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(1.1.2019) 01
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BEGEGNUNG MIT SPRACHEN IN GRUNDSCHULEN

Ministerium und Forschungsgruppe veranstalteten gemeinsame Konferenz

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) wurde 1992 vom Bildungsausschuß des Brandenburger Landtages be­auftragt, ein Konzept des fremdsprachlichen Lernens für Grund­schulen des Landes zu entwickeln. Ausgehend von den pädago­gischen Intentionen, kindorientiertes, handlungsorientiertes und ganzheitliches Lernen zu fördern, fiel die Entscheidung für ein begegnungssprachliches Modell. In das mit dem Schuljahr 1993/94 beginnende Projekt wurden zunächst neun Grundschu­len des Landes mit den Sprachen französisch, Englisch, Pol­

nisch und Russisch einbezogen. Die wissenschaftliche Beglei­tung leistete eine Forschungsgruppe des Institutes für Grundschulpädagogik der Philosophischen Fakultät II der Pots­damer Universität. Ihr gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbei­ter aller Bereiche des Instituts an. Im Dezember letzten Jahres wurde das Projekt nun auf einer Konferenz vor allem von Schul­leitern, Lehrern, schulinternen Fortbildnern, Schulaufsichtsbe­hörden und Verantwortlichen des Pädagogischen Landes­institutes Brandenburg (PLIB) im Wortsinnin frage gestellt.

Zukunftsweisender Weg für die Grundschule? Bei Danuta Mikolajczyk gibt es weder Zensuren noch Hausaufgaben, dafür aber jede Menge Spaß. Abb.: Wendland

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Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Forschungsgruppe, Prof. Dr. Ursula Drews, dem Verlesen einer Grußbotschaft des De­kans der Philosophischen Fakultät II, Prof. Dr. Jürgen Rode, und der Eröffnung der Konferenz durch die Projektverantwortliche im MBJS, Hannelore Schink, trug Dr. Rena­te Heusinger den Zwischenbericht der wis­senschaftlichen Begleitung vor. Dieser Be­richt, der die Schuljahre 1993/94 und 1994/ 95 umfaßt, enthält durch genaue Prozeß­analyse gewonnene empirische Daten, die Rückschlüsse zulassen auf notwendige Lehrerqualifikationen, fördernde und hem­mende Faktoren in der Sprachbegegnung, wirksame methodische Varianten der Um­setzung sowie auf wesentliche einstellungs­bildende Faktoren der Kinder, Lehrer und Eltern. Dem Bericht und den engagierten Beiträgen von Projektlehrerinnen und Mit­gliedern der Forschungsgruppe schlossen sich Diskussionen an, die über das Plenum hinaus in den Pausen weitergeführt wurden. Es ging um Fragen der Gestaltung einer

DIMENSIONEN

Universität Potsdam, großen Anteil am Zustan­dekommen dieser Zusammenarbeit Mit dem Abkommen wurde der Aufbau gegen­seitiger Beziehungen auf den Gebieten von Forschung und Lehre zunächst in den Bereichen Germanistik, Anglistik und Amerikanistik sowie Romanistik beschlossen. Gefördert werden soll der Austausch von Wissenschaftlern zur Durch­führung von Kursen, Vorträgen und Forschungs­seminaren, von Doktoranden, Assistenten oder bereits promovierten wissenschaftlichen Mit­arbeitern für Forschungs- und Fortbildungs­aufenthalte und nicht zuletzt von Studierenden. Angestrebt werden des weiteren die Bildung gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeitsgrup­pen, die Erstellung von Forschungsprogram­men sowie Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Insbesondere der Austausch trage zur Gestaltung der Zukunft Europas bei, so Jacques Darras. Bereits im April 1996 kommen die ersten 50 Studierenden der Universität Amiens, gefördert durch das Deutsch-Französische Jugendwerk, zum Ken­nenlernen der deutschen Sprache und Kultur nach Potsdam. Studierende aus Potsdam erhal­ten dann 1997 die Möglichkeit, innerhalb ihres Studiums Ausländserfahrungen zu sammeln.

B.E./Foto: Thibukeit

grundschulgemäßen Begegnung der Kin­der mit einer anderen Sprache, der Erzie­hung der Kinder zu Toleranz und zur Neu­gier auf fremde Lebensweisen und andere Kulturen.

Sehr schnell wurde der Stellenwert des Pro­jekts im Hinblick auf interkulturelles Ler­nen, die Verbindung zuBrandenburger Schulen auf dem Weg zu Europa oder der Bezug zum Projekt LER (fürLebensgestal­tung - Ethik - Religionen") deutlich. Bei al­len noch bestehenden Problemen, zu de­nen an einigen Schulen beispielsweise auch die Organisation von authentischen Begegnungen der Kinder mit ihrer Begeg­nungssprache oder die noch nicht hinrei­chende sprachliche Qualifikation der Leh­rer gehören, bestätigen die bisher vorlie­genden Ergebnisse und Erfahrungen:

Die Begegnung mit fremden Sprachen und Kulturen in der Grundschule läßt sich nicht auf eine Integration der Themenfelder in die Lernbereiche reduzieren. Nicht die soziale Gruppe (Klasse) allem, sondern die Schu­le mit ihren Verbindungen zum Gemeinwe­sen muß der Gestaltungsrahmen sein, in dem sichBegegnungen verwirk- liehen. Will man Kindern helfen, sich Zugänge zu fremden Sprachen und Kulturen zu erschlie­ßen, so muß man ihnen ein mehrperspek­tivisches, handelndes und entdeckendes Lernen ermöglichen.

Prof. Dr. Drews schlug in ihrem Beitrag die

Brücke zwischen Begegnung mit einer fremden Sprache in der Grundschule und Reform von Grundschule und Grundschul­unterricht. Sie wies nach, daß mit traditio­nellen Unterrichtsformen und Methoden allein und ohne fächerübergreifendes Den­ken das Ziel des Projekts nicht erreicht werden kann. Kindgemäßes Lernen, ele- mentarisierte Lerninhalte, spielerische Lern- und Arbeitsformen, die Teilnahme aller Schüler und der Verzicht auf eine Leistungsbewertung sind Kennzeichen für den situativen und mtegrativen Ansatz des Projekts. Will Grundschule heute lebensna­hes Lernen ermöglichen, muß sie sich nach außen hin öffnen. Die Integration des Schul­umfeldes in den Unterricht macht schuli­sches Lernen lebendig und abwechslungs­reich. Davon zeugten nicht zuletzt eine Posterpräsentation am Rande der Konferenz mit Lern- und Arbeitsergebnissen der Kin­der aus den vier gewählten Begegnungs­sprachen und eine Videoschleife mit Zeich­nungen der Kinder, die die jeweilige Begegnungssprache erkennen ließen und gleich zu Beginn der Konferenz für die rich­tige Atmosphäre sorgte. Die Untersuchun­gen werden jedenfalls fortgesetzt. Sollte sich das Land für eine Realisierung des Begegnungskonzepts entscheiden, müßten allerdings - soviel steht schon fest - auch entsprechende Mittel für die Lehrerbildung bereitgestellt werden. Karin Becher

PUTZ 1/96

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