Heft 
(1.1.2019) 08
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PER LINGUAS AD MUNDUM

Zum Stand der Fremdsprachenausbildung in Potsdam

In der heutigen Zeit scheint eine universitäre Ausbildung, gleich welcher Ausrichtung, ohne das Erlernen einer oder mehrerer Fremdsprachen unvollständig zu sein, weil sie nicht den Anforderungen, die an die Studierenden bereits während ihres Studiums und in der späteren Berufspraxis gestellt werden, entspricht. Um dem entgegenzuwirken, wurden auf einer kürzlich veranstalteten europäischen Konferenz zum ThemaLan- guages in Europe. Cooperation in Higher Education Forderungen zur Realisierung einer verstärkten Eremdsprachenausbildung an den Hochschulen formuliert. Als Ver­treterin der Universität Potsdam nahm die Geschäftsführende Leiterin des Sprachen­zentrums, Dr. Doris Flischikowski, an der von der Europäischen Kommission, dem SIGMA Scientific Committee of Languages und der Universität Stockholm organisier­ten Fügung teil. Auf die wichtigsten Forderungen wird Doris Flischikowski nachfolgend eingehen, indem sie Bezug nimmt auf die bereits erreichte bzw. angestrebte Sprach- ausbildung am Sprachenzentrum der Universität Potsdam:

Mit Blick auf die europäische Integra­tion ist die sprachliche Basis in Europa zu verbreitern, entsprechend ist die Anzahl der an Hochschulen geförderten Sprachen zu erhöhen.

Die Voraussetzungen zur Erfüllung dieser Forderung sind an der Universität Potsdam denkbar gut. Am Sprachenzentrum wer­den derzeit Lehrveranstaltungen in sieben west-, mittel- und osteuropäischen Spra­chen angeboten. In allen Sprachbereichen sind hauptamtlich beschäftigte deutsche und muttersprachliche Lehrkräfte für die Bereiche Philologie und Hörer aller Fakul­täten tätig. Obwohl die Forderungen nach Fremdsprachenkenntnissen in den Stu­dienordnungen nichtphilologischer Fächer bislang eher zurückhaltend und zum Tfeil einseitig auf das Englische fixiert sind, besucht eine wachsende Zahl Studieren­der auch Kurse in Sprachen wie Spanisch, Italienisch oder Russisch.

Die universitäre Fremdsprachenaus­bildung muß sich durch eine stärkere Berufsbezogenheit, eine engere Ver­bindung von Sprach- und Fachausbil­dung auszeichnen.

Das Potsdamer Lehrangebot für Hörer al­ler Fakultäten enthält bereits jetzt zu mehr als einem Drittel fachbezogene, mit den Fächern inhaltlich abgestimmte Kurse für Studierende der Rechts-, Wirtschafts-, So­zial- und Naturwissenschaften in den Spra­chen Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch. Trotzdem ist dies erst ein An­fang. So muß die bereits begonnene kon­zeptionelle Arbeit zum Wahlpflichtfach Moderne Fremdsprache und dazugehöri­ge Philologie" für Volkswirte gemeinsam mit den Philologien zügig fortgesetzt wer­den. Es gilt, die Sprachausbildung insge­samt in stärkerem Maße in die Fachausbil­dung zu integrieren und spezielle, mtegrative Studiengänge zu schaffen. Ver­stärkt sollen für die Studierenden Projekte angeboten werden, in denen die Sprach­ausbildung im Zielsprachenland mit geziel­ter berufsorientierter Tätigkeit verbunden

wird. Hier soll die bereits praktizierte regio­nale Zusammenarbeit mit Berliner Univer­sitäten fortgesetzt werden, da in diesem Falle auch Fördermittel über SOKRATES eingeworben werden können.

Den Studierenden ist der Zugang zu europäischen Hochschulen zu erleich­tern, indem Vergleichbarkeit über ein­heitlich definierte Niveaustufen und Zertifikate erzielt wird.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist das hochschulübergreifende Fremdsprachen­zertifikatssystem UNICERT, dessen Rah­menordnung vom Arbeitskreis der Spra­chenzentren (ÄKS), einem Zusammen­schluß von mehr als 25 Hochschulen und Universitäten aus den alten und neuen Bundesländern, erarbeitet wurde. Das Potsdamer Sprachenzentrum hat auf der Grundlage dieser Rahmenordnung eine eigene Ausbildungsordnung erstellt, wel­che im Dezember vorigen Jahres vom ÄKS akkreditiert wurde. Das heißt, die Ausbil­dung für Hörer aller Fakultäten am Spra­chenzentrum findet für alle Sprachen nach einem hinsichtlich der Ziele, Inhalte und Bewertungsmaßstäbe einheitlichen Ausbil­dungssystem auf vier Niveaustufen statt - angefangen von Lernern ohne Vorkennt­nisse bis hin zu weit fortgeschrittenen Ler­nern.

Besonderes Gewicht erlangt die Sprachlehrerausbildung, da sich lang­fristig dadurch die Sprachausbildung an den Schulen verbessert und sich damit das Eingangsniveau zukünftiger Studie­render erhöht.

Die Lehrkräfte des Sprachenzentrums ha­ben sich in die Diskussion um die neuen Studienordnungen in den Philologien ein­gebracht und sich für einen hohen Anteil der sprachpraktischen Ausbildung im Grundstudium sowie seine kommunikative und interkulturelle Orientierung einge­setzt. Angesichts der fortschreitenden Spe­zialisierung auch des schulischen Fremd­sprachenunterrichts sollte künftig über ein

Zusatzangebot von fachsprachlichen und fachsprachendidaktischen Lehrveranstal­tungen für Lehramtsstudent/innen nachge­dacht werden.

Qualität der Fremdsprachenausbildung erfordert Qualität der Lehrenden.

Der regelmäßige Aufenthalt der Sprach- lehrkräfte im Mutterland, verbunden mit fachdidaktischer Fortbildung bzw. fachli­cher Weiterbildung, ist eine unverzichtba­re Voraussetzung, soll das derzeit erreich­te Niveau des Lehrkörpers am Sprachen­zentrum erhalten werden. In den vergange­nen Semestern konnten Lehrkräfte des Bereichs Englisch dank Sprachstipendien des British Council und des Amerika Hau­ses sowie HEP-Mitteln Qualifizierungsan­gebote in den USA und Großbritannien wahrnehmen. Bei den Sprachen Ost- und Mitteleuropas hingegen mangelt es noch an Weiterbildungsmöglichkeiten.

AUF DEM CAMPUS AUFGESCHNAPPT

Teil 3

Unwissende: Herr Professor Breierle, Sie erforschen wissenschaftliche Viren. Was hat man darunter zu verstehen?

Prof. Breierle: Ich danke Ihnen für diese freundliche, freilich etwas mißverständlich formulierte Frage, die zu beantworten - und zwar in einem auch dem Laien verständli­chen Sinne - kaum oder nur in einer sehr eingeschränkten, eher bildlichen Weise möglich ist. Die Scientific Virus Research (SVR) erforscht - hier einmal für Sie recht vereinfacht und auf Deutsch gesagt - Viren, die Wissenschaften befallen, deren Ent­wicklung und Verbreitung und die Entwick­lung von Gegenmaßdnahmen, also etwa Impfstoffen.

Unwissende: Könnten Sie uns ein Beispiel für solch einen Virus nennen?

Prof. Breierle: Um ein ganz aktuelles The­ma aus unserer Forschung aufzugreifen, wir sind derzeit mit einem neuen Virus be­faßt, der ein bislang gänzlich unbekanntes Potential entwickelt und in einer Art und Geschwindigkeit wirkt, die für uns Wissen­schaftler einfach atemberaubend ist. Unwissende: Wie wirkt dieser Virus?

Prof. Breierle: Nun, er zerfrißt in einem Ausmaß und einer Dynamik Theorien, wie wir das bisher nicht für möglich hielten. Unwissende: Wie hat man sich das vorzu­stellen?

Prof. Breierle: Das können wir Ihnen im einzelnen noch nicht sagen. Wir wissen bisher nur, daß dieser Virus in der Lage ist, in etwa 60 bis 90 Minuten harte und bislang bewährte Theorien in einen strukturlosen, amorphen Brei zu verwandeln: die Theone

PUTZ 8/95

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