.■«' *»■
So könnte der neue Pfadfinder am Röntgenhimmel aussehen, ABRIXAS - ein Röntgensatellit für den mittleren Röntgenbereich. Er ist eine gemeinsame Entwicklung des Astrophysikalischen Instituts Potsdam, des Max-Plank-Instituts für extraterrestrische Physik und des Instituts für Astronomie und Astrophysik der Um Tübingen. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Die Abbildung zeigt eine von vier Vorschlägen, die auf die Ausschreibung emgreicht wurden. Abb.: DASA/Dormer
dig machen, die zwar Röntgenstrahlung aussenden, deren Kern aber von einer Staubhülle umgeben ist. Dann wird die weiche Röntgenstrahlung absorbiert - der Kern ist also für ROSAT unsichtbar. Nicht jedoch für ABRIXAS, der ja die energiereichere Röntgenstrahlung mißt, und diese kann die Staubhülle durch dringen.
Elektrische Ströme bewegen den Kosmos
Mit einem völlig anderen Gebiet beschäftigt sich am AIP Dr. Karl-Heinz Radier. Ihm geht es um Magnetfelder, „denn", sagt er, „sie sorgen für action im Kosmos." Nicht nur Planeten haben sie, sondern auch Sterne. Galaxien werden von Magnetfeldern durchzogen, die erstaunlicherweise geordnete Strukturen aufweisen. Und Pulsare besitzen Felder, die sogar eine Million mal eine Million größer sind, als das der Erde. Wie entstehen diese Felder? Larmor schlug bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts das Modell des selbsterregten Dynamos vor: elektrische Ströme, egal ob sie
PUTZ 8/95
von Elektronen oder Ionen hervorgerufen werden, erzeugen Magnetfelder, andererseits üben Magnetfelder eine Kraft auf sich bewegende Ladungen aus. Da im Sterninneren ständig für Bewegung der Ladungen gesorgt wird, hält dieser Prozess sich selbst m Gang. In den Galaxien können Ströme in der leitenden interstellaren Materie entstehen. Zwar ist sie sehr dünn, so daß nur wenig Ladungsträger pro Volumen zur Verfügung stehen, entscheidend für die Modellrechnung ist aber die große Ausdehnung des interstellaren Raumes. Radler betont, daß ihre theoretischen Berechnungen ergeben haben, daß Sterne normalerweise ein Magnetfeld haben sollten. Selbst wenn die in den Sternen und ihren Hüllen sich bewegenden Teilchen zunächst kein Magnetfeld erzeugen, ist dieser Zustand im allgemeinen so instabil, daß eine kleine Störung zum Aufbau eines Feldes führen würde, das dann auch bestehen bleibt.
Der nächtliche Sternenhimmel, so ruhig und einfach er erscheint, so turbulent und
komplex ist er in Wirklichkeit. Davon werden sich bald auch die Potsdamer Studenten mit dem Wahlpflichtfach Astronomie ein genaueres Bild machen können. Wenn die Kuppel eines der Gebäude der Sternwarte Babelsberg repariert sein wird, können sie hier den Nachthimmel observieren.
Theorie und Praxis für studentische „Sternengucker"
Auch zur Zeit können sie schon Einrichtungen des AIP im Rahmen ihres Praktikums benutzen, so führen sie z. B. Sonnenbeobachtungen am Einsteinturm durch. Um die Betreuung des Praktikums kümmert sich Hasinger. Den theoretischen Hintergrund zu ihren Beobachtungen erfahren sie bei Rädler derzeit in der Vorlesung „Kosmische Elektrodynamik“, entsprechend bei Hasinger in „Endstadien der Sternentwicklung II“. Und auch der wissenschaftliche Austausch zwischen dem Lehrstuhl Astrophysik an der Universität und dem AIP ist so rege, daß über ein gemeinsames Projekt nachgedacht wird. ade
Seite 17