PER LINGUAS AD MUNDUM
Zum Stand der Fremdsprachenausbildung in Potsdam
In der heutigen Zeit scheint eine universitäre Ausbildung, gleich welcher Ausrichtung, ohne das Erlernen einer oder mehrerer Fremdsprachen unvollständig zu sein, weil sie nicht den Anforderungen, die an die Studierenden bereits während ihres Studiums und in der späteren Berufspraxis gestellt werden, entspricht. Um dem entgegenzuwirken, wurden auf einer kürzlich veranstalteten europäischen Konferenz zum Thema „Lan- guages in Europe. Cooperation in Higher Education“ Forderungen zur Realisierung einer verstärkten Eremdsprachenausbildung an den Hochschulen formuliert. Als Vertreterin der Universität Potsdam nahm die Geschäftsführende Leiterin des Sprachenzentrums, Dr. Doris Flischikowski, an der von der Europäischen Kommission, dem SIGMA Scientific Committee of Languages und der Universität Stockholm organisierten Fügung teil. Auf die wichtigsten Forderungen wird Doris Flischikowski nachfolgend eingehen, indem sie Bezug nimmt auf die bereits erreichte bzw. angestrebte Sprach- ausbildung am Sprachenzentrum der Universität Potsdam:
„Mit Blick auf die europäische Integration ist die sprachliche Basis in Europa zu verbreitern, entsprechend ist die Anzahl der an Hochschulen geförderten Sprachen zu erhöhen.“
Die Voraussetzungen zur Erfüllung dieser Forderung sind an der Universität Potsdam denkbar gut. Am Sprachenzentrum werden derzeit Lehrveranstaltungen in sieben west-, mittel- und osteuropäischen Sprachen angeboten. In allen Sprachbereichen sind hauptamtlich beschäftigte deutsche und muttersprachliche Lehrkräfte für die Bereiche Philologie und Hörer aller Fakultäten tätig. Obwohl die Forderungen nach Fremdsprachenkenntnissen in den Studienordnungen nichtphilologischer Fächer bislang eher zurückhaltend und zum Tfeil einseitig auf das Englische fixiert sind, besucht eine wachsende Zahl Studierender auch Kurse in Sprachen wie Spanisch, Italienisch oder Russisch.
„Die universitäre Fremdsprachenausbildung muß sich durch eine stärkere Berufsbezogenheit, eine engere Verbindung von Sprach- und Fachausbildung auszeichnen.“
Das Potsdamer Lehrangebot für Hörer aller Fakultäten enthält bereits jetzt zu mehr als einem Drittel fachbezogene, mit den Fächern inhaltlich abgestimmte Kurse für Studierende der Rechts-, Wirtschafts-, Sozial- und Naturwissenschaften in den Sprachen Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch. Trotzdem ist dies erst ein Anfang. So muß die bereits begonnene konzeptionelle Arbeit zum Wahlpflichtfach „Moderne Fremdsprache und dazugehörige Philologie" für Volkswirte gemeinsam mit den Philologien zügig fortgesetzt werden. Es gilt, die Sprachausbildung insgesamt in stärkerem Maße in die Fachausbildung zu integrieren und spezielle, mtegrative Studiengänge zu schaffen. Verstärkt sollen für die Studierenden Projekte angeboten werden, in denen die Sprachausbildung im Zielsprachenland mit gezielter berufsorientierter Tätigkeit verbunden
wird. Hier soll die bereits praktizierte regionale Zusammenarbeit mit Berliner Universitäten fortgesetzt werden, da in diesem Falle auch Fördermittel über SOKRATES eingeworben werden können.
„Den Studierenden ist der Zugang zu europäischen Hochschulen zu erleichtern, indem Vergleichbarkeit über einheitlich definierte Niveaustufen und Zertifikate erzielt wird.“
Ein erster Schritt in diese Richtung ist das hochschulübergreifende Fremdsprachenzertifikatssystem UNICERT, dessen Rahmenordnung vom Arbeitskreis der Sprachenzentren (ÄKS), einem Zusammenschluß von mehr als 25 Hochschulen und Universitäten aus den alten und neuen Bundesländern, erarbeitet wurde. Das Potsdamer Sprachenzentrum hat auf der Grundlage dieser Rahmenordnung eine eigene Ausbildungsordnung erstellt, welche im Dezember vorigen Jahres vom ÄKS akkreditiert wurde. Das heißt, die Ausbildung für Hörer aller Fakultäten am Sprachenzentrum findet für alle Sprachen nach einem hinsichtlich der Ziele, Inhalte und Bewertungsmaßstäbe einheitlichen Ausbildungssystem auf vier Niveaustufen statt - angefangen von Lernern ohne Vorkenntnisse bis hin zu weit fortgeschrittenen Lernern.
„Besonderes Gewicht erlangt die Sprachlehrerausbildung, da sich langfristig dadurch die Sprachausbildung an den Schulen verbessert und sich damit das Eingangsniveau zukünftiger Studierender erhöht. “
Die Lehrkräfte des Sprachenzentrums haben sich in die Diskussion um die neuen Studienordnungen in den Philologien eingebracht und sich für einen hohen Anteil der sprachpraktischen Ausbildung im Grundstudium sowie seine kommunikative und interkulturelle Orientierung eingesetzt. Angesichts der fortschreitenden Spezialisierung auch des schulischen Fremdsprachenunterrichts sollte künftig über ein
Zusatzangebot von fachsprachlichen und fachsprachendidaktischen Lehrveranstaltungen für Lehramtsstudent/innen nachgedacht werden.
„Qualität der Fremdsprachenausbildung erfordert Qualität der Lehrenden.“
Der regelmäßige Aufenthalt der Sprach- lehrkräfte im Mutterland, verbunden mit fachdidaktischer Fortbildung bzw. fachlicher Weiterbildung, ist eine unverzichtbare Voraussetzung, soll das derzeit erreichte Niveau des Lehrkörpers am Sprachenzentrum erhalten werden. In den vergangenen Semestern konnten Lehrkräfte des Bereichs Englisch dank Sprachstipendien des British Council und des Amerika Hauses sowie HEP-Mitteln Qualifizierungsangebote in den USA und Großbritannien wahrnehmen. Bei den Sprachen Ost- und Mitteleuropas hingegen mangelt es noch an Weiterbildungsmöglichkeiten.
AUF DEM CAMPUS AUFGESCHNAPPT
Teil 3
Unwissende: Herr Professor Breierle, Sie erforschen wissenschaftliche Viren. Was hat man darunter zu verstehen?
Prof. Breierle: Ich danke Ihnen für diese freundliche, freilich etwas mißverständlich formulierte Frage, die zu beantworten - und zwar in einem auch dem Laien verständlichen Sinne - kaum oder nur in einer sehr eingeschränkten, eher bildlichen Weise möglich ist. Die Scientific Virus Research (SVR) erforscht - hier einmal für Sie recht vereinfacht und auf Deutsch gesagt - Viren, die Wissenschaften befallen, deren Entwicklung und Verbreitung und die Entwicklung von Gegenmaßdnahmen, also etwa Impfstoffen.
Unwissende: Könnten Sie uns ein Beispiel für solch einen Virus nennen?
Prof. Breierle: Um ein ganz aktuelles Thema aus unserer Forschung aufzugreifen, wir sind derzeit mit einem neuen Virus befaßt, der ein bislang gänzlich unbekanntes Potential entwickelt und in einer Art und Geschwindigkeit wirkt, die für uns Wissenschaftler einfach atemberaubend ist. Unwissende: Wie wirkt dieser Virus?
Prof. Breierle: Nun, er zerfrißt in einem Ausmaß und einer Dynamik Theorien, wie wir das bisher nicht für möglich hielten. Unwissende: Wie hat man sich das vorzustellen?
Prof. Breierle: Das können wir Ihnen im einzelnen noch nicht sagen. Wir wissen bisher nur, daß dieser Virus in der Lage ist, in etwa 60 bis 90 Minuten harte und bislang bewährte Theorien in einen strukturlosen, amorphen Brei zu verwandeln: die Theone
PUTZ 8/95
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