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(1.1.2019) 08
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VON DER ÖFFENTLICHKEIT BISLANG WEITGEHEND UNBEMERKT

Beratungslehrer zwischen Idealismus und Profession

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Die Tägung von Beratungslehrern des Landes Brandenburg sollte dazu beitragen, die fachliche Diskussion über diese Tätigkeit zu fördern, theoretische Positionen auszutauschen und den dringend erforderlichen Auf- und Ausbau eines Beratungssystems an Brandenburger Schulen zu dokumen­tieren. Foto: Tribukeit

Schulberatung hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen. Nicht aus einer Modebewegung heraus, sondern weil immer deutlicher erkennbar ist, daß die Möglichkeiten einer Reform des Bil­dungswesens nur dann durchgreifend wirksam werden können, wenn die Tä­tigkeit des Lehrers durch ein differen­ziertes Beratungsangebot begleitet wird.

Das Institut für Psychologie der Philosophi­schen Fakultät II begann bereits 1991 Bera­

tungslehrer auszubilden, von denen eine ganze Reihe ohne Gewährung von Entla­stungsstunden auf ihre regelmäßige Unter­richtsverpflichtung durch Beratung und Betreuung von Schülern, deren Eltern und Lehrern die pädagogische Arbeit an den Schulen unterstützen, Anfang Oktober fand nunmehr eine erste Tägung von Beratungs­lehrern des Landes Brandenburg statt, auf der Prof. Dr, Bärbel Kirsch, Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Pots­dam, eine erste Zwischenbilanz über Aus­

bildung und Tätigkeit von Beratungsleh­rern in Brandenburg zog. Hilfreich für die Weiterentwicklung der Ausbildung waren ebenso Beiträge von Dr. Norbert Grewe, Hildesheim, und Dr. Eberhard Elbing, München, die diesbezügliche Erfahrungen in den Ländern Niedersachsen und Bayern analysierten. Möglichkeiten der Zusam­menarbeit von Beratungslehrern mit dem schulpsychologischen Dienst sowie Per­spektiven erforderlicher Fortbildung wur­den von Schulpsychologen und einer Schulleiterin vorgestellt. Aber auch praxis­relevante Probleme wie Schulschwänzen und Gewaltbereitschaft, zu beachtende Förderaspekte sowie Belastungserleben bei Lehrern wurden thematisiert.

Der Vertreter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, Dr. Martin Rudmck, kün­digte an, die längst fällige Überprüfung der Verwaltungsvorschriften schulpsychologi­scher Beratung zu forcieren und in diesem Zusammenhang der bislang scheinbar von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerk­ten Tätigkeit von Beratungslehrern größe­re Aufmerksamkeit zu schenken. Die- gungsteilnehmer waren sich trotzdem dar­in einig, daß zwar eine große Portion Idea­lismus dazu gehört, ohne Abminderungs­stunden zu beraten, es jedoch inzwischen zu ihrer Profession gehöre, psychologische Hilfe für Schülernöte zur Verfügung zu stel­len. Die Tägung trug somit nach Einschät­zung der Beteiligten zu einem ersten brei­ten Erfahrungsaustausch bei, der die Aus­bildung und Tätigkeit von Beratungsleh­rern befördern konnte. Inge König

AN DEN FRONTEN DER ERNÄHRUNGSWISSENSCHAFT

Frontiers in Nutrition Research lautete das Tägungsthema der European Acade­my of Nutritional Sciences (EANS) am 15./ 16. September - und an die Fronten der Ernährungsfragen wurden die Tteilnehmer der Tägung an der Universität Potsdam auch tatsächlich geschickt. Es ging in er­ster Linie um Zusammenhänge zwischen Ernährung und molekularen Mechanis­men im Körper.

Alle Vorgänge im menschlichen Organis­mus unterliegen der Steuerung durch den Bauplan des Lebens, also die Gesamtheit der Gene, das sogenannte Genom. So wur­de beispielsweise auf der Tägung die vor kurzem in den USA gemachte Entdeckung eines Fettsucht-Gens bei Mäusen disku­tiert.

Zur sinnvollen Anpassung an die sich stän­dig ändernde Umwelt werden diese Steuerungsvorgänge durch die äußeren Vorgänge moduliert. Eine der tiefgreifend­sten derartigen Einwirkungen ist die Er­nährung. So wird z.B. bei einer fettreichen Ernährung die Fähigkeit des Stoffwech­

sels zu Fettsynthese gedrosselt. Das Studi­um solcher Regelvorgänge bis auf die Ebe­ne der Erbanlagen und deren Struktur war ein Tägungsschwerpunkt. Neben dem Er: kenntnisgewinn eröffnen sich auch neue Möglichkeiten der Diagnostik, Verhütung und Behandlung von weitverbreiteten ernährungsbedingten Erkrankungen.

Ein weiterer Schwerpunkt nannte sichEr­nährung und Cytokine: Für die Aufrecht­erhaltung zahlreicher Körperfunktionen, insbesondere der Immunität, sezermeren weiße Blutzellen Peptide, die sogenannten Cytokine, die als Signalstoffe in die Stoff­wechselabläufe eingreifen. Sie unterliegen ihrerseits Nahrungseinflüssen. So erkann­te man, daß am Einschmelzen von Fett­speichern und anderen Geweben ein be­stimmtes Cytokin (als Tumornekrosefaktor bezeichnet) beteiligt ist. Andere Cytokine bestimmen den Blutspiegel mit.

Die EANS-Tägung, die zusammen von dem Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-

Rehbrücke veranstaltet wurde, gab den Tteilnehmern Gelegenheit, Einblick in die­ses sich rasch entwickelnde Gebiet zu er­halten. Dadurch soll auch die ernährungs­wissenschaftliche Forschung stärker auf dieses Gebiet ausgerichtet werden.

Walter Kirchner

So dicht an den Zusammenhängen zwischen Ernährung und molekularen Mechanismen wie möglich war man bei der EANS-Ttigung im September. Foto: Fritze

PUTZ 8/95

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