Heft 
(1.1.2019) 01
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IDEOLOGISCHER" UMGANG HUBEN WIE DRÜBEN

Anna Seghers - eine Tagung an der Universität Potsdam

Es ist schon merkwürdig. Da meint man, die Anna Seghers und ihre Texte ziemlich gut zu kennen und wird doch immer wieder überrascht, welche interessanten neuen Blicke sich auf die Autorin und ihr Werk ergeben. Im November letzten Jahres fand die 5. Jahrestagung der Anna Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V statt. Den Auftakt bildete die Verleihung des Anna Seghers-Preises durch ihre Kinder, Ruth und Pierre Radvanyi, im Literarischen Colloquium in Berlin-Wannsee. Den Preis erhielt in diesem Jahr Ma­rion Tietze. Danach begann dann die internationale wissenschaftliche Konferenz an der Universität Potsdam zum Thema: Anna Seghers Firauenbilder.

Die Eröffnungsreden und Grußworte mach­ten dabei deutlich, daß diese internationa­le Konferenz für das Institut für Germanistik, für die Universität und für die Städte Pots­dam und Berlin ein wichtiges kulturelles Ereignis war. So unterschiedlich die Refe- rentmnen aus Italien, Kroatien, den USA und Deutschland, so vielfältig die Zugänge zum Thema. In einer Reihe von Beiträgen wurde Anna Seghers in verschiedene Kontexte gestellt, um das ihr Eigene deutlicher her-

Auch der Sohn Anna Seghers', Pierre Radvanyi, kam zur Thgung nach Potsdam. . Foto: Fritze

vortreten zu lassen. Hilke Veth (Hamburg) referierte über Schriftstellerinnen in der Weimarer Republik, die neben der Seghers agierten. Beate Schmeichel-Falkenberg (Möllingen) entwarf Bilder der Situation, in der sich Frauen im Exil befanden. Sie zeig­te deren besondere Schwierigkeiten, aber auch die praktische und damit produktive Bewältigung der Exilsituation durch Hauen. Interessante Einblicke ergaben sich auch in dem Beitrag von Christiane Zehl Romero (Massachusetts, USA), die Anna Seghers und Simone de Beauvoir vergleichend ne­beneinander stellte.

Ein zweiter thematischer Schwerpunkt galt den sich in den Tbxten der Seghers offen­barenden Frauenbildern. Unter diesem Aspekt untersuchten Simonetta Sanna (Sassari, Italien)Der Ausflug der toten Mädchen, Eva Kaufmann (Berlin)Sagen

von Artomis,Transit undDie Toten bleiben jung, Ute Karlavans (Kastav, Kroatien)

Das wirkliche Blau". Sehr anre­gend in diesem Zu­sammenhang er­schienen die Aus­führungen von Mar- gnd Bircken (Pots­dam). Beobachtun­gen und Deutungsvor­schläge zur Namens­gebung der Frauenfiguren bei Seghers stellte sie unter das ThemaMarie(n)bilder m Seghers frühen Erzählungen".

Schließlich ging es in einer Po­diumsdiskussion um Seghers-Bilder in der Schule, um Rezeptionsweisen, Umgangs­weisen mit der Autorin Anna Seghers in der DDR und der Bundesrepublik vor 1989 und um Unterrichtsprojekte, die heute von Leh­rerinnen, Lehrern und Schülern in Ost und West unternommen werden. Hartmut Jonas z.B. hatte Lehrpläne und Unterrichtshilfen der DDR aus den vergangenen 30 Jahren untersucht und festgestellt, daß trotz einer sich herausbildenden interessanten Seg- hers-Philologie der Diskurs in der Schule immer von schulpolitischen Setzungen überformt wurde. So fanden strukturalisti- sche oder rezeptionsästhetische Orientie­rungen der Literaturwissenschaft keinen Eingang in die Lehrpläne. In der Debatte mit den Lehrern, die sich in der DDR um Anna Seghers 1 Werke bemüht hatten, wur­de aber deutlich, daß dieinszenierte Wirk­lichkeit der Lehrpläne und Unterrichts­hilfen ergänzt werden müßte um die empi­rische Dimension des Schulalltags.

Aus westdeutscher Sicht stellten sich die Schwierigkeiten im Umgang mit der Seghers anders dar. Im Vortrag von Christa Degemann, die Lesebücher untersucht hat­te, wurde deutlich, daß auch hier einideo­logischer Umgang eine produktive Ausein­andersetzung eher verstellt bzw. durch Nicht-Anwesenheit literarischer Texte von Seghers gar nicht erst ermöglicht hatte. Die Ausstellung zum 95. Geburtstag der SchnftstellerinAnna Seghers - Werk und Bild in der Stadt- und Landesbibliothek be­gleitete die Tägung. Für die Ausstellung

konnten Frank Wagner und Margrid Bircken auf Erstausgaben der Seghers-Ge- denkstätte und des Archivs der AdK Berlin und Branden­burg zurückgreifen, auch auf Privatfotos der Tochter, die zum Tteil erstmals öffent­lich gezeigt wurden. Eine Lesung mit Marga­rete Hannsmann und die Vorführung des FilmsIm Exil in Mexiko rundeten die Tä­gung ab, bei deren Organisa­tion und Durchführung sich vor allem Mitarbeiter derAb­teilung Literaturwissenschaft im Institut für Germanistik der Philosophischen Fakultät I und namentlich Dr. Margrid Bircken hervor­getan haben. Dr. Bircken wurde darüber hinaus in den Vorstand der Anna Seghers- Gesellschaft gewählt.

Marianne Lüdecke

EUROPÄISCHE

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Die Fakultät für Kultur und Fremdsprachen der französischen Universität Amiens und die Philo­sophische Fakultät I der Universität Potsdam arbeiten künftig auf der Grundlage eines Ko­operationsvertrages zusammen. Die Dekane beider Fakultäten, Prof. Dr. Jacques Darras (links) und Prof. Dr. Knut Kiesant, Unterzeich­neten kürzlich den Vertrag in Potsdam. An­wesend war gleichfalls die Leiterin des Centre d Etudes Medievales, Prof. Dr. Danielle Buschmger (rechts), aus Amiens. Wie sie hat auch Prof. Dr. Hans-Jürgen Bachorski, Inhaber des Lehrstuhls für Mediävistik/Altere deutsche Literatur des Institutes für Germanistik der

Netty Reilmg - die spätere Anna Seghers - mit ihrer Mutter Hedwig, geb. Fuld. Repro: Fritze

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