BEGEGNUNG MIT SPRACHEN IN GRUNDSCHULEN
Ministerium und Forschungsgruppe veranstalteten gemeinsame Konferenz
Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) wurde 1992 vom Bildungsausschuß des Brandenburger Landtages beauftragt, ein Konzept des fremdsprachlichen Lernens für Grundschulen des Landes zu entwickeln. Ausgehend von den pädagogischen Intentionen, kindorientiertes, handlungsorientiertes und ganzheitliches Lernen zu fördern, fiel die Entscheidung für ein begegnungssprachliches Modell. In das mit dem Schuljahr 1993/94 beginnende Projekt wurden zunächst neun Grundschulen des Landes mit den Sprachen französisch, Englisch, Pol
nisch und Russisch einbezogen. Die wissenschaftliche Begleitung leistete eine Forschungsgruppe des Institutes für Grundschulpädagogik der Philosophischen Fakultät II der Potsdamer Universität. Ihr gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Bereiche des Instituts an. Im Dezember letzten Jahres wurde das Projekt nun auf einer Konferenz vor allem von Schulleitern, Lehrern, schulinternen Fortbildnern, Schulaufsichtsbehörden und Verantwortlichen des Pädagogischen Landesinstitutes Brandenburg (PLIB) im Wortsinn „in frage gestellt“.
Zukunftsweisender Weg für die Grundschule? Bei Danuta Mikolajczyk gibt es weder Zensuren noch Hausaufgaben, dafür aber jede Menge Spaß. Abb.: Wendland
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Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Forschungsgruppe, Prof. Dr. Ursula Drews, dem Verlesen einer Grußbotschaft des Dekans der Philosophischen Fakultät II, Prof. Dr. Jürgen Rode, und der Eröffnung der Konferenz durch die Projektverantwortliche im MBJS, Hannelore Schink, trug Dr. Renate Heusinger den Zwischenbericht der wissenschaftlichen Begleitung vor. Dieser Bericht, der die Schuljahre 1993/94 und 1994/ 95 umfaßt, enthält durch genaue Prozeßanalyse gewonnene empirische Daten, die Rückschlüsse zulassen auf notwendige Lehrerqualifikationen, fördernde und hemmende Faktoren in der Sprachbegegnung, wirksame methodische Varianten der Umsetzung sowie auf wesentliche einstellungsbildende Faktoren der Kinder, Lehrer und Eltern. Dem Bericht und den engagierten Beiträgen von Projektlehrerinnen und Mitgliedern der Forschungsgruppe schlossen sich Diskussionen an, die über das Plenum hinaus in den Pausen weitergeführt wurden. Es ging um Fragen der Gestaltung einer
DIMENSIONEN
Universität Potsdam, großen Anteil am Zustandekommen dieser Zusammenarbeit Mit dem Abkommen wurde der Aufbau gegenseitiger Beziehungen auf den Gebieten von Forschung und Lehre zunächst in den Bereichen Germanistik, Anglistik und Amerikanistik sowie Romanistik beschlossen. Gefördert werden soll der Austausch von Wissenschaftlern zur Durchführung von Kursen, Vorträgen und Forschungsseminaren, von Doktoranden, Assistenten oder bereits promovierten wissenschaftlichen Mitarbeitern für Forschungs- und Fortbildungsaufenthalte und nicht zuletzt von Studierenden. Angestrebt werden des weiteren die Bildung gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeitsgruppen, die Erstellung von Forschungsprogrammen sowie Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Insbesondere der Austausch trage zur Gestaltung der Zukunft Europas bei, so Jacques Darras. Bereits im April 1996 kommen die ersten 50 Studierenden der Universität Amiens, gefördert durch das Deutsch-Französische Jugendwerk, zum Kennenlernen der deutschen Sprache und Kultur nach Potsdam. Studierende aus Potsdam erhalten dann 1997 die Möglichkeit, innerhalb ihres Studiums Ausländserfahrungen zu sammeln.
B.E./Foto: Thibukeit
grundschulgemäßen Begegnung der Kinder mit einer anderen Sprache, der Erziehung der Kinder zu Toleranz und zur Neugier auf fremde Lebensweisen und andere Kulturen.
Sehr schnell wurde der Stellenwert des Projekts im Hinblick auf interkulturelles Lernen, die Verbindung zu „Brandenburger Schulen auf dem Weg zu Europa“ oder der Bezug zum Projekt LER (für „Lebensgestaltung - Ethik - Religionen") deutlich. Bei allen noch bestehenden Problemen, zu denen an einigen Schulen beispielsweise auch die Organisation von authentischen Begegnungen der Kinder mit ihrer Begegnungssprache oder die noch nicht hinreichende sprachliche Qualifikation der Lehrer gehören, bestätigen die bisher vorliegenden Ergebnisse und Erfahrungen:
Die Begegnung mit fremden Sprachen und Kulturen in der Grundschule läßt sich nicht auf eine Integration der Themenfelder in die Lernbereiche reduzieren. Nicht die soziale Gruppe (Klasse) allem, sondern die Schule mit ihren Verbindungen zum Gemeinwesen muß der Gestaltungsrahmen sein, in dem sich „Begegnungen“ verwirk- liehen. Will man Kindern helfen, sich Zugänge zu fremden Sprachen und Kulturen zu erschließen, so muß man ihnen ein mehrperspektivisches, handelndes und entdeckendes Lernen ermöglichen.
Prof. Dr. Drews schlug in ihrem Beitrag die
Brücke zwischen Begegnung mit einer fremden Sprache in der Grundschule und Reform von Grundschule und Grundschulunterricht. Sie wies nach, daß mit traditionellen Unterrichtsformen und Methoden allein und ohne fächerübergreifendes Denken das Ziel des Projekts nicht erreicht werden kann. Kindgemäßes Lernen, ele- mentarisierte Lerninhalte, spielerische Lern- und Arbeitsformen, die Teilnahme aller Schüler und der Verzicht auf eine Leistungsbewertung sind Kennzeichen für den situativen und mtegrativen Ansatz des Projekts. Will Grundschule heute lebensnahes Lernen ermöglichen, muß sie sich nach außen hin öffnen. Die Integration des Schulumfeldes in den Unterricht macht schulisches Lernen lebendig und abwechslungsreich. Davon zeugten nicht zuletzt eine Posterpräsentation am Rande der Konferenz mit Lern- und Arbeitsergebnissen der Kinder aus den vier gewählten Begegnungssprachen und eine Videoschleife mit Zeichnungen der Kinder, die die jeweilige Begegnungssprache erkennen ließen und gleich zu Beginn der Konferenz für die richtige Atmosphäre sorgte. Die Untersuchungen werden jedenfalls fortgesetzt. Sollte sich das Land für eine Realisierung des Begegnungskonzepts entscheiden, müßten allerdings - soviel steht schon fest - auch entsprechende Mittel für die Lehrerbildung bereitgestellt werden. Karin Becher
PUTZ 1/96
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