in einem Pilotversuch Pullover oder Kommissionstrikots mit eindeutiger Kennzeichnung aus gibt.
Unwissende: Und der Mittelbau? Kompromiesel: Ja, auch hier bedarf es einer gewissen Schulung, insbesondere, was das Protokollwesen anlagt: wenn von einer fünfstündigen Sitzung schließlich nur ein nacktes, anderthalbseitiges sogenanntes Beschlußprotokoll bleibt, so muß man sich doch einmal ganz grundsätzlich fragen, wie denn später Historiker und Hagiographen sich eines Täges ein angemessenes Bild von unserer Arbeit werden machen können. Die feinziselierten Argumente, die harmonisch-kontroverse Diskussion, Nuancen und Facetten des spiralig-zirkulären Meinungsbildungsprozesses, alles das geht dann - um das einmal so plastisch zu sagen - „den Bach runter“.
Unwissende: Gibt es denn auch in
Professorenkreisen...
Kompromiesel: Ich will das hier einmal ganz offen ansprechen, auch wenn ich manchem dadurch als Nestbeschmutzer erscheinen mag: gerade hier mangelt es trotz all dieser Doktor-Titel an ganz elementaren Kenntnissen...
Unwissende: Ein schwerer, sicher unbegründeter Vorwurf!
Kompromiesel: ... in erster Hilfe. Wir erleben immer wieder, daß Antragsteller unter Schwindelanfällen leiden oder leichtere Herzinsuffizienzen auftreten, nur weil die Kommission z.B. einige geringfügige Auflagen bei der sechsten Lesung einer Studienoder Prüfungsordnung, die bereits drei andere Kommissionen mit einigen Änderungen und gegenteiligen Auflagen fast passierte, macht. Auch psychische Komplikationen können auftreten: mancher fühlt sich leider allzu leicht erniedrigt, nur weil die Kommission bei aller kollegialen Sympathie für ein Fach diesen oder jenen Studiengang nicht zustimmend zur Kenntnis nimmt oder empfiehlt, obwohl sich hier bereits seit einigen Semestern Studentinnen und Studenten eingeschrieben haben. Da sind also medizinische und psychologische Grundkenntnisse vonnöten.
Unwissende: Was halten Sie von Vorschlägen, für Kommissionsmitglieder ein wenigstens zweisemestriges, verwaltungswissenschaftliches und -juristisches Studium... Kompromiesel: Nun zum einen wären zwei Semester viel zu wenig, und zum anderen sollte man der Kommissionsarbeit nicht den autodidaktischen Flair sympathischer Inkompetenz rauben.
Unwissende: Zuweilen wird mehr Professionalität...
Kompromiesel: Ich weiß nicht so recht, wie dieser Begriff in Zusammenhang mit unserem Thema steht; aber wenn es denn sein muß: professio heißt doch auch Leidenschaft, und wer wollte uns die absprechen?
Unwissende: Ja, Herr Professor Kompromiesel. Nun abschließend eine vielleicht etwas heikle Frage: Hat die Kommissionsarbeit an der Universität Potsdam inzwischen sogenanntes Westniveau... Kompromiesel: Weltniveau, würde ich sagen, eindeutig Weltniveau. Letzten Untersuchungen der Evaluationskommission zu Folge konvergiert an der Universität Potsdam sowohl der Kommissionssättigungsgrad wie die mittlere Kommissionsdichte gegen eins: das bedeutet Dauersitzung. Unwissende: Dann wollen wir Sie jetzt auch nicht länger aufhalten. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Vorsitzender!
Eröffnung
18 Monate nach dem Spatenstich wurde im Dezember 1995 im Wissenschaftszentrum Bonn, Ahrstraße 45, der Neubau des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) eingeweiht und eine Woche später bezogen. „Dieser Neubau zeigt, daß wir es ernst meinen mit dem Verbleib des DAAD in Bonn“, so DAAD-Präsident Theodor Berchem, der zugleich dem Auswärtigen Amt und der Stadt Bonn für den je hälftigen Beitrag zu den 11,5 Mio. DM Baukosten dankte, er.
FRAUENFORSCHUNG VERALTET?
Zur Antrittsvorlesung Professor Dr. Irene Döllings
Ihre Antrittsvorlesung zum .Veralten der Rrauenforschung“ hielt Ende des Jahres '95 Prof. Dr. Irene Dölling vor Studenten, Mitarbeitern und Gästen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.
In einer Replik auf Herbert Marcuse und dessen provokanter These vom Veralten der Psychoanalyse“ stellte die Referentin das ebenso zugespitzte Postulat des „Veraltens der Hauenforschung 11 weniger behauptend denn subtil hinterfragend in das Zentrum ihrer Inaugurations- vorlesung. Daß eine kritische Bestandsaufnahme der tradierten Muster von Hauenforschung der letzten 20 Jahre, eine präzise Überprüfung des Gegenstandes und seines Veraltens 11 vor dem Hintergrund der Veränderung dessen, was sich als gesellschaftliche Wirklichkeit verifizieren läßt, sich als unabdingbar erweist, ist in der Forschung genauso unumstritten wie bei der Vöriesenden.
Prof. Dölling näherte sich diesem von ihr skizzierten Paradigmenwechsel, in einen Zusammenhang mit postmodernen Strukturveränderungen nicht nur soziologisch, sondern auch gesamtkulturell gestellt, komplex und historisch. Die Wissenschaftlerin berücksichtigte dabei die Gefahr einer „stark verallgemeinernden Perspektive". Ihr Vortrag zielte deshalb nicht primär auf „Differenzierungen zwischen verschiedenen Ansätzen und Richtungen in der Hauen- forschung". Damit implizierte er wiederum keineswegs vornehmlich Wissenschaftsgeschichte. Vielmehr fungieren bei ihr Hauenforschung und Veränderungen bzw. auch das Veralten bestimmter Wissenschaftsgegenstände als Indikatoren des
Wandels der Stellung, der Neuorientierung der Sicht auf die Hau im Raum von Gesellschaft und Öffentlichkeit (im Sinne unter anderem von Habermas). Der Vortrag unterstrich einerseits den wissenschaftlich-theoretischen Anspruch der Vortragenden, andererseits wurde die Problematik aber auch sehr konkret am Beispiel der Umbrüche im Osten Deutschlands seit Mitte der achtziger Jahre ausgeführt. Auf die zu Wendezeiten proklamierte Losung „Ohne Hauen ist kein Staat zu machen", verwies Dölling im Umfeld dessen, worum es in jener Phase ging: um eine alternative Gesellschaft. Ihr Resümee: „Die Zeit des Aufbruchs und der alternativen Gesellschaftsentwürfe war allerdings spätestens nach den Wahlen vom 18. März 1990 zu Ende: Nun ging es für die Hauenbewegung nur noch darum, ‘defensiv’ für das Erhalten dessen zu kämpfen, was in der DDR im Zuge der Gleichberechtigungspolitik erreicht worden war. “
Neben weiteren Aspekten spielte die Reflexion der Sprache in der Antrittsvorlesung eine Rolle. Spezifisch der Bedeutungswandel unter dem Phänomen „kontextabhängiger Bedeutungsvielfalt“ wurde berücksichtigt, d.h. auch das Bewußtmachen „dessen, was in der Sprache unterhalb der dominanten und - zumindest zeitweilig - als legitim akzeptierten Bedeutungen an Unsichtbarem,Verdrängtem, Unbewußten existiert“. EG.
Prof. Dr. Irene Dölling bekleidet an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät den Lehrstuhl für Frauenforschung. Foto: Fritze
PUTZ 1/96
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