Heft 
(1.1.2019) 08
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EIN MANN MIT HEISSEM HERZEN UND KÜHLEM KOPF

Schriften Franz Oppenheimers werden veröffentlicht

Ich werde glücklich sein, wenn die soziale Marktwirt­schaft - so vollkommen oder so unvollkommen sie sein mag - weiter zeugen wird auch für das Werk, für den gei­stigen Ansatz der Gedanken und die Lehre von Franz Oppenheimer. Deutschlands Bundeskanzler von 1963 bis 1966, Dr. Ludwig Erhard, schrieb diese Zeilen im Vor­wort zu Rranz Oppenheimers Autobiographie. Dieser gilt als Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Die Synthe­se von Liberalismus und Sozialismus, von Marktwirt­schaft, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit bildet dann auch den Schwerpunkt seines Lebenswerkes.

Völlig zu Unrecht sei der deutsch-jüdische Nationalöko­nom und Soziologe in Deutschland nahezu in Vergessen­heit geraten, meint Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam. Es seiihm und sei­nem Wirken zu verdanken, daß die Idee einer sozial ge­rechten Marktwirtschaft im Nachkriegsdeutschland Fuß gefaßt hat. Der Aufschwung und das sogenannte 'Wirt­schaftswunder' der Nachkriegsjahre ist nicht zuletzt auf die Gleichbewertung von Markt und Sozialstaatlichkeit zurückzufüh­ren. Ohne dieses Konzept würden wir heu­te in einem anderen Deutschland leben.

Um gegen dieses Vergessen anzugehen, nahm Julius H. Schoeps gemeinsam mit an­deren Wissenschaftlern ein Forschungs­vorhaben in Angriff, welches in einem Buchprojekt mündet. Sollen doch die Ge­sammelten Schnften Franz Oppenheimers,

Zur Präsentation des ersten Bandes Gesammelter Schriften Franz Oppenheimers kam eigens aus diesem Anlaß dessen Tochter Renata Lenart aus den USA nach Potsdam. Roman Herzog hielt den Festvortrag. Foto: Fritze

Franz Oppenheimer (1864-1943) schuf ein um­fangreiches Werk, bestehend aus ca, 40 Bü­chern und 400Aufsätzen, mit Schriften zur Sozio­logie, Ökonomie und zu politischen Fragen der Zeit. Erwirkte an der Friedrich-Wilhelm-Univer- sität Berlin und hatte den ersten deutschen Lehr­stuhl für Soziologie m Frankfurt/Main inne. 1938 emigrierte er in die USA. As Doktorvater des späteren Bundeskanzlers Ludwig Erhard übte der Wissenschaftler einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Durchsetzung der sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutsch­land aus. Foto: zg

drei Bände in fünf Tteilen, im Akademie Verlag erscheinen. Der erste BandTheo­retische Grundlegung", demPolitische Schriften" undSchriften zur Marktwirt­schaft" folgen, wurde Ende September 1995 im Alten Rathaus in Potsdam präsen­tiert. Er enthält fünf Frühwerke Oppen­heimers, in denen er das theoretische Fun­dament seinesDritten Weges", einer ge­rechten und pluralistischen Gesellschafts­ordnung, entwickelt.

Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Roman Herzog, hat­te nicht nur deshalb gerne die Einladung zu dieser Veranstaltung angenommen, weil Oppenheimer der Lehrer von Ludwig Er­hard war und fast in jedem zweiten Ge­spräch auf ihn zu sprechen gekommen sei, sondern vor allem, weil er zu den Vorden­kern der sozialen Marktwirtschaft gehörte, die immer wieder einmal begründet wer­den muß". In Anwesenheit von ca. 150 Gä­sten, unter ihnen der Vorsitzende des Zen­tralrates der Juden m Deutschland, Ignatz Bubis, und die Tochter Oppenheimers, Renata Lenart, äußerte sich der Bundes­präsident in seinem Festvortag zum The­maFreiheitlicher Staat, humane Gesell­schaft, soziale Marktwirtschaft". Das deut­sche Modell der sozialen Marktwirtschaft fändein aller Welt, von den USA bis nach China, Bewunderung... Aber auch die so­ziale Marktwirtschaft muß Anpassungs- knsen bestehen, die durch die unaufhaltsa­me Globalisierung der Märkte ausgelöst werden". Die staatlichen Anreizsysteme seien so zu gestalten, daß jeder einzelne seine Chance erhielte. Innovationen müß­ten zu einem Breitensport gemacht wer­den, der den Fußball in den Schatten stellt,

B.E.

PITT IM INTERNET

Der Potsdamer Informations- und Ttechno- logie-Tfansfer (PITT) bietet seit kurzem im World Wide Web (WWW) des Internets ei­nen Überblick über seine Servicepalette für Institutionen, Unternehmen, Wissen­schaftler und Studenten an. Hierzu gehö­ren unter anderem: Übersichten über For­schungsschwerpunkte und Kooperations­angebote der Hochschule, Patentberatung und -anmeldung über den PITT, Vermitt­lung von Praktika und Jobs für Studenten aller Hochschulen über das PITT-Prakti- kantenbüro, Informationen zu wichtigen Förderprogrammen im Bereich Forschung und Entwicklung (Ausschreibungen, Ter­mine, Adressen, Ansprechpartner usw.) und die Organisation von Messen und Ver­anstaltungen durch den PITT.

Die Informationen der Transferstelle der Um Potsdam werden ergänzt durch zahlrei­che Verweise auf interessante WWW-Ser- ver in Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland und aller Welt mit Bezug zu den jeweiligen Themen. Mit einem einfa­chen Mausklick kann man sich so zum Beispiel von den WWW-Seiten des PITT direkt mit der Europäischen Union, Bun­des- und Landesministerien oder Ttechno- logietransfer-Einrichtungen im In- und Aus­land verbinden lassen. Bereits heute ist es möglich, Antragsunterlagen für europäi­sche Förderprogramme ohne aufwendigen Schriftverkehr abzurufen und vom eigenen PC auszudrucken.

Bei Interesse stehen die Mitarbeiter des PITT gerne für eine Vorführung zur Verfü­gung eitel. 977-1119, Dr. Bohlen). Die WWW- Adresse des PITT lautet: http://www.uni- potsdam. de/u/pitt/pittOO .htm. A.B.

PUTZ 8/95

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