STREETBALL ATTRAKTIVER ALS BASKETBALL
Sportsoziologen diskutierten über Sport, Jugend und Jugendlichkeit
Umfragen besagen, daß 56 Prozent der Brauen und 53 Prozent der Männer in Deutschland regelmäßig ihre sportliche Leistungsfähigkeit verbessern. Deshalb ist der Besuch von Fitneßcentem „in“, Sport schick, aber auch gesund. Jugendliche stehen hier in vorderster Reihe. Aus diesem Grunde entschieden sich die Organisatoren der Ende 1995 ausgetragenen dreitägigen Jahrestagung der Sektion Sportsoziologie der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) für das Thema „Sport, Jugend und Jugendlichkeit“.
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Mit der Vergabe des diesjährigen Kongresses nach Potsdam würdigte die dvs zugleich die im Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft am Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam geleisteten Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der sportbezogenen Sozialisations- und Jugendforschung. Die 70 teilnehmenden Wissenschaftler, unter ihnen renommierte internationale Fachleute, wollten mit der Tägung einen Beitrag zur stärkeren Beachtung der von ihnen behandelten Thematik leisten. Alle aktuellen Forschungsprojekte bestätigen diesbezüglich zwei Tendenzen. Eine Richtung ist in der Veralltäglichung von Sportaktivitäten zu sehen. Der Sport wurde inzwischen zu einem selbstverständlichen Element im Alltag von Jugendlichen, wie es sich Erwachsene kaum vorstellen können. Somit entwickelte sich der Sport zu einem festen Bestandteil der Jugendkulturen. „Obwohl diese Freizeitbeschäftigung für Jugendliche eine wesentliche Lebensangelegenheit ist, wird sie in den entsprechenden Untersuchungen häufig nicht thematisiert“, benannte Prof. Dr. Jürgen Baur, Leiter des Arbeitsbereiches Sport und Gesellschaft im Institut für Sportwissenschaft, Defizite. Mit dem Wandel von Jugend als Lebensabschnitt und von Jugend-
Bereits einer guten Tradition folgend, hatte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Eckart Klein (links), am 29. November 1995 die an der Fakultät neu immatrikulierten ausländischen Studierenden zu einem kleinen Begrüßungs-empfang geladen. Unter ihnen waren auch zehn ausländische Studierende, die im Magisterstu-diengang (Magister legum- LL.M.) einge-schrieben sind. Fünf der für ein Jahr hier ihre Ausbildung Absolvierenden kommen im Rahmen eines Austauschprogramms von der Universität Paris X - Nanterre/Frankreich. Anwesend waren ebenfalls jene deutschen Studierenden, die einen Abschnitt ihres Studiums in Paris verbringen wollen. Der Einladung gefolgt war auch Hubert Guichar- rouse von der Kulturabteilung der Französischen Botschaft (Zweiter von links). Die Studierenden nutzten die Gelegenheit, die anwesenden Hochschullehrer kennenzuler-
lichkeit als Lebensstil auf der einen Seite und der gesteigerten Dynamik der Sportentwicklung auf der anderen Seite verändere sich auch das Verhältnis von Jugend und Sport. Der jugendliche Sportler, der sich probierend zwischen den Angeboten hin- und herbewegt, als neuer Sportlertyp? Die Diskussion um die Individualisierung von Sportengagements und Sportbiographien ist in vollem Gange.
Im Vergleich zur Zeit vor 20 Jahren zeigt sich heute als zweite Richtung eine zunehmende Differenzierung. Der traditionelle Wettkampfsport in den Sportvereinen bzw. Sportgemeinschaften hat sich zu einem Breitwandsportangebot, wie es Jürgen Baurbezeichne- te, erweitert. Vom Jogging über Rollerskating bis hin zum Bungee-Jumping reicht die Entscheidungsvielfalt. Auf diese Weise gewinnt Streetball an Attraktivität und ist dabei, dem Basketball den Rang abzulaufen.
Die Konferenz deckte aufgrund der breit gefaßten Thematik ein großes inhaltliches Spektrum ab. Es erstreckte sich von „Jugend in Ost- und Westdeutschland" über „Stationen jugendlicher Hochleistungssportkarrieren“ bis zu „Gewalterfahrungen in den Lebenswelten von Jugendlichen“.
In einem der Hauptvorträge erläuterte Prof. Dr. Hans Oswald, Direktor des Interdiszipli-
Foto: Thbukeit
nen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Im Rahmen des Empfangs beglückwünschte der Dekan darüber hinaus Domingos Diego aus der Republik Angola zum erfolgreichen Abschluß seines Magisterstudiums und überreichte ihm die Magisterurkunde. R.S.
Sportaktivitäten zählen für viele Jugendliche zu selbstverständlichen Elementen ihres Lebensalltags, wobei sich der traditionelle Wettkampfsportin den Vereinen zu einem breiten Angebot erweitert hat. Foto: Tiribukeit
nären Zentrums für Jugend- und Sozialisationsforschung an der Universität Potsdam, Probleme des Vergleichs von Jugendlichen aus den neuen und alten Bundesländern. Oft werde bei der Bewertung des Ostens von Modernitätsrückstand gegenüber dem Westen gesprochen. Was für den wirtschaftlich-technischen Bereich zutreffen möge, sei für das soziale und personale Gebiet differenzierter zu diskutieren. Wir sollten „dem Problem nicht ausweichen, denn man kann es als eine der wichtigen pädagogischen Aufgaben der nächsten Jahre bezeichnen, bei Jugendlichen gegenseitiges Verständnis zu erzeugen, damit die Vereinigung auch im Verstand und Gefühl der Menschen vollzogen wird“.
Die ostdeutschen Jugendlichen hätten nach der Wende schnell die modernen Sportarten aufgenommen, sagte Jürgen Baur. Heute gibt es nach Auffassung des Wissenschaftlers nur geringe Unterschiede zwischen den Jugendlichen im sportlichen Bereich. Das belegte auch Prof. Dr. Dieter Kirchhöfer, Projektleiter im Zentrum für Jugend- und Sozialisationsforschung, auf der Basis seiner Ergebnisse. Trotz der Tfendenz zur Differenzierung sind jedoch deutlich soziale Zugangsbarrieren vorhanden. Im Unterschied zu einem männlichen Gymnasiasten aus „gutem Hause“ hat das türkische Mädchen mit Hauptschulabschluß nach wie vor in der Regel geringere Chancen, einem Sportverein beizutreten, schätzte Jürgen Baur die aktuelle Situation ein. Als Aufgabe für die nächste Zeit ergebe sich daher herauszufinden, ob soziale Ungerechtigkeiten im Osten weniger ausgeprägt seien als im Westen. B.E.
EMPFANG FÜR AUSLÄNDISCHE STUDIERENDE
PUTZ 1/96
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