GESCHICHTE DER ERZIEHUNGSWISSENSCHAFT WELTWEIT UNTERSUCHT
Universität Potsdam und Berliner Universitäten organisierten 17. Jahrestagung der ISCHE
Auf weltweites Interesse stieß das Thema der 17. Jahrestagung der International Standing Conference for the History of Education (ISCHE), die von Vertretern der Universität Potsdam in Kooperation mit der Reien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin organisiert wurde. Eingeladen hatte das Lokale Organisationskomitee für diese Jahrestagung, dessen Vorsitzender, Prof. Dr. Christoph Lüth, Institut für Pädagogik der Universität Potsdam, mehr als 200 Vertreter aller fünf Kontinente aus 36 Ländern in Berlin begrüßen konnte. Vier läge lang standen im September mit der „Geschichte der Erziehungswissenschaft/History of Educational Studies“ die historische Entwicklung der Erziehungswissenschaft aus dem Blickwinkel verschiedener Länder und Fragestellungen zur Diskussion.
Seit dem Bestehen der ISCHE, die 1979 in Belgien gegründet wurde, war dies die zweite Jahrestagung, die in der Bundesrepublik Deutschland ausgerichtet wurde. Auch beim diesjährigen Treffen konnte der Tradition der ISCHE entsprechend, der wissenschaftliche Austausch zwischen Ost und West im Mittelpunkt stehen, wobei verstärkt Vertreter aus den Ländern der sogenannten Dritten Welt teilnahmen, was den lebendigen und intensiven Diskussionen in den verschiedenen Arbeitsgruppen zusätzliche Impulse gab.
Mit insgesamt etwa 150 Vorträgen in sechs Arbeitsgruppen wurde das Tägungsthema in einer Fülle von Facetten beleuchtet. Hinzu kamen neun Plenarvorträge sowie Sitzungen von drei Standing Working Groups der ISCHE (Gender and the History of Education, History of Education and En- lightenment, History of Education as a Field of Research and a Tfeachmg Subject). Diese fachwissenschaftliche Arbeit war durch Prof. Heinz-Elmar Tbnorth, Berlin, eingeleitet worden. In seinem Vortrag „Geschichte der Erziehungswissenschaft: Konstruktion einer Chimäre oder Historie einer Karriere?“ ging er den Gründungen der ersten Lehrstühle für Erziehungswissenschaft im jeweils ausgehenden 18. und 19. sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa nach. Für die Gegenwart wies er eine Fülle verschiedener Richtungen der Erziehungswissenschaft nach, die den unterschiedlichsten ,Wissenschafts-Typen“ zuzuordnen sind.
Diese Diversifikation innerhalb der Erziehungswissenschaft läßt sich eindrucksvoll veranschaulichen durch die Themenschwerpunkte der sechs Arbeitsgruppen: Entstehung und Entwicklung der Erziehungswissenschaft, der soziale und politische Kontext erziehungswissenschaftlicher Forschung und Theoriebildung, Erziehungswissenschaft und Berufsausbildung (u.a. Lehrerbildung), Paradigmen und Paradigmenwechsel in der Erziehungswissenschaft, Erziehungswissenschaft und Öffentlichkeit, Erziehungswissenschaft und ihre Nachbardisziplinen.
Die sich aus den thematisch so verschiede
nen Vorträgen ergebenden Diskussionen waren dabei in allen Arbeitsgruppen von großem Interesse an den Forschungsarbeiten und Ausführungen der jeweiligen Tfeil- nehmer und Teilnehmerinnen gekennzeichnet. Kritische Anmerkungen, z.T deutlich unterschiedliche Auffassungen und die Diskussion weiterführender Aspekte und Konsequenzen der Ergebnisse machten die Gruppenarbeit der Tägung zu einem fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch zwischen allen Beteiligten. Die These von einem „notwendigen Gegeneinander“ verschiedener pädagogischer Richtungen und Paradigmen in Rußland und in der UdSSR während der 1920er Jahre führte zu der leidenschaftlich erörterten Frage, wie differenziert die Erziehungswissenschaft in der UdSSR und anderen kommunistischen Staaten gewesen ist. Es ist ein Kennzeichen aller ISCHE-Thgungen, daß Gespräche dieser Art nicht selten in Form von
Prof. Dr. Christoph Lüth bei der 7 ägungseröff- nung. Foto: zg.
informellen oder offiziellen Arbeitsgruppen zwischen den Thgungen fortgeführt werden: Für das hier so heiß diskutierte Thema wurde vorgeschlagen, zur Aufarbeitung der Geschichte der Erziehungswissenschaft in den ehemals kommunistischen Ländern eine weitere Ständige Arbeitsgruppe der ISCHE zu gründen. Die nächste Jahrestagung wird 1996 in Polen stattfinden. Die Ergebnisse sowie ausgewählte Vorträge der diesjährigen Konferenz werden in einem Thgungsband zusammengefaßt werden. jc/ch
KONTAKT NICHT ABREISSEN LASSEN
Rund 30 Schüler aus ganz Brandenburg beteiligten sich 1994 am 2. Informatikwettbewerb, der gemeinsam von der Universität Potsdam und dem Brandenbur- gischen Landesverein zur Förderung mathematisch -naturwissen - schaf tlich-technisch interessierter Schüler e.V ausgeschneben worden war. Unter dem Motto „Computer und Umwelt" wurden beispielsweise Umweltdatenbanken und ein Programm zur Berechnung der benötigten Waschmittelmenge abhängig von Wasserhärte, Waschprogramm, Füllmenge und anderen Faktoren entwickelt. Die gelungenste Arbeit ist em kreatives Umweltspiel, das quer durch das Land Brandenburg führt. Damit der Kontakt zu den jungen Programmierern nicht abreißt, lud sie die Universität Potsdam im Oktober zu einem Herbsttreffen ein. Hier konnten die Tbilnehmer nicht nur Einrichtungen auf dem Universitätsgelände kennenlemen, sich im Rechenzentrum in das Arbeiten mit Internet und WWW einweisen lassen und auf einer Softwarebörse Software tauschen. Die Preisträger erhielten auch Gelegenheit, ihre Programme vorzustellen. Außerdem erhoffen sich die Veranstalter von den Schülern Anregungen für künftige Wettbewerbsthemen. So läßt der diesjährige Wettbewerb unter dem Motto „Mein Computer und ich" den Schülern viel Freiheit. Im Frühjahr 1996 soll der vierte Wettbewerb ausgeschrieben werden. adefFoto: Fritze
PUTZ 8/95
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