Heft 
(1.1.2019) 08
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INTERPRETATION, STILISTIK UND SPIELTECHNIK

1. Meisterkurs für Gitarre und Kammermusik an der Universität Potsdam

Die Berliner Gitarristen Klaus und Rainer Feldmann waren Ende September zu Gast im Institut für Musik und Musikpädagogik. Das klassische Gitarrenduo spielt seit dem Studium an der Berliner Hochschule für MusikHanns Eisler zusammen und konzer­tierte auf vielen bedeutenden Konzertbühnen Deutschlands. Umfangreiche künstle­rische Verpflichtungen führten die Musiker in viele Länder Ost- und Westeuropas so­wie 1991 erstmals in die USA und nach Kanada. Zeitgleich entstanden Schallplatten-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen. Ihr Repertoire reicht von Werken der Renais­sance bis zur Gegenwart. Nach ihrer gemeinsamen Lehrtätigkeit an der Hochschule für MusikHanns Eisler ist Rainer Feldmann nun Gastprofessor an der Hochschule der Künste Berlin, Klaus Feldmann Managing Director einer Schweizer Plattenfirma.

ler Dimension. Gekoppelt mit einem Wan­del in den Formen der Ausbildung gäbe das die Hoffnung, daß die Schule erhalten bleibt, denn wer nicht über die Schule und das Wie und Warum von Pädagogik nach­denkt, hat die Zukunft der Schule schon abgeschrieben. Mathias Iven

Neil Postman,Keine Götter mehr. Das Ende der Erziehung., Aus dem Amerika­nischen von Angelika Friedrich, Berlin Ver­lag, Berlin 199S, 247 S., Hardcover, 36 DM.

Ausstellung künstlerischer Abschlußarbeiten

Freizeitpädagogikstudentinnen der Universität Potsdam zeigen ihre Arbeiten, die sie im Rahmen ihrer Abschlußprüfung im Wahlpflichtfach Kunst­erziehung anfertigten, nichtnurimstillen Käm­merlein, sondern auch in der Öffentlichkeit. Ihre Mitte September 199S eröffnete Exposition - unser Bild zeigt Anja Durdelbei der Begrüßung - ist in der Universitätsbibliothek im Haus 22 des Universitätskomplexes Golm zu betrachten. Mit den ausgestellten Bildern, Fotos, Kostümen, Ku­lissen, Marionetten und Plastiken-über Aktions­kunst und Großraumplastiken informieren Pro­jektbeschreibungen - wollen sie verdeutlichen, welche künstlerisch-kreativen Tkchniken in der Fireizeit zur Anwendung kommen können. Die Studierenden hoffen, mit der Ausstellung zu do­kumentieren, daß das Kunststudium viele Anre­gungen gegeben hat, die Möglichkeit bot, sich auszuprobieren, und dazu herausforderte zu ex­perimentieren. B.E./Foto: zg.

Der Meisterkurs, den die beiden an der Universität Potsdam anboten, hatte u.a. das Ziel, Studierende aus der Sicht internatio­nal renommierter Interpreten in besonde­rer Weise mit Fragen der Interpretation, Sti­listik, Spieltechnik und des Zusammen­spiels zu konfrontieren und Lösungsan­sätze zu diskutieren. Das Material bildeten vor allem von den Teilnehmern erarbeite­te Solo- und Kammermusikwerke. Inhaltli­che Schwerpunkte des Kurses waren Wer­ke von Johann Sebastian Bach, Heitor Vil- la-Lobos sowie Musik zeitgenössischer Komponisten. Rainer Feldmann erprobte im morgendlichenwarm up das Wirken von mentalen Fähigkeiten auf die Aus­drucksstärke des realen Klanges. Aber auch Probleme der Tonerzeugung, Struk­turen der vorgestellten Werke sowie spezi­elle Hinweise zu Tfechmk und Vortrag stan­den im Zentrum der Beschäftigung mit der Gitarre und ihrer Musik.

Das Konzept des Meisterkurses be­schränkte sich nicht auf die Gitarrenmusik, sondern zeichnete auch Geschichte und Entwicklungslinien anderer Instrumental­musik nach. Strukturelemente dazu waren vier Seminare, die den Kurs flankierend begleiteten. Rainer Feldmann sprach über Aspekte der Soloinstrumentalmusik von Johann Sebastian Bach. Dabei standen Überlegungen zur Analyse und Interpreta­tion Bach'scher Musik an Hand der Sona­

ten und Partiten für Violine solo im Mittel­punkt. Eine zweite Vorlesung hatte die Musik von Villa-Lobos zum Thema und untersuchte die Wechselwirkungen zwi­schen europäischen und ethnischen Ein­flüssen auf das Formprinzip der Werke die­ses von 1887 bis 1959 lebenden brasiliani­schen Komponisten und Dirigenten. Klaus Feldmann stellte in seinem Seminar zum ThemaSzenische Kammermusik das WerkRepertoire von Mauricio Kagel vor. In diesem szenischen Konzertstück tritt der Interpret als Musiker und Schauspieler auf die Bühne. Neue Musik und Darstellende Kunst vereinen sich in einem interessanten und vielschichtigen Gesamtkunstwerk. Ein eigens aus den Kursteilnehmern ge­gründetes Ensemble studierte die Kompo­sition Minimalistisches von Klaus Feld­mann ein. Sem SeminarEntwicklung und Struktur repetitiver Musik widmete sich dem Gegenstand der minimalistischen Musik. Der BegriffMinimal Musik" wurde in den späten sechziger Jahren auf die Ar­beit einer jungen amerikanischen Kompo­nistengruppe angewendet. Die Werke von Steve Reich, Tterry Riley, La Monte Young und Philip Glass zeichneten sich durch ihre harmonisch simplifizierte Klarheit und ih­ren starken repetitiven Charakter aus. Ziel war es, größtmögliche Einfachheit in der Struktur der Komposition zu erreichen, damit die Struktur hörbarer Bestandteil der Komposition wird. Der Zuhörer soll kreativ einbezogen werden sowie aktiv und schöpferisch an der Entwicklung der Mu­sik teilnehmen.

Höhepunkte des Meisterkurses waren ohne Zweifel das Konzert des Duos Klaus und Rainer Feldmann sowie das abschlie­ßende Tteilnehmerkonzert. Die Programme umfaßten sowohl Werke vonKlassikern wie Johann Sebastian Bach, Georg Fried­rich Händel, John Dowland, Claude Debus- sy als auch Komponisten der Moderne, genannt seien hier nur Joaquin Rodrigo, Andre Asriel und Klaus Feldmann. Die fein­fühlige Dramaturgie in der Programmkon­zeption sowie die meisterhaften Interpre­tationen sorgten vor allem beim Feldmann- Konzert für ein begeistertes Publikum.

Andreas Bertheau

Foto: Trfbukeit

Klaus Feldmann (r.) mit dem Duo Kathleen Bauer (1.) und Ulrike Schulz (Mitte).

PUTZ 8/95

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