VON DER ÖFFENTLICHKEIT BISLANG WEITGEHEND UNBEMERKT
Beratungslehrer zwischen Idealismus und Profession
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Die Tägung von Beratungslehrern des Landes Brandenburg sollte dazu beitragen, die fachliche Diskussion über diese Tätigkeit zu fördern, theoretische Positionen auszutauschen und den dringend erforderlichen Auf- und Ausbau eines Beratungssystems an Brandenburger Schulen zu dokumentieren. Foto: Tribukeit
Schulberatung hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Nicht aus einer Modebewegung heraus, sondern weil immer deutlicher erkennbar ist, daß die Möglichkeiten einer Reform des Bildungswesens nur dann durchgreifend wirksam werden können, wenn die Tätigkeit des Lehrers durch ein differenziertes Beratungsangebot begleitet wird.
Das Institut für Psychologie der Philosophischen Fakultät II begann bereits 1991 Bera
tungslehrer auszubilden, von denen eine ganze Reihe ohne Gewährung von Entlastungsstunden auf ihre regelmäßige Unterrichtsverpflichtung durch Beratung und Betreuung von Schülern, deren Eltern und Lehrern die pädagogische Arbeit an den Schulen unterstützen, Anfang Oktober fand nunmehr eine erste Tägung von Beratungslehrern des Landes Brandenburg statt, auf der Prof. Dr, Bärbel Kirsch, Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Potsdam, eine erste Zwischenbilanz über Aus
bildung und Tätigkeit von Beratungslehrern in Brandenburg zog. Hilfreich für die Weiterentwicklung der Ausbildung waren ebenso Beiträge von Dr. Norbert Grewe, Hildesheim, und Dr. Eberhard Elbing, München, die diesbezügliche Erfahrungen in den Ländern Niedersachsen und Bayern analysierten. Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Beratungslehrern mit dem schulpsychologischen Dienst sowie Perspektiven erforderlicher Fortbildung wurden von Schulpsychologen und einer Schulleiterin vorgestellt. Aber auch praxisrelevante Probleme wie Schulschwänzen und Gewaltbereitschaft, zu beachtende Förderaspekte sowie Belastungserleben bei Lehrern wurden thematisiert.
Der Vertreter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, Dr. Martin Rudmck, kündigte an, die längst fällige Überprüfung der Verwaltungsvorschriften schulpsychologischer Beratung zu forcieren und in diesem Zusammenhang der bislang scheinbar von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkten Tätigkeit von Beratungslehrern größere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Tä- gungsteilnehmer waren sich trotzdem darin einig, daß zwar eine große Portion Idealismus dazu gehört, ohne Abminderungsstunden zu beraten, es jedoch inzwischen zu ihrer Profession gehöre, psychologische Hilfe für Schülernöte zur Verfügung zu stellen. Die Tägung trug somit nach Einschätzung der Beteiligten zu einem ersten breiten Erfahrungsaustausch bei, der die Ausbildung und Tätigkeit von Beratungslehrern befördern konnte. Inge König
AN DEN FRONTEN DER ERNÄHRUNGSWISSENSCHAFT
„Frontiers in Nutrition Research“ lautete das Tägungsthema der European Academy of Nutritional Sciences (EANS) am 15./ 16. September - und an die Fronten der Ernährungsfragen wurden die Tteilnehmer der Tägung an der Universität Potsdam auch tatsächlich geschickt. Es ging in erster Linie um Zusammenhänge zwischen Ernährung und molekularen Mechanismen im Körper.
Alle Vorgänge im menschlichen Organismus unterliegen der Steuerung durch den Bauplan des Lebens, also die Gesamtheit der Gene, das sogenannte Genom. So wurde beispielsweise auf der Tägung die vor kurzem in den USA gemachte Entdeckung eines Fettsucht-Gens bei Mäusen diskutiert.
Zur sinnvollen Anpassung an die sich ständig ändernde Umwelt werden diese Steuerungsvorgänge durch die äußeren Vorgänge moduliert. Eine der tiefgreifendsten derartigen Einwirkungen ist die Ernährung. So wird z.B. bei einer fettreichen Ernährung die Fähigkeit des Stoffwech
sels zu Fettsynthese gedrosselt. Das Studium solcher Regelvorgänge bis auf die Ebene der Erbanlagen und deren Struktur war ein Tägungsschwerpunkt. Neben dem Er: kenntnisgewinn eröffnen sich auch neue Möglichkeiten der Diagnostik, Verhütung und Behandlung von weitverbreiteten ernährungsbedingten Erkrankungen.
Ein weiterer Schwerpunkt nannte sich „Ernährung und Cytokine“: Für die Aufrechterhaltung zahlreicher Körperfunktionen, insbesondere der Immunität, sezermeren weiße Blutzellen Peptide, die sogenannten Cytokine, die als Signalstoffe in die Stoffwechselabläufe eingreifen. Sie unterliegen ihrerseits Nahrungseinflüssen. So erkannte man, daß am Einschmelzen von Fettspeichern und anderen Geweben ein bestimmtes Cytokin (als Tumornekrosefaktor bezeichnet) beteiligt ist. Andere Cytokine bestimmen den Blutspiegel mit.
Die EANS-Tägung, die zusammen von dem Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-
Rehbrücke veranstaltet wurde, gab den Tteilnehmern Gelegenheit, Einblick in dieses sich rasch entwickelnde Gebiet zu erhalten. Dadurch soll auch die ernährungswissenschaftliche Forschung stärker auf dieses Gebiet ausgerichtet werden.
Walter Kirchner
So dicht an den Zusammenhängen zwischen Ernährung und molekularen Mechanismen wie möglich war man bei der EANS-Ttigung im September. Foto: Fritze
PUTZ 8/95
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