Heft 
(1.1.2019) 08
Einzelbild herunterladen

PROBLEM ÜBERGEWICHT

Wer unter Adipositas leidet, hat es nicht nur sehr schwer, sondern ist es auch: Er ist fettsüchtig. Für die betroffenen Men­schen bedeutet das nicht nur körperliche Beeinträchtigung, Schwierigkeiten beim Kleiderkauf und das Bewußtsein, nicht dem derzeitigen Ideal zu entsprechen.

Tätsächlich zählt Übergewicht und beson­ders seine extremste Form, die Adipositas, zu den bedeutendsten Risikofaktoren für die menschliche Gesundheit, die chroni­sche Erkrankungen wie Herz-Kreislaufer­krankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Fett­stoffwechselstörungen, Gicht und Gallen-

Foto: Initiative gesund leben und ernähren e.V

In der Universität Potsdam fand vom 5. bis 7. Oktober 1995 die 11. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Adipositasfor­schung statt, organisiert vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Themen waren die Adipositas im Kindes- und Ju­gendalter, wo beispielsweise ein Sport- und Ernährungsprogramm für adipöse Kinder vorgestellt wurde, das seit 1987 in Freiburg durchgeführt wird. Adipöse Kin­der werden durch regelmäßigen Sport und umfassende Ernährungs- und Verhaltens­schulung zur Selbstkontrolle bei ihrem Eßverhalten erzogen. Dadurch können sie langfristig und stabil ihr Übergewicht redu­zieren. Desweiteren ging es um Prophyla­xe und Therapie der Adipositas, z.B. wur­de festgestellt, daß 1800 kcal-Diäten ge­genüber 1200 kcal-Diäten zu einer gleich starken Abnahme der Körperfettmasse und Lipide führen und auch die Senkung des Blutzuckerspiegels in beiden Fällen gleich ist. Die höhere Gewichtsabnahme bei 1200 kcal-Diäten ist hingegen auf eine größere Wasser- und Körperzellmassenre­duktion zurückzuführen. Schließlich ging es noch um die neuesten Fortschritte zu den molekularen, biochemischen und phy­siologischen Grundlagen der Fettsucht, die an tierexperimentellen Modellen der Adipositas erzielt wurden. So wurden unter anderem Fragen bezüglich genetischer Veranlagung diskutiert. ade

krankheiten begünstigen.

VON ERDBEBEN BIS ZU HERZRHYTHMEN

Internationaler Workshop über nichtlineare Zeitreihenanalyse

Theorie und Anwendung nichtlinearer Zeitreihenanalyse war das Thema eines elf­tägigen Internationalen Workshops an der Universität Potsdam, an dem über 30 Wis­senschaftler aus zehn Ländern teilnahmen. Er wurde organisiert von Prof. Dr. Jürgen Kurths aus dem Zentrum für Nichtlineare Dynamik, Prof. Dr. Leonard Smith, Universi­tät Oxford, und Henning Voss, Universität Potsdam. Der Workshop wurde finanziell gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Max-Planck-Gesellschaft.

In den ersten lägen haben zahlreiche inter­national führende Wissenschaftler über ak­tuelle Forschungsergebnisse und wichtige Fragestellungen auf ihrem jeweiligen Spe­zialgebiet referiert. So sprach beispiels­weise Prof. Dr. Daniel Kaplan, Montreal, über den Nachweis von sogenannten insta­bilen Fixpunkten in so verschiedenen Zeit­reihen wie den Hirnströmen von Tintenfi­schen und dem menschlichen Herzrhyth­mus. Prof. Dr. James Crutchfield, Berkeley, stellte einen allgemein verwendbaren und quantitativ faßbaren Komplexitätsbegriff vor und Prof. Dr. Alistair Mees, Perth, warf die Frage auf, ob es eine allgemeine Theo­rie zur Modellierung von Zeitreihen geben könne. Aus diesem bunten Querschnitt wird der interdisziplinäre Charakter des For­schungsgebietesNichtlineare Zeitreihen­analyse deutlich, jedoch sind die theore­tischen Probleme, die bei der Analyse von zeitlich hintereinander aufgenommenen Meßwerten auftreten, oft ähnlich. Und die entwickelten Methoden zeigen - wie auch die Methoden der klassischenlinearen Zeitreihenanalyse - universelle Verwend­barkeit. Es ist deshalb kaum abzuschätzen, welche Neuerungen diese Methoden in so verschiedenen Wissenschaften wie der Biologie, der Psychologie, der Chemie und Physik hervorbringen werden.

Vor diesem Hintergrund war es ein Ziel des Workshops, Fachleute aus verschieden­

sten Disziplinen zusammenzubringen, um so deren Methoden der Zeitreihenanalyse gegenseitig erproben zu können. Zusätz­lich wurden deshalb Wissenschaftler des Zentrums für nichtlineare Dynamik einge­laden, aktuelle Probleme aus ihrem For­schungsgebiet vorzustellen, so Prof. Dr. Chris Hertzog, Prof. Dr. Jochen Zschau und Prof. Dr. Peter Maaß. Die Tbilnehmer garan­tierten einen fruchtbaren Austausch von Anwendern und Fachleuten der theoreti­schen Grundlagen. Schon nach wenigen Konferenztagen entwickelten sich spontan Arbeitsgruppen, deren Mitglieder sich auf mehreren zur Verfügung gestellten Rech­nern unter Benutzung ihrer eigenen mitge­brachten Programme und Daten an die Lösung von aktuellen Problemen machten. Am letzten Täg schließlich kam die Stunde der Wahrheit - die Vorstellung der erzielten Ergebnisse der Arbeitsgruppen. Dabei zeigte sich, daß in den elf lägen erstaun­lich viel geleistet wurde: Es gab Ergebnis­se zu nichtlinearen Filterungen, Verbesse­rung eines Modells zur Sonnenaktivität, einen Erfolg bei der Ent-Rauschung von EKGs und erfolgreiches Füllen von Lücken in unvollständigen Zeitreihen. Zusätzlich sind viele neue Fragen entstanden, z.B. wie man aus dem Vorliegen zweier Zeitreihen schließen kann, ob diese vom gleichen oder von verschiedenen Prozessen erzeugt worden sind. Henning Voss

ii Pinn

1«I

1 «nfü 1 «

hp'

iffk

im

im

f V

Aktuelle Forschungsergebnisse tauschten 30 Wissenschaf tler aus zehn Ländern beim Workshop über nichtlineare Zeitreihenanalyse an der Uni aus. Foto: Fritze

PUTZ 8/95

Seite 9