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(1.1.2019) 01
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STREETBALL ATTRAKTIVER ALS BASKETBALL

Sportsoziologen diskutierten über Sport, Jugend und Jugendlichkeit

Umfragen besagen, daß 56 Prozent der Brauen und 53 Prozent der Männer in Deutsch­land regelmäßig ihre sportliche Leistungsfähigkeit verbessern. Deshalb ist der Besuch von Fitneßcentemin, Sport schick, aber auch gesund. Jugendliche stehen hier in vor­derster Reihe. Aus diesem Grunde entschieden sich die Organisatoren der Ende 1995 ausgetragenen dreitägigen Jahrestagung der Sektion Sportsoziologie der Deutschen Ver­einigung für Sportwissenschaft (dvs) für das ThemaSport, Jugend und Jugendlichkeit.

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Mit der Vergabe des diesjährigen Kongres­ses nach Potsdam würdigte die dvs zu­gleich die im Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft am Institut für Sportwissen­schaft der Universität Potsdam geleisteten Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der sportbezogenen Sozialisations- und Ju­gendforschung. Die 70 teilnehmenden Wis­senschaftler, unter ihnen renommierte inter­nationale Fachleute, wollten mit der Tägung einen Beitrag zur stärkeren Beachtung der von ihnen behandelten Thematik leisten. Alle aktuellen Forschungsprojekte bestäti­gen diesbezüglich zwei Tendenzen. Eine Richtung ist in der Veralltäglichung von Sportaktivitäten zu sehen. Der Sport wurde inzwischen zu einem selbstverständlichen Element im Alltag von Jugendlichen, wie es sich Erwachsene kaum vorstellen können. Somit entwickelte sich der Sport zu einem festen Bestandteil der Jugendkulturen.Ob­wohl diese Freizeitbeschäftigung für Ju­gendliche eine wesentliche Lebensan­gelegenheit ist, wird sie in den entspre­chenden Untersuchungen häufig nicht thematisiert, benannte Prof. Dr. Jürgen Baur, Leiter des Arbeitsbereiches Sport und Gesellschaft im Institut für Sportwissen­schaft, Defizite. Mit dem Wandel von Ju­gend als Lebensabschnitt und von Jugend-

Bereits einer guten Tradition folgend, hatte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Eckart Klein (links), am 29. November 1995 die an der Fakultät neu immatrikulierten ausländischen Studierenden zu einem klei­nen Begrüßungs-empfang geladen. Unter ihnen waren auch zehn ausländische Stu­dierende, die im Magisterstu-diengang (Magister legum- LL.M.) einge-schrieben sind. Fünf der für ein Jahr hier ihre Ausbil­dung Absolvierenden kommen im Rahmen eines Austauschprogramms von der Uni­versität Paris X - Nanterre/Frankreich. An­wesend waren ebenfalls jene deutschen Studierenden, die einen Abschnitt ihres Stu­diums in Paris verbringen wollen. Der Ein­ladung gefolgt war auch Hubert Guichar- rouse von der Kulturabteilung der Französi­schen Botschaft (Zweiter von links). Die Stu­dierenden nutzten die Gelegenheit, die an­wesenden Hochschullehrer kennenzuler-

lichkeit als Lebensstil auf der einen Seite und der gesteigerten Dynamik der Sport­entwicklung auf der anderen Seite verände­re sich auch das Verhältnis von Jugend und Sport. Der jugendliche Sportler, der sich probierend zwischen den Angeboten hin- und herbewegt, als neuer Sportlertyp? Die Diskussion um die Individualisierung von Sportengagements und Sportbiographien ist in vollem Gange.

Im Vergleich zur Zeit vor 20 Jahren zeigt sich heute als zweite Richtung eine zunehmende Differenzierung. Der traditionelle Wettkampf­sport in den Sportvereinen bzw. Sportge­meinschaften hat sich zu einem Breitwand­sportangebot, wie es Jürgen Baurbezeichne- te, erweitert. Vom Jogging über Rollerskating bis hin zum Bungee-Jumping reicht die Entscheidungsvielfalt. Auf diese Weise ge­winnt Streetball an Attraktivität und ist dabei, dem Basketball den Rang abzulaufen.

Die Konferenz deckte aufgrund der breit gefaßten Thematik ein großes inhaltliches Spektrum ab. Es erstreckte sich vonJu­gend in Ost- und Westdeutschland" über Stationen jugendlicher Hochleistungs­sportkarrieren bis zuGewalterfahrungen in den Lebenswelten von Jugendlichen.

In einem der Hauptvorträge erläuterte Prof. Dr. Hans Oswald, Direktor des Interdiszipli-

Foto: Thbukeit

nen und mit ihnen ins Gespräch zu kom­men. Im Rahmen des Empfangs beglück­wünschte der Dekan darüber hinaus Domingos Diego aus der Republik Angola zum erfolgreichen Abschluß seines Magi­sterstudiums und überreichte ihm die Magisterurkunde. R.S.

Sportaktivitäten zählen für viele Jugendliche zu selbstverständlichen Elementen ihres Lebens­alltags, wobei sich der traditionelle Wettkampf­sportin den Vereinen zu einem breiten Angebot erweitert hat. Foto: Tiribukeit

nären Zentrums für Jugend- und Sozia­lisationsforschung an der Universität Pots­dam, Probleme des Vergleichs von Jugend­lichen aus den neuen und alten Bundeslän­dern. Oft werde bei der Bewertung des Ostens von Modernitätsrückstand gegen­über dem Westen gesprochen. Was für den wirtschaftlich-technischen Bereich zutref­fen möge, sei für das soziale und personale Gebiet differenzierter zu diskutieren. Wir solltendem Problem nicht ausweichen, denn man kann es als eine der wichtigen pädagogischen Aufgaben der nächsten Jahre bezeichnen, bei Jugendlichen gegen­seitiges Verständnis zu erzeugen, damit die Vereinigung auch im Verstand und Gefühl der Menschen vollzogen wird.

Die ostdeutschen Jugendlichen hätten nach der Wende schnell die modernen Sportar­ten aufgenommen, sagte Jürgen Baur. Heu­te gibt es nach Auffassung des Wissen­schaftlers nur geringe Unterschiede zwi­schen den Jugendlichen im sportlichen Bereich. Das belegte auch Prof. Dr. Dieter Kirchhöfer, Projektleiter im Zentrum für Ju­gend- und Sozialisationsforschung, auf der Basis seiner Ergebnisse. Trotz der Tfendenz zur Differenzierung sind jedoch deutlich soziale Zugangsbarrieren vorhanden. Im Unterschied zu einem männlichen Gymna­siasten ausgutem Hause hat das türki­sche Mädchen mit Hauptschulabschluß nach wie vor in der Regel geringere Chan­cen, einem Sportverein beizutreten, schätz­te Jürgen Baur die aktuelle Situation ein. Als Aufgabe für die nächste Zeit ergebe sich daher herauszufinden, ob soziale Unge­rechtigkeiten im Osten weniger ausgeprägt seien als im Westen. B.E.

EMPFANG FÜR AUSLÄNDISCHE STUDIERENDE

PUTZ 1/96

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