Heft 
(1.1.2019) 09
Einzelbild herunterladen

SUCHE NACH ANSCHLUSSFINANZIERUNG

Zum Stand des Wissenschaftler-Integrationsprogramms

Durch das Wissenschaftier-Integrationsprogramm (WIP) geförderte Wissenschaftler machten im Oktober 1995mit einer Mahnwache vordem Landtag in Potsdam auf ihre Situation aufmerksam; das Programm läuft zum 31. Dezember 1996 aus. Foto: Günther Faust

tssenscnoti

sen weitere Analysemethoden angewendet werden.) Um die Dynamik des Abbau­prozesses vollständig verfolgen zu können, müssen über einen längeren Zeitraum im­mer wieder Proben entnommen und analy­siert werden.

Aufgrund solcher Untersuchungen Grenz­werte für den Einsatz von Chemikalien fest­zulegen, ist jedoch schwierig,Die Ge­schwindigkeit, mit der chemische Substan­zen abgebaut werden, hängt natürlich auch noch von anderen Faktoren ab, vom ph-Wert und der Bodenzusammensetzung zum Bei­spiel", führt Kujawa aus,auch mit solchen Problemen beschäftigen wir uns.

Wie hoch ist die Umweltverträglichkeit der Abbauprodukte?

Da viele Stoffe unter normalen Bedingun­gen nicht vollständig (d.h. im wesentlichen zu Kohlendioxid und Wasser) abgebaut werden, ist die Umweltverträglichkeit der entsprechenden Abbauprodukte wichtig. In den Untersuchungen, die dazu am IUCT durchgeführt werden, impft man verschie­dene lebende Kulturen, wie Algen, Bakteri­en oder Würmer, mit diesen Substanzen. Geht die Population gegenüber einer gleichartigen, ungestörten Kultur zurück, so schädigt das verwendete Abbauprodukt offenbar diese Organismen.

Was kann man aber mit chemisch ver­seuchten Böden machen? Die üblichen Methoden sind, sie zu waschen oder zu verbrennen. Aber das ist aufwendig und teuer.Es gibt auch Versuche, führt Kujawa aus,gezielt für diesen Stoff geeignete Mi­kroorganismen dem Boden zuzufügen, aber oft können diese sich gegenüber den natür­lich vorhandenen nicht durchsetzen und gehen ein. Zur Zeit läuft in seiner Abteilung ein Projekt, bei dem ein verseuchter Boden physiochemisch so aufbereitet werden soll, daß die dort lebenden Mikroorganismen die toxischen und sehr stabilen Verbindun­gen spalten und abbauen können. Genaue­res dürfe er aber derzeit noch nicht sagen, da das Projekt noch nicht abgeschlossen sei, erklärt Kujawa. Das Verfahren soll an­schließend patentiert werden.

Solange es noch Altlasten gibt oder neue Substanzen entwickelt werden, die auf ir­gendeine Weise auf Böden gelangen, solan­ge wird es in der Abteilung Biochemische Ökotoxikologie des IUCT in Potsdam noch viel zu tun geben. Sei es, daß Meß- und Analyseverfahren entwickelt oder Grenz­werte ermittelt, Wechselwirkungen mit an­deren Bodensubstanzen oder Abbaume­chanismen untersucht werden. Neugierige Studenten und Studentinnen können als Praktikanten gerne etwas tiefer in diese Materie hineinschnuppern, und wer sich intensiver mit solchen Fragen auseinander­setzen will, sollte vielleicht über eine Diplom­arbeit an dem Institut nachdenken. ade

Im Einzelfall soll auch nach 1996 eine För­derung für Personen und Gruppen, die derzeit noch im Rahmen des Wissen- schaftler-Integrationsprogramms (WIP) eingebunden sind, möglich sein. Dies erklärte kürzlich der Minister für Wissen­schaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche, auf einer Landtagssitzung, die sich u.a. mit einer möglichen Anschlußfinanzierung für das WIP befaßte. Sein Ministerium sehe dafür Chancen, innerhalb des Hochschulson­derprogramms (HSP) III eine Reihe von Maßnahmen entsprechend flexibel zu nutzen.

Für diese aus der aufgelösten DDR-Akade- mie kommenden, positiv evaluierten Wis­senschaftler, insbesondere Naturwissen­schaftler, stellten der Bund und die Länder von 1991 bis 1996 rund 600 Mio DM zur Verfügung, um ihre weitere Forschungs­tätigkeit zu sichern. Im Jahre 1996 werden etwa 30 Mio DM für das Land Brandenburg zur Ausfinanzierung des WIP bereitstehen, ungehindert der Tätsache, daß das HSP III bereits 1996 beginnt. Damit sei die Weiter­förderung der begonnenen Maßnahmen auch im kommenden Jahr gesichert und die Möglichkeit gegeben, die mit dem WIP beabsichtigte Integration dieser Wissen­schaftler in hochschulübliche Strukturen zu verfolgen, so Minister Reiche.

Das erforderteeinerseits ein ernsthaftes Bemühen der Hochschulen, unter Einhal­tung gesetzlich vorgeschriebener Verfahren die Eignung von WIPianern im Rahmen von Stellenbesetzungsverfahren bei vorliegen­der Bewerbung zu prüfen. Andererseits sind auch WIPianer zu mehr Flexibilität und Mobilität aufgerufen 11 . Es sei bereits jetzt einem nicht zu unterschätzenden Anteil von

Projektleitern gelungen, in beträchtlichem Ausmaß Drittmittel einzuwerben und teil­weise sogar weitere Personen zu finanzie­ren. So werde es auf die Aufgeschlossen­heit der großen Förderinstitutionen ankom­men, nach 1996 auch eine Selbstfinanzie­rung der Antragsteller zu ermöglichen. Der Minister sicherte der Universität Potsdam Unterstützung bei den mit den Drittmittel­gebern bereits begonnenen Gesprächen zu.

Die Bund-Länder-Kommission (BLK) be­schloß nun, ab 1997 für vier Jahre innovati­ve Gruppen mit 100 Mio DM, je zur Hälfte von Bund und Ländern, weiterzufinan­zieren. Mit dieser Sockeifinanzierung sol­len Forschergruppen und Einzelforschern die Voraussetzungen gegeben werden, den bei den Drittmittelgebern geforderten Ei­genanteil vorweisen zu können.

Bereits im September 1995 wandten sich der damalige Rektor der Universität Pots­dam, Prof. Dr. Rolf Mitzner, und der Kanzler, Alfred Klein, mit einem Brief an alle mit der Hochschule verbundenen WIPianer. In ihm schlugen sie den Wissenschaftlern Mög­lichkeiten für Aktivitäten zur Inangriffnahme von Tätigkeiten nach dem 31. Dezember 1996 vor: Ausgründung durch Einzelperso­nen oder Forschergruppen, Kontaktaufnah­me zu einem Professor der Universität Pots­dam zur Betreuung von Projekten, Nutzung der Förderverfahren der Deutschen For­schungsgemeinschaft, Fachprogramme und Sondermaßnahmen des Bundesministeri­ums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie deutscher Stiftun­gen, Fördermaßnahmen der Europäischen Union. In Einzelfällen könne die Möglichkeit einerForschergruppe" (auch Einzelwis- senschaftler) bzw. eines An-Institutes an der Universität Potsdam geprüft werden. B.E.

PUTZ 9/95

Seite 19