INTERPRETATION, STILISTIK UND SPIELTECHNIK
1. Meisterkurs für Gitarre und Kammermusik an der Universität Potsdam
Die Berliner Gitarristen Klaus und Rainer Feldmann waren Ende September zu Gast im Institut für Musik und Musikpädagogik. Das klassische Gitarrenduo spielt seit dem Studium an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ zusammen und konzertierte auf vielen bedeutenden Konzertbühnen Deutschlands. Umfangreiche künstlerische Verpflichtungen führten die Musiker in viele Länder Ost- und Westeuropas sowie 1991 erstmals in die USA und nach Kanada. Zeitgleich entstanden Schallplatten-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen. Ihr Repertoire reicht von Werken der Renaissance bis zur Gegenwart. Nach ihrer gemeinsamen Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ ist Rainer Feldmann nun Gastprofessor an der Hochschule der Künste Berlin, Klaus Feldmann Managing Director einer Schweizer Plattenfirma.
ler Dimension. Gekoppelt mit einem Wandel in den Formen der Ausbildung gäbe das die Hoffnung, daß die Schule erhalten bleibt, denn wer nicht über die Schule und das Wie und Warum“ von Pädagogik nachdenkt, hat die Zukunft der Schule schon abgeschrieben. Mathias Iven
Neil Postman, „Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung.“, Aus dem Amerikanischen von Angelika Friedrich, Berlin Verlag, Berlin 199S, 247 S., Hardcover, 36 DM.
Ausstellung künstlerischer Abschlußarbeiten
Freizeitpädagogikstudentinnen der Universität Potsdam zeigen ihre Arbeiten, die sie im Rahmen ihrer Abschlußprüfung im Wahlpflichtfach Kunsterziehung anfertigten, nichtnurim „stillen Kämmerlein“, sondern auch in der Öffentlichkeit. Ihre Mitte September 199S eröffnete Exposition - unser Bild zeigt Anja Durdelbei der Begrüßung - ist in der Universitätsbibliothek im Haus 22 des Universitätskomplexes Golm zu betrachten. Mit den ausgestellten Bildern, Fotos, Kostümen, Kulissen, Marionetten und Plastiken-über Aktionskunst und Großraumplastiken informieren Projektbeschreibungen - wollen sie verdeutlichen, welche künstlerisch-kreativen Tkchniken in der Fireizeit zur Anwendung kommen können. Die Studierenden hoffen, mit der Ausstellung zu dokumentieren, daß das Kunststudium viele Anregungen gegeben hat, die Möglichkeit bot, sich auszuprobieren, und dazu herausforderte zu experimentieren. B.E./Foto: zg.
Der Meisterkurs, den die beiden an der Universität Potsdam anboten, hatte u.a. das Ziel, Studierende aus der Sicht international renommierter Interpreten in besonderer Weise mit Fragen der Interpretation, Stilistik, Spieltechnik und des Zusammenspiels zu konfrontieren und Lösungsansätze zu diskutieren. Das Material bildeten vor allem von den Teilnehmern erarbeitete Solo- und Kammermusikwerke. Inhaltliche Schwerpunkte des Kurses waren Werke von Johann Sebastian Bach, Heitor Vil- la-Lobos sowie Musik zeitgenössischer Komponisten. Rainer Feldmann erprobte im morgendlichen „warm up“ das Wirken von mentalen Fähigkeiten auf die Ausdrucksstärke des realen Klanges. Aber auch Probleme der Tonerzeugung, Strukturen der vorgestellten Werke sowie spezielle Hinweise zu Tfechmk und Vortrag standen im Zentrum der Beschäftigung mit der Gitarre und ihrer Musik.
Das Konzept des Meisterkurses beschränkte sich nicht auf die Gitarrenmusik, sondern zeichnete auch Geschichte und Entwicklungslinien anderer Instrumentalmusik nach. Strukturelemente dazu waren vier Seminare, die den Kurs flankierend begleiteten. Rainer Feldmann sprach über Aspekte der Soloinstrumentalmusik von Johann Sebastian Bach. Dabei standen Überlegungen zur Analyse und Interpretation Bach'scher Musik an Hand der Sona
ten und Partiten für Violine solo im Mittelpunkt. Eine zweite Vorlesung hatte die Musik von Villa-Lobos zum Thema und untersuchte die Wechselwirkungen zwischen europäischen und ethnischen Einflüssen auf das Formprinzip der Werke dieses von 1887 bis 1959 lebenden brasilianischen Komponisten und Dirigenten. Klaus Feldmann stellte in seinem Seminar zum Thema „Szenische Kammermusik“ das Werk „Repertoire“ von Mauricio Kagel vor. In diesem szenischen Konzertstück tritt der Interpret als Musiker und Schauspieler auf die Bühne. Neue Musik und Darstellende Kunst vereinen sich in einem interessanten und vielschichtigen Gesamtkunstwerk. Ein eigens aus den Kursteilnehmern gegründetes Ensemble studierte die Komposition „ Minimalistisches “ von Klaus Feldmann ein. Sem Seminar „Entwicklung und Struktur repetitiver Musik“ widmete sich dem Gegenstand der minimalistischen Musik. Der Begriff „Minimal Musik" wurde in den späten sechziger Jahren auf die Arbeit einer jungen amerikanischen Komponistengruppe angewendet. Die Werke von Steve Reich, Tterry Riley, La Monte Young und Philip Glass zeichneten sich durch ihre „harmonisch simplifizierte Klarheit und ihren starken repetitiven Charakter aus“. Ziel war es, größtmögliche Einfachheit in der Struktur der Komposition zu erreichen, damit die Struktur hörbarer Bestandteil der Komposition wird. Der Zuhörer soll kreativ einbezogen werden sowie aktiv und schöpferisch an der Entwicklung der Musik teilnehmen.
Höhepunkte des Meisterkurses waren ohne Zweifel das Konzert des Duos Klaus und Rainer Feldmann sowie das abschließende Tteilnehmerkonzert. Die Programme umfaßten sowohl Werke von „Klassikern“ wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, John Dowland, Claude Debus- sy als auch Komponisten der Moderne, genannt seien hier nur Joaquin Rodrigo, Andre Asriel und Klaus Feldmann. Die feinfühlige Dramaturgie in der Programmkonzeption sowie die meisterhaften Interpretationen sorgten vor allem beim Feldmann- Konzert für ein begeistertes Publikum.
Andreas Bertheau
Foto: Trfbukeit
Klaus Feldmann (r.) mit dem Duo Kathleen Bauer (1.) und Ulrike Schulz (Mitte).
PUTZ 8/95
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