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Die Liberale Hochschulgruppe an der Universität
„Deutschland wird zunehmend zu einer Gefälligkeitsdemokratie, in der es nicht mehr darauf ankommt, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, sondern nur noch darauf, ob sie ankommt oder nicht.“ Selbstkritisch äußerte sich FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle während eines Vortrags, zu dem ihn die Liberale Hochschulgruppe (LHG) der Potsdamer Universität eingeladen hatte. Etwa 70 Studenten ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, Westerwelle zu sehen und Fragen an ihn zu stellen. Teilweise konterte der erst 33jährige Shooting-Star der Liberalen gekonnt, hier und da geriet er aber auch ins Schwimmen und blockte Fragen ab. Überrascht und erfreut waren die Potsdamer LHG-Mitglieder mit ihrem Vorsitzenden Michael Martius über den Andrang zu dieser Veranstaltung. Sie hatten mit weniger Besuchern gerechnet, obwohl die LHG seit Herbst 1994 kontinuierlich Zulauf findet. Inzwischen besteht sie aus elf Studenten; zwei Beitritte folgten auf den Westerwelle-Auftritt.
Michael Martius,Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe an der Uni Potsdam.Foto: zg.
Nach Einschätzung von Michael Martius liege der Zulauf dann begründet, daß die LHG den Studenten etwas anbiete, was diese Zielgruppe anspreche. Daran mangele es hingegen bei der FDP woher sich auch deren Mißerfolgskurve der letzten Jahre erklären lasse. Außerdem sei die LHG offen nach allen Seiten. Das Spektrum reiche von gelb-blau mit grünem Einschlag bis zum Rechtsliberalismus. Die FDP so Martius, gehe zu ablehnend mit ihrem rechten Rand um.
Neben dem Westerwelle-Auftritt organisierte die LHG im letzten Semester eine Podiumsdiskussion zum Thema Wer versichert Sicherheit? Bürgerwehr contra Polizei“. Jura-Professor Dr. Eckart Klein sprach mit Frankfurts Polizeichef Hartmut Lietsch, dem Berliner Polizeidirektor Manfred Kittlaus und einem Vertreter des privaten Sicherheitsgewerbes, Christoph Lemmer von RTL-Radio moderierte.
Für das laufende Semester plant die Gruppe vor allem Exkursionen. Geplant sind Besuche im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen und in der Bran- denburgischen Landespolizeischule in Basdorf noch im Dezember 1995. Außerdem wollen die Liberalen eine Ausstellung über die Geschichte der DDR-Staatssicher- heit besuchen, die im früheren Hauptquar
tier des Ministeriums für Staatssicherheit in der Berliner Normannenstraße zu sehen ist. Michael Martius denkt außerdem an ein Professoren-Ranking. Schon Anfang 1993 hatte die LHG allen Jura-Studenten Fragebögen vorgelegt, auf denen sie ihre Professoren beurteilen konnten. Auf Spitzenplätzen landeten damals Detlev W Bel- ling und Jörn Eckert.
Außerdem möchte sich die LHG in die gerade anlaufende Diskussion über das Studi-Ticket einschalten. Es wird von der Potsdamer LHG mehrheitlich abgelehnt; sie bezeichnet den finanziellen Beitrag, den alle Studenten dafür leisten sollen, als „Zwangsabgabe“. Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen setzt sich dagegen für die Studierenden-Semester- Fahrkarten ein, wenn sie billig genug sind, ohne zeitliche Begrenzung gelten und die Anbindung der jeweiligen Uni an den öffentlichen Personennahverkehr dadruch verbessert werde. Die Meinungsbildung in der Potsdamer LHG ist aber noch nicht abgeschlossen.
Bundesweit setzen sich 65 LHGs mit rund 1.000 Mitgliedern dafür ein, den Beamtenstatus von Professoren abzuschaffen und den Hochschulen mehr Autonomie zu geben. Zu lange Studienzeiten sind nach Einschätzung der Bundes-LHG Folge der Ineffizienz des Hochschulbetriebes. Es fehlten Plätze in Pflichtpraktika, und Studienleistungen nach Hochschulwechseln würden oft nicht anerkannt, Die Verwaltung sei aufgebläht und zu formell, das kameralisti- sche Haushaltsrecht behindere Innovationen. Es müsse erleichtert werden, für die Universitäten private Drittmittel zu beschaffen.
Eine Kandidatur für Uni-Gremien hält die Potsdamer LHG nach den Worten ihres Vorsitzenden für „nicht dringlich". Von einem Engagement der Gruppe bei der Studentenratswahl im November 1995 oder einer Kandidatur als Liste verspreche er sich nichts. Michael Martius sagt, „es ist im Moment wichtiger, weitere Mitglieder zu gewinnen.“ Es sei schade, daß bislang
fast nur Babelsberger Jura-Studenten in der LHG aktiv sind. Er würde sich über größeres Interesse bei Studenten aus Golm oder vom Neuen Palais freuen.
Wer sich für die LHG interessiert, kann sich direkt an Michael Martius (030/654 16 64) oder an Jan Matthes (0331/270 38 70) wenden. Oliver Braun
Wir würden in der PUTZ gerne weitere studentische Gruppierungen vorstellen. Wenn Sie sich an einer solchen Reihe beteiligen möchten, dann rufen Sie doch einfach einmal bei uns in der Redaktion unter der Telefonnummer 0331/ 977-1496, -1474 oder -1675 an. Hg.
IAESTE sucht Praktikumsstellen
Die International Association for the Exchange of Students for Technical Expe- riencelkurz: IAESTE), deren Aufgaben in Deutschland seit 1950 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wahrgenommen werden, hilft ausländischen Studierenden der Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Land- und Forstwirtschaft, in deutschen Betrieben, Hochschulen und Forschungseinrichtungen praktische Erfahrungen zu sammeln. Allein 1995 konnten mit IAESTE über 1.000 Praktikantinnen und Praktikanten aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Trotzdem finden bei weitem nicht alle Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland einen Praktikumsplatz. Der Vermittlungsservice des DAAD im IAESTE-Programm, das in Deutschland vom Auswärtigen Amt und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) finanziert und im Einvernehmen mit der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZÄV) durchgeführt wird, kostet die Arbeitgeber nichts. Arbeitgeber, die sich am IAESTE-Programm beteiligen möchten und im kommenden Jahr 1996 eine Praktikumsstelle für einen ausländischen Studierenden bereitstellen wollen, werden gebeten, sich an das Deutsche Komitee der IAESTE im DAAD, Postfach 20 04 04, 53134 Bonn, Telefon (0228)882-231, Telefax (0228)882-550, zu wenden. pm.
030/6946070
• Banddurchsagen Tag + Nacht!
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PUTZ 8/95