SUCHE NACH ANSCHLUSSFINANZIERUNG
Zum Stand des Wissenschaftler-Integrationsprogramms
Durch das Wissenschaftier-Integrationsprogramm (WIP) geförderte Wissenschaftler machten im Oktober 1995mit einer Mahnwache vordem Landtag in Potsdam auf ihre Situation aufmerksam; das Programm läuft zum 31. Dezember 1996 aus. Foto: Günther Faust
tssenscnoti
sen weitere Analysemethoden angewendet werden.) Um die Dynamik des Abbauprozesses vollständig verfolgen zu können, müssen über einen längeren Zeitraum immer wieder Proben entnommen und analysiert werden.
Aufgrund solcher Untersuchungen Grenzwerte für den Einsatz von Chemikalien festzulegen, ist jedoch schwierig, „Die Geschwindigkeit, mit der chemische Substanzen abgebaut werden, hängt natürlich auch noch von anderen Faktoren ab, vom ph-Wert und der Bodenzusammensetzung zum Beispiel", führt Kujawa aus, „auch mit solchen Problemen beschäftigen wir uns.“
Wie hoch ist die Umweltverträglichkeit der Abbauprodukte?
Da viele Stoffe unter normalen Bedingungen nicht vollständig (d.h. im wesentlichen zu Kohlendioxid und Wasser) abgebaut werden, ist die Umweltverträglichkeit der entsprechenden Abbauprodukte wichtig. In den Untersuchungen, die dazu am IUCT durchgeführt werden, impft man verschiedene lebende Kulturen, wie Algen, Bakterien oder Würmer, mit diesen Substanzen. Geht die Population gegenüber einer gleichartigen, ungestörten Kultur zurück, so schädigt das verwendete Abbauprodukt offenbar diese Organismen.
Was kann man aber mit chemisch verseuchten Böden machen? Die üblichen Methoden sind, sie zu waschen oder zu verbrennen. Aber das ist aufwendig und teuer. „Es gibt auch Versuche“, führt Kujawa aus, „gezielt für diesen Stoff geeignete Mikroorganismen dem Boden zuzufügen, aber oft können diese sich gegenüber den natürlich vorhandenen nicht durchsetzen und gehen ein.“ Zur Zeit läuft in seiner Abteilung ein Projekt, bei dem ein verseuchter Boden physiochemisch so aufbereitet werden soll, daß die dort lebenden Mikroorganismen die toxischen und sehr stabilen Verbindungen spalten und abbauen können. Genaueres dürfe er aber derzeit noch nicht sagen, da das Projekt noch nicht abgeschlossen sei, erklärt Kujawa. Das Verfahren soll anschließend patentiert werden.
Solange es noch Altlasten gibt oder neue Substanzen entwickelt werden, die auf irgendeine Weise auf Böden gelangen, solange wird es in der Abteilung Biochemische Ökotoxikologie des IUCT in Potsdam noch viel zu tun geben. Sei es, daß Meß- und Analyseverfahren entwickelt oder Grenzwerte ermittelt, Wechselwirkungen mit anderen Bodensubstanzen oder Abbaumechanismen untersucht werden. Neugierige Studenten und Studentinnen können als Praktikanten gerne etwas tiefer in diese Materie hineinschnuppern, und wer sich intensiver mit solchen Fragen auseinandersetzen will, sollte vielleicht über eine Diplomarbeit an dem Institut nachdenken. ade
Im Einzelfall soll auch nach 1996 eine Förderung für Personen und Gruppen, die derzeit noch im Rahmen des Wissen- schaftler-Integrationsprogramms (WIP) eingebunden sind, möglich sein. Dies erklärte kürzlich der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche, auf einer Landtagssitzung, die sich u.a. mit einer möglichen Anschlußfinanzierung für das WIP befaßte. Sein Ministerium sehe dafür Chancen, innerhalb des Hochschulsonderprogramms (HSP) III eine Reihe von Maßnahmen entsprechend flexibel zu nutzen.
Für diese aus der aufgelösten DDR-Akade- mie kommenden, positiv evaluierten Wissenschaftler, insbesondere Naturwissenschaftler, stellten der Bund und die Länder von 1991 bis 1996 rund 600 Mio DM zur Verfügung, um ihre weitere Forschungstätigkeit zu sichern. Im Jahre 1996 werden etwa 30 Mio DM für das Land Brandenburg zur Ausfinanzierung des WIP bereitstehen, ungehindert der Tätsache, daß das HSP III bereits 1996 beginnt. Damit sei die Weiterförderung der begonnenen Maßnahmen auch im kommenden Jahr gesichert und die Möglichkeit gegeben, die mit dem WIP beabsichtigte Integration dieser Wissenschaftler in hochschulübliche Strukturen zu verfolgen, so Minister Reiche.
Das erforderte „einerseits ein ernsthaftes Bemühen der Hochschulen, unter Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Verfahren die Eignung von WIPianern im Rahmen von Stellenbesetzungsverfahren bei vorliegender Bewerbung zu prüfen. Andererseits sind auch WIPianer zu mehr Flexibilität und Mobilität aufgerufen 11 . Es sei bereits jetzt einem nicht zu unterschätzenden Anteil von
Projektleitern gelungen, in beträchtlichem Ausmaß Drittmittel einzuwerben und teilweise sogar weitere Personen zu finanzieren. So werde es auf die Aufgeschlossenheit der großen Förderinstitutionen ankommen, nach 1996 auch eine Selbstfinanzierung der Antragsteller zu ermöglichen. Der Minister sicherte der Universität Potsdam Unterstützung bei den mit den Drittmittelgebern bereits begonnenen Gesprächen zu.
Die Bund-Länder-Kommission (BLK) beschloß nun, ab 1997 für vier Jahre innovative Gruppen mit 100 Mio DM, je zur Hälfte von Bund und Ländern, weiterzufinanzieren. Mit dieser Sockeifinanzierung sollen Forschergruppen und Einzelforschern die Voraussetzungen gegeben werden, den bei den Drittmittelgebern geforderten Eigenanteil vorweisen zu können.
Bereits im September 1995 wandten sich der damalige Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Rolf Mitzner, und der Kanzler, Alfred Klein, mit einem Brief an alle mit der Hochschule verbundenen WIPianer. In ihm schlugen sie den Wissenschaftlern Möglichkeiten für Aktivitäten zur Inangriffnahme von Tätigkeiten nach dem 31. Dezember 1996 vor: Ausgründung durch Einzelpersonen oder Forschergruppen, Kontaktaufnahme zu einem Professor der Universität Potsdam zur Betreuung von Projekten, Nutzung der Förderverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Fachprogramme und Sondermaßnahmen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie deutscher Stiftungen, Fördermaßnahmen der Europäischen Union. In Einzelfällen könne die Möglichkeit einer „Forschergruppe" (auch Einzelwis- senschaftler) bzw. eines An-Institutes an der Universität Potsdam geprüft werden. B.E.
PUTZ 9/95
Seite 19