EIN MANN MIT HEISSEM HERZEN UND KÜHLEM KOPF
Schriften Franz Oppenheimers werden veröffentlicht
„Ich werde glücklich sein, wenn die soziale Marktwirtschaft - so vollkommen oder so unvollkommen sie sein mag - weiter zeugen wird auch für das Werk, für den geistigen Ansatz der Gedanken und die Lehre von Franz Oppenheimer.“ Deutschlands Bundeskanzler von 1963 bis 1966, Dr. Ludwig Erhard, schrieb diese Zeilen im Vorwort zu Rranz Oppenheimers Autobiographie. Dieser gilt als Vordenker der sozialen Marktwirtschaft. Die Synthese von Liberalismus und Sozialismus, von Marktwirtschaft, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit bildet dann auch den Schwerpunkt seines Lebenswerkes.
Völlig zu Unrecht sei der deutsch-jüdische Nationalökonom und Soziologe in Deutschland nahezu in Vergessenheit geraten, meint Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam. Es sei „ihm und seinem Wirken zu verdanken, daß die Idee einer sozial gerechten Marktwirtschaft im Nachkriegsdeutschland Fuß gefaßt hat. Der Aufschwung und das sogenannte 'Wirtschaftswunder' der Nachkriegsjahre ist nicht zuletzt auf die Gleichbewertung von Markt und Sozialstaatlichkeit zurückzuführen. Ohne dieses Konzept würden wir heute in einem anderen Deutschland leben.“
Um gegen dieses Vergessen anzugehen, nahm Julius H. Schoeps gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern ein Forschungsvorhaben in Angriff, welches in einem Buchprojekt mündet. Sollen doch die Gesammelten Schnften Franz Oppenheimers,
Zur Präsentation des ersten Bandes Gesammelter Schriften Franz Oppenheimers kam eigens aus diesem Anlaß dessen Tochter Renata Lenart aus den USA nach Potsdam. Roman Herzog hielt den Festvortrag. Foto: Fritze
Franz Oppenheimer (1864-1943) schuf ein umfangreiches Werk, bestehend aus ca, 40 Büchern und 400Aufsätzen, mit Schriften zur Soziologie, Ökonomie und zu politischen Fragen der Zeit. Erwirkte an der Friedrich-Wilhelm-Univer- sität Berlin und hatte den ersten deutschen Lehrstuhl für Soziologie m Frankfurt/Main inne. 1938 emigrierte er in die USA. As Doktorvater des späteren Bundeskanzlers Ludwig Erhard übte der Wissenschaftler einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Durchsetzung der sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland aus. Foto: zg
drei Bände in fünf Tteilen, im Akademie Verlag erscheinen. Der erste Band „Theoretische Grundlegung", dem „Politische Schriften" und „Schriften zur Marktwirtschaft" folgen, wurde Ende September 1995 im Alten Rathaus in Potsdam präsentiert. Er enthält fünf Frühwerke Oppenheimers, in denen er das theoretische Fundament seines „Dritten Weges", einer gerechten und pluralistischen Gesellschaftsordnung, entwickelt.
Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Dr. Roman Herzog, hatte nicht nur deshalb gerne die Einladung zu dieser Veranstaltung angenommen, weil Oppenheimer der Lehrer von Ludwig Erhard war und fast in jedem zweiten Gespräch auf ihn zu sprechen gekommen sei, „sondern vor allem, weil er zu den Vordenkern der sozialen Marktwirtschaft gehörte, die immer wieder einmal begründet werden muß". In Anwesenheit von ca. 150 Gästen, unter ihnen der Vorsitzende des Zentralrates der Juden m Deutschland, Ignatz Bubis, und die Tochter Oppenheimers, Renata Lenart, äußerte sich der Bundespräsident in seinem Festvortag zum Thema „Freiheitlicher Staat, humane Gesellschaft, soziale Marktwirtschaft". Das deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft fände „in aller Welt, von den USA bis nach China, Bewunderung... Aber auch die soziale Marktwirtschaft muß Anpassungs- knsen bestehen, die durch die unaufhaltsame Globalisierung der Märkte ausgelöst werden". Die staatlichen Anreizsysteme seien so zu gestalten, daß jeder einzelne seine Chance erhielte. Innovationen müßten zu einem Breitensport gemacht werden, der den Fußball in den Schatten stellt,
B.E.
PITT IM INTERNET
Der Potsdamer Informations- und Ttechno- logie-Tfansfer (PITT) bietet seit kurzem im World Wide Web (WWW) des Internets einen Überblick über seine Servicepalette für Institutionen, Unternehmen, Wissenschaftler und Studenten an. Hierzu gehören unter anderem: Übersichten über Forschungsschwerpunkte und Kooperationsangebote der Hochschule, Patentberatung und -anmeldung über den PITT, Vermittlung von Praktika und Jobs für Studenten aller Hochschulen über das PITT-Prakti- kantenbüro, Informationen zu wichtigen Förderprogrammen im Bereich Forschung und Entwicklung (Ausschreibungen, Termine, Adressen, Ansprechpartner usw.) und die Organisation von Messen und Veranstaltungen durch den PITT.
Die Informationen der Transferstelle der Um Potsdam werden ergänzt durch zahlreiche Verweise auf interessante WWW-Ser- ver in Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland und aller Welt mit Bezug zu den jeweiligen Themen. Mit einem einfachen Mausklick kann man sich so zum Beispiel von den WWW-Seiten des PITT direkt mit der Europäischen Union, Bundes- und Landesministerien oder Ttechno- logietransfer-Einrichtungen im In- und Ausland verbinden lassen. Bereits heute ist es möglich, Antragsunterlagen für europäische Förderprogramme ohne aufwendigen Schriftverkehr abzurufen und vom eigenen PC auszudrucken.
Bei Interesse stehen die Mitarbeiter des PITT gerne für eine Vorführung zur Verfügung eitel. 977-1119, Dr. Bohlen). Die WWW- Adresse des PITT lautet: http://www.uni- potsdam. de/u/pitt/pittOO .htm. A.B.
PUTZ 8/95
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