Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:
VON PFADFINDERN AM RÖNTGENHIMMEL UND GALAKTISCHEN MAGNETFELDERN
Das Astrophysikalische Institut Potsdam
AIP
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbarem Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten übliche Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z. B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP) eröffnet die PUTZ eine neue Reihe, in der nach und nach an dieser Stelle die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.
Das AIP besteht seit Beginn des Jahres 1992. Als ein Institut der Blauen Liste erhält es seine Grundfinanzierung je zur Hälfte vom Land Brandenburg und vom Bund. Zur Zeit gibt es zwei gemeinsame Berufungen des AIP und der Universität Potsdam: Die C4-Professur für Kosmische Magnetfelder, Sonnen- und Sternaktivität, die Dr. Karl- Heinz Rädler, Direktor am AIP und dessen wissenschaftlicher Vorstand, innehat, und die C4-Professur für Extragalaktische Astrophysik und Kosmologie, die mit Dr. Günter Hasmger, ebenfalls Direktor am AIP besetzt ist. Des weiteren ist eine gemeinsame C3-Professur geplant,
Objekte für Träumer und Forscher
Sterne, Planeten, Kometen und was sonst noch am nächtlichen Himmel funkelt: Zu allen Zeiten und in allen Kulturen waren und sind sie für die Menschen eine stete Quelle der Inspiration. Ohne sie würde es den Kleinen Prinzen ebensowenig geben wie Captain Kirk. Den Seefahrern zeigte ihr Stand des Nachts den Weg und den Astrologen das menschliche Geschick, Den Naturwissenschaftlern wiederum dienten und dienen sie als ideale Studienobjekte: So beschrieb z. B. Kepler die Planetenbewegung in den Keplerschen Gesetzen, aus denen Newton dann später das Gravitationsgesetz ableitete. Daß wir Sterne überhaupt sehen können, verdanken wir drei Tätsachen: Daß in und auf ihnen Kernfusionsprozesse ablaufen, durch die ihr intensives Licht erzeugt wird, daß dieses Licht uns auf der Erde erreicht und daß unsere Augen es wahrnehmen können. So trivial ist das nicht, auf vielen Sternen, in aktiven Galaxien und in Quasaren laufen noch weitaus effizientere Prozesse ab, bei
denen kein sichtbares, sondern Röntgenlicht entsteht, und von denen - auch als es bereits Röntgendetektoren gab - lange Zeit niemand etwas ahnte. Denn die Erdatmosphäre hat die an und für sich erfreuliche Eigenschaft, Röntgenstrahlung zu absorbieren: Das für den Menschen einzige Zeugnis dieser effizienten Prozesse kommt auf der Erde gar nicht an.
Erst mit dem Aufkommen der Raketentechnik eröffnete sich die Möglichkeit, Röntgenteleskope außerhalb der Atmosphäre einzusetzen. 1962 wurde zum ersten Mal ein Röntgendetektor in einer Rakete plaziert - und damit prompt die erste Röntgenquelle entdeckt. Die Erforschung eines neuen Himmels, des Röntgenhimmels, begann. Ein weiterer wichtiger Schntt wurde gemacht, als in den siebziger Jahren die NASA den ersten Röntgensatelliten namens UHURU in die Erdumlaufbahn schickte. Damit konnte man nun den Röntgenhimmel rund um die Uhr betrachten.
ROSAT liefert AlPlern Datenmaterial
Zur Zeit durchmustert der europäische Röntgensatellit ROSAT, der seit dem 1. Juni 1990 die Erde umkreist, den kompletten Himmel im Bereich der weichen Röntgenstrahlung (die im Gegensatz zum harten Röntgenlicht weniger energiereich ist).
Mit der Interpretation zumindest eines Tfei- les dieser Daten beschäftigt man sich am AIP „Mein Steckenpferd ist die Röntgenhintergrundstrahlung", sagt Dr. Günther Hasinger. Die Röntgenhintergrundstrahlung ist eine Überlagerung von Röntgenstrahlung aus einem großen Frequenzbereich, mit definierter spektraler Zusammensetzung, Sie läßt sich in allen Himmelsrichtungen messen und die Frage ist: Wo
kommt sie her? Aufgrund der genauen Daten von ROSAT gelang es Hasmger, einen großen Tteil der Röntgenhintergrundstrahlung im weichen Röntgenbereich aufzulösen, d. h. die einzelnen Strahlungsquellen zu orten und diese dann durch Vergleich der Positionen mit aus optischen Messungen bekannten Himmelsobjekten zu identifizieren. Er fand heraus, daß die meisten dieser Röntgenquellen weit entfernte Galaxien sind und es sich nur bei einem kleinen "teil um Sterne handelt. Anders sieht es beim mittleren und harten Bereich der Röntgenhintergrundstrahlung aus, wo bislang keine abbildenden Meßinstrumente zur Verfügung stehen. Nur mit ihnen ist es nämlich möglich, quasi photographische Aufnahmen des Röntgenhimmels zu machen und so die genaue Position von Röntgenquellen zu bestimmen. Aber das wird sich bald ändern, denn ab 1997/98 wird der Röntgensatellit ABRIXAS in 600 km Höhe um die Erde kreisen und den Röntgenhimmel im mittleren Energiebereich vollständig durchmustern.
ABRIXAS soll Röntgenstrahlung reflektieren
ABRIXAS wurde gemeinsam vom AIP dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und dem Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen entwickelt, „Das Problem bei der Abbildung von Röntgenstrahlung“, erläutert Hasinger, „ist, daß sich das Licht weder mit Linsen brechen, noch mit gewöhnlichen Spiegeln reflektieren läßt. Röntgenstrahlung geht da einfach durch. „Lediglich bei streifendem Einfall unter ein bis zwei Grad zur Spiegel- oberfläche wird die Strahlung reflektiert. So wird sich in dem ABRIXAS-Tteleskop, wie auch schon in dem Tbleskop von ROSAT, ein System von Parabolspiegeln mit nachgeschalteten Hyperboispiegeln befinden, auf die die Strahlung streifend einfällt und auf dem Röntgendetektor abgebildet wird. Je energiereicher die Strahlung ist, desto streifender muß der Einfall und desto glatter die Spiegeloberfläche sein!
ABRIXAS hat aber noch weitere Aufgaben: Besonders wichtig ist seine Rolle als Pfadfinder - interessante Röntgenquellen soll er genau orten, damit sie bei den nachfolgenden großen Röntgenobservatorien XMM und AXAF um die Jahrtausendwende genau beobachtet werden können. Er kann zudem auch aktive Galaxien ausfin-
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PUTZ 8/95