentation, zu Unterhaltung und Erinnerung. Gleichwohl hat die historische Forschung erhebliche Schwierigkeiten, Bilder als Quelle für geschichtliche Epochen und Fragestellungen zulesen. Insofern stieß das ThemaBilder als Quellen der Erziehungsgeschichte der diesjährigen, mit über 80 Teilnehmern seit längerem größten Jahrestagung der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) auch außerhalb der Kommission auf erfreulich große Resonanz.

Die noch jüngere Diskussion über den hi­storischen Quellenwert von bildlichen Dar­stellungen (Bilder, Zeichnungen, Fotos) wird gegenwärtig mit breitem interdiszipli­nären Interesse geführt. Dies zeigte sich nicht zuletzt in der Tätsache, daß sich wäh­rend der Konferenz Bildungshistoriker un­terschiedlichster Provenienz zu wissen­schaftlich teilweise kontrovers geführten Diskussionen zusammenfanden. Vom Vor­stand der Historischen Kommission (Prof. Dr. Hanno Schmitt, Potsdam; Prof. Dr. Chri­stoph Lüth, Potsdam; Prof. Dr. Hans Jürgen Apel, Bayreuth) in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Historische Pädagogik I der Uni­versität Potsdam organisiert und in den Räumen des Pädagogischen Landesinsti­tuts Brandenburg (PLIB) durchgeführt, fand die Tägung großzügige finanzielle Unter­stützung durch die Universität Potsdam.

Zentral war in allen Beiträgen die Hage nach dem Quellenwert und der Quellenkri­tik bildlicher Darstellungen. Dabei zeigte sich, daß der methodische Zugang zu die­ser bislang wenig bzw. nur zu Illustrations­zwecken beachteten Quellengattung min­destens ebenso vielgestaltig ist wie das überlieferte Material selbst. Von einer fun­dierten, allgemein anerkannten histori­schen Bildkunde, die Grundsätze und Me­thoden der Analyse und quellenkritischen Bearbeitung von Bildern als historische Quelle zum Gegenstand hat, kann man zu­mindest für den Bereich der Erziehungs­und Bildungsgeschichte noch nicht spre­chen. Doch die z.T. noch jüngeren Wissen­schaftler zeigten mit ihren Referaten auf der Tägung Ansätze dazu.

Insofern war es für den Verlauf der Tägung ein Glücksfall, daß Heike Tälkenberger

(Stuttgart) in ihrem EröffnungsvortragHi­storische Erkenntnis durch Bilder? Zur Me­thode und Praxis der Historischen Bild­kunde" ein Raster bereits erprobter und ausgewiesener Methoden der historischen Bildkunde entwickelte und an Beispielen erläuterte. Diese methodisch fundierte Bildanalyse zur Erforschung histonscher Fragestellungen zeigte, wie mehrdimen­sional diese Quellengattung ist und daß sie deshalb aus verschiedensten Perspektiven zum Sprechen gebracht werden muß. Tälkenberger unterschied aus der Perspek­tive der Realienkunde, der Ikonologie, der seriellen Ikonographie, der Fünktionsana- lyse, der Semiotik und der Rezeptionsäs­thetik den Blick aufdas Bild. Dabei be­rücksichtigte sie dessen Darstellung, Mo­tivgeschichte, Produktion und Distribution, soziale Entstehungsbedingungen, Funkti­on, Rezeption und historische Bedeutung. Dieses Raster machte deutlich, daß so die unterschiedlichen Bedeutungsebenen ei­ner bildlichen Darstellung durch Ver­schachtelung und komplementäre Ergän­zung verschiedener Interpretationsansätze erfaßt und begriffen werden können. Das Bild, das ja nicht nur realitätsabbildend, sondern auch realitätsstiftend ist, wird so­mit alsGanzes interpretiert, verknüpft mit anderen historischen Fragestellungen und nicht nur wegen eines Tteilaspektes heran­gezogen. Insofern müsse nach Tälkenber­ger der Bildbegriff erweitert werden vom Kunstwerk zum visuellen Zeichen. Das wie­derum ermögliche, die Phantasieproduk­tion einer Gesellschaft und damit das (hi­storische) Bewußtsein zu erfassen.

Zur kritischen Wertung bedarf das Bild nicht selten der Ergänzung und/oder Be­richtigung durch andere (schriftliche) Quellen der Überlieferung. Das zeigte auch Rolf Winkeier (Freiburg) anhand des GemäldesJobs als Schulmeister (1845) von Johann Peter Hasenclever modellhaft. Diese Problematik prägte auch die noch folgenden Beiträge in der Plenumsveran­staltung und in den Arbeitsgruppen zu Quellenbeständen",Bilder(n) als Unter­richtsmedium",Fallstudien aus dem 18. Jahrhundert" undReformpädagogik.

Jörg-W Link, Flank Tosch

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Das Bild ist im Original 21 cm lang und IS cm hoch. In einer 1780 erschienenen Erklärung heißt es u.a,:Bei dem Dienstmädchen leitet man die Unterredung auf dienen und herrschen, befehlen und gehorchen, Unterschied der Stände, gegenseitige Pflichten der Dienstboten und Herrschaften; Erzählungen von guten und schlechten Domestiken, und wie es ihnen gegangen; Beispiele von Kindern, die guten Bedienten schlecht begegneten, und wie es ihnen gegangen: Verhältnis der Kinder gegen das Gesinde; Unterschiede der Kleidung des Dienstmädchens und der Mutter; woher er komme. Niemand muß sich über seinen Stand kleiden. Niemand muß mehr ausgeben, als er ein­nimmt. " (Aus: Trapp. Ernst Christian: Versuch einer Pädagogik. Berlin 1780, S. 90)

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