Heft 
(1.1.2019) 01
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in einem Pilotversuch Pullover oder Kom­missionstrikots mit eindeutiger Kennzeich­nung aus gibt.

Unwissende: Und der Mittelbau? Kompromiesel: Ja, auch hier bedarf es ei­ner gewissen Schulung, insbesondere, was das Protokollwesen anlagt: wenn von einer fünfstündigen Sitzung schließlich nur ein nacktes, anderthalbseitiges sogenanntes Beschlußprotokoll bleibt, so muß man sich doch einmal ganz grundsätzlich fragen, wie denn später Historiker und Hagiographen sich eines Täges ein angemessenes Bild von unserer Arbeit werden machen können. Die feinziselierten Argumente, die harmo­nisch-kontroverse Diskussion, Nuancen und Facetten des spiralig-zirkulären Mei­nungsbildungsprozesses, alles das geht dann - um das einmal so plastisch zu sagen -den Bach runter.

Unwissende: Gibt es denn auch in

Professorenkreisen...

Kompromiesel: Ich will das hier einmal ganz offen ansprechen, auch wenn ich manchem dadurch als Nestbeschmutzer erscheinen mag: gerade hier mangelt es trotz all dieser Doktor-Titel an ganz elemen­taren Kenntnissen...

Unwissende: Ein schwerer, sicher unbe­gründeter Vorwurf!

Kompromiesel: ... in erster Hilfe. Wir erle­ben immer wieder, daß Antragsteller unter Schwindelanfällen leiden oder leichtere Herzinsuffizienzen auftreten, nur weil die Kommission z.B. einige geringfügige Aufla­gen bei der sechsten Lesung einer Studien­oder Prüfungsordnung, die bereits drei an­dere Kommissionen mit einigen Änderun­gen und gegenteiligen Auflagen fast pas­sierte, macht. Auch psychische Komplika­tionen können auftreten: mancher fühlt sich leider allzu leicht erniedrigt, nur weil die Kommission bei aller kollegialen Sympathie für ein Fach diesen oder jenen Studiengang nicht zustimmend zur Kenntnis nimmt oder empfiehlt, obwohl sich hier bereits seit ei­nigen Semestern Studentinnen und Studen­ten eingeschrieben haben. Da sind also medizinische und psychologische Grund­kenntnisse vonnöten.

Unwissende: Was halten Sie von Vorschlä­gen, für Kommissionsmitglieder ein wenig­stens zweisemestriges, verwaltungswissen­schaftliches und -juristisches Studium... Kompromiesel: Nun zum einen wären zwei Semester viel zu wenig, und zum anderen sollte man der Kommissionsarbeit nicht den autodidaktischen Flair sympathischer In­kompetenz rauben.

Unwissende: Zuweilen wird mehr Profes­sionalität...

Kompromiesel: Ich weiß nicht so recht, wie dieser Begriff in Zusammenhang mit unse­rem Thema steht; aber wenn es denn sein muß: professio heißt doch auch Leiden­schaft, und wer wollte uns die absprechen?

Unwissende: Ja, Herr Professor Kompro­miesel. Nun abschließend eine vielleicht etwas heikle Frage: Hat die Kommissions­arbeit an der Universität Potsdam inzwi­schen sogenanntes Westniveau... Kompromiesel: Weltniveau, würde ich sa­gen, eindeutig Weltniveau. Letzten Untersu­chungen der Evaluationskommission zu Folge konvergiert an der Universität Pots­dam sowohl der Kommissionssättigungs­grad wie die mittlere Kommissionsdichte gegen eins: das bedeutet Dauersitzung. Unwissende: Dann wollen wir Sie jetzt auch nicht länger aufhalten. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Vorsitzender!

Eröffnung

18 Monate nach dem Spatenstich wurde im Dezember 1995 im Wissenschafts­zentrum Bonn, Ahrstraße 45, der Neubau des Deutschen Akademischen Aus­tauschdienstes (DAAD) eingeweiht und eine Woche später bezogen.Dieser Neubau zeigt, daß wir es ernst meinen mit dem Verbleib des DAAD in Bonn, so DAAD-Präsident Theodor Berchem, der zugleich dem Auswärtigen Amt und der Stadt Bonn für den je hälftigen Beitrag zu den 11,5 Mio. DM Baukosten dankte, er.

FRAUENFORSCHUNG VERALTET?

Zur Antrittsvorlesung Professor Dr. Irene Döllings

Ihre Antrittsvorlesung zum .Veralten der Rrauenforschung hielt Ende des Jahres '95 Prof. Dr. Irene Dölling vor Studenten, Mitarbeitern und Gästen der Wirtschafts- und So­zialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.

In einer Replik auf Herbert Marcuse und dessen pro­vokanter These vom Veral­ten der Psychoanalyse stellte die Referentin das ebenso zugespitzte Postu­lat desVeraltens der Hauenforschung 11 weniger behauptend denn subtil hinterfragend in das Zen­trum ihrer Inaugurations- vorlesung. Daß eine kriti­sche Bestandsaufnahme der tradierten Muster von Hauenforschung der letz­ten 20 Jahre, eine präzise Überprüfung des Gegen­standes und seines Ver­altens 11 vor dem Hinter­grund der Veränderung dessen, was sich als ge­sellschaftliche Wirklichkeit verifizieren läßt, sich als unabdingbar erweist, ist in der For­schung genauso unumstritten wie bei der Vöriesenden.

Prof. Dölling näherte sich diesem von ihr skizzierten Paradigmenwechsel, in einen Zusammenhang mit postmodernen Struk­turveränderungen nicht nur soziologisch, sondern auch gesamtkulturell gestellt, kom­plex und historisch. Die Wissenschaftlerin berücksichtigte dabei die Gefahr einer stark verallgemeinernden Perspektive". Ihr Vortrag zielte deshalb nicht primär aufDif­ferenzierungen zwischen verschiedenen Ansätzen und Richtungen in der Hauen- forschung". Damit implizierte er wiederum keineswegs vornehmlich Wissenschafts­geschichte. Vielmehr fungieren bei ihr Hauenforschung und Veränderungen bzw. auch das Veralten bestimmter Wissen­schaftsgegenstände als Indikatoren des

Wandels der Stellung, der Neuorientierung der Sicht auf die Hau im Raum von Gesellschaft und Öffent­lichkeit (im Sinne unter an­derem von Habermas). Der Vortrag unterstrich ei­nerseits den wissenschaft­lich-theoretischen An­spruch der Vortragenden, andererseits wurde die Problematik aber auch sehr konkret am Beispiel der Umbrüche im Osten Deutschlands seit Mitte der achtziger Jahre ausge­führt. Auf die zu Wende­zeiten proklamierte Lo­sungOhne Hauen ist kein Staat zu machen", verwies Dölling im Umfeld dessen, worum es in jener Phase ging: um eine alternative Gesellschaft. Ihr Resümee: Die Zeit des Aufbruchs und der alternati­ven Gesellschaftsentwürfe war allerdings spätestens nach den Wahlen vom 18. März 1990 zu Ende: Nun ging es für die Hauen­bewegung nur noch darum,defensiv für das Erhalten dessen zu kämpfen, was in der DDR im Zuge der Gleichberechti­gungspolitik erreicht worden war.

Neben weiteren Aspekten spielte die Refle­xion der Sprache in der Antrittsvorlesung eine Rolle. Spezifisch der Bedeutungswan­del unter dem Phänomenkontextabhän­giger Bedeutungsvielfalt wurde berück­sichtigt, d.h. auch das Bewußtmachendes­sen, was in der Sprache unterhalb der do­minanten und - zumindest zeitweilig - als legitim akzeptierten Bedeutungen an Unsichtbarem,Verdrängtem, Unbewußten existiert. EG.

Prof. Dr. Irene Dölling bekleidet an der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät den Lehrstuhl für Frauenforschung. Foto: Fritze

PUTZ 1/96

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