Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:
SCHADSTOFFE UNTER DER LUPE
Das Fraunhofer-Institut für Umweltchemie und Ökotoxikologie
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbarem Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über an anderen Standorten übliche Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z.B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau Interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max- Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer- Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das Fraunhofer-Institut für Umweltchemie und Ökotoxikologie wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.
Seit Anfang 1992 besitzt das Fraunhofer Institut für Umweltchemie und Ökotoxikologie (IUCT) mit Sitz in Nordrhein-Westfalen einen Ableger in Brandenburg: die Abteilung für Biochemische Ökotoxikologie in Potsdam. Sie ist aus dem Bereich Ernährungstoxikologie des damaligen Zentralinstituts für Ernährung (dem heutigen Deutschen Institut für Ernährungsforschung) hervorgegangen. Diese Institutserweiterung war durch das Bestreben der Fraunhofer Gesellschaft (FhG) motiviert, auch in den neuen Bundesländern präsent zu sein. Wie in allen Instituten der FhG wird auch hier anwendungsorientiert für öffentliche Auftraggeber und für Auftraggeber aus der Wirtschaft geforscht, so daß sich das Institut zu einem großen Tfeil selbst finanziert. Die Kooperation des IUCT mit der Universität Potsdam basiert auf der Mitgliedschaft von Prof. Dr. Manfred Kujawa, Leiter der Abteilung für Biochemische Ökotoxikologie, im Gründungssenat der Universität. Derzeit hält er für die Studenten und Studentinnen die Vorlesung „Organische Chemie für Geoöko- logen“ und betreut außerdem Doktoranden, die ihre Doktorarbeit am IUCT duchführen.
Brandenburger Böden auf dem Prüfstand
Ökotoxikologie definiert das „Handbuch für Ökotoxikologie" als die .Wissenschaft von
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der Verteilung und von den Wirkungen chemischer Substanzen auf Organismen, soweit daraus direkt oder indirekt Schäden für Natur und Mensch entstehen". Was sich so knapp in zwei Zeilen sagt, reicht von der Bestandsaufnahme einzelner Schadstoffe in Luft, Boden oder Wasser bis hm zur Entwicklung von Verfahren, durch die besonders stabile und schädliche Verbindungen für Mikroorganismen genießbar und dadurch von diesen abgebaut werden können. Dabei beschäftigt sich der Potsdamer Institutsteil des IUCT vor allem mit Vorgängen, die sich in Böden abspielen. Beispielsweise wurde kürzlich die Dioxinbelastung in einem Brandenburger Landkreis untersucht. Dazu wurden hundert Bodenproben aus Gebieten genommen, die unterschiedliche und teilweise hohe Dioxinkonzentrationen erwarten ließen, wie Kabelverbrennungsstellen auf Flugplätzen oder das Umland von Industriebetrieben mit vorwiegend betriebseigenen Heizungsanlagen. Aber auch Ackerflächen wurden untersucht, „Dabei haben wir festgestellt, daß die Böden hier gar nicht so belastet sind, wie immer angenommen wird. In den alten Bundesländern ist die Dioxinkonzentration an manchen Stellen viel höher", kommentiert Kujawa die Ergebnisse. Von Bedeutung sind solche Untersuchungen u.a. deshalb, weil bei der Nutzung von Flächen, beispielsweise für Spielplätze, die Bodenbelastung gemäß der Bundesrichtlinien unterhalb eines entsprechenden Grenzwertes liegen muß.
Was geschieht mit Pflanzenschutzmitteln im Boden?
Solche einmaligen Bestandsaufnahmen sind dann sinnvoll, wenn die Konzentration der Schadstoffe über längere Zeit gleich bleibt, d.h. wenn die Chemikalie sehr stabil ist. Im IUCT werden aber z.B. auch Untersuchungen durchgeführt, die für die Anmeldung neuer Pflanzenschutzmittel nötig sind. Pflanzenschutzmittel sollten von den Mikroorganismen im Boden möglichst rasch und vollständig abgebaut werden. Um diese Vorgänge verfolgen zu können, werden die Moleküle radioaktiv markiert, d.h. man ersetzt in den Molekülen bestimm
te Kohlenstoffatome durch radioaktive Kohlenstoffatome. Das so präparierte Pflanzenschutzmittel wird auf einem Ttestboden eingesetzt. Nach einiger Zeit werden in verschiedenen Tiefen Bodenproben entnommen und jeweils die Chemikalien herausgelöst (und dadurch der Abbau durch die Mikroorganismen gestoppt). Mit einem Geiger-Müller Zähler läßt sich dann feststellen, wie groß die Konzentration der radioaktiven Kohlenstoffatome zum Zeitpunkt der Probennahme in der entsprechenden Tiefe war, d.h. wie schnell die Chemikalien bzw.
deren Abbauprodukte im Boden gewandert sind. Um aussagen zu können, wie schnell und in welchem Umfang die Moleküle zersetzt wurden, werden Ausgangsstoff und Abbauprodukte getrennt und anschließend in einem Massenspektrometer analysiert. Bei einem Massenspektrometer nutzt man das unterschiedliche Molekulargewicht der einzelnen Substanzen aus. Zunächst ionisiert man die Moleküle und beschleunigt sie anschließend in einem elektrischen Feld. Am Ende des Spektrometers werden sie dann detektiert. Da die Moleküle umso stärker beschleunigt werden, je leichter sie sind, kommen die leichtesten Moleküle als erste an. Aus der Flugzeit läßt sich das Molekulargewicht berechnen und daraus die Zusammensetzung des Moleküls. (Zwar gibt es meistens verschiedene mögliche Zusammensetzungen, allerdings sind viele sehr unwahrscheinlich. Im Zweifelsfall müs-
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Gaschromatograph und Massenspektrometer gehören zum Handwerkszeug eines Ökotoxikologen. Dr. Thoralf Küchler analysierte mit ihrer Hilfe z.B. Brandenburgische Böden und promovierte darüber kürzlich als erster Potsdamer Doktorant am IUCT. Die Abbildung zeigt ihn bei einer typischen Handbewegung. Foto: Thbukeit